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Jüdische Rundschau · 1907-10-18 · Heft 42 (18.10.1907) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 42 (18.10.1907)
Date
1907-10-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 41 -- ... JÜDISCHE RUNDSCHAU. _Seile 453 wenn die Zahl der Getauften aus lenem “Zeitabschnitt, die mehr oder weniger kurze Zeit nach der Taufe das erstrebte Amt erreicht haben, mit berücksichtigt wird. Von allen 3628 Justizbeamten sind in höhere Stellen befördert worden 605 18,3 Prozent, von den 3365 Christen 631 18,8 Prozent, von den 155 Juden 4 2,6 Prozent, von den 108 Getauften 30 273 Prozent. ־ : Von allen 3628 Justizbeamten wurden Obcrlandesgcrichtsröte 316 8,7 Prozent, von den 3365 Christen 290 8,6 Prozent, von den 155 Juden 4 — 2,6 Prozent, von den 108 Ge* tauften 22 20,4 Prozent. Von allen 3628 Justizbeamten wurden Direktoren und Präsidenten,349 9,6 Prozent, von den 3365 Christen 341 10,1 Prozent, von den 155 Juden 0 0 Prozent, von den 108 Getauften 8 7,4 Prozent. Diese Zahlen geben zugleich das erschreckende Resultat, dass von der Justizverwaltung geradezu eine Prämie auf die Taufe gesetzt worden ist, denn in höhere Stellen wurden überhaupt von den Christen nur 18,8 Prozent, von den Getauften 27,8 Prozent, und zum Amt eines Oberlandcsgerichtsrats ins* besondere von den Christen 8,6 Prozent, von den Getauften 20,4 Prozent befördert — eine so erhebliche Bevorzugung selbst den Christen gegenüber hätte man wohl kaum für möglieh halten sollen. Wie hatte doch im Jahre JS60 der Abgeordnete und spätere Kultusminister Dr. Falk aus gleicher Veranlassung dem Justizminister Simons geantwortet? ״Das also ist die Ausführung einet‘ Verfassung» welche die Heiligkeit der Religion, als eine Sache des Gewissens und der Ueberzeugimg, von der unlauteren Berührung mit äusseren Interessen trennen wollte 1“ Stellt man den obigen Zahlen die VerhältmsZifietn Zwischen Juden und Getauften gegenüber, so ergibt sich folgendes Bild: 155 Juden darunter in höhefen Aemteril *I 2,6 I’rüzcnt, 10S Getaufte, darunter in höheren Acmtcrn 30 27,8 Prozent, 155 Juden, dahinter Oberlandesgericlitsräto 4 2,6 Prozent, 108 Getaufte, darunter Oberlandesgerichtsrätc 22 — 20,4 Prozent, 155 Juden, darunter Präsidenten und Direktoren 0 0 Prozent, 103 Getaufte, darunter Präsidenten und Direktoren 8 7,4 Prozent. \ Der Vollständigkeit halber seien nunmehr auch die Verhältnisse der Staatsanwaltschaft herangezogen. Die Staatsanwaltschaft bildete von jeher in Preusscn eine ״Ein herziges Kind! Möge Gott diese edle fromme Familie segnen,“ sagte die Frau unter Tränen und ging an die Arbeit. ״Du Frau . . . ich werde dir kaufen Perlen und silberne Leuchter, worin du die Schabbesliclite anzfmden wirst, und den Kindern Ohrringe — bin ich doch jetzt ein Kotzin . . . ein reicher Mann!“ ״Plausch nicht so viel, Zodek! Du versündigst dich gegen Gott. Erst müssen wir den armen etwas geben und der Synagoge schenken. Du denkst nur an deinen Leib, Fleisch und Fisch und Perlen . . . Ich mag keine Perlen!“ ״Hast recht mein kluges Weib und ich bin abschculieber Mensch. Auch dem Rabbi müssen wir etwas geben, nicht?“ ״Gib seiner Enkelin Ohrringe, unsere Kinder brauchen keine, sie werden schon so leben können.“ —; Nicht nach Ohrringen war der Sinn der Enkelin des Rabbiners. Um diese Zeit wälzte sie sich in Ficbertrüumen auf ihrem Lager, bald laut auflachend, bald mild aut- ' schreiend, als wollte sie widerwärtige Traumbilder mit ihren Händchen abwehren. Sie schien die Vorgänge des verflossenen Tages zehnfach in ihrer Phantasie zu durch-, leben.