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Jüdische Rundschau · 1907-09-27 · Heft 39 (27.9.1907) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 39 (27.9.1907)
Date
1907-09-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 428 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 39 Aus der russischen Hölle Ein Tclegtanmi aus Lodz meldet von entsetzlichen Mordtaten dortiger Banditen, die wieder einen Pogrom begonnen haben. Es wurden elf Personen, darunter vier brauen, erschossen und vier Personen, darunter zwei brauen, verletzt. — Kosaken haben in Elisabethpol einen Pogrom veranstaltet, vier Armenier getötet, zahlreiche verwundet und die Bevölkerung in Schrecken versetzt. — Wie die r u s s i s c h c Regierung die Pogromhelden schützt, lehrt das nachfolgende Telegramm, dass die RUSS. KORR, aus Petersburg erhielt: Das Kadcttenblatt RUITSCH wurde von der Zensurbchördc mit 500 Rubel Geldstrafe belegt, wegen seines Berichts über den Pogrom in Odessa, obgleich dieser Bericht völlig objektiv gehalten war. Diese Bestrafung ist charakteristisch für die Haltung der Behörden den Pogromstiftern gegenüber. — Aus Lemberg werden über die Ermordung des babrikdirektors M. S i I b e r s t e i n in Lodz furchtbare Details gemeldet. MO Arbeiter in der babrik der Textil-Aktiengcsellscliai: versammclten sich vormittags im Expeditionsraum der babrik und Hessen durch eine Deputation den babriksdirektor Silberstein zu sich bitten, der nichts almend auch vor den Arbeitem erschien. Nun verlangten die Arbeiter von ihm die Auszahlung von 180011 Rubeln für zwei Wochen, in denen die babrik infolge des Streiks gesperrt war. Als der Direktor sich weigerte, diese borderung zu erfüllen, nahmen sie ihn gefangen, schlossen ihn in ein Zimmer ein. nachdem sie bei ihm eine Leibesvisitation vorgenommen hatten und gaben ihm bis 6 Uhr abends Bedenkzeit. Hierauf besetzten sie alle babrikstclephone. damit niemand von ihren Schritten erfahre. Als nach Ablauf der brist Direktor Silberstein abermals eine verneinende Antwort erteilte, gaben die Arbeiter eine Salve auf ihn ab. Er fiel von 11 n 7. ö 111 i g e n Kugeln getroffen tot z u s a tu n! e 11. Die NOWOJE WREMJA über Odessa Die über die Odessacr Ausschreitungen veröffentlichten offiziellen Daten bestätigen vollkommen die im Volke herrsehenden Vorstellungen über die Gründe der in dieser tmgliiekliehen Stadt regierenden Anarchie. Die lokale Autorität, von der der ofizicllc Bericht ausgeht. hält es augenscheinlich für ihre Pilicht, auf jede Weise die Schuld der allen bekannten Urheber des Blutbads zu mildern und die Tatsachen zu entstellen. Jeder weiss. dass die Explosion der Bombe im Stadtteil Pctropawlowsk durch die Nachlässigkeit derjenigen Personen entstand, denen man aulgetragen hatte, die Bombe zu entladen. Eine Administration, der cs tatsächlich darum zu tun gewesen wäre, die Ordnung aufrecht zu erhalten, wäre natürlich verpflichtet gewesen, dies allen bekannt zu machen. Die Odessacr Administration aber behauptete, dass gerade die Explosion dieser Bombe die Hauptursache der starken Erregung gewesen wäre, die unter den russischen Einwohnern der Stadt sich geltend macht. Die Einwohner hätten sich hei dieser Gelegenheit an die Ermordung des von allen geachteten ehemaligen Gcneralgouverneurs von Odessa. Karangosow, die im Kaukasus stattfand“, erinnert. -־ Als Resultat dieser ״Erregung*‘ brachen die Ausschreitungen los. die sechs Tage wüteten, ohne dass ihnen ein Ende gemacht worden wäre. Nachdem schliesslich viele Personen getötet und eine Menge zu Krüppeln gemacht worden waren, gelang es den ״energisehen Massnahmen" der Polizei. 