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Jüdische Rundschau · 1907-10-04 · Heft 40 (4.10.1907) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 40 (4.10.1907)
Date
1907-10-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 435 ' No. 40 Stecher eine Ansprache hielt, iiir die Prof. Enge! in wenren Werten dankte. Die ״judenreine“ Duma Die Pmnawal.kn. resp. die Wahlen der Wahiinüuncr l:aH:t begonnen. Das Resultat ist bisher fiir die Regierung nicht he* sonders erfreulich. Zwar die Soziaklemokraten und sonsiicc Re volutionäre fehlen gänzlich und auch die Kadetten sind uusichtbar. In der Duma werden sie plötzlich sichtbar w erden, und neben ihnen gewiss auch viele von der äussersten Link.«! Das maskierte Auftreten ist neueste Taktik der fortschrittlichen Elemente geworden. Von Siegen der ..echt russischen Leute־• ist bisher blutwenig zu merken. Alle Gnade des Zaren, dem wahrscheinlich demnächst vo1׳ den Pogrointschiki eine goldene brillantbeset/.te Ehrenhacke überreicht werden wird, (tat ihnen nicht geholfen. Seil st die Oktobristcn. die um einige• Millijticte: mehr nach links stehen, sehen bisher s^ltr schmal aus. Inzwischen ist die russische Regierungsbande damit K״- schäftigt. die ״.!!!denreinheit" der Puma zu sichern. Das :׳ •'! durch ״nationale Kurien” .oder was die gewissenlosen Wwüster eines ganzen grossen Reiches so nennen, erreicht w•.:• den. In Wilna. Kown•׳• und Krenientschug ist schon der Ar.- i.mg gemacht. D rt hat ls schon irüher eine russ ״eile und eine nichtrussisc k Kurie gegeben. letzt wird eie n:c ־?- russische in eine iische und niciit.nidische Kurie getedit. I':e nationale Kurie bedeutet aber in Russland nicht wie aiiders.v eine Sicherung cie1״־:er nationaler Abgeordneter, s n jern g!'׳ t nur das Recht eigene Walt! 1;11!׳:er zu Waiden, die zus•::’־־: •: : mit den Wahlntäunern der 'anderen Nat: •neu die Abgeordneten wählen. Durch die Bestimmung der Zahl der V.ul!:11;i!H!cr s; nun aber dafür gev.'g:. dass die jüdischen V,ai.in äinier in!:־* ׳ nungslf.ser Minorität bleiben, ln W'!Ina sneziei! ist 1!uJ׳rc'. dass die Polen mit den Letten in eine Kurie zusammen;♦.:: •י situ!, in welcher die erste reit die .\t«v ritüt haben, die Ma׳ -'- sicrung der Juden eurch die Russen und Polen t te Gew issV: geworden. Per russischen HuliganendespoUt sind o.e p״׳!t:schcn Nati<maldcn'0kraten noclt immer lieber als die Juden. Demgemäss ist auch die \\ ahistimn.ung unter den Jude־: sehr flau. Mau erinnert sich auch daran, dass die beiden v;-rhergegangenen P'.unas ihr die Juden nichts geleistet haben. lind besonders gegen geworden namentü. die Kadetten ist man auch seitdem eine sehr gleiche;!!:1. Hauptführe; ihrer Miljukow in seinem Blatte zw ischen ..Jud” und _liJ * ante schied und scharfe Ausfälle gegen die nationalen Bestrebung der Juden nachte. Und wie lange wird denn überhaupt die Herrlichkeit dritten Puma dauern? Je! Die Pogrom-Bagatelle ln einem Aufrufe des ״Vereines russischer Schriftstellerheisst es u. a.: ..Wir wissen, wie man im Kaukasus die Armenier erdrosselte, wir kennen die entsetzliche Grausamkeit mit der die Regierung die Intelligenz und alle Kampfer iiir die Freiheit behandelt: aber in der Judenfrage, diesem blutigen, dauernden Schreckbild, das über dein Judentum hängt, sind wie in einem Brennpunkt in ganz eklatanter Weise die russische Willkür und der völlige Mangel an Rechten, der ganze Schrecken und die ganze Schmach des russischen Lebens konzentriert." Es sind dies Worte, die sich diejenigen merken sollten, die der Meinung sind, dass man von den Judenpogromen zu viel Aufsehen mache. Pie Pogrome seien zwar tief bedauerlich, aber doch nur ein gleichwertiges Glied in den Ketten blutiger Verfolgungen gegen alle Elemente, die sich der wildwütendcn Bureaukratie und dem sogenannten Selhstherrschcrtum entgegenstellcn. Man kann diese Ansicht sehr oft auch von jiidischer Seite äussern hören. Ja selbst in national-jüdischen Kreisen die ja sonst geneigt sind, das Ausnahmsweise am jüdischen Schicksal über Gebühr zu übertreiben, ist sie neuestens gangbar. Umso dringlicher ist cs, diese falsche Anschauung. durch die man sich offenbar vor dem Vorwürfe chauvinistischer Gesinnung retten will, zu bekämpfen. Vor allem muss darauf lilngewiesen werden, dass es ein grosser Unterschied ist. wem! . AuHihrer als solche verfolgt wtrden oder wenn ein Volk als solches, ein ganzes Volk deshalb vor;! Igt wird, weil man diesem Volke eine besondere Neigung zum ״Aufnibr״ znschreiht. Es ist nicht dasselbe wenn jene Leute von der strafenden Regierung ergriffen wtrden. die sich nach den \ orstellungeu der leitenden Kreise schuldig gemacht liabtn. •der wenn Taust:!