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Jüdische Rundschau · 1907-09-20 · Heft 38 (20.9.1907) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 38 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 416 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 38 ׳־ Odessa, 16. Septcmfcr. Während der Beerdigung des ge-! tüteten Polizcioftizicrs Chartsehenko ertönten vielfach Revolvcrsehiissc: viele Personen wurden verwundet. Die; jiiuisuic Bevölkerung des Stadtteils M o 1 d a v a n k a ist in ־ grösster Aufregung. Es wurden massenhaft Haussuchungen vorgenonunen. wobei 3U Juden verhaftet wurden. Der Staüthauptmann .beruhig t" die Bevölkerung. H *.rzelian Ferienkolonie und Sanatorium in Moza. In der Kolonie Moza, an der Wagenstrasse von Jerusalem nach Jaffa, dreiviertel Stunde Wegs von der heiligen Stadt ge-; legen, hat Dr. Herzl vor acht Jahren eine Zypresse gepflanzt. ן Dieser Baum steht in der Mitte der Weinberge Moza’s, w elche den Schmuck der westl. Umgegend Jerusalems bilden. Oe- ן sunde, reine Gcbirgsluft weht dort den ganzen Sommer hindurch Kühlung zu und süsses Wasser quillt am Fussc des Berges hervor. Der Platz eignet sich ganz besonders zur Anlage einer Fericn-Kolouie mit Sanatorium für alle Frhohmgsbedürftige, vorzüglich iiir Gelehrte und Studierende, für Lehrer und Schuljugend. Die Errichtung eines solchen Instituts in! Palästina ist seit langem ein tief empfundenes Bedürfnis.! Während fast alle christlichen Genossenschaften Sanatorien in der Umgehung Jerusalems besitzen, fehlt den Juden Palästinas bis heute ein solches Institut gänzlich. Ferienheim und Sanatorium, ani einer von Ilcrzl seihst geweihten Stelle errichtet, soll aber gleichzeitig ein Denkmal j sein dem Manne, der dem jüdischen Volke neuen Lebensmut 1 dnflnsste. Begeisterung und Tatkraft für seine Ideale gegeben. 1 Der Aniang für die Hcrzcliah (das Hcrzlhum) ist bereits j gemacht, das Grundstück um die Herzl-Zypressc in» Umfang von zirka 12 Dimam (lüböö qm), wovon ein Drittel ein Gcj schenk der Bne-Brith-Logc, ist bereits in den Besitz der Angl(» Palcstinc Comp, übergegangen, ein Garten ist angelegt, von einer Trockenmauer umgeben und mit einer grossen Zisterne versehen worden. Nunmehr soll an die Errichtung eines Gebäudes geschritten werden, würdig des Mannes, dessen Namen cs führen soll, würdig der jüdischen Nation. Das Unterzeichnete Komitee richtet an das gesamte jüdische Volk die Bitte, sich mit Liehe der ״H c r z e 11 a 11“ anzunehmen. Spenden sind zu richten at» die Adresse der Anglo Palcstinc Comp. Ltd. Jaffa, Jerusalem, Beirut oder an die Jüdische Kolonialbank, London. Das Komitee zur Errichtung des Ferienheims ״Herzcliali“. D. Le von t in. E. Cohen. I. Ldvy. J. M. Pin es. E. E i s e n s t a d t. D. V c 11 i n. Der obige Aufruf geht uns in deutscher und hebräischer Sprache zu. Da wir nicht übersehen können, in welcher W׳eise die Jerusalemer I3!!c Brith-Logc neben der Anglo- Palestine-Comp. als Unternehmer in Betracht kommt, so müssen wir uns einer Besprechung des Aufrufs enthalten. Der Name Dr. Herzls ist ja in diesem Falle noch keineswegs ein Beweis, dass der Aufruf von zionistischer Seite ausgeht. Jedenfalls wäre ein Sanatorium für Erholungsbedürftige von grossem W'ertc. Ob der Ort der gegebene ist, darüber kann nicht die Zufälligkeit entscheiden, dass Dr. Herzl dort eine Zypresse gcpflanzt hat, das ist vielmehr Sache der in Frage kommenden Arzte. Es wäre wünschenswert gewesen, dass darüber der Aufruf etwas gesagt hätte. Das beste Sanatorium für Jerusalemer Juden waren bisher die jüdischen Dörfer in Palästina. Ob man Moza jetzt schon ein solches nennen kann, haben wir nicht zu entscheiden. Chalukah und Arbeit Im neuesten Hefte der Zeitschrift PALÄSTINA macht Davis Trietsch folgende Mitteilung: ,.Ein interessanter Beitrag zu der Frage, wie das Chalukah- Element Palästinas in ein wirtschaftlich produktives verwandclt werden kann, wird von der Jafiaer Handwerkersclmle ,.Beth-Melachäli" geboten. Diese im Sommer 1906 aus den Kreisen der Jafiaer Orthodoxie (Schomre Thora) hervorgegangene Gründung hczw׳eckt denjenigen Kindern, von denen eine übermässige talmudischc Gelehrsamkeit nicht zu erwarten ist, eine handwerksmässige Ausbildung zu geben, die ihnen zu wirtschaftlicher Selstäudigkeit verhelfen soll. Vorerst wurde Eisenarbeit in Angriff genommen. Bisher sind einfache Schlosser, Riegel und ähnliche Arbeiten aus dem Institut hervorgegangen, daneben auch kleinere Klappniobel und recht hübsch gearbeitete Hämmer. Ausser dem direkten Handwerks- Unterricht haben die Kinder auch Kurse im Zeichnen, Rechnen, Physik etc., woneben auch das Tahnudstudium einige Stunden .des Tages in Atispruch nimmt. Die Schule, der vorerst! nur sehr spärliche Mittel zur Verfügung stehen, beabsichtigt eine Fabrik kleiner Eisenwaren Schüler auch nach uvtn finden können.