Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1907)
- Date
- 1907-10-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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No. 41 Seite 441 JÜDISCHE RUNDSCHAU. I lismus bedeuten. Ein Gemeindevorstand, der der Sekte in der Johannisstrassc aus den Mitteln der jüdischen Steuerzahler Subventionen zahlt, die nicht im Verhältnis zur Stcucrkraft der jüdischen Gemeinde, sondern ausschliesslich der Millionäre steht, die diese Sekte bilden, kann nicht verstehen, dass er hier mit seinem Kampfe für das Judentum cinsctzcn müsste. Er beginnt also den Kampf gegen den Antisemitismus durch massenhafte Versendung einer kleinen Broschüre ״Parallelen“, die nicht zufällig gerade jetzt in hunderttausenden von Exemplaren von der jüdischen Gemeinde auf den nichtjiidischen Markt geworfen wird. In dein einem Teile beigeiegten Aufrufe des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur wird darauf hingewiesen, dass ״von hervorragenden Gelehrten“ diese Parallelen ausgearbeitet sind .und aus einer Anmerkung im Büchlein erfahren wir, dass diese vier die Herren: Prediger Dr. M. Lewin (von der Johannisstrasse). Dozent Dr. J. Elbogcn, Schriftsteller Albert Katz und Dr. S. Berufeid sind. Wir wissen nicht, ob die Herren Dr. Lewin. Dr. Bcrnfeld und Dr. Elbogcn sich gern so betiteln lassen, aber zu der vorliegenden Broschüre gehört in der Tat keine hervorragende Gelehrsamkeit. Immerhin ist cs begreiflich, wenn der jüdische Gcmcindcvorstand, dem mit Recht vorgeworfen wird, dass er seinen politischen Aufgaben in keiner Weise gerecht wird, glaubt, politisch zu handeln und diesen Vorwurf zu entkräften durch diesen vermeintlichen Schlag gegen den Antisemitismus. Denn ebenso wie er selbst werden viele durch den herrschenden Liberalismus in politischer Unreife gelassenen Juden glauben, dass liier eine rettende Tat geschieht. Fiir einsichtige, an politische Denkweise und historische Betrachtung gewöhnte Männer wird freilich hiermit nur von neuem der Beweis erbracht, dass die Leitung der jüdischeu Gemeir.de unendlich weit davon ist, die politischen Möglichkeiten zu ermessen, unter denen die jüdische Gemeinde ihrer Aufgabe gerecht werden soll. ״ Von einem Ungenannten geht uns gleichzeitig eine Besprcchung der ״Parallelen“..zu. die wir aber gleichwohl unseren Lesern nicht vorenthalten wollen, weil sic vieles Wahre und Richtige neben manchem Falschen enthält. Wir lassen diese Zuschrift hier folgen in der Annahme, dass unsere Leser imstände sind, die Spreu von dem Weizen zu sondern und dass sie wissen, wie sehr in manchen Punkten unsere eigene Anschaumig abwefcht. Parallelen Als ״der Gott der Rache" in Berlin In Szene ging, da konnten wir im Feuilleton einer grossen liberalen Tageszeitung, die in Berliner jüdischen Kreisen sehr verbreitet ist, etwa folgendes lesen: Der Judengott ist keineswegs ein Gott der Rache, sondern ein Gott der Gnade, der allumfassenden Liebe. Denn man könnte ja sonst glauben . . .! Von ähnlichem Geiste erfüllt sind die Parallelen zwischen Christentum und Judentum, die ein jüdischer Gcschichtsvercin hcrausgibt. An und für sich ist das kritiklose Werk keineswegs so bedeutend, dass es einen ehrlichen Angriff verdient hätte. Aber die Berliner Jüdische Gemeinde bereitet' mit ihn! eine Das Kind verstand den Greis nicht, richtete aber, seine bezaubernden Augen zu Pan Potocki empor. ״Von welchen Kindern sprichst du, Alter?“ ״Von denen des schuldlos vertriebenen Pächters, erlauchter Herr. Es sind deren eüf, e,incs kleiner als das j andere.“ ״Danke, Alter, dass du mich daran erinnerst. Warte ein Weilchen, dein Wunsch soll erfüllt werden. Bogdan, bring den Juden.der dort auf dem Platze geblieben, und schicke Woickowski her.“ Lange lag Zudck in bewusstlosem Zustande auf dem Boden. In der allgemeinen Verwirrung kümmerten sich die hin- und herrennenden Haiducken um den Tcblos daliegenden Juden so wenig wie uni eine kranke Katze. Als di? Aufregung sich cinigermassen gelegt hatte, näherten sich einige Haidlicken dem Bewusstlosen. ״Der scheint krepiert.“ ״Weiss der Teufel." ״Wovon sollte er krepiert sein, hat er doch keinen einzigen Hieb bekommen.“ ״Er wird schon vor Angst eingegangen sein.