Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1907-10-04 · Heft 40 (4.10.1907) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 40 (4.10.1907)
Date
1907-10-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2651500-2651540--05064-2662069
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 432 JÜDISCHE RUNDSCHAU. deutschen Zionisten wiederholt bewiesen hat, ewig in dankbarer Erinnerung halten. Das Zentralkomitee der zionistischen Vereinigung für Deutschland. Dr. B o d c!1 h e i in e r, Köln, Vorsitzender. Das Zentralkomitee erhielt auf dieses Telegramm die folgende telegraphische Antwort: No. jj) Dr. Bodenhcinier, Vorsitzender des Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Mainau, 30. Septqmber 1907. Seine Königliche Hoheit, der Grossherzog lassen für die treue Anteilnähme bestens danken. Auf Allerhöchste!! Befehl S e y b. Firma und Betriebskapital Vielleicht nichts hat den Jndennamen mehr geschädigt, als dass das Etikett ״Jude“ von den Trägern des Judentums abgelöst und nach Möglichkeit durch andere Inhaltsbezcichnungen ersetzt wurde. Wenn man auch unter diesen fremden Marken, die gute jüdische Mcnschcnvare ohne weiteres in Umlauf bringen kann, ohne dass man Gefahr läuft, desavouiert zu werden, und wenn sie von jeder Nation, die daran verdient, in Anspruch genommen wird, so ist das keineswegs der Fall mit den schlechten Elementen. Die hat noch niemals ein anderer Stamm für sich beansprucht. D i e werden als Juden bezeichnet und als solche gekennzeichnet, und trügen sie ein Volksetikett, welches man immer wolle. Der getaufte Jude, der siel! etwas zu Schulden kommen lässt, wird uns angerechnet und uns vorgercchnet bis ins hundertste Geschlecht. Der Jude aber, der als Maler oder Dichter, als Philosoph oder Techniker, als Erfinder oder als Politiker etwas Hervorragendes leistet, trägt, auch wenn er nicht getauft ist und wenn er sich auch als Jude fühlt, das Etikett der fremden Nation, weil es kein jüdisches Etikett gibt, seitdem unser Stamm die Wanderschaft hat antreten müssen aus dem Lande seiner Jugend in die Länder seiner Verbannung. Andere Stämme beurteilt man daher nach ihrem Goethe und nach ihrem Bismarck, nach Männern wie Corneille, Racine, Carnot, nach Shakespeare, Hume und Darwin, unsere jüdische Nation dagegen nach ihren Zuchthäuslern. Dazu kommt, dass es die in jüdischem und menschlichem Sinne wertlosesten Kreise unseres Volkes sind, die durch nicht immer ganz lautere Mittel reich geworden das Judentum als Last empfinden, und deshalb doppelt das Bedürfnis fühlen, im anderen Volkstum unterzutauchen. Sie stellen das grösste Kontingent zu den Ueberläufern, uud die Nichtiuden beurteilen nach diesen, mit denen sie in nähere Berührung kommen, das Gesaimjudcntum, während sie das w ahre Judentum und die wahren Juden nie kennen lernen. Diese getauften Väter des Antisemitismus sind es. nach denen wir beurteilt werden, und wir können es den! Niclitjudeu, der in allen Aemtern und auf allen wissenschaftlichen Kongressen mit der Fülle der getauften Juden zusamineukommt. nachfühlen, dass er ein Volk verachten zu dürfen glaubt, dessen angeblich gebildetste Kreise aus der Ueberzeugung. dass es für die Karriere von Vorteil ist. in feierlicher Weise eine Ueberzeugung bekannt haben, die nach aller Ueberzeugung eben ihre Ueberzeugung nicht ist. Einer unserer hervclrragLmdsten;pnd besten Zionisten, der in einem jüdischen historisch bedeutenden Parlamente der jüdische Vertreter des jüdischen Volkes und seiner angestammten Kultur war, führt diese falsche Beurteilung des Judenvolkcs darauf zurück, dass alle Völker eine Firma hätten, unter der sie bekannt wären und handelten, dass uns aber diese Firma fehle. Darum gelte jeder einzelne, der im Völkerverkehr sich etwas zu Schulden kommen lasse, zwar mit Unrecht, aber nicht ohne Veranlassung für den Vertreter der Firma, w ährend in Wahrheit niemand befugt sei, für die Firma, die i!!1 internationale,n Register nicht eingetragen sei, zu zcich- Spinnen und Fliegen Roman von Bagroff. Aus d. Russ. übersetzt. (Fortsetzung.) Die ungewöhnliche Spannung des Greises bemerkend, eilte er auf Um zu und legte ihm beide Hände auf die Schultern. ״Alter, dein Kind lebt! Es ist in einer tiefen Olmmacht befangen, wird aber bald zur Besinnung kommen. Ich, der hiesige Arzt Don Pedro, verbürge mich mit meinen! Kopfe für das Leben und die Gesundheit des Kindes.“ Der Rabbi w ar wie betäubt vor Freude und bedeckte die Hände des Arztes mit Küssen; dann aber schluchzte er laut auf. ״Ja, ja. weine nur, Alter, das ist dir heilsam,“ sagte Don Pedro lächelnd. ״Gute, edle Panna Wanda! Helfen Sie mir, das Kind auskleiden. Nehmen Sie ihm dit Jacke ab und cntblössen Sie ihn! den Oberkörper. Wir wollen sehen, wo die Arme verwundet ist.“ ״Verwundet? Ein Peitschenhieb und gleich vorwundet?“ spottbte Pan Wirginski. ״Eine Peitsche in der Hand eines Bösewichts ist für ein Kind eine ebenso todbringende Watte, wie eine Kugel für . . . mm für einen Helden wie Sie, Pan Wirginski.“ antwortete Don Pedro sarkastisch. Während das Kind entkleidet wurde, hielt der Arzt ein mit einer weissen Flüs igkeit gefülltes Fläschchen unter die Nase der Patientin und rieb ihr damit die Schläfen ein. Das Mädchen bewegte die Augenlider, biss die Lippen zusammen, seufzte erleichtert auf und schlug schliesslich die Augen auf. — Fähige Momente waren die Augen wohl trübe, mmvölkt, aber bald schwand dies. Aut dem Gesichte des Kindbs drückte sich hochgradiges Staunen aus, es sali abwechselnd in das schöne Gesicht der sic!! tief zu ihr neigenden Panna Wanda und des glückstrahlenden DanieJIo ־ ~ und lächelte, aber so, wie schlafende Kinder ein angenehmes Traumbild auKicheln. ״Etja, mein teures Estherellen.“ rief der Rabbi, der nicht mehr an sich zu halten vermochte. ״Ich bin hier, ich bin neben dir!“ Das Mädchen schauerte zusammen und hob das. Köpfchen. ״Grossväterehen! . . . Wo sind wir?“ flüsterte sie. sich erstaunt umblicker.d. ״Beruhige dich, mein Kind.“ sagte der Doktor, indem er das Kind, dessen Gesichtehen sich belebt und mit dichter Röte bedeck! hatte, streichelte. —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.