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Jüdische Rundschau · 1907-10-04 · Heft 40 (4.10.1907) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 40 (4.10.1907)
Date
1907-10-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 436 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 40 Kavallerie unter den Jüdischen Revolutionären einreden lassen. Dass sie vergessen, woher diese Plattheiten psychologisch stemmen? Das fehlte noch, dass selbst Nationaljuden dem westeuropäischen Antiscmitcngcsindcl. — dem die Pogrome von Kischinew. Bialystok, Sicdtce und Odessa nur als Vorgänge erscheinen, wo ,.einigen Juden auf die Hühneraugen getreten wird," — seine niederträchtigen Geschichtsfälschungen erleichtern. Man braucht übrigens nur irgend einen Revolutionär russisehen Stammes oder irgend einen Armenier. Polen, Letten, er mag die russische Hölle noch so sehr zu kosten bekommen. 7m fragen, ob ihm sein Los nicht doch noch lieber sei als das eines rusischen Juden. Und man wird nach der Antwort sicherlich die Lust verlieren, den Juden mehr Zurückhaltung in ihren Klagen über die Pogrome zu empfehlen. Man wird dann vielleicht doch erkennen, dass eher zu viel Zurückhaltung geübt wird, und dass die Juden, wenn sie nicht innerlich so entkräftet und in ihren blassen Abstraktionen so befangen wären, schon längst einen Protestschrei hätten herausbringen müssen dessen tragische Tiefe und erschütternde Kraft auch die berüchtigte Trägheit des europäischen Gewissens besiegt hätte .... Ja. wenn . . . (Aus Dr. N. Birnbaums NEUE ZEITUNG). Die Pogrome nehmen ihren Fortgang. Auf den verschiedensten Punkten des Ansicdlungsrayons, namentlich Bcssarabiens, wüteten sic wieder. So in Kischinew. Eine bewaffnete Bande überfiel auch das Städtchen Perlitz, misshandelte die Juden und warf mehrere jüdische Kinder in einen Brunnen, wo sie ertranken. In Odessa fand am 16, September wieder ein grosser Pogrom statt, der viele Opier kostete. Am Jom Kippur drangen Militär und Polizei zwecks Durchsuchung in die Synagoge ein. Dafür hat aber der neue Stadthauptrr.ann schon am 12. das Jüdische Hospital besucht wo die Opfer der scheussüehen arischen Barbareien liegen und der Zar. dieser Mustcrmnnarch. mit dem die anderen Monarchen noch immer zu verkehren den seltsamen Geschmack haben, begnadigt in Stattgcbung einer Eingabe der ״echten Russen“ sämtliche wegen der Oktober- Pogrome von 1905 verurteilten Pogromheldenü! Aerzte in Russland Aus einem In der MÜNCH. MED. WOCHENSCHRIFT aus Russland publizierten Berichte lässt sich die Stellung der russichen Regierung zu den Acrzten im allgemeinen und besonders zu den Jüdischen Acrzten ersehen. Die russische Acrztewclt. heisst es. hat sich stets durch demokratische Weltanschauung vorteilhaft von den anderen Kreisen der russischen Intelligenz unterschieden. Nicht zum geringsten Teil ist das darauf zurfickzutrthren. dass die russisehe medizinische Welt viele fremdländische Elemente, besonders Hebräer, beherbergt, die in der wenig organisierten Masse, dank ihrem geistigen Uebergewicht, die politische Stimmung der ganzen Acrztewclt beeinflussen. Dieser Umstand lässt die russische Regierung in jedem Arzt eine staatsgefährliche Person erblicken, die nicht aus den Augen der Polizei gelassen werden darf. Begreiflich ist cs daher, dass alles Mögliche von der Regierung daran gesetzt wird, um medizinische Kongresse zu vereiteln. — Der 10. allrussische Tirogow-Acrzte-Kongress tagte in Moskau vom 7. bis 14. Mai er. und das Schicksal hat cs gefügt, dass zur selben Zeit das sogenannte ..Schwarze Hundert“, die Vertreter der äussersten Reaktion, an derselben Stelle ihren 4. Kongress ahhieiten. Zusannuenstösse dieser zwei feindlichen Lager konnten mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit erwartet werden, um so mehr, als noch lange vor Er- Öffnung des Kongresses in der russischen Presse eine formliehe Hetzjagd gegen die Mediziner, insbesondere saldier jiidischer Herkunft, inszeniert worden war. Wider Erwarten ist aber alles ruhig verlaufen. Der Acrztc-Kongrcss konnte ohne besondere Zwischenfälle zu Ende geführt werden und das ..Schwarze Hundert", das statt der Tausende von Mitgliedern, die zum Kongresse erwartet wurden, nur einige hundert Analphabeten versammelt hatte, war überall dem Spott der Bevölkerung preisgegeben. Gerichtsurteile in Angelegenheiten des Schwarzen Hunderts . Einer Statistik der B1RSHEWVJA WEDOMOSTI zuiolge. wurde in Prozessen des Terrors des Schwarzen II u 11 - derts und antisemitischer Pogroms in den Städten Wjasma. B r i a n s k . K r o l o w c z und den Kreisen O r g e j c w s k, Umanj Mgende Strafen verhängt: Arrestantenkompagnie — 1 Person auf 1 Jahr, Gefängnishaft 41 Personen zu insgesamt 25 Jahren, zu Haft 7 Personen von insgesamt 4 Monaten, zu Geldstrafen von zusammen 60 Rbl. 3 Personen. Die Brüder Chwostovvy, adelige Gutsbesitzer. die einen Lehrer und zwei Bhuern erschlugen, wurden Vom Landschaftshauptmajm von Tweri zu einer Haft von 1!