Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1907)
- Date
- 1907-10-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 458 JÜDISCHE RUNDSCHAU. . ,. -4 No. 42 Im Anschluss an die Hauptversammlung hat der Ausschuss des Verbandes der Deutschen Juden in Frankfurt beschlossen: 1. Es ist darauf hinzuwirken, dass an öffentlichen oder von einer jüdischen Ocmeindc oder Körperschaft unterhaltenen ojter unterstützten Schulen allmählich die Erteilung jüdischen Religionsunterrichtes durch andere Personen als Rabbiner oder solche Personen, welche entweder akademisch gebildet sind oder die Volksschullehrerprfifung und in letzteren beiden Fällen ausscrocm eine Religionslchrei Prüfung bestanden haben, aufhört. Schonende Übergangsbestimmungen im Interesse der schon angcstcllten Personen sind jedoch geboten. 2. Der preussischcn Regierung ist für die Ucbcrgangszeit zu empfehlen, für die Verteilung des zur Unterstützung des jüdischen Religionsunterrichtes in den Staatshaushaltsetats einzustcllcnden Fonds die Richtschnur festzulcgcn. dass a. für die Erteilung eines Religionsunterrichtes durch Personen der zu 1 erwähnten Art höhere Zuschüsse mit Rücksicht auf die hierdurch entstehenden höheren Auf- Wendungen zu gewähren sind, als für die Erteilung solchen Religionsunterrichtes durch andere Personen: b. kein Zuschuss für die Erteilung des Rcligionsuntcrrichtcs durch andere als die zu 1 erwähnten Personen in denejnigcn Fällen zu gewähren ist, in denen ohne übermässige Belastung der Gemeinde die Uehcrtragung des Untrrichts an eine am Ort vorhandene und geeignete Person der zu 1 erwähnten Art oder an einen den Erfordernissen zu 1 entsprechenden Wanderlehrer ausführbar ist. 2. Der gesdiäftsfiilirende Ausschuss wird beauitragt, namens des Verbandes die Anträge 711 1 und 2 dem preussischcn Unterrichtsminister zu unterbreiten und sie zu begründen. 4. Der Ausschuss des Verbandes der Deutschen Juden erachtet es für diingend 1•-wünscht, dass in Zukunft die dem Vcrband der Deutschen Juden *»!!geschlossenen Körperschaften und Vereine, und soweit dies erreichbar auch die ihm nicht angeschlossenen jüdischen Körperschaften und Vereine, bevor sie mit einem auf Erlass von Gesetzen oder allgemeinen Verwaltungsvorschriftcn zielenden Antrag an die Staatsbehörden herantreten, diese ihre Absicht den Ausschuss des Verbandes der Deutschen Juden mittcilen und ihm Gelegenheit gehen, auf etwa entgegensfehende Bedenken aufmerksam zu machen. lieber den II. D3!32!3rienteg des Jüdischen Frauenbundes Von Noemi B a n e t h. Der II. Dclcgicrtcntag des Jüdischen Frauenbundes, welcher am 7. und 8. Oktober in der Frankfurtloge zu Frankfurt a. M. tagte, stand leider nicht auf dem hohen Niveau, das man von ihm erwartet hatte. Der für die Leistungen des Bundes und das Schaffen auf dem Kongresse verantwortliche Teil — der Vorstand — fühlte das selbst, denn er wies die Teilnehmer und Delegierten wiederholt darauf hin, dass die Organisation des Bundes, welchem 87 Vereine angcschlosscn sind, ja noch in den Kinderschuhen stecke, dass man deshalb nicht allzuviel verlangen dürfe und nicht alizugrossc Ansprüche stellen dürfe. Aber auch In einem jungen Kinde (der Frauenbund besteht seit schon 4 Jahren) sind die Anlagen für die Weiterentwicklung seines Charakters enthalten — und Ich fürchte, von dem Jüdischen Frauenbund ist nicht viel zu erwarten. Dieses hat seinen Grund in zwei Dingen, welche ich mich bemühen will, hier ausclnandcrzuset7.cn, in der aufrichtigen Hoffnung, dass sich dadurch die Zustände vielleicht ändern werden, zum Segen für unsere jüdische Nation in der Diaspora ־־ und durchaus nicht in der Absicht, das Erhabene in den Staub zu ziehen oder Unfrieden zu stiften, ״was die Zionisten ja so gerne t1־n,'* wie mir jemand auf dem Dclcgicrtcntag in seiner nichtsahnenden Unschuld versicherte. Der erste Orund ist derjenige, dass der ganze Delegiertentag einen streng lokalen und einen streng persönlichen Charakter trug: dies war nicht eine Vereinigung von Jüdinnen aus ganz