Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1907-10-18 · Heft 42 (18.10.1907) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 42 (18.10.1907)
Date
1907-10-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2651500-2651542--05114-2662121
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 462 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 42 notwendig sei. Herr Dr. Nathan gewann die Ueberzeugung \ von der Notwendigkeit, dass das Unterstiitzungswerk des Hilfsvereines der deutschen Juden schon jetzt hier weiter auszudehnen ist. und bemüht sich eitrigst, in den Abendstunden, die er in Gesellschaft des Herrn Rabbiners Dr. Markus und der Herren Dr. Wcllisch, Dr. Ncufoch, H. G. Rcisner verbrachte, die Eindrücke des Tages zu sammeln und einelf' Plan für das weitere Vorgehen des Hilfsvereins in Konstantinopcl zu ent■ werfen. Man kam überein, dass das Or-Thora-Komitcc, dem der Kaimakam Effcndi und der Präsident des ״Jüdischen Millet“ (Nation). Jakob Bey de Leon augehören, sich zu einem Zweigkomitec des Hilfsvercines der deutschen Juden konstituieren soll. Ferner wurde beschlossen, die Or-Thora-Schule in Oalata zu einer scchsklassigcn Mittelschule auszubaucn. sowie die Scror-Hachaimschulc in Haskiöj. die fünf Klassen zählt, und die vierklassige Achridaschule in Balat durch Ansetzung von geräumigen Kindergärten zu erweitern und zu vervollkommnen. Diese drei Schulen unterstehen der Leitung und Inspektion des Herrn Direktors Dr. D. Markus und des obgenannteu Zweigkomitces. Ein bierehrlicher Fuchs kreidet ihn an Anlässlich der Kontroverse des Herrn Brainin über seinen Angriff an! t'ssischkin. die den Lesern der JÜDISCHEN RUND- SCHAU bekannt ist. bringt der sattsam bekannte Redakteur der Wiener NEUEN NATIONALZEITL'NO. Herr S. R. Landau, einen Artikel ..ln eigener Sache", dessen wesentliche Säue iiir unsere Leser abzudrucken wir für richtig finden: ,.Die in Berlin erscheinende Wochenschrift JÜDISCHE RUNDSCHAU' wird von der zionistischen Partei Deutschlands scutenlert and von Herrn Dr. Heinrich Loewe geleitet. Herr Dr. Loewe ist auch Sciiriitsteller und dabei recht zahm. W enn wirklich etwas Wildes geschrieben w erden soll, dann versteckt sich der Lcewe; zum Vorschein kommt Heinrich Sachse. Er hielt sich daher für verpflichtet, über Ruhen Braiuin persönlich herzutalle.1 und bei dieser Gelegenheit auch dieses Blatt, das bisher vor! ihm gar keine Notiz genommen, an/11rempeln. Er schrieb folgendes: — (s. RUNDSCHAU No. 41). Aut diese Schmähn!־.* sandte Rüben Brainin dem Blatte nachstehenden Brief: (s. RUNDSCHAU No. 41) ״Es kann nicht unsere Sache sein. Ruhen Brainin in Schutz zu nehmen. Er (Brainin) ist doch kein Parteischmarotzer, der schon heute daran denkt, wer morgen an das Ruder kommen könnte, um diesen! naclizulaufen.“ ״Herr Locwc-Sachse hat daher auch in seinem Artikel gegen Brainin besonders unterstrichen, dass cs die t e r r i - torialistischc NEUE NATIONALZEITUNG war, in der Brainin seine ״unfairen“ Angriffe gegen Ussischkiu richtete. Als Brainin den tcrritorialistischcn Charakter dieser Zeit- Schrift bestritten bat, betonte Herr Locwe-Sachsc. dass er die NATIONALZEITUNG deshalb für tcrritoralistiscli anzuschcn berechtigt sei, weil sie erstlich cs ist (!), und weil sic sich, ohne zu widersprechen, wie unseren Lesern bekannt ist. von den Poscnscheu Territorialistcn in Anspruch nehmen liess.“ Jedes Wort eine Lüge! Es ist aber eine Kühnheit sondergleichen, wenn Herr Locwc-Sachse seinen Lesern zu erzählen sich untersteht, dass sich die NEUE NATIONALZEITUNG von den Poscuschcn Territorialistcn in Anspruch nehmen liess. Mir ist davon nichts bekannt,!ch bezeichne daher die Aeusserung des Herrn Loewe-Sachsc als eine bewusste Unwahrheit. Wenn es Herrn Locwc-Sachse interessiert, so kann ich ihn noch darauf aufmerksam machen, dass die NEUE NATIONAL- ZEITUNG ihre meisten Poscncr Territorialistcn als Abonnenten verloren hat. weil sie ihnen zu wenig territoi'ialistisch ist. fch ziehe jedenfalls jiidischnatinnalc Territorialistcn den Zionisten vor. die mit Ihrem Deutschtum renommieren. Die NEUE NATIONALZEITUNG ist nicht in der Lage, das zionistische Partcihlatt in Berlin als sein Vorbild anzuschcn.