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Jüdische Rundschau · 1907-10-18 · Heft 42 (18.10.1907) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 42 (18.10.1907)
Date
1907-10-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 454 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 42! Monate, Ja sogar Jahre hindurch den Vorsitz in Zivilkammern an Stelle des Direktors geführt und an vielen Orten sind Jüdische Richter Vorsitzende der Kammern für Handelssachen. Also die Leitung der materiellen Justizpflegc hat man den Juden anvertraut, nur in die Verwaltungspostcn selbst — ״die Dirigentenstellen bei den Verwaltungsbehörden“ — hat man sie nicht hinein gelassen. In 60 Jahren ist in dieser Beziehung alles beim alten geblieben zum Schaden der beteiligten Justizbeamten, aber auch ־־־ wie ausgesprochen werden muss — zum Schaden der Allgemeinheit. Denn wenn die Hüter der Gerechtigkeit bewusst und zum Schaden eines Teiles der Bevölkerung die Verfassung und das Gesetz verletzen, wenn sic bei der Beförderung gerade diejenigen bevorzugen, deren Verhalten auf eine in der Regel geringere Charakterfestigkeit deutet, wie kann dann die Gerechtigkeit gedeihen, und wie kann die Allgemeinheit zur Justizpflegc das erforderliche, 1111umstösslichc Vertrauen finden? — Ausserhalb Prcusscns haben sich die Verhältnisse zwar verschiedenartig, aber im wesentlichen ebenso gestaltet wie in Preusscn. Am Relchsoberliandels- und Reichsgericht gab cs früher zwei jüdische Räte, Jetzt gibt cs am Reichsgericht keine mehr, andererseits aber einen getauften Senatspräsidenten ynd zwei getaufte Räte. Bayern macht insofern eine Ausnahme von allen übrigen Staaten, als hier nur eine geringe Anzahl Getaufter in Frage kommt, also von einer Bevorzugung der Getauften bisher nicht gesprochen werden kann, und als die Staatsanwaltschaft nicht ausschliesslich den Christen Vorbehalten geblieben ist. Es gibt In Bayern 47 Jüdische Justizbeamte. Hiervon ist einer am obersten Landcsgcricht, allerdings ein Herr, der eine ganze Familie dem Christentum zugeführt hat; 4 sind Oberlandesgcrichtsrüte, 39 sind Richter erster Instanz. Ein Jude ist Staatsanwalt, einer Amtsanwalt, und 8 der obenerwähnten jüdischen Richter waren Staatsanwälte, bevor sie wieder in ihre jetzigen Stellen einrückten. An Oetauften gibt es in der bayerischen Justizverwaltung nur drei, 1 Staatsanwalt und 2 Richter erster Instanz. Aber auch in Bayern ist kein einziger Jude Direktor oder Präsident. Sachsen dagegen bringt das Reichsgesetz von 1869 nicht zur Anwendung. Es gibt in Sachsen überhaupt keinen jiidisehen Richter. Es war nur einmal ein jüdischer Richter erster ״Wie sollte er auch! Hast du ihn gerufen, Benjamin?“ ״Er versprach zu kommen, aber gerufen habe ich ihn nicht.“ ״Unbegreiflich! Du verheimlichst mir etwas, Benjamin?“ Doch der Rabbi antwortete nicht und ging hinaus, um die Tür zu öffnen. ״Wie geht es Ihrem Kinde?" fragte Don Pedro, indem er dem Rabbi die Hand drückte. ״Sehr krank. Aber ich bitte Sie, Herr Doktor, sprechen Sie kein Wort vor meiner Frau von dem, was sich dort mit mir und meinem Kinde zugstragen; ich verheimlichte es ihr. Sie ist . . . so . . . weichlich.“ ״Zeigen Sic mir nur die Kranke. Und dies hier ist mein Sohn Daniello, Rabbi. Sie und Ihr Kind haben ihm so gefallen, dass ich ihn auf seinen Wunsch mitnehmen musste.