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Jüdische Rundschau · 1907-09-20 · Heft 38 (20.9.1907) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 38 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 412 ' JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 38 keit gewähren wird, auch diese Zeit beschränkter oder günzlieh felilender Arbeit in ausreichender We se auszunfitzen. Zum Schluss seien einige Bemerkungen allgemeiner Natur gestattet. Der Palästina-Kommission kommt es nicht zu, die allgemeine Politik des Zionismus zu kritisieren. Soviel glaubt sie aber sagen zu sollen, dass sie sie Ansicht vertritt, der Zionismus wird palästinensisch sein, oder er wird nicht sein. Ohne eine sichere wirtschaftliche Unterlage in Palästina ist und bleibt auch der politische Zinnisttius ein Kartenhaus. Jüdisch-nationale Bewegungen sind natürlich auch ohne Palüstinismus denkbar, Zionismus nicht. Daher wird der Palüstinismus immer mehr in den Vordergrund der zionistischen Bewegung treten müssen, mindestens aber kann er Gleichberechtigung verlangen gegenüber den anderen im Zionismus vertretenen Richtungen. Wie aus der finanziellen Lage der Palästina-Kommission, die wir oben geschildert haben hervorgellt, war diese bisher das Aschenbrödel der Partei. Trotz der Beschlüsse des letzten Kongresses wurden erst aus den Eingängen alle anderen Ressorts gespeist. Bun.au. Welt. Agitation^ Reisen usw., so dass für die Palästina-Kommission so gut w:e nichts übrig blieb. Es ist die Aufgabe dieses Kongresses, hierin Wandlung zu schaffen. Die Palästina-Kommission schlägt daher vor, dass 25 Prozent der Einnahmen der zionistischen Zentrale für das Palästina-Ressort reserviert werden. Da der Schekel bei dem jetzigen Stand der Partei in seiner jetzigen Hohe aber nicht einmal genügt, um die notwendigsten Parteispesen, sowie die Kongresskosten zu decken, so ist die Palästina-Kommission für Verdoppelung der in Wirklichkeit ja bisher nur einen halben Schekel betragenden und daher nur irrtümlich Schekel genannten Parteisteuer. Sollte aber der Kongress für diese radikale Kur unserer Einanznöte nicht zu gewinnen sein, so halten wir es iiir das Richtigste, gleichzeitig mit dem bisherigen Schekel einen obligatorischen Palästina-Zuschlag von minder stens 50 Prozent des Schekels einzuziehen. der ausschliesslieh iiir Palästinaarbeit gebraucht werden ׳dar! und von der Bank direkt dem dafür verantwortlichen Organ zur Vcrfiiaung gestellt wird. Was die Organisation der Palästinaarbelt betrifft, so geht unser Vorschlag dahin .dass innerhalb des engeren A.-K• ein Palästina-Ressort gebildet wird, dem verschiedene Palästinaknmmissionen unterster.* sind, nämlich die Agrarkommission, die Wirtschaftskommission und die Kulturkommission. Mindestens drei Mitglieder dieser Kommission inkl. der Vorsitzenden derselben müssen an dem Sitze des Palästina- Ressorts ihren Wohnsitz haben. Der Vorsitzende des Palästina-Rcssarts hat in sämtlichen Palästinakonimissioneu Sitz und Stimme und kann dieselben sclbs täudig einberufen. Die Versitzenden der Palästinakommissionen werden vom Kongross ernannt, die Mitglieder derselben in den Kommissionen kooptiert. s׳e bedürien aber der Bestätigung des Palästina- Ressorts. Die Verfügung über die Palästinaauotc des Schekels stellt dem Palästina-Ressort zu. Nach Abzug der für Bureau und Verwaltung sowie für Eorsclmngsarbcitcn bestimmten Sinnmen wird der Rest der (.)uote alljährlich dem Palästina-Zentralfouds überwiesen, desgleichen die sonst für die Palästinaarbeit ohne nähere Zusatzbcstimmung aufgebrachten Gelder. Die Verfügung über den Zcntralfonds haben die einzelnen Kornmissionen. und zwar schlägt die Palästinakominission vor. dass die Hälfte des Zcntralionds solange dem Agrarfonds zugeführt werde, bis letzterer die Summe von 50 000 Lstr. erreicht hat: die andere Hälfte ist in gleichen Teilen dem Kultur- und W irtschaftstonds zuzuführen. Die Grundidee* unserer Vorschläge ist die. eine in ihrer Arbeit leistungsfähige und ungehinderte Zentrale für die Palüstiuaarbeit zu schaffen, die mit einem, wenn auch kleinen, so doch einigermassen gesicherten Budget arbeitet, die durch die Kontmissione:: sich den.verschiedensten Landesverbänden angliedert und durch die auswärtigen Vertreter derselben das Interesse für die Palüstinaarbeit in ganz