Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1907)
- Date
- 1907-10-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651500-2651542--05112-2662119- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 460 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 42 Juden und des Herrn Professor Warburg. dem eine bestimmte I Summe speziell für Emigrationszvccke zur Verfügung steht. . zur gewinnen. Gegenwärtig funktioniert in Odessa ein Bureau, [ welches auf die zahlreichen schriftlichen und mündlichen An* fragen in allen Angelegenheiten, die das Ansiedlungswescn in Syrien und Palästina angchcn, unentgeltlich Auskunft erteilt. Das Bureau versieht die nach Palästina Reisenden mit Fahrkarten der ״Russischen Gesellschaft für Schiffahrt und Handel“ bei einer Ermässigung von 40 Prozent für die dritte und 30 Prozent für die erste und zweite Klasse, ferner mit Landungs* scheinen für Jaffa nach einem festgesetzten Preise. Das Burcau ist ferner bemüht, den Reisenden die Erledigung all der Formalitäten und Geschäfte beim Erlangen und Visieren der Auslandpässc und dcrgl. 7.11 erleichtern. Ein zweites Bureau funktioniert in Konstantinopel. Seine Aufgabe ist. den Passagieren die Erlangung eines türkischen .,Tcskere" (Aufenthaltsbcwilligung), das Umstcigcn auf einen anderen Dampfer bei gegebenen Falle, den Geldwechsel, die Landung usw. zu erleichtern. In Syrien und Palästina sind in Beirut. Chaifa, Jaffa und Jerusalem Bureaus, in Aleppo und Damaskus Agenturen eingerichtet. All diese Bureaus und Agenturen stehen den atigekommenen Emigranten zu Diensten, indem sie sie unentgeltlich mit einleitenden Informationen zwecks Niederlassung im Lande versehen. Von nicht geringerer Bedeutung ist cs. dass all diese Bureaus damit beschäftigt sind, allerlei auf die juridische, ökonomische, kulturelle und andere Seiten des Lebens im Lande sich beziehendes Material zu sammeln. Dieses Material wird sorgfältig geprüft, systematisiert und. nach Massgabe der Anhäufung, zur Veröffentlichung verbreitet. Wir betonen nochmais: das Informationswerk ist sehr schwierig und verwickelt lind erfordert iciehc Mittel, wie auch Leute mit spezieller Vorbcreitung; nichtsdestoweniger ergab die Erfahrung im Laufe des Jahres bereits manch positives Ergebnis. Indem das Komitee von der enormen Bedeutung der ״Gefilath Maarez“ (des Aufkauis des Palästinischen Grund unJ Bodens) ausging, beschloss cs. aus seinem bescheidenen Budget zu diesem Zwecke nach Kräften beizutragen und gewährte einer Gruppe von Arbeitern und einer solchen von kaukasisehen Bergjuden eine langfristige Anleihe (ca. 50 000 Frcs.) behufs gemeinsamer Erwerbung des Landstrichs Beer- Sc ha 10m in der Nähe von Ramleh. wo eine neue Kolonie gegründet werden soll. Das Komitee ist sich dessen wohl bewusst, dass der Auskauf des Bodens eine Sache weitgehender Privatinitiative, ferner der anderen, grösseren und reicheren Organisationen sein muss, bei alledem erachtet cs dasselbe aus prinzipiellen Gründen für seine Pflicht, alljährlich auch sein Scherflein für diese heilige Sache beizutragen. Das Komitee beschäftigte schon lange Zeit die Frage der Schaffung von billigem ״Klein-Kredit", welcher dein palästinisehen Handwerker und kleinen Gewcrbsmann die Möglichkeit geben würde, sich ökonomisch zu behaupten und den Druck des Wucherers zu vermeiden, hn Berichtsjahre ist dies endlieh gelungen: das Komitee hat gemeinsam mit der Anglo Palcstine Company in Jaffa eine Gesellschaft für billigen Kredit gegiündct, zu deren Grundkapital das Komitee 50 000 Frcs. beigetragen hat. ׳ Die schwierigen Bedingungen, auf die die neuen Ansiedler der Städte und Dörfer Palästinas stossen. führen oft dazu, dass man ihnen neben Anleitung und Information auch noch Geld- Unterstützung gewähren muss. Während aber das Komitee irgend welche derartige Unterstützung einzelner Perso neu als unzvvcckmässig unwiderruflich ahgclelmt hat, entschloss cs sieh für das System der Unterstützung von Organ'!- sationen und Institutionen, welchen dadurch die Möglichkeit geboten wird, sich zu befestigen und zu entwickeln. Im verflossenen Jahre bezog die jüdische Bevölkerung der Städte Jaffa und Ramleh und der Kolonien Chcderah. Kastinic und Artuf vom Komitee Subsidicu für verschiedene gemeinnützige Zwecke, so z. B. für die Besoldung und Unterhaltung eines Arztes, eines Arztgehilfen, eines Krankenhauses, von ..Schochtim", einer Volksküche, ferner für Grenzschutz. Entrichtung von Steuern, Führung eines Gerichtsprozesscs wegen Grenz- Streitigkeiten mit Arabern u. dcrgl. m. Der Organisation der jüdischen Arbeiter * kam das Komitce durch Assignierung von 35 000 Frcs. zwecks Errichtung billiger Wohnungen zu Hilfe. Gegenwärtig wird bereits in den Kolonien Wad-cI-CI1anin und Reehoboth an