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Jüdische Rundschau · 1907-10-18 · Heft 42 (18.10.1907) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 42 (18.10.1907)
Date
1907-10-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Seite 463 No. 42 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Allerlei Vor noch nicht zweihundert Jahren. Es ist auch eine Anzeigung ihrer sonderbaren Freude, dass sie zu solcher Zeit, wanns Purim-Fest ist, spielen; Wer ausführlichen Bericht verlangt, von denen manchcrlcy Spielen der alten Juden, wird davon vergnügliche Nachricht finden bey Herrn Wagenseil in der Beschreibung der Stadt Nürnberg, Cap. 22. p. 164 seqq. Heut zu Tage haben die teutschen Juden, sonderlich in Franckfurth, nur zweymal des Jahres zu spielen Erlaubnuss, als aufs Purim-Fest, so gegen Ende des Februarii füllt, und aufs Fest Chanuchali. oder der Einweyhung des Tempels, I. Mach. 4, 52. ss., dessen auch Joh. 10, 22. gedacht wird, so allemal den 25. des Monaths Kislev, so mitten im Dccembcr (als anno 1713 war es auf Lucian den 13. December) fällt, da die Jude grosse Freude mit Lichter anzünden haben, und vor gebe 11, dass damals ein Kriiglein heiliges Oehls gesunden worden, so nur einen Tag hätte brennen können, durch ein Wunder aber acht Tage gebrannt, bis man wieder neu heiliges Ochl verfertigen und herbeyscliaffen könneu. Auf diese Feste spielen sie nun Jedesmal acht Tage, wozu ihre Vorsteher insgemein noch zwey Tage, dass cs zehen sind, hinzu setzen, weil in solchen achten Tagen zwey Sabbath Täge, an welchem sic nicht spielen dörfien, cinfallen, würden also nur sechs Spiel-Tügc haben, dahero werden noch z\vcy Tage zugegeben, damit die acht Spiel-Täge voll seyn; sie spielen aber nicht mit Wiiriieln (als was etwan liederliche Lumpen sind), dahero auch das Bretspiel bey ihnen rar ist, sondern mit der Karte allcrlcy Spiel, als Kaufilabethe, Trisehaken. ä lombre &c. Anno 1711. Nach dem grossen Brand hat die Franckfurter Jüdische Gemeine einen Schluss gemacht, dass in 14 Jahren solche Spiele, aus Betrübnuss und Busse, sollen unterlassen bleiben, doch dass bey Kranken und Kindbetterinnen zur Lust, und ihnen die Zeit zu vertreiben, zu spielen vergönnt, und dann das Schach-Spiel, welches das gantzc Jahr ihnen erlaubt ist, auch jetzo nach dem Brand, dahero juich einige vcrmögliche Juden solches Schach-Spiel ih!c Kinder lehren und iniorinicren lassen, weil es nicht so gewinnsüchtig, hingegen den Verstand schärifet, und nachdcnklich ist. Weil nun aber diese beyde Spiel-Zeiten eben in die Heilige Zeit der Christen fallen, als das Purim in die Passions- und Chanucha in die Adventszeit gegen Weynachten, so sind einige Christliche Lehrer, nicht ohne Ursacli auf die Gedanken verfallen, ob nicht solches mit Flciss, und zu Beschimpiung der־ Christi, heiligen Zeit also von ihnen verleget worden, wie sic dann der Zeit, wie wir oben Cap. 17 § 20 ein Exempel angeführt, sonderliche Üppigkeit treiben. Allein, weil diese Feste von unsern heutigen Juden nicht erstlieh, erfunden, sondern von Mardochai das Purim- und von Juda Machabäo' das Chanucha-Fest. da man an unsere Christliehe Fcyer-Zciten noch nicht gedachte, auf diese Zeit