-• Monaten im Semstxvohaftlokal verurteilt. Ein Major, der in ״gereiztem und jähzornigem Zu- Stande einem Stabsrittnicistcr mit dem Säbel schwere Wunden beibrachte, wurde vom Petersburger Kriegsbezirksgericht zu 3 Monaten Hauptwaclie verurteilt. Der Stadlrichtcr!von Belooscno verurteilte einen Holzindustriellen wegen Vcrleunidüng des Schwarzen Hunderts zu zwei Monaten Haft. Auf das Gesuch des Verbandes des russischen Volkes wurden begnadigt: die vom Bezirksgericht in Charkow׳ für die Errnordung zweier Aerzte während des Pogroms im Kreise Woltschansk Verurteilten, sowie alle wegen des Pogroms in Kcrtsch Verurteilten. Die allerhöchst Begnadigten wurdet! sofort aus der Haft entlassen. Der Prozess des K i sc h i - new er Pogroms wurde .,wegen Mangels an An geklagten‘‘ (!) niedergeschlagen, obgleich dieser Pogrom, der die Aera der permanenten Pogroms cinleitcte. w׳ic sich kürzlieh ein Publizist äusscrtc. 60 Menschenleben und viele Millionen Materialschaden ruinierter Familien gekostet }tat! Das heisst gegenwärtig Gerechtigkeit und Gerichtsbarkeit in Russland! or LZ) Sprechsaal O FCr dis MlueUungeh in diese Stelle Dbetnlmrrtt die Redaktion nurd/e press^esetxiiche Verantwortlichkeit- Sehr geehrter Herr Redakteur! Zur Berichtigung einiger Tatsachen int Leitartikel Ihres geschätzten Blattes No. 3S vom 20. September d. J. ersuche ich Sie um gefällige Veröffentlichung folgender Zeilen: Die NEUE NATIONALZEITUNG in Wien, in der meine ״Kongressnotizen“ erschienen sind, ist •kein tcrritorialistisches Blatt, Doch würde ich. wahrheitsgemäss. auch in einem territoriaüstischen Blatte lieber meine zionistischen Ansichten gcgebencnfalls voll und ganz zum Ausdrucke bringen, als sic in zionistischen Zeitungen unterdrückt oder verstellt zu selten. l:s lag nicht in meiner Absicht, Ussischkit! persönlich anzugreiten oder herabzuwürdigen -׳- ich wollte nur die Psychologie seines Erfolges erklären. Meine ganze 20jährige literarische Tätigkeit ist ohne ״leichte schöngeistige heute für das und morgen für das“- Zickzacklinie verlaufen und steht Beleidigungen wie ..unfair“ und ..sielt sclbsthcrabwiirdigcn“ unberührt entgegen, ln vorzüglicher Hochachtung ergebenst Ruhen B r a i n i n. Berlin W. 30. 23. September 1907. Hcilbronnerstrassc 16. Zu dieser Erklärung des Herrn B r a i n i tt habe ich zu bemerken, dass ich deshalb die NEUE NATIONALZEITUNG für territorialistiscb anzusclicn das Recht habe, weil sic erstlich cs ist und dann weil sie sich, ohne zu widersprechen, wie unseren Lesern bekannt ist. von den Posenschen Territorialsten als solche in Anspruch nehmen liess. Herr B rainin hat behaiiptct. dass ״U s s i s c 11 k in cs verstünde, sich mit einer Gruppe von M ä n 11 e r n z 11 umgeben, die an seinem E r f o lg e persönlich Interessiert s i n d“. Diese ״Psychologie seines Erfolges‘ ‘wusste ich nicht anders zu bezeichnen, als wie ich es getan habe. Weiss Herr Braittin dafür einen noch parlamentarischeren Ausdruck als ich. nun so werde ich gern von ihm zulcrnen. Herr Braittin ist der erste Gegner Ussischkins, der dessen Freunde persönlich an seinem Erfolge interessiert sein lässt, ln solchem l alle ist es zw׳ecklos, mit Herrn Brainin über diese Sache zu disputieren. Heinrich Sachse. Kupons der Koloulalbatik. Die Bilanzen der Kolonialhank zeigen, dass von den bishcrigen Dividenden grössere Beträge (am 31. Dezember 1906 ungefähr 146 01X1 Mk.) nicht abgehoben w orden sind. Die Beträge dienten also bisher nur dazu, die ungenutzt liegenden oder wenig rentabel angelegten Gelder der Bank zu vermehren, während andererseits alle unsere Institutionen an einem grossen Geldmangel laborieren. Die Einlösung der Kupons lohnt vielen nicht oder macht ihnen zu viel Mühe. An alle diese möchte ich die Bitte richten,

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