Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1907)
- Date
- 1907-10-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 452 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 42 Unter Christen sind in der vorstehenden Besprechung und ihren Tabellen diejenigen Juristen verstanden, die bereits längere Zeit, ehe sie sich der Justizkarriere widmeten, Christen waren, unter Getauften diejenigen, die kurz vor oder die nach Beginn der juristischen Laufbahn vom Judentum zum Christentum Obergtreten sind. — Von den preussischen Assessoren sind nicht alle im Justizdienst verblieben; ihre Zahl ist für die Untersuchungsjahrc in der anliegenden Tabelle ermittelt.*) Von sämtlichen Juristen, die in eingm jeden Jahre das grosse Staatsexamen bestanden haben, waren diejenigen in Abzug zu bringen, welche in andere Acmter Obergetreten sind. Hierher gehören diejenigen Assessoren, welche den Staatsvcrwaltungsdicnst (Allgemeine Staatsverwaltung, Steuer-, Berg-, Kirchen-, Militär-, Unterrichtsa. dgl. Verwaltungen) erwählt haben, diejenigen, die in den Kommunaldienst, und ferner die grosse Zahl derer, die zur Rechtsanwaltschaft übergetreten sind. Sodann waren diejenigen fn Abzug zu bringen, die bis Anfang 1907 durch Tod, Pensionierung oder ohne Angabe der Gründe aus dem Justizdienst ausgeschieden sind. Endlich findet sich in einem jeden Jahrgang eine kleine Anzahl, bei der nicht zu ermitteln war, wann sie ausgeschieden oder in welche Stellung sie fibergetreten ist. Trotz sorgfältiger Nachprüfung war nämlich von 94 Personen In der hier fraglichen Zeit, d. 11. von •1,5 Personen für das Jahr, nicht festzustellen. 1n welcher Stellung sic sich Anfang Januar 1907 befanden; teils versagten die halbamtlichen Materialien, teils trat der Gicichklang der Namen (z. B. Müller, Meyer) hinderlich entgegen. In dieser Weise ist festgestellt worden, dass 3623 derjenigen, die in der Zeit von 1S75—1S95 einschliesslich in Prcusscn die Assessorenprüfung abgelegt haben, bis Anfang 1907 im Justizdienst verblieben sind, und dass sich unter ihnen 155 Juden befunden haben. Von diesen 3628 Justizbeamten sind 665 in höhere Stellungen befördert worden, wenn man zunächst die Staatsanwalt- Schaft beiseite lässt und als höhere Stellen die Acmtcr der Direktoren, Oberlandesgerichtsräte und Präsidenten in Betracht zieht. Von den 665 Beförderten sind 631 Christen und 4 Juden (von den 30 Getauften, die hierher gehören, wird weiter unten die Rede sein). Das ergibt folgendes Verhältnis: 3628 Justiz- *) Die Tabelle bringen wir nicht zum Abdruck. Spinnen und Fliegen Roman von Bagroff. Aus d. Russ. übersetzt. (Fortsetzung.) ״Aber wie wird das jetzt sein, Zodck? Werden wir wirklich niemand etwas fiir die Arrende zahlen? Also wahr und wahrhaftig keinen Gulden?“ ״Was denkst du denn, Törih! Eine Arrende haben und nicht zahlen? — Wie ist denn das gar möglich? fragte der Rcndar, jetzt gar übermütig werdend. ״Du sagtest ja, dass der pan .... geschenkt . . . . fürs ganze Leben . . .“ ״Sieh mal, Alte,“ und der Schenker umarmte sein Weib. ״Ich werde der Schenker Zodck sein und du mein Pan Woiekowski! Und jeden Freitag, bevor die SchabbcsUchtc angezUudct werden, werd ich meinem Pan Woiekowski zwanzig neue Gulden bringen, das macht in einem Monat achtzig, in einem Jahre ueuuhundcrtundsechzig Gulden. Ausserdem werde ich jedes Jahr meinem Pan Woiekowski zweihundert Gulden Bestechung geben. Und ^u wirst all die, blinkenden neuen Guldeustück-2 in einem besonderen Beutel aufhebeu .... Hu — was werden sich in einigen Jahren ansaiumeln!