verlegt worden sind, auch von ihnen Jederzeit mit allerley Lust, Freude und Kurtzweil begangen worden, so woltc ich meines Orts dieJuden eben mit solchem Verbot nicht belegen; halte aber do&h indessen dafür, um solch Aergerniss so solcher heil. Zeit zu verhüten, die Christi. Obrigkeit könne sie mit allem Fug und Recht anhaltcn, dass sic entweder diese beyden Feste ausser unsern heiligen Tagen auf andere Zeit verlegen, und alsdann nach Gefallen spielen sollten, oder, sic möchten diese Feste zu solcher Zeit feyern, dabey aber alles üppige Spielen und Bossheit unterlassen. Das erste wäre um so viel leichter, weil es nicht von Gott, sondern von Menschen eingesetzte Fcycrtägc sind; das andere aber, wo sie Ja zu spielen so grosse Lust hätten, mögten sie sich andere Zeiten darzu bestimmen; müssen sic doch sonsten sich nach unserer Heil. Fasten-Zeit darein richten, dass sie keine Spicllcuthc bey ihren Hochzeiten haben dörffen, wie wir dessen ein Excmpcl oben Cap. XVII, § 20 bciygebracht haben. Nach hiesiger neuen Stättigkeit ist denen Juden alles Spielen (wie unten am III. Thcil p. 169 zu sehen) in Franckfurt verbotten, wie es dann § 41 lautet, auch sollen sie in der Stadt Franckfurt Gcbiethcn und Termine*׳ nicht spielen, noch das gestatten oder halten, in gemein und insonderheit in ihren Häusern, bev den Foenen, und in der massen der Rath sie antreffende gebotten und gesetzt hat. Sie spielen aber gleichwohl nicht allein für sich, sondern kommen auch wohl Christen zu Ihnen, und spielen halbe und ganze Nächte mit ihnen. Aus: Johann Jacob Schild(: Jüdische Merckwürdlgkeltcn. Franckfurt und Leipzig 1714. Buch VI, Cap. 35. § 21, Seite 316-319. Kleine Mitteilungen Berlin. Der Verein zur Förderung jüdischer Kunst veranstaltetc am Sonntag, dem 13. d. Mts. im Klindworth-Scharwcnka-Saal seinen ersten musikalischen Abend in dieser Saison. Selbst» wenn man einen strengeren kritischen Massstab anlcgt, als es sonst bei derartigen Veranstaltungen, die einem so schönen Zwecke dienen, zu geschehen pflegt, kann man den Verlauf des Abends als einen überaus ,zufriedenstellenden bezeichnen. Sämtliche Künstler gingen mit Lust und Liebe an ihre nicht immer leichten Aufgaben und entledigten sich ihrer mit grossem Geschick. Max Modern und Alfred Simon, der während sämtlicher musikalischen V01 träge auf dem Klavier meisterhaft begleitete, brachten eine Goldmarck'schc Suite in orientalischem Stil ganz prächtig zu Gehör. Frl. Vera Goldbergs herrlicher, klangvoller Alt erntete stürmischen Beifall für die vortreffliche Wiedergabe Rubinsteinschcr Gesänge und jüdischer Volkslieder, ebenso L c o G o 11 a n i ר s volltönender Tenor, der ausser Volksliedern noch unter anderem Kompositionen von Brüll (Das hohe Lied, Jcliuda Ha!evys Trinklied) vortrug. Herrn Kop ין e I s packende Rezitationen von ״Delilas Tanz" (Huldschiner) und ״Leclm Datidi״ (Sigel) gefielen rngcmcin und sein Vortrag einer lustigen Erzählung Schol.un Alcichems entfesselte wahre Heitcrkcitsstürmc.^ Des veistorbencn Prof. Ignatz Briil! wurde von Bogumil Zcplcr ii: einem besonderen Nachrufe gedacht. Wie bereits erwähnt. wa> üer genussreiche Abend ein schöner Erfolg der jüdischen Kunst und des Vereins, der sich ihre Fliege so eifrig angelegen sein lässt. . If. G—r. Berlin. Der Jüdische T1.