“ ״Schade, Brüder. Musste der Teufel gerade diese Jüdin herbringen! Die ganze Geschichte ist letzt futsch .... und cs wäre ein Hauptspass geworden.“ grosse Staatsaktion vor, sic wird es in nächster Zelt In Tauscnden von Exemplaren an Schriftsteller und Künstler. Gelehrte und Rcichstagsabgeordnetc, kurz an Kaiser und Reich versenden. Natürlich ist es eine Taktlosigkeit, sich in interne Angelegenheiten einer fremden Religion einzumischen und ich würde nie die Feder über eine solche Frage ergreifen, wüsste icli nicht, dass ich in unserem zionistischen Kreise niemandes religiöse Anschauungen verletze. Das Werk selbst ist eine fleissige Philologenarbcit. Bekannte und berühmte Sittcntchren des neuen Testaments werden ihren wörtlichen oder fast wörtlichen Originalen im alten Testamente gcgenübcrgestellt. Man könnte dem Veriasscr von rciigions-wissenschaftlichcn Standpunkte aus dankbar sein, aber durch den Schritt der Berliner Jüdischen Gemeinde gewinnt das Werkchcn eine Bedeutung, von der sich der Verfasser jedenfalls nicht hat träumen lassen. Die Versendung der Schrift an Kaiser und Reich ist ein Schritt des jüdischen Liberalistnus, dem man die Grosszügigkeit nicht wird absprechen können. ״Die grundlegenden Sittenleliren der jüdischen Religion sind dieselben wie die des Christentums, also erkennt endlich an. dass das Judentum die Originale der Sittenlehrc verkündet hat. Das Judentum ist die grundlegende Religion." Also hat die Berliner Jüdische Gemeinde einen Schritt vorwärts getan in der Ausführung der Idee, die ihre Führer und Rabbiner für den Zweck des Judentums halten, in der Erstrebung jenes Tages, an dem alle Völker zu dem geistigen Zion strömen werden, in der Mission des Judcntumcs. Natürlich wird es an solchen nicht fehlen, die den Gedanken der Parallelen umgekehrt an sich an wen den werden, die nach den! Beispiele der Kinder des ersten liberalen Juden. Moses Mendelsohns, zum Christentum übergehen werden. Denn wenn die grundlegende Ethik der jüdischen Religion von der Christliehen um nichts verschieden ist. ist die Taufe dann noch eine Lüge? Auch der Verfasser der ,.Parallelen“ hat diesen Gedanken gehabt und er fügt hinzu, dass nach wie vor der vornehmste Gedanke des Judentums neben der Sittcniehre der Monotheismus sei. Aber Pastor Mau ritz tauite bereits irn Namen des einig-einzigen Gottes, die moderne libcrai-protestautische Theologie, Pfleidcrer, Cösar, auch Frenssen stehen dem Monotheismus nahe. Die Pastorcnmoral hat stets dem alten Testament vorgeworfen. dass es die reine Sittlichkeit nicht erreiche. Natürlich auch der Antisemitismus. Kann man aber wirklich alles unter dem Schema: sittlich—unsittlich, gut—böse betrachten? Friedrlcli Nietzsche steht jenseits von Gut und Böse. Er sagt einmal. dass man das schwächliche neue Testament dem alten zu Unrecht angchängt habe. Und ich glaube, er hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Das alte Testament hat eine andere Sittlichkeit als das neue. Wohl zeigen uns die Parallelen, dass die philologische Ucbereinstimmung Wort für Wort vorhanden ist, aber trotz aller Philologie ist der Geist ein grundverschiedencr. Natürlich meine ich, wenn ich von einer anderen Sittlichkeit des alten Testaments rede, nicht jene niederträchtige und ״He, du Hund!“ Und einer der Haiducken sthss den daliegenden Jude;! mit dem Fusse an. ״Steli auf! Was hast du dich hier ausgestreckt auf den Herrschaftliehen Federbetten?“ j Zodek schrak zusammen und erhob den Kopf. In diesem Momente erschien ChmiclnickL auf dem Balkon. ״Führt d?n Juden in die herrschaftlichen Gemächer! Aber nur nicht hauen. Einer von euch läuft zu Woickowski, er soll sofort zum Herrn kommen.“ Zodek wurde aufgerichtet. Als man ihn abführen wollte, schrie er wie rasend und widersetzte sich. ״Und da soll man so einen Hund nicht hauen! Geh, Jud’, oder ich treibe dich mit der Peitsche an!“ ״Wohin schleppt ihr dieses Jüdenaas?“ fragte Woickowski, der auf den Ruf sofort in die Herrschaftliehen Gemächer eilte. ״Zu dem Pan. Der Herr wünscht den Juden zu sprechen.“ ״Weiss der Teufel! Man schleppt sich heute mit dem Juden pack, wi2 der Bettler mit einem Sack!“ Halbtot, mit schlotternden Knicen wurde Zodek in das Divanzimmer gebracht. ״Erlauchter Herr!“ winselte der Schenker zu den ־ Füssen des Herrn Potocki. ״Töten Sie mich nicht. . . .