Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1907)
- Date
- 1907-10-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 434 No. 40־ JÜDISCHE RUNDSCHAU. braucht nur zu beachten, wie viele unserer Brüder es sich in den Ländern der grössten indischen Armut nicht nehmen lassen, alles für die Partei zu tun, was in ihren Kräften steht, während sic so arm sind, dass sic sogar den Parteischekel in Raten abzahlen müssen. Aber unsere wohlhabenden Gesinnungsgenossen, deren wir ia eine so grosse Zahl bereits auch haben, sollten nicht länger unter dieser unvergleichlichen Opferwilligkeit zurückblicken und bei der Sammlung für den Parteidispositionsionds beweisen, dass sie gern die entsprechende Last durch die einmalige grössere Spende für den Ponds auf sich nehmen. Sie mögen bei der Bemessung ihres Beitrages sich vor Augen halten, dass auch die Parteigenossen, denen es schwer wird, die eine Mark des Schekels sich abzusparen, nicht versäumen werden, wenigstens vier Mark als die Miudcstgabe zum Parteifonds beizustetiern. Ist es denn ein erträglicher Zustand, dass unsere Parteileitung im letzten Jahre nicht weniger als öuOO Mark ׳Zinsen für aufgenommene Darlehe.n bezahlen musste. Nein, das geht so nicht weiter. Unser Aktionskomitee darf nicht länger darauf angewiesen sein, für seine,notwendigen Arbeiten bei Privatpersonell oder'bei der Bank Anleihen auizunehmen. Mir müssen die Männer, denen w ir die Piihrung übergebet: haben, selbständig machen. Wenn ganz abgesehen von der sehr hohen indirekte n Paneibestenerur.g durch ן die deutsche Sozialdemokratie für das Jahr 1905 von j Jedem Mitglied die Organisation der Noteastecher 1 55,95 Mk., die Organisation der Buchdrucker 55,67 Alk״ j die Organisation der Lithographen -f 1.32 Mk.. die Orga-; nisation der Bi'dhauer •12,55 .Mk. einhob. die Holzi arbeiter nach dem YORWABRTS (3. August 1906) jälirj lieb 46.4S Mk.. die Holzarbätcrinuen 15.60 Mk. an Jahresj beitragen zahlen, so wäre es ein schlimmes Armms- | Zeugnis für unser!) Idealismus, wenn nicht unsere wohl-! habenden Parteigenossen eine einmalige Gabe 1'iir den 1 Partciionds spenden wollten, die wenigstens einiger- ( niassen an das Verhältnis h'erantreten. das zwischen j dem Vermögen und Einkommen dieser Arbeitsklassen i und ihren Paneioptern besteht. Das Jüdische Volk ist kein reiches Volk. Die Mehrzahl der am ludetittune festhaltenden Getreuen gehört I zu den materiell schwächsten Kreisen unseres Volkes.! einer der Ehrwürdigen acliselzuckend. und blinzelte nach den Damen herüber, die noch um den Arzt und die Patientin herumstanden. ״Es ist sogar gesetzwidrig, soviel Aufmerksamkeit einem schmutzigen Jndenmüde! zu erweisen," sagte ein anderer mit frommem Augenatifsclilag. ״Was das betrifft." bemerkte ein dritter mit vielsagendem Lächeln, ״so hat sieh mein Vater ganz richtig ausgedrückt: denn diese Jüdin ist lange nicht schmutzig. und selbst der 5.1tan könnte keine schönere leibliche Hülle wühlen zur Verführung der Menschen." ״Und ich bin sogar überzeugt," näselte Pater Benediktas, ״dass dieses Kind kein jüdisches. Mein Kind dieser verfluchten Rasse ist." ״Wie meinen Sie das. Pater Benediktus?" ״Wahrscheinlich ist sie einer christlichen Patnilie gerauht worden — zu ״bekannten" Zwecken. Die ungewöhnliche Schönheit des Mädchens bemerkend, liess man das Kind am Leben, um cs später an den Harem irgend eines Sultans gegen schweres Geld zu verschachern — das kam bei ״ihnen" schon häufig vor.