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Jüdische Rundschau · 1907-09-20 · Heft 38 (20.9.1907) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 38 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 38 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 411 1 forderung für kleinere Beiträge an der «:rossen Masse gewandt hätten: wir scheuten aber, die Verantwortung auf uns zu nehmen, angesichts der hei vielen vorhandenen Abneigung gegen grosskapitalistische agrarische Unternehmungen in Palästina. Zweifellos würde von den Gegnern dieses Systems jeder Fehler, der gemacht worden ist'—־ und an Kinderkrankheiten wird es diesem Unternehmen gewiss nicht fehlen — ausgebeutet >vorden, um die Unternehmung zu verurteilen, was bei den kleinen Zeichnern leicht Beunruhigung hervorrufen könnte. Wir beabsichtigen daher dieses iür eine schnelle Entwicklung der Landwirtschaft in Palästina nach unserer Ansicht unbedingt wünschenswerte Unternehmen, wenn irgend möglich zuerst im engeren Kreise mit wenigen grossen Anteilen zu beginnen. Um aber auch die kleinen Interessenten iür agrarische Unternehmungen in Palästina zu interessieren, sollte man ausserdem versuchen, im Anschluss an den Jcwish Colonial 1 rust eine auf Lstr.-shares basierte Gesellschaft zu begründen. die sich im wesentlichen mit den schon erprobten landwirtschaftlichen Erzeugnissen, wie Orangen. Mandeln. Olivenkultur etc. zu belassen haben würde, wobei Misserfolge bei umsichtiger Leitung so gut wie ausgeschlossen sind. Der Zukunft muss cs überlassen bleiben, grosse Land- und Zucker- resp. Land- und ßaumwollgcscllschaitcu zu begründen. wozu natürlich, da cs sich hierbei um lrrigationsanlagen handelt, bedeutende, jedenfalls wohl mehrere Millionen bctragende Kapitalien erforderlich sind. Haben wir durch die obigen Gesellschaften den Beweis erbracht, dass wir zu orgnnisicren vermögen, so dürfte es auch gelingen, die zwar grösseren, aber auch weit bedeutendere Proiite versprechenden Laudgcscllschaitcn zusammen zu bringen. Was den sog. Palästinaverein betrifft, dessen Bildung von der .Palüstiuakommission zwar angeregt worden ist. iiir den aber, um den anderen Organisationen nicht zu schaden, keine Propaganda entfaltet wurde, so ist die Absicht, durch diesen Verein vor allem kulturelle Arbeiten in Palästina ins Leben zu rufen; der Palastinavcrein ist berufen. Projekte, wie die Nationalbibliothek, das National-Muscum. die Malariabekämpiung zu realisieren, wissenschaftliche Forschungen zu , unterstützen resp. anzuregen etc. Der Verein ist bisher über die Sammlung eines ganz bescheidenen Fonds nicht herausgekommen, und er hat sich auch noch nicht regelrecht organisiert. Falls der Verein erst regelrecht begründet sein wird, so dürfte er sich bei tatkräftiger Leitung bald zu einem Mittelpunkt aller Palästinisten, sowohl der zionistischen als auch der Chowewc-Zion. entwickeln. Von sonstigen Arbeiten ist vor allem das Eintreten der Palästinakommission für die Oclbaumspcnde und den Herzlwald zu erwähnen. Institutionen, die ja auch ihren Ursprung der Initiative der Kommission verdanken. Es ist erfreulich, dass int letzten Winter schon der erste Oelbatnnhain (bei Chadeira) gepflanzt werden konnte, während die Absicht besteht., die Anlage des Herzlwaldes bei Cltulda, und in der Nähe der jüdischen Kolonien F.krött und Rcchüboth. nahe bei Rantleh