׳rnvcre,n ״Bar Kochba“ turnt: I. Männer-Aht.: ür. llamluirgerstr. 27 Dienstag. Donnerstag und Sonnabend 5 1U Uhr: II. Mätmer-Abt.: Kaiscrstr. 29'30 Montag h 10 Uhr; IV. Mänuer-Abt.: Niederwallstr. 7 Dienstag und Donnerstag 8 10 Uhr. I. F.־auen-Abt.: Auguststr. 6?'os Montag und Donnerstag S—10 Uhr: II. Frauen-Abt.: Schicswigernfer 14 Montag und Donnerstag 5 9U• Uhr; III. Frauen- Abt.: IfilaiHlstr. 9'1J Mittwoch und Sonnabend!aS- -‘.ג!m Uhr. Lehrlings-Abt.: \\ eissenburgerstr. 4a Montag und Donnerstag 8 10 Uhr. Mädchen-Abi.: Auguststr. 67/6S Montag 6-7U• Uhr. Alte Herrenriege: Gr. Hamburgerstr. 27 Dienstag und Donnerstag 8—10 Uhr. Gäste stets herzlich willkommen. Anmeldungen werden auf den Turnsälen cntgegengenonimen. Berlin. Am 22. Oktober d. Js. findet die Einweihung des nenerbauten eigenen Hauses der Lehranstalt für die Wissen- Schaft des Judentums Artillericstr. 14. statt. Berlin.^ Zwecks Einführung des Turnunterrichts in den jüdischen Zentren Palästinas reist nächster Tage unser Gesinnungsfreund Herr Gcnscrowski, der soeben aus Amerika zurückkehrtc, im Auftiagc des Aktionskomitees ab. Budapest. Im Alter von 93 Jahren ist Professor Moses Bloch, nachdem er 37 Jahre als Rabbiner und 30 Jahre als Direktor der Landcs-Rabbinerschule amtiert hat, in den Ruhestand getreten. Budapest. Der Kultus- und Unterrichts-Minister hat den Csongradcr Rabbiner, Dr. Michael Outtmann — vorläufig in provisorischer Eigenschaft — zum ordentlichen Professor des Landes-Rabbiner-Seminars ernannt. Warschau. Wie die Blätter berichten, hat der Lodzer Einwolmer Jakob Hertz, um das Andenken seines frühzeitig: verschiedenen Sohnes zu ehren. 100 000 Rubel zur Gründung eines ״mosaischen“ Lehrer-Seminars in Warschau gespendet. Das Seminar wird den Namen tragen: ״L e h r e r - S c m i n a r mosaischen Glaubens der Stiftung Le 011 H c r t z“. Die Verwaltung des Seminars übernimmt die Warschauer jüdische Gemeinde. Wien. Die vor den Ferien gepflogenen Beratungen über die Schaffung einer unserer jüdischen Jugend im besten Sinne des Wortes angemessenen Literatur sind in den Ferien zu einem Stadium gediehen, in dem mau dieser angestrebten Sache ein sehr günstiges Prognnstikon stellen kann. Es wurde mit einem tatkräftigen deutschen Verleger ein Einvernehmen getroffen, das alle, die sich für die so brennende hochaktuelle Frage interessieren, aufs lebhafteste befriedigen wird. Montag, den 7. Oktober d. J. um 6 Uhr abends fand in der Bibliothek der Wiener israelitischen Kultusgcmcinde. II.. Ferdinandsstrassc 23, I. Stock, eine Zusammenkunft von Männern statt, welche sich ihr diese Angelegenheit lebhaft interessieren. Nach einer eingehenden Debatte einigte man sich in folgendem Beschlüsse: ״Die heutige Versammlung beschliesst. einen Verein zur Schaffung von Jüdischen Volks- und Jugcndblbliotheken ins Leben zu rufen. Dieser Verein wird cs als seine Aufgabe betrachten, einerseits auch die Schaffung guter neuer Jüdischer Jugendschrlltcn in geeigneter Weise zu fördern, andererseits die Errichtung von jüdischen Bibliotheken auch

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