Deutschland, dies schien vielmehr eine Versammlung von Frankfurter Jüdinnen und Jüdinnen aus der Umgegend, die alle gekommen waren, um ihrer Vorsitzenden den Hof zu machen und ihr ihre Anerkennung in schmeichelhaften und süssen Reden zu zeigen. Dies war nicht eine Versammlung von Jüdinnen der verschiedensten Gegenden, mit den vorschicdcnstcn Meinungen, welche einmal eins sein wollten, eins zu gemeinsamer Arbeit für •ihr Volk. Dies war ein Frankfurter gemütliches Beisammensein von Jüdinnen, die nicht wissen, was sic wollen und alles von einer Person erwarten. Diese eine Person aber, die Führerin und Leiterin, hat sich ohne Zweifel grosse Verdienste um die Armen- und Wohlfahrtspflege erworben, sie ist aber leider nicht imstande, als Jüdin einem Jüdischen Frauenbund vorzustehen. Und hiermit komme ich zu Punkt II. Und dieser Punkt II, der zweite Grund dafür, dass der Dclcgicrtcntag des Jüdischen Frauenbundes sich trotz der besten Absichten, die ich durchaus nicht verkennen will, auf einem ziemlich niedrigen Niveau bewegte, ist die kolossale Unklarheit und Verworrenheit, in der sich die Leiter und die meisten Mitglieder des Bundes dariil>er befinden, welche Stellung sic als Führer und Mitarbeiter einer jüdischen Organisation dem Judentum gegenüber eiuucluncn. Ibis Judentum als Religion hat fiir die meisten unter ihnen keinen W ert, das Judentum als Nation erkennen sie nicht an: und dennoch separieren sic sich, dennoch sondern sie sich bewusst als Jüdinnen von den anderen ab, um als Juden für Juden zu arbeiten. Dieser Widerspruch zwischen Weltanschauung und Handeln, zwischen Denken und Tun muss eine Disharmonic in das beste Streben und Wollen bringen — eine Unklarheit und Konflikte, die die Sache gefährden. Diese unklare und verworrene Atmosphäre musste natiirlieh dazu beitragen, teils Missverständnisse hervorzurufen, teils den Ernst der Sache aufs höchste zu bedrohen. Es war ein Kongress, auf dem man mit einem schlechten Witz das Publikum in Begeisterung versetzen konnte, und es auch reichlieh tat: der hohe Ernst, der grosse Dinge begleiten muss, fehlte ganz. Es war ein Kongress, auf dem, wenn überhaupt von jüdischen Dingen die Rede war, unklare und oft sogar falsche Dinge berichtet wurden. Die klare und richtige Stellungnahme zum Judentum fehlte. Aber zum Glück — unter solchen Umständen zum Glück ־ wurden die Aufgabe» des Bundes, das sind soziale Arbeiten — nur wenig vom jüdischen, dafür aber umsomehr vom nationalen (deutsch-nationalen natürlich!) und vom allgemein menschlichen Standpunkt aus besprochen. . ־* g . Man muss jedoch hoffen, dass das. was jene Jüdinnen unbewusst dazu veranlasst hat, sich abzusondern und einen Jüdischen Frauenbund zu schaffen, das in ihnen schlummernde Almen der jüdischen Nation, ihnen eines Tages 7.11 klarem und vollem Bew usstsein kommen w ird — erst dann wird der Jüdische Frauenbund etwas leisten, erst dann werden seine Kongresse auf der Höhe stehen. Bericht Hannover, den 14. Oktober 19(57. Ucber die vom 6. bis 9. Oktober zu Frankfurt am Main stattgefundene II. Tagung des ״Jüdischen Frauenbundes“ etwas zu schreiben, fällt herzlich schwer. Das einzige Wort, das ihn skizzieren könnte, ist ein grosses ״Schade". Wo so viel jüdische Frauen zusammciigceilt waren, wäre das Plenum ein weit grösseres gewesen, doch man darf ja. wie die Frankfurter Damen uns giftigst belehrt haben, seine geistigen Ansprüche nicht zu hoch stellen, und wenn man bedenkt, dass bei der ersten Tagung des jüdischen Frauenbundes der Vorstand bisweilen die Sitzungen schlicsseii musste, weil er nicht fähig war. sie 7.11 leiten, so hat diese junge Organisation doch schon bei der zweiten Tagung einen Fortschritt gezeitigt, denn ganz so arg war’s diesmal nicht. Dass bei einem Frauenkongress auch Weiherlogik verwendet wird, scheint mir logisch. So zum Beispiel nussertc sich eine Dame sehr unschön über die Frau im alten Judentum. unsere Patriarclienmutter und die Idealfrauen unserer glorreichen Geschichte, berief sieh aber, als jüngere Damen