‘ Und man kann sich leicht denken, wie die nnbesonders bevorzugte Kategorie der Justizbeamten. Anfangs 1907 stellte sich die Sachlage so dar: Unter 3628 Justizbe* amten befanden sich 258 Staatsanwälte 7,1 Prozent,* unter 3365 Christen 255 7,6 Prozent, unter 155 Juden 0 0 Prozent, unter 103 Getauften 3 — 2,8 Prozent. Bemerkenswert ist der Unterschied zwischen der 'Auf* nähme von Getauften in die höheren Richterposten und ihrer Aufnahme in die Staatsanwaltschaft: Unter den höheren Rieh•■ tern befanden sich 30 Getaufte 4,5 Prozent, unter den Ober* ländcsgerichtsrütcn 22 7,0 Prozent, unter den Direktoren und Präsidenten 8 2,3 Prozent, unter den Staatsanwälten 3 1,2 Prozent. ׳ - - Das Ergebnis unserer Feststellungen ist, dass die Judcrt in jeder der hier erörterten Beziehungen in der Justizverwal* tung absichtlich, und, wie aus der Vergleichung mit den Ge* tauften sich ergibt, nur wegen ihres Religionsbekenntnisses zuriiekgedrängt worden sind, Hiernach ist cs nicht merk» würdig, dass der Wunsch, in diese Verwaltung einzutreten! von Jahr zu Jahr mehr geschwunden ist» Auf die Dauer haben eben .viele den Kampf aufgegeben und sich der Rechts* anwaltschaft oder anderen Berufen zugewandt. Es mag dies bedauerlich sein, die Tatsache ist aber nicht wegzuleugncn! wie die nachstehende Tabelle ergibt. Von den aus der Zeit von 1875—1895 herstammenden Justizbeamten bildeten die Juden Anfang 1907 4,2 [’rezent. Für die einzelnen I’erioüeii stellt sich aber das Verhältnis wie folgt: Es stammen aus der Zeit von 1575־-iSSO im ganzen 6S0 Justizbeamte, darunter 46 Juden 6,S!’rezent, von JSSI bis 1SS5 im ganzen 865 Justizbeamte, darunter 3S Juden 4,4 I’rozent, von lSSfr-~JS9Q im ganzen 1080 Justizbeamte, darunter 42 Juden 3,9 Prozent, von IS9I—1S95 im ganzen 1004 Justizbeamte, darunter 29 Juden 2,9 Prozent. Hiernach haben diejenigen, welche es sich zur Aufgabd gemacht haben, die Juden* in der Justizverwaltung zürüekzü2 drängen, ihr Ziel erreicht, denn diese Ziffern sind keine ziifälligen. Man kann auch nicht sagen, dass die jüdischen Richter sich zu höheren Stellen nicht geeignet hätten, deiitf vertretungsweise haben sie gar oft jene höheren Aemter Versehen; Eiil Obcrlaudesgcrlchtsrat (allerdings Assessor von 1873) hat viele Jahre hindurch den Präsidenten des Oberlaridesgerichts, der nicht selten vom Gcrichtssitz abwesend und auch־ soiist viel* fach verhindert war, in der Führung des Vorsitzes im Senat vertreten. Eine grosse Anzahl jüdischer leichter' hat viele glücklichen Grdsc aussahen, die am Kopfende des Bettes kauerten, mit dem festen Vorsatz, in dieser Stellung die ganze Nacht auszuharren. Der Rabbi beugte sich über das Kind und lauschte mit ungehaltenem Atem auf jede seine/ Bewegungen und auf das Zusammenhanglose Qcseliwätz des armen Kindes. Raitel rang verzweifelt die Hände und bemühte sich, ihr Schluchzen zu unterdrücken, um die Kranke nicht zu wecken. Der Rabbi vcrlieimlielite sorgfältig vor seiner Frau alles das, was mit Esther vorgefallen war, denn er kannte sehr wohl die nervöse Empfindlichkeit seiner Gattin, die es nicht vermochte, altes, schon ‘durchlebtes Leid •von gegenwärtigen zu unterscheiden.-- —--- Vor einigen Stunden war das Unglück in der Schenke cingekehrt, während in der Wohnung des Rabbiners tiefer Frieden herrschte; jetzt aber ist das Unglück in die Rabbinerwohnung getreten, während in der Schenke das Glück sein freundliches Antlitz blicken Iicss. An der Ausscntüre der Rabbinerhiitte klopfte es. Die beiden Greise fuhren zusammen. ״Wer mag da sein zu nachtschlafender Zeit?“ fragte Rahe! zitternd. ״Am Ende der herrschaftliche Leibarzt.“

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