an der Bahn Jaffa-Jerusalem schon in diesem Winter zu beginnen. Wenn auch die hierzu gestifteten Bäume leider noch bei weitem nicht die nötige Zahl von 10000 erreicht haben, so sind doch schon genügend Gelder vorhanden, um die Anpflanzung der ganzen Fläche wenigstens beginnen zu können, und man darf wohl erwarten, dass während dieses Kongresses oder wenigstens bis zum Winter die noch fehlenden Bäume gestiftet sein werden. Wenn alle Landsmannschaften ebenso eifrig gesammelt hätten, wie <lic deutsche, die 220u ״ייuntc. also fast den vierten Teil des Herzlwaldes aufgebracht hat. so wären wir in der Lage, statt eines Herzlwaldes 3 Herzlwälder zu pflanzen. Ausser Dcutschiand hat sielt eigentlich nur noch Amerika, wenigstens in letzter Zeit, um die Oclbaumspcnde bemüht, auch Rumänien und einige Teile Oesterreichs haben etwas geleistet, hingegen haben ausser Russland, wo ja Entschuldigungsgriindc genug vorhanden sind, auch England. Siidafrika, Argentinien. Cattada leider recht wenig in dieser Hinsicht gebracht. Wir glaubten erwarten zu dürfen, dass jeder Zionist im Laufe der zwei Jahre mindestens einen Baum dem verehrten Begründer unserer Bewegung widmen würde, dann wären wir jetzt in der Lage, nicht einen, sondern 8—10 Herzlwälder zu pilanzen. Was die Verwaltung der Oelbaumspende hetrifit, so wird dieser Kongress wohl diesbezügliche Beschlüsse fassen müssen. Bis zur Organisation der Verwaltung des Nationalfonds hat die Palästina-Kommission die Aufgabe gehabt, den Landbesitz der Partei in Palästina zu verwalten; jetzt ist dies Sache der Nationaliondsverwaltung. Was aber die Oclbaumspcnde bettifit. so lässt sie sich den Statuten des Nationalfonds nur schwer unterordnen und wird daher wohl besser getrennt vom Nationalionds verwaltet werden. Die drei noch aus der Herzischen Zeit stammenden Proickte. landwirtschaftliche Versuchsstation, Lehrfarm und genossenschaftllches (Jut. haben leider kaum Fortschritte zu verzeichnen. Einerseits ist der bisher nötige Lande! werb noch nicht vollendet, anderseits existieren noch prinzipielle Meinungsverschiedcnhciten im A.-K. und in der Nationaifonds- Verwaltung betrefts der Ausführung der Projekte; vor allem fehlt aber auch noch das Geld zur Durchführung derselben. Die Ansicht der Pälästinakommission ist die. dass wir aus piinzipiellen Gründen an den zur Zeit Herzls gefassten Be- Schlüssen festhaiten sollten: übrigens halten wir eine landwirtschaftliche Versuchsstation iür eine absolute Notwendigkeit fiir Palästina, eine Lehrfarm ist jedenfalls überaus nützlich, und ein genossenschaftliches Gut ist ein eminent wichtiges sozial-wirtschaftliches Experiment. Sobald das Land in Athlit uns übergeben wird, soll soiort mit der Einrichtung der Station, vorläufig als einfache Versuchsfarm, begonnen werden; die Lehrfarm hat Zeit, bis das Land bei Hattin erworben resp. zusammengclegt ist. während das genossenschaftliche Gut auf Duleikah-Umelitmn am Jordan beim Ausfluss aus dem Tihericssec zuerst durch eine Administration genügend vorzubebereiten ist und erst dann einer Arbeitergenossenschaft in Erbpacht überwiesen werden sollte, vorausgesetzt, dass eine solche genügend Betriebskapital für eine rationelle Bewirtschaittmg gesammelt und dasselbe bei der Bank deponiert haben wird. Eine umfangreiche Korrespondenz mit Föderationen. Ortsgruppen und Einzelpersonen wurde seitens