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Jüdische Rundschau · 1907-11-01 · Heft 44 (1.11.1907) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 44 (1.11.1907)
Date
1907-11-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite .474. % No. 44 JÜDISCHE RUNDSCHAU. י lieh die Tätigkeit der beiden Revisoren, der Herren Löwcnwald und Julius Cohn, dass die. Jahre lang fortgesetzten Untersehieife von ihnen nicht bemerkt worden sind. Wenn cs ihnen am nötigen Misstrauen gefehlt hat, so soll dass ihren Charakter nur ehren, aber sie haben zugleich ׳ damit bewiesen, dass sie absolut an der verkehrten Stelle waren. Sic sind aber auch hsutc noch in diesem ihrem Ehrenamt, während man sie doch an. andern Stellen ehrenamtlich sicher besser ,verwenden könnte.. Der Fehler im System, der es möglich machte, dass seit einer grossen Reihe von Jahren der p. Arndt die Gemeindekasse, und zwar an einer Stelle, wo es von den Allerärmstcn am allerschwqrsten empfunden wurde, allwöchentlich um 40—47 Mark schädigen konnte, war nicht bloss die priiftmgslose Unterschrift des Rcvisors, Julius Cohn, der dem Revisoramte, das er noch immer innchat, offenbar nicht gewachsen war, sondern vor allem der Grundfehler, dass eine und dieselbe Person Kasse und Bücher führte. Das hat sich im Falle Arndt bitter gerächt und wird, sobald irgend ein weniger getreuer und gewissenhafter Beamter im Bureau ist, sich wiederholen können. Aber selbst, wenn gar kein böser Wille vorliegt, kann allein schon die. Vergesslichkeit des einen Beamten in einer so grossen Gemeinde, deren Etat nicht geringer ist, als der einer Provinzialhauptstadt, zu Schädigmigen der Gemeinde führen. Da kommt z. B. eine Postanweisung — sagen wir vom Hilfsverein der Deutschen Juden — und es lässt sich absolut nicht feststellen, wieso und wofür das Geld cingeht, eben weil seiner Zeit ein Beamter im Augenblick die: Buchung vergessen hat und weil kein zweiter Beamter existiert, durch dessen Hände ebenfalls diese Sache״ zu gehen hätte. Das ist ein Fall, der jeden Augenblick eintreteu kann. Es gehört nicht einmal böser Wille dazu, um auf diese Weise Misshelligkcjtcn und ungenaue Rechnungsführung herbeizuführen. Durch dfeses falsche System wurde Arndt in die Lage versetzt, seine Eingriffe in die Kasse zu bewerkstelligen. Dazu kommt, dass es freiwillige. Kommissare gibt, die im Jahre vielleicht ein oder Spinnen und Fliegen Roman von Bagroff. Aus d. Russ. Übersetzt. (Fortsetzung.) * ״Ja,V fuhr der Rabbi fort, ״so beleckt ein blutdiirstiges Tier sein erdrosseltes Opfer, bevor es seine scharfen mörderischen Zähne hineinbohrt .... Nach diesem Besuche begann Ordzinski sich ganz sonderbar zu benehmen. Er benutzte jede Gelegenheit, jede Ausrede, um mit meiner Schwiegertochter allein zu bleiben, und wenn ihn! dies gelang, erzählte er ihr immer und irinncr wieder, wie der erlauchteste Pan Radziwill ganz bezaubert sei von der reizenden Juckmdamc, wie 'er in Wachen und Träumen an sie denke und dergleichen mehr. Meine Schwiegertochter aber kannte die süssen Reden Ordzinskis sehr wohl, und schwieg zu allen seinen Erzählungen. Das Schweigen der jungen Frau deutete sich dieser in seiner Weise und wurde dreister. Eines Tages ging seine Frechheit so weit, dass er sich in ganz gemeiner beleidigender Art über meinen Sohn ausllcss und ihr unumwunden den Vorschlag machte, von dem ״Juden“ zu lassen — und die Freundschaft Radziwills anzunehmen, wo ihrer ׳ein hohes Glück, vielleicht gar die Krone Polens winkte. Meine Schwiegertochtcr weinte vor Schmerz und berichtete alles worteinige Male je zwei Stunden Dienst im Bureau haben und für die der Beamte, der ihnen zur Kontrolle unterstellt sein soll, die absolute Autorität ist, der sic folgen. Aus dem System dieser angeblichen nmstergiltigen liberalen Verwaltung heraus wurde es'!möglich, dass d'er Beamte der Durchre.isendcnkommissioir Jahre!