׳״: von (!reisen. Weibern. Kindern und;!ich Männern nur d-.>wegen gemordet und gemartert wereeu weil aus ihren' \׳ L.e 1!>e!:r ..Aufruhrer'• hervorgehen sollt:! als aus einem andern. Weist man aber wieder darauf hui. dass ja auch andere Volker des russischen Reiches an l'nv. iiiti! des Zaren und seiner Knechte schwer zu tragen haben, so ist damit noch lange nicht gesagt, dass iiir Unglück den!!udischen gieichzustelk . ist. Pa spielen Patter und Nebenumstünde doch noch eine sehr grosse Rolle. Es wird wohl in ן gmnz Russland kein Volk aufzutreiheii sein. - - selbst die vieli verfolgten Armenier zählen nicht mit - das Jahre hindurch! immer und immer wieder $!ch erneuernde Pogrome über sich | ergehen lassen •russ. Hie und da eine vereinzelte Bluttat. ) manchmal vielleicht ein v< n den' Rcgiernngsbesticn bestelltes Gemetzel, aber das tortgesetzte Dezimieren als Staatsprinzip, als Zartnparole. als Allheilmittel — damit ist ja doch nur das Jüdische Volk gesegnet. Nur gegen das Jüdische Volk, das ja keine Gleichberechtigung, dafür aber Jen Ansiedhmgsrayon hat. ist ein Vernichtungskrieg eröffnet. Ls: eine Mörderbaude von Staatswegen gedungen, die ohne Unterlass seine Harmlosesten zu Tausenden hinschlachten, verstümmelt und schändet. Und daher hat das Jüdische Wik das Recht, mehr zu stöhnen und zu klagen als die anderen Völker des Zarenreiches. Und die Juden ausserhalb Russlands haben das Recht und die י Pflicht, diese Klage in eine Anklage zu verwandeln und der europäischen Oeficmlichkeit so z.uzusctzen. wie sie es wahrlich verdient. Pas fehlte noch, dass sich selbst die Nationaljuden die bagatellisierenden, abwiegelnden Plattheiten der leichtesten Mädchen zärtlich liebkosend, ״das wird bald vorübergehen. Panna Wanda kleidete das Mädchen an. indem sie dasselbe unausgesetzt streichelte und kiisstc. Diese Freundlichkeit rührte das Mädchen sichtlich, denn es schlang seine Anne um den Hals der Datue und presste seine Lippen au! die Wange der Patina Wanda. ..Welch liebliches Bild!" spottete eine alte Jungfer. » ״Ucbrigens Panna Wanda, ist Euer toter Span:..־־ gar nicht so unempfindlich, wie wir es glaubten." ״Ja, dasselbe habe ich soeben auch gedacht. Allein, tun seine erstorbenen Empfindungen zu wecken, mus* inan erst unter der Knute gestanden haben . . . ״Aber ich kenne manche, die die Knute nicht ablehnen würden, um dadntireh den ..toten" Spanier zu beleben." ״Alter," sagte Don Petro jetzt zu dem Rabbiner, ״dein Mädchen hat sich schon völlig •erholt, führe es jetzt nach Haus; ich werde abends kommen und nachselten." ״Möge Ihnen Gott lohnen für die Rettung meines Kindes: ich bin’s nicht imstande. Sagen Sie mir aber: ist mein Kind sehr krank?“ ..Nein. Momentan ist die Kleine völlig gesund, — doch .... sic war sehr erschrocken .... Man muss sie ungemein schonen, und was die Hauptsache ist, beruhigen und zerstreuen. Ich werde abends zu dir kommen .... und dann w ollen w ir sehen." ״Etja, mein Kind, komm nach Hause; Grossmiittereiten wird schon sehnsüchtig auf uns warten.“ Und angesichts des lächelnden Gcsichtchcns seines Kindes war der Rabbi wie neugeboren. Sein Gesicht leuchtete, ja. er lächelte jetzt sogar. ..Warte, Alter, ich werde dein Kind hinter dir 11ertragen lassen: das Kind ist schwach, es könnte ihm schaden, wenn es so weit lauten würde." .,O nein, erlauchter Pan. iclt danke tausendmal, ich danke: ich selbst werde auf meinen Armen meine Enkelin tragen.“ ״Du kannst dich ja kaum selbst auf den Füssen halten. Alfer." erbarmte sielt jetzt auch Panna Oda. ״Für mein Kind bin ich noch immer kräftig genug. Trage ich doch auch meinen Kopf auf inciiten Schultern, und dieses Kind ist mir tausendmal lieber als mein Kopf. Ich w erde es selbst tragen." (Fortsetzung folgt.)

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