“ ״Ihr Sohn, Herr Doktor, ist ebenso gut wie schön, und ich freue mich ungemein, ihn in meiner ärmlichen Hütte zu sehen.“ Daniello verneigte sich graziös und folgte dem Greise in das Zimmer der Kranken. ״Nun Ja," brummte der Doktor, nach dem Pulse und Instanz in Sachsen angestcilt, nach seinem Tode ist keiner wieder ernannt worden. Jüdische Juristen sind genug in Sachsen vorhanden, aber sic wissen, dass sie keine Aufnahme in die Justizverwaltung finden und melden sich nicht mehr. Württemberg. Hier gibt es nur drei jüdische Richter erster Instanz. Es ist besonders merkwürdig, dass gerade hier und unter der jetzigen Verwaltung nicht mehr Juden als Richter angestelit worden sind und keiner in ein höheres Amt eingerückt oder Staatsanwalt geworden ist. Baden hat zwei jüdische Oberlanuesgcriclitsrüte und sechs jüdische Richter erster Instanz. Kein Jude ist Direktor, keiner Präsid e n t, keiner Staatsanwalt. Dagegen befinden sich unter sechs Getauften ein La 11 d g c r i c h s p r ä s i d e n t und ein Landg c r i c h t s d i r c k t o r. Hessen hat Juden bisher nicht zu Richterstcllen zugelassen. Fs gibt zurzeit hier sechs Assessoren und einen Oberlandesgerichtssekretär jüdischen Glaubens. Ob sie es zum Richterposten bringen werden, stellt dahin. Die überwiegende Mehrzahl der jüdischen Juristen musste sich der Amtsanwaltschalt zuwenden. Unter den Getauften ist ein Richter erster Instanz und ein Staatsanwalt. M e c k 1 c n b u r g - S c 11 w 0 r i n , Mecklenburg- S t r c 1 i t z und Sachsen- W c i m a r - F i s e n a c h haben keinen jiidisehen Richter. Oldenburg hat einen jüdischen Richter erster Instanz. B r a u!1 s c h w e I g hat keinen jüdischen Richter. S a c h s e n - M e i n i n g e n hat einen jüdischen Richter erster Instanz. Sachsen ־ Altenburg, Sachsen - Coburg- Gotha, Anhalt, S c 11 w a r 7. b u r g - S 0 n d e r s - hausen, Schwarzburg -Rudolstadt, Waldeck, R c u s s ä. L. und R e u s s j. L., Schaumburg-Lippc und Lippe-Detmold, haben keinen einzigen jüdischen Richter. Was die freien Reichsstädte anbetriiit, so findet sich weder in Bremen, noch in Lübeck ein jüdischer Richter, ln Hamburg befanden sich Anfang 1907 8 jüdische leichter erster Instanz, dagegen unter den 8 Getauften ein Oberlandesgerichtsrat und ein Landgerichtsdircktor. ■״־י־ייי!!-—!—!-ל• dem Kopfe der Kranken fühlend. ״Das ist die Folge . . . der glühenden Sonne. Der heutige Tag war ja so heiss! Und Ihr Kind hat sich den sengenden Strahlen ausgesetzt ..... Ich habe es schon dort . . . wollte sagen, gleich bemerkt!" ״Sie klagte schon seit einigen Tagen über das Köpfchen,“ bemerkte Raitel schüchtern. ״Um so mehr hätte man sie in die Hitze nicht führen sollen." Raitel sah ihren Gatten vorwurfsvoll an. ״Aber ängstigen Sie sich nur nicht, liebe Leute," sagte Don Pedro lächcünd. ״Dieses unbedeutende Ficbc.r ist schnell überwunden, und Ihr Kind wird schon morgen oder übermorgen völlig gesund sein." ״Sie ist so unruhig .... phantasiert so schrecklieh!“ ״Dem wollen wir bald abhelfe,n. Gib einmal die Mixtur 11er, Daniello. Wecken Sie sic behutsam und geben Sie ihr daun eitlen Löffel von dieser Medizin ein .... sie wird dann ruhig einschlafen.“ In diesem Augenblicke machte die Kranke eine Bewegung mit der Hand, stiess etwas unverständliches hervor, lächelte matt und öifnete die Augen. Mit um* flortem Blicke sich nach allen Seiten umsehend, blieb

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