äug Untersehieife machte, so dass schliesslich die letzten 1300 Mark das Geringste von dem waren, um was der Steuerzahler und die Bedürftigen geprellt worden sind. Es wäre eine dankbare Aufgabe für den Gcmeindcsymlikns neben der nunmehr zu erstattenden Anzeige die Frage privatrechtlieb zu erwägen, ob man nicht zum Schadenersatz Leute hcranzichcu kann, die durch nicht genügende Aufsicht dem p. Arndt Gelegenheit gegeben haben, die Gemeinde zu schädigen. 1hne׳ Gutgläubigkeit und ihre sonstige imtadclhaftc Ehrenhaftigkeit kann sic doch nicht von den Privatanspriichcn ganz befreien, die die Gemeinde an sie hat. Man sollte dabei gleichzeitig den abgekürzten Geschäftsgang etwas komplizier:*!» und von der Kasse aus nur nach jedesmaliger Rückfrage zahlen. Vielleicht aber hat auch jetzt die Gemcindevcrwaltung wiederum keine Zeit zu diesen notwendigen Aeitdenmgcn der Organisation. Vielleicht muss sie ihre Zeit auf die Feststellung der neuen, diesmal wohl nur kleinen Fehlgriffe verwenden, die von Beamten hegangen worden sind. Der Vorstand weiss, dass \Gr die Karten meinen, die von der Kochschnle aus zur Präsentation gelangten. Es waren ja nur ISO Karten und nur zu dem ermässigten Preise von 30 (statt 0ה) Pfennig, aber im Prinzip ist es doch wohl dasselbe, ob cs sich um einen Schwindel mit Eisenhalm־ karten oder einen solchen mit Tischmarken handelt, oh Tausende oder nur 100 Mark verschwinden. Ja, aber das Wesentliche ist, dass die Karten in einem offenen Spind lagen, dass überall die Stempel hcrimilagen und dass der Zutritt zu den Bureaus eben auch nicht fcchindert war. So kamen die zwei Beamten dazu, durch die Gelegenheit sich verleiten zu lassen, und Herrn Lilicnthal fiel wiederum die Aufgabe zu, die Schuldigen zu verhören. Das ein Beamter auf diese Weise zum Schuldigen wird, der 25 Jahre lang im Dienste stellt, ist getreu dem Gatten. Dieser behandelte nun den zudringlichen Ordzinski in einer Weise, dass er die Lust vertor, dort länger zu weilen, und hierauf beschloss mein Sohn, trotz der grossen Hitze in die Stadt zurückzukehren. Als wir eines Morgens einem Brief erhielten, wonach mein Sohn gegen Abend mit seiner ganzen Familie nach der Stadt zuriiekzukehren gedachte, freute;! wir uns sehr, waren aber auch höchlich überrascht über den so plötzlich gefassten Entschluss. Nichtsdestoweniger richteten wir alles zum Empfange der lieben Gäste ein, und so verging uns der lag. ־ Es war ein sehr schwüler Abend, der ganze Himmel war schwarz bewölkt und nur auf einer Seite des Horizonts zuckte jeden Augenblick ein 'leuchtender Blitz. Drausscu war alles beängstigend still1 —- es herrschte jene Stille, die einem furchtbaren Gewitter voranzugehen pflegt. Ja, es schwebte ein schreckliches Gewitter über der mcnschcnreichen Stadt, entlud stell aber am schwersten übdr einer Familie — über uns. Ich sass mit meiner Frau am Fenster, aufgeregt in der Befürchtung, dass das Gewitter unsere, Kinder unterwegs überraschen könnte. Der Weg war nur kurz, kaum eine Stunde von der Stadt. Und so verging uns eine Stunde nach der anderen. Wir nahmen schon an, dass die Kinder wegen dos drohende,!! Wetters die Reise bis morgen verschoben hätten, und wir wollten

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