“ Ve! lasset etablieren, in der die der Sciiuie Verdienst Allerlei Die DEUTSCHE WARTE gehört zu den parteilosen Blättern, deren Parteilosigkeit bei den Juden endet. Immerhm ist es ganz interessant, wie von dieser Seite aus die Jaden mit interessierten Augen betrachtet werden. Das interessante Berliner Strassenbild der Tage, wo die Johannisstrasse von Droschken und Autos gesperrt wird, veranlasst die DEUTSCHE WARTE zu folgender Betrachtung: Das jüdische »Neujahr, bekanntlich ein bewegliches Fest, fällt dies Jahr ausserordentlich zeitig, nämlich auf den 9. und 10. September. In den von Israeliten bevorzugten Stadtgegenden kündigt sich die Nahe der grossen Feiertage durch mauchcrlci an: insbesondere durch Erzeugnisse der Pruckerk’.iast, durch Festgcbäcke, Ess- und Trinkwaren mit den obligaten Rabbinatsbesclieinigimgeii, endlich auch durch Lichter it!r das Gedächtnis der Seelen. Die erwähnten Druekereierzetigr.bse bestehen zumeist aus Gliickwunsclikarten mit hebräischen! (!der hebräisch-deutsche:;! Text. Ein eigener Humor v.»:!et in einer ganzen Reihe anderer Neuiahrswiinsehe. Sie sind teils gedruckt, teils lithographiert, y.um 'Teil auch autotyp.scii mit Darstellung der Neujahrsfeier im israelitischen Hause geschmückt. Diese üliickv. iinsche, mit Emblemen, wie Kamen, dem Siegel Saloiaonis, dem Widderliorn, den Löwen usw. geziert, ahmen die Torrn von Urkunden, von Wechseln, von P stanweistingen, von Paketadressen 11. dergk nach. Die naive Verquickung des Religionen mit dem Geschäftlichen wird nicht von allen sehr humorvoll gefunden werden, namentlich nicht von den hochgebildeten Juden, deren cs ja besonders in Berlin ungezählte gibt. Aber man muss auch solche volkstümliche Fcsterzeugnissc schliesslich als ein Stück Volks- und Hcimatskunst betrachten. Vor allem darf man nicht vergessen, dass auch in christlichen Gegenden — man denke ztnn Beispiel an die W’allfalirtsortc — manches fei! geboten wird, das gebildete Katholiken zwar allenfalls geduldig anselien. aber doch nicht kaufen. Auch von evangelischen Konventikeln wird ja manch־ mal etwas im Umlauf gebracht, w ie Eisenbahnfahrkarten nach dem Himmel, Hinunclsbricfc u. dergh, alles Dinge, die man deshalb noch lange nicht der evangelischen Kirche anhängt. Sprechsaal mf Ftr dl• Mlttefluntfa an dieser Stelle Obernimmt die Redaktion nur die pressgeseullche Verantwortlichkeit. Q Parfelstcuer. In dem Protokoll der Verhandlungen eines Acrztetagcs Ende ich folgende Stelle: .,Es ist schon so oft auf die Opfer- Willigkeit der Mitglieder von Arbeiterorganisation e n hingewiesen worden dass ich nicht nochmals näher auf dieses Thema tingehen will. Vielleicht schadet aber doch die Anführung einiger Zahlen aus einer so sicheren Quelle wie dem KORRESPGNDLNZBLATT DER GENERALKOMMISSION DEUTSCHLANDS (No. 31. 1906) nichts. Nach den Angaben jenes Blattes bezogen für das Jahr 1905 von jedem »Mitglied die Organisation der Notenstecher 5S.95 »Mk., die Organisation der Buchdrucker 55,67 »Mk.. die Organisation der Lithographen 44,32 Mk., die Organisation der Bildhauer •12.55 Mk. Die Holzarbeiter zahlen nach dein VORWÄRTS (3. August 1906) j ihrlieh 46.-18 Mk.. die Holzarbeiterinnen 15,60 Mk. Die indirekte Besteuerung durch Sammlungen und Umlagen für besondere Zwecke dürfte sich aui etwa die gleiche Höhe wie die eigentlichen .Mitgliedsbeiträgc beziffern. Gar kein übles »Motto für die Aufrufe zur Zahlung der zionistischen Parteisteuer. Sdl. In allen grösseren Universitäts-Städten existieren jüdische Korporationen, an einzelnen, die nicht viel mehr jüdische >tudeuten aufweisen als Würzburg, sind sogar mehrere jiid. stad. Vereine (F r e i!י u r g , Marburg, Breslau. H e i d e I - berg etc.) Es wäre nun wohl Ehrenpflicht eines der Studcuti-

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