22״ Personen. Mitglieder des Verbandes des russischen Volkes und Anarchisten, dingfest zu machen", wobei man noch ״H i n w׳ c i s e darauf b c - sitzt, dass einige von den Verhafteten sich als Verbändler bezeichn etc 11, ohne überhaupt zum Verbände des russischen Volks zu gehöre n". Die Administration, die augenscheinlich wünschte, den echt russischen Leuten einen Ercundsdiaftsdienst zu leisten, begreitt nicht einmal, dass sie gleichzeitig sich selbst damit charakterisiert. Die Verhafteten würden sich selbstverständlich nicht als Mitglieder des Verbandes bczeichnet haben, wenn sic nicht auf diesem Wege gehofft hätten, sich von der Verantwortung zu befreien. Was für logische Schlüsse hieraus folgen, ist klar. Es liegt klar auf der Hand, dass die Admimsuatiou mit den Verbändlern gemeinsame Sache macht, nachdem ein in bureaukratischcn Sphären so kompetenter und in die Geheimnisse der Regierung so eingeweihter Mann, w ie A. Stolypin, in der NOWOJE WREMJA ohne weiteres eingestanden hat. dass die Odessaer Administration im Kampfe mit dem Aufruhr tatsächlich ״zu dem ätisserst gewagten Mittel der Beihilfe der echt russischen Vcrbändler ihre Zuflucht genommen hat". A. Stolypin versucht nach Möglichkeit durch Verweise auf den Charakter des Augenblicks die Bedeutung dieser Tat- Sache abzuschwächcii. ..Es ist durchaus möglich." sagt er. ..dass in der kritischen Minute, als die Revolutionäre üherhami nahmen, als die Okkupation der Rcgicrungsinstitutioncn usw. denkbar war, kein anderer Ausweg blieb, als sich um Hilfe an den Verband zu wenden. Der Untergeheude sieht nicht darauf, wem die rettende Hand gehört. . . . aber als eine ständige Erschein u n g ist die Arbeit der Administration Hand in Hand mit dem Verbände nicht zulässig *. Es erscheint sonderbar, dass der Untergehende im gegebenen Falle nicht sah. wem die rettende Hand gehörte. Aber nicht darin liegt das Wesentliche sondern in der unzweidcutigen Feststellung, dass wir ״die Arbeit der Ad minis t r a t i o n Hand in Hand mit dem V erband e" n o c 11 bis auf d c n h c 111 i g c 11 Tag fortdaucr t. Wenn das nicht so wäre, so würde A. Stolypin sich nicht mit der Prüfung der praktischen Argumente beschäftigen, die gegen die Zulässigkeit einer ähnlichen gemeinsamen Arbeit der Administration mit einer Organisation, der ״sieh unaufhaltsam vagabundierende Elemente anschiicssen" und von der Stolvpin selbst konstatiert, dass sie .,durch keinerlei Subordination und Verantwortung ziisan.mengchalten wird", spricht. Wenn ferner die Frage nur'das Vergangene betreffen würde, so hätte der Verfasser seinen Artikel nicht mit dem geflügelten Worte zu beginnen brauchen: ..Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.‘‘ Aber der ..Mohr stellt mit Jedem Tage grössere Forderimgen und erinnert jetzt seine Schuldner an den vereinbarten 1.01111. Wie A. Stnhpin ganz richtig bemerkt. ..genügt cs. eine beliebige Nummer der Presse des Verbandes einzuselien. um zu begreifen, bis zu welchen Grenzen der Zügellosigkeit der Mangel an bändigenden Prinzipien die Leute fuhren kann." Es fehlt also ein Prinzip, das die Ausschreitungen der Elemente, aus denen sich die echt russischen Verbände zusammensctzeii, verhindern könnte, es fehlt eine Autorität, welche die aus Rand mul Band geratenen unteren Schichten der Bevöikerimg, den Janhagel, den Auswurf der Gesellschaft in gehörigen Grenzen halten könnte! Und das gibt diesmal hereits einer der wichtigsten Mitarbeiter der NOWOJE WREMJA, der leibliche Bruder des Ministerpräsidenten, Herr A. Stolypin. in den Spalten des Bureaukratenblattes zu. Die Zahl der Juden in den Städten der Bukowina Die Bukowina besitzt folgende neun Städte: 1. Czernowitz (mit eigenem Statut), 2. Guralmmora, 3. Kimpolung, 4. Kotzman, 5. Radautz. 6. Sercth. 7. Storozynetz, 8. Suczawa und 9. Witznitz. Es sei mm die Anzahl der Juden gegenüber der Gcsaintbevölkerung gemäss den Daten der letzten Volkszählung im folgenden dargelegt: Einwohnerzahl Hiervon Juden Czernowitz. 67 622 .... 21 5S7 Gurahumora. 4 063 .... 1457 Kimpolung. 8 02S ..... 1654 Kotzmann. 4 782 .... 509 Radautz. 14 403. . . . 4 894 Sereth . 7 614 .... 3 093 Storozynetz. 6673 ... . 2410 Suczawa. 10955 .... 4229 Wiznitz. 4 490. . . . 3 997 Sprechsaal 3־ Für dl• Mlttenungeh an dieser Stelle übernimmt die Redaktion nur die pressgesetz'.lche Verantwortlichkeit. Warnung! Derselbe Schwindler, der im vorigen Winter in Westtalcn und in Schlesien in meinem Namen verschiedene Literaturvereine und einzelne Herren telephonisch um Geldbeträge für angebliche Unterstützungszwecke angertifcti. setzt gegenwärtig auch hier dieses Treiben fort. Derselbe nennt sich auch gelegentlich Franz Graetz. Ich warne hiermit noch einmal naclidriicklichst vor diesem Schwindler und bitte dringend, denselben verkommenden!*'alles festhaltcn zu lassen. Berlin. 15. September. Dr. Gustav Karpeles.

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