der Paliistina-Kommission gepilegt. namentlich bezüglich Emigratiousiragen nach Palästina sowie Kapitalsanlage daselbst. Vor allem war es unser Bestreben, arbeitame junge Leute dazu anzuregen. Gelder zu sammeln resp. zurückzulegen, um auf genossenscbaftlicher Basis in Palästina Orangen- und andere Frucht- Plantagen zu begründen. Junge Leute, die über ca.?500 Mark vertilgen, können sich nämlich, wenn sie sich genossenschattlieh organisieren, für die Zukunft ein auskömmliches Besitztum in Palästina schaifen. und in der Zwischenzeit d. h. bis zur Ertragfähigkeit der Pilanzungen. durch landwirtschaftliche Arbeit in den Kolonien ihren Unterhalt verdienen. Sehr bedeutend war natürlich auch die Korrespondenz mit Palästina, sowohl um Auskunft zu erteilen, als auch um Auskunit zu erhalten oder zu vermitteln. Wenn die noch ziemlich neue Institution der Auskunitsbureaus in Palästina sich erst mehr entwickelt und grössere Erfahrungen gesammelt haben wird, so wird auch der Aukunitsdier.st betreffs Palästinas in Europa sehr erleichtert werden. Was die Auswanderung nach Palästina betrifft, die übrigens nur Leuten mit genügendem Kapital oder jungen, sehr anspruchslosen Arbeitern anzuraten ist, sowie solchen Fachleuten. die nach Erkundigung beim Auskunftsbureau in Jaffa gerade gewünscht werden, so wird sie sich naturgemüss im grossen ganzen über Odessa bewegen müssen. In Odessa werden daher vor allem die Auskünfte .über Palästina vereinigt urd d:e Auswanderer, soweit möglich, mit Rat und Tat unterstützt werden müssen. Trotzdem glauben noch immer Auswandeier aus Russisch-Polen und Galizien, über Berlin reisen zu sollen, in der irrigen Annahme, dort auch pekuniäre Rciseuntei Stützung zu finden. Trotz der Ernüissigungen. welche der Oe;1e׳rcieh:sche Lloyd der zionistischen Zentrale in Wien gewählt, kostet aber die Fahrt Berlin-Jaffa mindestens 83 Mark, während die Ueberfahrt Odessa—Jaffa bei der dem Odessacr Komitee bewilligten Ermässigung nur 12 Rubel (also ca. 25 Mark) kostet. Da in Russland auch die Eisenbahnialirtcn überaus billig sind — kostet doch die Strecke Wilna—Odessa nur 6 Rubel —. und da die für Reisen nach Palästina genügenden Polizeipässe nur */•11 Rubel kosten, so ist es klar, dass Russen stets am billigsten über Odessa fahren. Auch die Galizier würden wohl am billigsten über Odessa fahren, wenn nicht vieliach erhebliehe Passschwierigkeiten an der russischen Grenze beständen; daher ist ihnen in der Regel zu empfehlen, über Wien—Triest zu fahren, von wo sie durch Vermittlung der zionistischen Zentrale Plätze für 60 frs. bis Jaffa erhalten. Die Runüinier werden naturgemüss am einfachsten über Constanza reisen. Es ist aber darauf aufmerksam zu machen, dass die Arheitsmöglichkciten in Palästina zur Zeit noch geringe sind, und dass zwar ländliche Arbeiter und gewisse Arten von Handwerkern .namentlich vom Baufach, gesucht sind, dass ihnen aber keine volle Beschäftigung das ganze Jahr hindurch garantiert werden kann, da die ländlichen Arbeiter meist im Herbst nach der Ernte auf einige Monate beschäftigungslos sind während die Bauhandwerker in der trockenen Sommerzeit in Jerusalem nur schwer Beschäftigung finden. Es ist aber anzunehmen, dass der ..Bezalcl*‘ schon bald arbeitswilligen Leuten durch Hausindustrie resp. Kunstgewerbe die Möglich- י^ויי•*

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