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Jüdische Rundschau · 1907-10-25 · Heft 43 (25.10.1907) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 43 (25.10.1907)
Date
1907-10-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit8 466 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 43 tüchtigen Kräfte nicht die genügende Pflege finden kann. Erst hierdurch wird es gelingen, eine grosse Anzahl von Studenten der Universität veranlassen zu können, einen Teil ihrer Zeit der jüdischen Wissenschaft zu widmen. Das Bedürfnis danach ist viel grösser als die Herren am grünen Tische glauben. Wir können dafür bürgen, dass die Vereine der jüdischen Studenten mit Freuden eine solche Gelegenheit wahrnehmen werden, ihre Mitglieder zu veranlassen, sich zu einem Teile mit den historischen und sprachlichen Studien des Judentums zu beschäftigen. Aber wir wissen auch, dass man alle Engherzigkeit und alfe Furcht abtun muss, um einen solchen Schritt zu wagen. Viel wichtiger als die jüdische Volkshochschule wäre eine solche Erweiterung der ״Hochschule“, aber die Furcht wird schon dafür sorgen, dass ein solcher fruchtbringender Gedanke entweder gar nicht oder nur sehr unvollkommen zur Verwischung gebracht wird. Man wird darauf warten, bis von anderer Seite eine Sache in Angriff genommen wird und wird dann das Hinterhersellen haben. Die Hochschule hat aber auch bisher keineswegs bloss Rabbiner ausgebildet. Aus ihren Hörern sind Pädagogen, Beamte. Archivare und alle möglichen ander» Berufe hervorgegangen, freilich sehr im Gegensatzc zu dem Willen der Lehrer und Leiter der Anstalt. Auch der Abgeordnete, der ersten Duma Dr. Schmarjah Lcwin, der keineswegs ein ״Rabbiner“ ist, und der wahrlich der Lchj-anstalt zur allerhöchsten Ehre ge- /eicht. ist ein Zögling der ״Hochschule“ gewesen. Der Fehler der Hochschule, den wir nicht bemänteln wollen, war ihr Abirren von ihren ursprünglichen Zielen. Wir glauben nicht zu irren, wenn ־.vir zu bemerken glauben, dass sie sich in den letzten Jahren diesen ersten Zielen mehr genähert hat, als das sogar in der Zeit ,brer Begrfmdting der Fall war. Mehr und mehr macht sich das Bedürfnis in der studierenden Jugend auch innerhalb der deutschen Juden geltend, auch das Judentum wissenschaftlich kennen und würdigen zu lernen. Man öffne die Pforten für Schüler und Lehrer und erkenne, dass die ׳liberale Dogmatik nicht minder Dogmatik Ist a's djU orthodoxe. Wenn die Lehranstalt für die Wissenschaft Der Meräl von Prag Einem jüdischen WSrchcn aus Polen nschcrzählt von Elsa Gumpern Vor grauen Jahren lebten in einer kleinen Stadt fern von hier zwei Männer als gute Nachbaren, davon war der eine Jude der andere ein Christ. Schmal war die Gasse, wo sic wohnten, so dass der Jude seines Nachbaren Flcischcrbttdc übersah, und umgekehrt konnte der Christ beobachten, was in dem Mchlladeu des Juden vor sich ging. Als mm einmal wieder Pessach itt’s Land kam, klingelte das Ladenglöckchcn heim Juden unaufhörlich, doch beim Schlachter war es still. Da schlich sich der Neid in das Herz des Mannes und -einen ganzen Tag beobachtete cremsiger als sonst den Mehlladen und die dort für Mazzoth eiukaufcudeu Juden. Dann ging er später noch zum Richter und klagte, der Jude habe ihm eine Summe Geldes gestohlen, und als die Häscher ztmi Juden kamen, fanden sie das Geld in seiner Truhe. Er hatte es aber den Tag über für Mehl eingenommen. Da warfen sie ihn ins Gefängnis und Weilten und Klagen war unter den Juden, denn es war die Zeit grimmer Verfolgungen gewesen, und sic erbebten vor der Vergangenheit und zitterten vor der Zukunft. Da begab es sich, dass eines Tages Kinder vor dem des Judentums diesem Ziele nachstrebt, wenn sie wahre Wissenchaftlichkcit zugleich mit echtem Judcntume Rhrt, so wird sie immer eine Hochschule des Judentums sein, auch wenn ihr der Staat diesen Namen vorenthält. Denn eine Lehranstalt für die Wissenschaft ist immer eine Hochschule. El jäql m. Totgesagt Von Morris Rosenfeld. Die Zeitungen berichten, dass ich gestorben sei. ״Das ist eine. Lüge,“ sagt die Not. ״Ich war eben bei ihm und sah, wie er litt. Ich sehe ihn immer, früh und spät. Ach, der stirbt nicht so schnell, dieser Dichter, der Israels Lieder gesungen. Er lebt und leidet wie ein Jude.