“ ״Sehr leicht möglich.“ ״Bei diesen scheusslicheit Juden ist der Durst nach Aber wir sind nicht#so amt, dass wir nicht die Mittel zur Selbsthilfe attfbringen könnten. Eit: Volk, das in so kurzer Zeit eine Bank aus Sparpfennigen, einen Nationalfotias aus Groschen zusammenbrachte, kann beweisen, dass sein Opfermut gross genug ist, um auch die neue Aufgabe zu erfüllen, die an-es herantritt. Und die Zionisten werden zeigen, dass sie nicht weniger opfermutig und hingebungsvoll sind, als die Angehörigen irgend eines Volkes und irgend einer Partei. Kein Zionist möge seine Pflicht versäumen. Es gilt ein grosses Werk, die Schaffung der Unabhängigkeit unserer Parteileitnng. E 1 j A q? rn. Alle für den Parteifonds bestimmten Gelder sind ausschliesslich an Herrn M a x \V 0 11 s t e i n e r, B e r 111! N W. 2 3, H 01 s t c i 11 e r l: f c r 1 0 zu senden und werden von ihm in der JUEDISCHPN־ RUNDSCHAU ausgewiesen werden. »c* Rundschau Ein bissei Rischus ln einem Berichte des VORM'ARTS nk: die Bresiatie: Oicnstlxitenorcanisation heisst es: ..In der bürgerlichen {,resse ist man natürlich über das Prwachen der Haussklaven wenig erbaut. Namentlich die freisinnige BRESLAUER MORGENZEITl NG hat e> sich zur Aufgäbe ge :!’acht die Be \v e g u 11 g n5 i t h alb g c t a u i t c n . halb r a s s c n r c i!1 e n jüdische n M i t z c 11 und M ä t 7. c 11 c 11 b z 1111! 1f. Alicr die viel zu gesunden Mädchen gehen darüber zur Tagesordnung über.” Stadthagen ist rassenrein, (i r a d 11 a 1! c r getauft und der VORWÄRTS nach Bedari antisemitisch. Eine nationale Kundgebung Mau berichtet der NEUEN ZEITUNG aus Czerno w i t z: Die wegen ihrer jüdisch-nationalen Betätigung gemassregelten Professuren des Radau tzer Gymnasiums Dr. Engel und Lieben, von denen der erste re strafweise versetzt der andere ganz vom Amte enthoben wurde, waren am 19. d. M. ani ihrer Durchreise am hiesigen Bahnhöfe Oc-rchistand lebhaiter Ovationen. Sic wurden von sämtlichen jiidisehen Verbindungen erwartet, in deren Namen eand. jur. Geld fast grösser, als nach unsclmldigeni Christenblute." ״Und dies alles geht in dieser gottvergessenen Gegend so ungeahndet durch, aus dem einfachen Grunde, weil unsere heilige Inquisition hier nicht waltet Man dürfte blos diesen alten Judas ein bischen foltern, tmd die Welt würde sicherlich die traurige Geschichte dieses armen Kindes erfahren." ״Wieviel Christcnseclen mögen auf diese M eise zugründe gehen, ach.“ Chntielnicki hörte ebenfalls diese Unterhaltung; er lächelte dabei ironisch. — Bei der Untersuchung des Kindes fand der Doktor auf dessen Rücken einen breiten, blutunterlaufenen Streifen, der in gerader Linie von einem Schulterblatt zum andern lief und an beiden Enden entzündet und angeschwollen war. ״Ja." bemerkte Don Pedro empört, ״der Henker hat sie nicht gestreichelt." Die Berührung des Doktors, so zart und vorsichtig sic auch war, verursachte der kleinen Kranken sichtbar grosse Schmerzen, denn sie schrie auf und begann zu weinen. ״Beruhige dich, mein Kind," sagte Don Pedro, das