anderer Weise z,u verbreiten vermag, als es bisher der Fall isf. Nur auf diese Weise kann cs gelingen, in den nächsten Jahren die verschiedenen noch fehlenden Kadres für Palästina zu schaffen, an denen sich die Privatinitiative dann anlehnen und entwickeln kann. Das Jaissez iaire. laissez aller** misst nicht für die palästinensiclieu Verhältnisse: iiir uns heisst es nicht mehr, die Entwicklimgsmöglichkeiten zu studieren und ihre Resultate zu veröffentlichen sondern wir müssen die Grundsteine der Organisationen selbst legen und dann aufs energischste dafür agitieren, dass Privatleute darauf weiter bauen. Die Palästiuisten wollen nicht die politischen Rcstrcbungen des Zionismus durch wirtschaftliche Arbeit vor Erlangung des Charters ersetzen, sondern sie halten eine Bearbeitung und Vorbereitung des Bodens für eine spätere diploniatisch-politisehe Aktion iiir notwendig• Sehr richtig formuliert der Schreiber des Artikels ..Zehn Jahre Zionismus". Rektor Eberhard, in de!:! letzten Mett der deutschen' Monatsschrift GRENZBOTEN Aufgabe. indem er schreibt: ״Das Ziel dieser Arbeit ist einerseits, den Komplex von Bedingungen zu schaffen, der für eine natürliche, stets wachsende Einwanderung nötig ist, anderseits. den jüdischen Massen einen emsorechenden Einihiss auf das kiiltur wirtschaftliche und soziale Leben in Palästina zu siebent. Keines der beiden e des Charters. Der Charter schafft .. i ii r -.!1.,־״ .,זז! Ziele benötigt als Grundla:. überhaupt nicht als solcher die Bedingungen iiir eine judiscne Masseiieinw anderimg. ..Eine Grosskolonisation w ird nicht' gemacht.‘* Es liegt vielmehr in ihrem Wesen, dass sie mit einer systematischen und. von den Tätigkeit von bescheidenem Umfange beginnt. nat.1r!ü rhen Bedingungen des Kolonisation5;gebietes begünstigt, fortdauernd den Boden iiir eine Massen- Siedlung schafft. Das ist eine Erkenntnis, die sich ans der Betrachtung der Geschichte der grossen Wanderungen und. Siedlungen in den letzten Jahrhunderten ergibt. Und dass dieser Erkenntnis zufolge nun auch in Palästina eine der Wirklichkeit entsprechende Kolonisationstnethodc eingeschlagen ist. ei öffnet fiir den Zionismus verheissungsvolle Aussichten."* Dasselbe, was der Staat in jedem von der Kolonisation ersch'ossenen Lande tut oder tun sollte, das müssen wir auch I nach unseren bescheidenen Kräften in Palästina zu tun versuchen. Grundfalsch ist es. stets zu denken. d:es oder jenes gehe über unsere Kraft; wenn wir nur wollen und jeder mit einspringt und liilit. nicht nur in Wort und Schrift, sondern ic nach seinen Kräften, durch Handhmgen und pekuniäre Unterstützung, so werden wir staunen, in wie kurzer Zeit überall neues Griiu aus dem anscheinend verbrannten Boden Palästinas hervorsprossen, und in wie wenigen Jahren das Land in kommerzieller, industrieller und kultureller Beziehung einen ungeahnten Aufschwung nehmen wird. Dann ist die Zeit gekommen, wo wir stolz und selbstbewusst vor die Mächte und die türkische Regierung hintreten können, und. indem wir auf unsere Taten verweisen, mit Aussicht auf Erfolg verlangen können, dass man uns nun auch die Balm für grössere und schwierigere Arbeiten eröffnen solle, zuni Segen der Türkei und zum dauernden Gewinn iiir Kultur und Zivilisation. (Minutenlang andauernder stürmischer Beifall, die‘Versäumthing akklamicrt den Reicrenten durch• Händeklatschen und Tiicherschw enken.l Uebersicht über die Hinnahmen iiffd Ausgaben der Palästina-Kommission von Ende Augr. 19»5י bis 1 Juli 1907. ¥—■» ..—...■ Mk Pf Mk. Pf An Palästma-Kommissions-Konto: Rückzahlung auf Expeditions-Konto Mk l 00:1— Rest vorn Baunnvo Ifonds ....;, 1 360 Rest vom Landbureau .....80.70* ״ Rimessen des Aktions Komitees . 7.500-- Spenden vom Zentralbureau Köln ., I 167 77 Spenden vom Zentralbureau Wilna 71980 ״ Spenden aus Lemberg. Irkutsk, Baku etc.. 1 009 7»» Paliistina-Schekel-Konto Saldo . . . ־־'.' Saldo-Ausgleich!Schulden) am 1. Juli 1907 . . I 12 431 66 01.34 ')< 60 21 Summa 21 6.3 2 38 Per ס1ר0^5י*0ו>>0חוח0א-3וו'ו31351ק, Saldo vom 1.8.05 Palästina-Zci־schr1f׳-K0nt0 Saldo. Altneuland-Konto Saldo. Bureau-Konto Saldo . . :. Bibliothek-Konto Saldo. Ferienkurse-Konto Saldo.. Expeditions-Konto Saldo. 6 491 37 771 61 6 682 71 4 804 61 599 63 273 25 2 009 20 21632 38 Summa

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