Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1907)
- Date
- 1907-10-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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f u u סס Abunnementsprels einschliesslich LITERA1URULATT *itrteljährl;ch: 1. durch die Expedition: 1) in Berlin —.<w Mark, (•) nach aus- *iirts I.— Mark, c) für das Ausland 1.5h Mark. 2. (m Poshbanncment 1,25 Mark. Insenlonsprels die Viergespanne Petit-Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. Allgemeine «JlidiBclie Zeitung Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Telephon: II, 3337. Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Varia! Jüdisch• Rundschau, E. O.m. b.U, Berlin N.B4, Auguslstraus 40a. Oeschiftsstuodcn der Expedition täglich (ausser Sabbat und Sonntag) vormittags 10—I, nachmittags 3—7 Uh־ Aiic Rechte \0'!׳cha!ten. Abdruck aus der JUEDISCHEN' RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangibe gestattet. Nummer 43 Berlin, 17. Cheschwan 5668 — 25. Oktober 1907 XII. Jahrgang r» •§• al Die Lehranstalt iiir die Wissenschaft des Judentums hat ein neues Heim bezogen und liat es in Gegenwart des preussisclien Knltusministers und unter dessen freundlicher Tcilnalime cingewciht. Man mag welcher Partei auch immer im Judentume angchören, man mag noch so viel an dem bisherigen Stande der ״Hochschule“ auszusetzen gehabt haben, man muss anerkennen, dass cs ein ircudiges und erfreuliches Symptom für das Judentum ist, wenn eine Anstalt, die der Wissenschaft des Judentums geweiht sein möchte und die immer auf so schwachen Füssen stand, dazu kommt, ein ׳eigenes Heim zu beziehen. Die Lehranstalt war von ihren Begründern als eine Hochschule gedacht, in der die Wissenschaft des Judentu!ns ohne Parteigeist und nicht bloss für einen Beruf gelehrt werden sollte. Lazarus und Steinthal, Phi'ipsson und Salomen Nemnann, die an der Wiege der Hochschule gestanden haben und von denen Neumann, am Einwcilumgstagc das SS. Lebensjahr vollendete, wollte״ kein schwaches Rabbinerseminar, sondern eine kraftvolle Anstalt für wirkliche Wissenschaft und wahres Judentum gründen. Und wenn sie alle einer deutlich ausgcsrpochenen Richtung im Judentume angeliörteji, so wussteil sic doch, dass die Wissenschaft keine Parteisache sei und ebenso, dass voraussetzungslose Wissenschaft keinerlii Voraussetzungen kennen und anerkennen dürfe. Kehtc Wissenschaftlichkeit und aufrichtiges Judentum sollten di(־ Marksteine auf dem W'cgc der ״Hochschule“ sein. Dass sie nicht immer diesen Wreg innegehalten hat, darf man den Pegriindern nicht vorrcclmen. Denn ihre Schuld ist cs nicht. Der Grundfehler, den die ״Hochschule“ machte, und aus dem .alle andern Felder, die \v׳r anerkennen können, ohne damit der Anstalt nahe zu treten, M־ar der, dass s;v sich immer mehr als eine liberale Konkurrenz zu dem orthodoxen Rabbinerseminar fühlte und so zu Mirken suchte. Fs ist dabei vorgekommen, dass man Hörer, die gar nicht daran dachten, die Kanzel besteigen zu Mollen, sondern denen die Wissenschaft des Judentums die hohe, die himmlische Göttin Mar, denen sic neben ihrem Lcbensberutc, der ihnen die lunchende Kuh sein sollte, nachgehen wollten, zu veranlassen versuchte, Predigtiibungen mitanzuhören und mitzumachen, die ■ihnen fern liegen uiussteji. Es hat auch Zeiten gegeben, m o die Lehrer, alt und schwach Maren, oder mo Lehrer Märkten, die vielleicht m issenschanüch bedeutend sein mochten, die aber der Myrihe in der Wüste glichen, mit denen der Talmud Gelehrte vergleicht, die ihre Gelehrsamkeit mangels eines pädagogischen Talentes nicht Meiler fortpflanzen könne״. Aber zu allen Zeiten Mar doch das Prinzip der freien Wissenschaft so geMahrt m ic in der Alliance Israei'te Universelle das jüdischnationale Grundmoment selbst zu den Zeiten, mo in der Praxis das einseitige Franzoscntum seine Orgien feierte. Der Grundfehler der ״Hochschule“, aus dem alle andern Fehler hei vorgingen, jst das Missverständnis, dass sie ein Rabbinerseminar sei. ohne doch diese Aendcrung anzuerkennen oder vorzunehmen. Man kann eben auch in der m issensehaftlichen Welt nicht auf zmci Stühlen sitzen. Nach der einen Seite musste man völlige Freiheit verlangen, nach der andern Seite eine gcM־isse Gebundenheit und die richtige Mittelstrasse konnte man nicht immer finden. Wir machten schon vor Jahren den Vorschlag, in der Art der freien Habilitation neue junge Kräfte heranztiziehcn, aber Mir fanden damals dafür keine Gegenliebe, ln der Theorie wenigstens ist man diesem imsertu Wunsche nahe gekommen, indem es nomine1! bereits eilen Privatdozenten dort gibt. Dies ist der neue NVeg, auf dem man fortschreiten muss. Aber damit durchbricht dit ..Hochschule“ bercits Mieder den engen Rahmen, die Schranken, die sie sich im Gegensätze zu dem Willen und der Absicht ihrer Begründer selbst gezogen hat. Sie sollte dieses Institut der Pnvatdozmtcn im weitesten Masse ausbauen, weil daran allein die GeMühr der freien Hochsehnte und des jungen Kräftezuflusses liegt, dessen sic bedarf. Hierin ist auch allein die Möglichkeit gegeben, dass eine Reihe von notMcndigcii Fächern unterrichtet M'erden können, für die die, Dozenten fehlen und die an einer Hochschule fiir d'e Wissenschaft des Judentums M׳ohl Raum finden sollten. Wir nennen nur Geographie und die Gefjitichto Palästinas, dw Wissenschaft des alten Orients, eine Reihe von orientalischen Sprachen, Statistik des Judentums, Jüdische Kulturgeschichte, wozu vielleicht auch jene jüdische Kunst gehört, von der bei der Einweif1ungsfc:cr das schöne Wort fiel, dass sic ebenso M׳enig existiere, m ie die jüdische Wissen- Schaft. Dahin gehören die ganzen historischen Hilfs- Wissenschaften. Aber auch die indische Geschichte gchört dahin, die in dem cngien Rahmen heute trotz der