den Bau dieser Wohnhäuser geschritten, Seine besondere Aufmerksamkeit wandte das Komitee der Erziehung des Heranwachsenden Geschlechts in Palästina zu. In der zuversichtlichen Hoffnung in nächster Zukunft auf palästinischem Boden em neues, junges, physisch und moralisch gesundes Element vor sich zu haben, welches seinem Volke, seinem Lande und seiner Sprache ergeben Ist, die Arbeit und Unabhängigkeit liebt und mit allgemeinen Kenntnissen in genügendem Masse ausgestattet ist, um den Kampf um das unabhängige Dasein mit Würde und Erfolg führen zu können —• widmete das Komitee einen beträchtlichen Teil seines Budgets dem Schul- und Erzichungswcscti. Die sicbcnklassigc Mädchenschule in Jaffa, die von ca. 300 Schülerinnen besucht wird, war Gegenstand der besonderen Fürsorge des Komitees. Diese Schule kam dem Komitee im Berichtsjahre auf beinahe 20 000 Frcs. zu stehen. In demselben Jahre ging das Komitee an die Errichtung eines eigenen Geländes für die Schule: das Gebäude wird, abgesehen vom Bauplätze (ca. 50 000 Quadratmeter im Zentrum der Stadt) einen Kostenaufwand von 50 000 Frank erfordern, dessen grösseren Teil das Ehrenmitglied uuserer Gesellschaft. Herr J. Feinberg, gespendet hat. Auf diesem Gebiete erhielten noch von! Komitee in grössc rem oder geringerem Umfange Unterstützungen die folgenden Institute: In Jaffa: Schule für die Emigrantenkinder, Kurse fiir arabische Sprache, hebräische Gymnasium, Bibliothek. Kindergarten; in Jerusalem: Nationalbibliothek. Kindergärten, Bezalci (das Komitee übernahm die Besoldung eines Lehrers der hebräischen Sprache und die Einrichtung und Erhaltung einer Werkstätte für Steinmetz); in Saficd: Kindergarten; in Beirut: Schule; in den Kolonien Gedcrah. Chcderah, Artuf, Reehoboth, Mozza, Wad-el*Chanin und Kastinien: Kindergärten und Schulen, ln der Kolonie Wad-el Chanin errichtet gegenwärtig das Komitee ein Schulgebäude, das den Namen Lo.sinski's tragen wird; den grösseren Teil der Baukosten spendeten die Mutter und Ereimde des Verewigten. Wenn wir zu all diesem noch die Assignierung von 1000 Rubel für eine gemeinsam mit Professor Dr. Warburg herauszugebende hebräische Wandkarte Palästinas, ferner die ir.oraliseke und materielle Förderung junger, aber vicivcrsprechcnder Organisationen, wie der LehrerverbanJ und der ״Palüv.'.narat" hinzufiigen. so ist damit die Arbeit unseres Komitees im verflossenen Jahre erschöpft. Klein und bescheiden ist unsere Arbeit im Verhältnis zur Grösse der Auigabe, — ״der Wiedergeburt des jüdischen Volkes im Lande seiner Vorfahren‘, und mehr als irgend jemand erkennt das Komitee selbst das Unzureichende des Geleisteten an. Eins aber dürfen wir mit ruhigem Gewissen sagen: Wir taten alles, was wir bei den Mitteln vermochten, die uns unsere Gesinnungsgenossen und Mitarbeiter zur Verfügung stellten. Indem rum das Komitee in das zweite Jahr seiner Tätigkeit cintritt, darf es seinen Mitarbeitern ruhig erklären, dass seine Statuten, sein Programm, schliesslich seine Erfahrung und sein Eifer ihm die Möglichkeit bieten, eine viel weitere, umfassendere Tätigkeit auf allen Gebieten der Neubelebung Palästinas zu entfalten. Hierzu ist aber unycrgleichüch mehr Interesse für seine Leistungen seitens der Gesinnungsgenossen, unvergleichlich mehr geistige Fühlung seitens der Mitarbeiter lind unvergleichlich mehr Einläufe seitens der Spender erfordcrlich. Darum wenden wir uns auch an Sie und hoffen zuvcrsiclitlich. dass unser Appell tiefen und lebhaften Anklang finden wird. Allen unseren Mitarbeitern und Gesinnungsgenossen senden wir hiermit die herzlichsten Glückwünsche zum neuen Jahre. Möge es ein Jahr reger und energischer Arbeit für Zion lind Jerusalem sein! Das Komitee der Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina, Odessa. Der Präsident: M. Ussisclikin. ..Rundschau *»--=■=4 Jüdische Massenmeetings Tür das allgemeine Landtagswahlrecht Lemberg. Im Sinne des von der Leitung der jüdischnationalen Partei gefassten Beschlusses setzte die Agitation fiir das allgemeine Landtagswahlrecht mit einer Reihe von Volksversammlungen am 2. Oktober im ganzen Lande ein. Auf der Tagesordnung stand neben der Frage des ah gemeinen Wahlrechtes auch der nationale Kataster. Es haben heute in ganz Galizien über 50 jüdische Volksversammlungen stattgefunden, die sich für die Einführung des nationalen Katasters atissprachen und diese ihre Beschlüsse dem Landmarschall sofort telegraphisch mitteilten. Die hier unter Vorsitz des Dr. Zioner heute stattgehabte jüdische Volksversammlung nahm nach einer sehr lebhaften Diskussion gleichfalls eine Resolution an. in der das gleiche allgemeine Landtags- Wahlrecht sowie der nationale Kataster verbogt werden. Die jüdische Bevölkerung in ganz Galizien ist entschlossen, mit