Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1907)
- Date
- 1907-10-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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;N0. 42 Seite 45.9 JÜDISCHE RUNDSCHAU. und Herren s'e zur Ordnung riefen, auf ihre weissen Haare. Die neue Eth k. di enoch von einem etwas früher stattgefundenen Tag der fortschrittlichen Frauen in Frankfurt in der Lun lag. spukte in burfitstem Tanz durch die Verhandlungen dieser Biederweiber, die durchaus keine אשת ה ל mehr sein wollen. Die Prcislcistung verfertigte aber entschieden der Aachener Fraucnvcrcin. der einen Mann als Delegierten schickte. Der Vorabend am Sonntag, dem 6. d. M., mit einer Begriissung und geselligem Zusammensein im Mädchenklub war entschieden echt jüdisch gemütlich. Die Ansprache von Frl. P a p p c n h c i m uhd das durch die jungen Mädchen des Klubs aufgeführte Theaterstückchen aus dem Prager Ghetto Hess eine echt jüdische herzliche Gemütlichkeit aufkommen und vor allem die wahrhaft reizende Gastfreundschaft der Frankfurter Damen trug dazu bei. dass man sich kennen lernte und sich näher .kam. Am Montag ging der Eröffnungssitzung die Begriissung und der geschäftliche Teil voraus. Aber schon der I. Vortrag von Frl. Pappenheim über die Sittlichkeitsfrage Hess das jüdische Here manches entbehren. Auch wenn mau sich getröstet hatte, in dem Referat alles Jüdische, zu vermissen, kann man sich doch mit Gedanken und Aussprüchen der Referentin. die von der nätinnal-jüdischcn Delegierten Frl. B a ־ 11 e 111 ־ Berlin mit Recht jüdischer A n t i s c m i t i s m u s genannt wm״n. nicht so.leicht zufrieden geben. Auch nicht, wenn dieser letztgenannte Ausspruch als unparlamentarisch zuriiekgewie,'.:! wurde, und besonders nicht, weil sich die Mehrzahl der. offenbar zu schrecklichen Missverständnissen führenden Aussprüchen der Referentin. die jüdische Frau sei nur ein Gcsc;dechtswesen und habe noch nicht so viel Recht wie ein 13j.' :.rigcr Knabe anschliesst und gar Frau F ii r 111 die Thora zur Beweisführung gebraucht, in der sie so wenig kapitelfcst ist. dass die FRANKFURTER ZEITUNG sie be* richtigen muss. Erklärlich ist. dass ein Antrag des Frl. Ba * n c t h * Berlin in der Drucklegung dieses Referats von Frl. P a p p e 1111 c i in die fraglichen* Aeusscrungen auszumerzen, mit Glanz ahgelelint wird und nur die wenigen Mutigen nani• 11aft macht, d e dann für die nUterstützung dieses ..11 n c 11 r c r b i c t i gen“ Antrags mancherlei Meinungen der Menge zu hören bekamen. Auf diese erste von stürmischer Misstimuumg durchzogene Sitzung folgte ein gemeinsames Frühstück, besser Diner,, welches eine der Frankfurter Damen allen Delegierten und Gästen gab und das von der herzlichen Gastfreundschaft zeugt. Die Nachrr.ittagssitzuug fasste Referate von Frl. Leis e r- Köhl und Frau U h 1 f e I d c r - Frankfurt. Frl. Leiser gibt eine kurze l'cbgjsicht über die soziale Bedeutung der Stellen- Vermittlung tr.i ■deren geschichtliche Entwicklung mit einem Ausblick auf dK‘־l׳fuwicklungsmöglichkeitcn derselben speziell für die Juden. "ז Frau Uhifelder berichtet über den Verein deutscher Hausbeanitinren für israelitische Töchter, dessen Hauptsitz Leipzig ist. Der Verein befasst sich nicht nur mit Stellen- Vermittlung, sondern sorgt auch für Ausbildung und Alters- Versicherungen. Als man in der Diskussion so bedauert, dass sich immer mehr Mädchen den kaufmännischen Berufen zuwenden, anstatt dem Haushalt, macht Frl. Berliner- Hannover auf die groscsn wirtschaftlichen Schäden dieses Berufes aufmerksam. Die Dariten der Leitung fanden dies recht unsittsam, da. wie man nachher in privater Unterhaltung sagte, genannte Dame wohl Veclit habe in ihren Behauptungen, aber noch zu jung sei. um Jas Recht einer Meinung zu beanspruchen. (Es scheint doch wohl gut gewesen zu sein, wenn in alter Zeit die Frauen verschleiert gingen, denn die neue Justicia ohne Augenbinde scheint arg verblendet.) In der Abendsitzung gibt Frau May• Berlin in ihrem Vortrage ״Jüdische Vereinsorganisationeu" einen kurzen Auszug aus den Jahresberichten der grösseren Organisationen. Wenn Frl. Pappen heim recht hätte mit der Behauptung ihres Lobes, dass r ich nie eine jüdische Frau so viel geleistet hätte w ie Freu M a y in diesem Referat, wäre der Wunsch, mit dem die RefetenUn ihre Worte aushl'mgen lässt, eine gründliche Erziehung der jüdischen Frau zu sozialer Arbeit, noch unangebrachter. Ob dieser 7. Oktober trotz der zufriedenen Woite von Frl. Pa ppc alte im wirklich ..ein Markstein in der Frauencntwicklung“ sein wird, muss der Zukunft überlassen bleiben. Der Dienstag-Morgen bringt das grosse Referat von Frl. W c r 11 e r - Hamburg über M ä d c h e 1111 a 11 d e I, das ganz; ungeheuere Wirkung auf die Herzen der Zuliörcrinuen aus- übte. Eine Anzahl aus demselben hervorecgangeiien Anträge und Resolut!