“ Das Ist das Wesentliche des Artikels, den Herr Landau zur Verteidigung des Herrn Brainin drucken liess und aus dem ich soviel reproduzierte, als ich nach dem Pressgesetz darf, ohne uns straffällig: zu machen. Ich gebe hiermit den Zionisten Deutschlands von diesen Angriffen Kenntnis, dann( sie sica klar darüber werden, mit wem sic es bei mir zu tun haben. Heinrich Locwc-Sachse. ־*••.. * * 1 ,, \»* ^—1 Sprechsaal EEF P8r 41« Mitteilungen an dieser Stelle. Übernimmt die Redaktion nur die pressgesetzllche Verantwortlichkeit I. In! Heft 1 des neuen KUNSTWARTjahrgangcs vom L Okt• kann man die Klage eines braven Christen vernehmen, dass die neu erbaute Kirche in Chemnitz, die anfangs jedes Bürgers Herz mit Stolz erfüllte, ihm ganz verleidet ist, weil sie noch einmal ganz ähnlich aufgeführt worden ist und zwar als Synagoge. Der KUNSTWART begleitet diese Ausführungen mit ein paar weisen Worte». Ich sehe den Grund nicht ein. wieso Christen sich darüber beklagen sollten, es heisst denn nur deshalb, weil sie nichts mit Juden gemeinsam haben sollen. Sicherlich hat doch der Erbauer keine allzugrossen Abweichungen von dem traditionellciL Kirchenbau gemacht. Viel schwerere Schmerzen muss das den Juden bereiten. Haben wir denn keine Synagogentraditio!!? Haben die Juden denn nicht ln ihrer langen, schweren Geschichte einen eigenen Stil für die Synagogen gefunden. Ich meine, wir könnten getrost an eine vorhandene Tradition, wenn sic auch noch so weit zurüeklägc, anknüpfen: die Lebensbedinguiigen der Juden haben siel! nicht sehr geändert. Dass wir im Goitis leben muss den Baustil der Synagogen und ihre Anlage beeinflussen. Müssen wir zwischen maurischem und romanischem Stile hin- und herwanken? Uml. wenn cs keine Tradition gäbe, wird es denn keinen jüdischen Architekten gehen, der einen eigenen Stil für den Tempel schafft? Aber man gibt ja den Bau der Synagogen Jude!! und Christei! gleich gern in die Hände, obwohl ich noch nie gehurt habe, dass Christen einem Juden den Auftrag zum Bau einer Kirche gegeben. Aber wir sind immer tolerant, selbst da. wo die Toleranz ein Unsinn ist. Mögen die jüdischen Architekten sehen, w׳ic sic weiter kommen, wir haben keinen Grund ihnen den Christen vorzuziehen. Ich denke die Lutliersynagoge, wie der brave Christ sic nennt, gibt uns mehr, als ihm zu denken. W. L. II. In Heft 324 der DEUTSCHEN CONEECTION ist auf Seite 6 wörtlich folgendes zu lesen: ״Wie die jüdische Firma M. Forell & Co. antisemitische Propaganda guthci'sst. ״Der Zweck heiligt die Mittel.“ diesem Grundsatz huldigt auch die Firma Forell & Co. Als der erwähnte SchÖnkneclit von ihr nach Gumbinnen, dessen Bevölkerung sehr antisemitisch gesinnt ist. gesandt wurde, empfahl ihm Herr Sachs, sich dem Lokalkolorit anzupassen und ebenfalls auf die Juden zu schimpfen. Madien Sie ״Risches" so viel Sie wollen, aber 1nachen,Sie Geschäfte — waren seine Worte.“ . V Pfui Deibel! III. Von befreundeter Seite wird mir das Original des folgenden Briefes zur Verfügung gestellt: München, den 11. September 1907. Herrn Dipl.-Ingenicur. In höfl. Beantwortung Ihres Briefes vom 16. v. M. stellen wir Ihnen anheim, sich auf unseren! Bureau vorzustelleii. Wir bemerken jedoch dass wir Herren jüdischer Abkunft nicht beschäftigen, und bitten wir, dieses zutreffenden Falles zu berücksichtigen. Hochachtungsvoll Technisches Bureau Civilingenieur H. Degenhardt 6c Co., Conimandit-Gescllschaft. Ich gehe hiervon jüdischen Interessenten Kenntnis, damit sic es vermeiden, durch etwaige geschäftliche Beziehungen die Herren Degenhardt & Komp, in ihren »semitischen Anschauungen zu verletzen. IV. Das WIESBADENER TAGEBLATT enthält die folgende liberale Anzeige: Jüdische Geistliche werden nachgewiesen, welche Trauungen ohne Rücksichtnahme auf veraltete rituelle Hindernisse vornehmen. Erfordernis: Vorhergegangcne Ziviltrauung. Anfragen bef. unter F. T. 8v83 die Annonccn-Expedition Daube <5c Co.. Frankfurt a. M. Man sieht, es handelt sich um ein liberales Reformgcschfif t. *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.