“ beamte, darunter 665 in höheren Steilen 18,3 Prozent; 3365 Christen, darunter 631 in höheren Stellen 18,8 Prozent; 155 Juden, darunter 4 in höheren Stellen 2,6 Prozent. Betrachtet man nur die Oberlandcsgericlitsräte, so bleibt das Verhältnis der Juden ein ähnliches, denn: 3628 Justizbeamte, darunter 316 Oberlandcsgericlitsräte 8,7 Prozent, 3365 Christen, darunter 290 Oberlandcsgericlitsräte 8,6 Prozent; 155 Juden, darunter 4 Oberlandcsgericlitsräte 2,6 Prozent. Zieht man dagegen nur die Direktoren und Präsidenten (״Die Dirigenten bei den Verwaltungsbehörden“) in Betracht, so ergibt sich folgendes Bild: 3628 Justizbcaintc, darunter 349 Dir. und Präs. 9,6 Prozent; 3365 Christen, darunter 341 Dir. und Präs. 10,1 Prozent; 155 Juden, darunter 0 Dir. und Präs. 0 Prozent. Es ergibt sich hieraus klar, dass die Juden in der Beförderung erheblich gegen ihre christlichen Kollegen zurückgesetzt sind, und dass sie zu den ״Dirigcntenstcllcn bei den Justizverwaltungsbehörden“ überhaupt nicht berufen werden. Die blosse Zahl beweist natürlich noch nichts bezüglich der Gerechtigkeit bei der Verteilung der Acmter, da Fähigkeit, Kenntnisse, Eifer und Ausdauer mit in Berücksichtigung zu ziehen sind. Iinmcrhiu kann man sich aber an der Hand der Zahlen die Gesamtlagc im wesentlichen klar machen: Die 155 Juden stellen 4,2 Prozent sämtlicher 3628 Justiz• beamten dar. Es gab in jenem Zeitabschnitt 316 Oberlandcsgericlitsräte, darunter 4 Juden, cs hätten aber 4,2 Prozent, d. 11. 13 Juden darunter sein müssen. Es gab 250 Landgerichtsdirektoren, darunter 0 Juden, es hätten aber bei Berücksichtigung des Satzes von 4,2 Prozent 12 Juden darunter sein müssen. Es gab 69 Präsidenten, darunter 0 Juden, es hätten aber, da 155 jüdische Ricliter 4,2 Prozent vorhanden waren, darunter 3 Juden sein müssen. Ergeben schon die blossen Zahlen so erhebliche Unterschiede, wie sic hier gefunden worden sind, ergibt sich insbesondere, dass in 21 Jahren nur 4 jüdische Richter zu Oberlandcsgcrichtsrätcn ernannt sind, und dass nicht ein einziger zum Direktor oder Präsidenten bestellt worden ist, so liegt die Absicht, die hiermit verfolgt wird, klar zu Tage. Diese Absicht tritt aber noch deutlicher in die Erscheinung, Die Frau und die Kinder lachten über die putzigen Gesten, die das phantasierende Familienoberhaupt machte. ״Frau!“ fuhr Zodck fort. ״Was denkst du, wieviel Jährchen kann ich wohl noch so leben,“ ״Geb׳ dir Gott noch hundertundzwanzig Jahr." ״Hu, hiitiderümdzwanzig Jahre! Das macht ja luindcrtundzwanzigtaiisend Gulden! Und die Zinsen, und die Zinseszinsen .... und die Zinseszinsenzinsen . . . 111׳d die Zins .... Weib, nähe drei grosse Säcke.“ ״Nun gntig des Unsinns, Zodck!“ ״Und dass du mich jetzt ordentlich pflegst! Mit Fisch und Fleisch musst du mich füttern, dann Werde ich lange leben. Und wenn du mich einmal ärgerst, dann lege ich mich hin und sterbe dir vor der Nase weg, dir zum Possen, und deine Arrende ist futsch. “ ״Hab ich gestern, als du aus Dummheit sterben wolltest, es nicht zugegeben, so werde ich cs auch kiinftig nicht tim. Und stiibsl du trotzdem, - dann weck ich dich mit der Peitsche auf .... Ich hin doch jetzt dein Pan Woiekowski!“ Und auch die Reiidnrin lachte. ״Aber all dies üliiek verdanken wir mir dem Rabbi und seiner Enkelin.“