« ׳,eil betreffs Kulturarbeit in Galizien und Bahnhofs- und ScliiffsmissUm werden glatt 'angenommen. Nur ein Antrag von den Jüdisch-nationalen Frauenvcrcinen Berlin. Kiel. Lübeck. Jüdische Mädchen nach Palästina zu immigrieren, wird als .. P 01 i 11 biP schroff abgewiesen. Das harmlose ־Wort ״P a- I ä s t i n a“ war mal wieder das rote Tuch. In der nachmittags stattfindenden geschäftlichen Sitzung nur der Delegierten kam allerlei Erspricsslichcs zustande, vor allem wurden die in Aussicht genommenen Arbeiten unter Kommissionen verteilt und über die unumgänglich notwendige Brosche gcwiclitigst beraten. Herrn Dr. J a u 111 s - Aachen schien seine Position als einziger Hahn im Korbe ein bisscheu zum Mütchen gestiegen zu sein, besonders da die Vorsitzende über seine recht üblen Witze die ganze Frauengcsellscliaft sich weidlich auslaclicn liess. Nachmittags war wieder der ganze Kongress zu Frl. Berta Pappciihcim zum Tee cingcladcn. Abends fand vor einem ungeheuer überfüllten Saale der Vortrag über ..Berufsw ahl unserer Töchter־’ von Frau F ii r 111 - Frankfurt statt, über den eine Frankfurter jüdische Zeitung sehr richtig schreibt: ..Die glänzende unsere Form dieses Vorträges stand in scharfem Gegensatz zu seiner Inhaltsleere.•• Am Mittwoch landen noch Besichtigungen der Frankfurter Wohltätigkeitsinstitute statt, die entschieden ganz, mustergültig eingerichtet und geleitet sind. Wenn dieses Eraucnparlair.ent in zwei Jahren wieder zusammeutrit. ist es hoffentlich jüdischer und ,parlamentarischer geworden. Anne Berliner. Rundschreibsn des Odsssaer Komitees Odessa. Clicscliwan 566$. Ein Jahr ist vorüber, seitdem das von der letzten General- Versammlung unserer Gesellschaft gewählte Komitee seine Tätigkeit begonnen hat. Das Komitee sieht sich mm verpflichtet, seinen Mitarbeitern über seine. Tätigkeit in grossen Linien Bericht zu erstatten.. Das Komitee sucht vor allen Dingen die verschiedenen Schichten der jüdischen Bevölkerung Russlands mit den Aufgaben und Zielen der Gesellschaft, mit der gegenwärtigen Lage des Kolonisationswerkes in Palästina und den sich uns dort crschliesscnden Perspektiven vertraut zu machen. Eine solche Vertrautheit müsste nach der Überzeugung des Komitees einerseits zur Heranziehung der Privatinitiative in Sachen der ökonomischen und kulturellen Wiedergeburt unserer alten Heimat erheblich beitragen, andererseits aberauch Interesse für die Tätigkeit unserer Gesellschaft waclirufcn und die Vcfinehruiig ihrer Mittel zur F'olgc haben. Zu diesem Zweck belief das Komitee speziell für Agitationsreisen und Organisation vier Mitarbeiter, die Herren Barnholz. Berger. Dr. Mossinsohn und Nissenbaum. die in! Laufe des Jahres das gesamte Ansiedlungsrayon bereisten, daneben auch einige Punkte des inner!» Russlands und des Kaukasus besuchten. Die Ergebnisse ihrer Reisen sicht das Komitee als durchaus positiv an. Einer weiteren Forderung der Generalversammlung, ~ der Forderung, Nachrichten über Palästina, das Leben dortseihst und die dort bevorstehende Arbeit in der Presse reichlich zu verbreiten, ־— entsprechend, schreckte das Komitee vor keinen bedeutenden Ausgaben '/.ttdiiek. So förderte cs tatkräftig den vom Komitcemitglicd Herrn Dr. .1. Sapir gegründeten B i; c 11 c r v e r 1 a g ״Palästina“, welcher im Laufe des Jahres acht Bi ״schüren publizierte, ebenso wurde der Wochenseliriit JEWREISKAJA MYSLI. deren ..Palästina"-Rubrik vom Komitee geleitet und mit Artikeln und Informationen versehen wurde, eine Subvention zugewlesen. Der sog. ״Kopeke- B i b 1 i o 111 e k“ stehen für Publikationen, die Palästinafrage!) betreffen, seitens des Komitees Redaktionskräfte und Geldmittel zur Verfügung. Das Komitee unterstützt ferner die von Professor Dr. W a r b 11 r g herausgegebene Zeitschrift PALÄSTINA, indem cs für nützlich'erachtet, das Wissenschaftliehe Material derselben in Manuskript zur Verfügung zu haben. Was unsere unmittelbare Arbeit in Palästina . anhetriiit. so hat sich das Komitee in erster Reihe die Aufgabe gestellt, das Im'ormationswcscn, als unmittelbare Grundlage aller weiteren Tütgkeit, auf breiter Basis zu organisieren. Es ist dies eine höchst schwierige und komplizierte Sache, die beträchtliche Ausgaben erfordert. Während aber das Komitee die Orgauisatioii und Leitung des Inforniatioiiw esen auf sich nahm, war es doch nicht in der Lage, auch sämtliche damit verbundenen Unkosten allein zu betreiben. Indes, cs gelang dem Komitee die tatkrätige Mitwirkung des Hiltsvcrcins der deutschen