“ Die Zeitungen berichteten, dass ich gestorben sei. Es scheint fast, die Welt könne die Zeit nicht erwarten, mir die letzten Ehren zu erweisen, obgleich sic noch weit davon cntcfrnt ist. niicii der ersten teilhaftig werden zu lassen. Bedenke ick. dass ich als jüdischer Schriftsteller überhaupt noch nicht gelebt habe, so iiegt in Wirklichkeit nichts Neues in der Mitteilung, dass icli tot sei. Ist es nun tatsächlich wahr, dass ich gestorben bin, so r.nsseti meine Feinde sich zu Tode ärgern, wenn sie jetzt erfahren, wie unsterblich ich bin. Ais ich die Lobsprüche las. die über mich veröffentlicht wurden, dachte ich mir. dass ich. $3 tot wie ich nun einmal bin. meinen Panegyrikern viel bessere Nachrufe gewidmet und sie ganz anders begraben hätte, a’s sie cs mit mir getan. Aber die Wahrheit ist. dass nach dem To-.'e manches dieser ״Nachrufer" kein ..Mahn*‘ krähen wird. Die Erde wird ihn! sehr leicht sein. Niemand wird ihn missen, denn ein so leichfertiger Geselle, der die Nachricht über meinen Tod in die Welt gcsetzt hat, sieht seine grösste Ambitirn darin, durch Lumpereien zu brillieren und die Welt besitzt Lumpen mehr als genug. Aber Eines erfüllt mich mit Genugtuung, dass nämlich die* jerügen. die sich über meinen ..Tod“ gefreut haben, cs jetzt oft bedauern werden, wenn ich im Traume zu ihnen kommen werde. Sie werden gar oft erschreckt aufspringen wenn ich so unerwartet vor ihnen erscheinen werde. Wenn cs wahr ist, was meine Grossmutter sagt, dass die Toten fähig seien, die Lebenden Ins fleisch zu zwicken, dann wehe euch, die iiir unter meine Krallen kommt! Und ist es wahr, dass die Nägel des Toten Im Grabe wachsen, so werde ich wohl wissen, mich ihrer zu bedienen. So viel über meinen Tod! Was kann Ich aber tun. um wieder meine Auferstehung herbeizuführen? In Europa begannen sie plötzlich Briefe in meinem Namen zu veröffentlichen, für die ich nicht irn Geringsten verantwortlich bin. Selbst die NEUE FREIE PRESSE, eine der grössten Zeitungen des Kontinents, hat Hause des Richters spielten und weil der Richter ein Kinderfreund war, trat er auf den Balkon und sah ihren Spielen zu. Und da sah Cr. wie ein Knabe als Richter den Angeklagten und die Zeugen vornahm und dann einen Topf kochendes Wasser und das gestohlene Geld holen liess. Er warf es hinein und rief: ״Wenn das Geld dem Schlachte/ gehört, werden sielt Fettaugen •auf dem Wasser bilden, gehört e,s aber dem Mchlhändlcr, so bleibt es fettfrei und trüben wird sich das Wasser. _ _ Und das Wasser trübte sich, und der Richter sprach den Unschuldigen frei und bestrafte den Verläumder. Als nun das Spie! beendet war, liess der Richter den Knaben rufen und fragte ihn, wer ihn also zu tun gelehrt habe. Und unter Tränen Bekannte der Knabe, dass ein Enge,! im Tvawme ihm so 7.uu tun geboten habe. Da dankte ihm der Richter und cntlicss ihn reich beschenkt, und am Tage der Verhandlung richtete er sielt in allen Stücken nach dem falschen Richter und sprach den Juden frei, und Friede und Freude kehrten wieder in jedes jüdische Haus ein. Und der Knabe wuchs und wurde ein Grosser in Israel und half seinem Volke in vielen Nöten und die Nachwelt kennt «ihn als den .,Meräl von Prag“,

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