Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1907-09-20 · Heft 38 (20.9.1907) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 38 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2651500-2651538--05024-2662027
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 410 No. 38 JÜDISCHE RUNDSCHAU. In Palästina wenn nicht erscheinen, so doch im wesentlichen j redidlcren zu lassen. 1 Wir kommen letzt zu den organisatorischen Arbeiten der Palästlnakommission. Je weniger die Kommission infolge ihrer finanziellen Lage imstande war, eigene Arbeiten auszu* iühren, um so mehr fühlte sic die Verpflichtung, die Grundläge für selbständige Organisationen zu bilden, solche zu bcgründen, zu leiten resp. zu beraten. Die Beratung erstreckte sich vor allem auf die Palästina- Handelsgesellschaft in Hamburg, die infolge der Zahlungseinstellung eines Kunden in Griechenland, eine Krisis durchzumachen hatte. Sie ist jetzt in einer Umwandlung begriffen, die hoffentlich dazu führen wird, dass das Hauptzentrum der Gesellschaft nach Palästina selbst verlegt werden wird. An der Leitung ist die Kommission beteiligt bei der Knnstgewerbescliule ״Bczalel“, die ja unter der hingebenden Leitung von Professor Schatz (die Versammlung erhebt sich und bereitet Boris Schatz eine eine stürmische Ovation) recht erfreuliche Portschritte macht und schon über 70 Personen dazu verholfeil hat, auf ehrliche und arbeitsame Weise in Jerusalem ihr Brot zu verdienen. Namentlich die Ausbildung in der Steinliauerarbeit macht schnelle Fortschritte, schon 42 Steinhauer und 3 Maurer sind soweit ausgebildet, dass sie tagsüber in den Steinbriichcn und Bauten 1,20 bis 1,50 frs. täglich verdienen, während sie sich abends in der Schule noch w eiter im Zeichnen ausbilden. Aber auch die Teppichabteilung ist nicht mehr weit davon entfeint, ausgebildcte Schülerinnen entlassen zu können; schon jetzt linden 25 Schülerinnen älteren Jahrganges dieser Abteilung, lauter 10- bis 15jährige Mädchen, ihr Brot durch Teppichknüpfen in der Schule, und cs liegen schon Be* . Stellungen iiir mehrere Tausend Francs vor. Ebenso hat die Kunstiärberei und Gipsgiesscrei manchen Familien zum Lefcenserwerb verholfen, während die Spinnerei vor allem älteren, sonst erwerbsunfähigen Frauen einen kleinen Ver• dienst gewährt. Fiir den Winter ist die Einführung der Holz- und Metallbearbeitung geplant. In dem berühmten Maler Hirszcnberg glaubt der Bezalel eine hervorragende Lehrkraft gewonnen zu haben. Vor allem ist es aber nötig, dass die Schule endlich ein geräumiges eigenes Haus bezieht, wozu ihr ja die Mittel seitens des Nationalfonds leihweise zur Verfügung gestellt werden sollen. Auch in nationaler Be- Ziehung wirkt der Bezalel recht günstig, und die hebräische Umgangssprache, welche für die neu Eintretenden in besonderen Kursen gelehrt wird, ist das gemeinsame Band säint- Jicher Schüler. Das kürzlich von Dr. Ruppin eingesandte Gutachten über die Schule, welches er dem A.-K. erstattet hat, in dessen Auftrag er die Schule inspizierte, lautet recht befriedigend unc günstig. Auch das von Prof. Schatz angelegte und vorläufig in den Räumen des Bezalel imtergcbrachtc künstlerische, archiiologische und naturhlstorlsche Mueuni wird von allen Be- Suchern gerühmt und dürfte die Grundlage bilden fiir ein zu* künftigef Natioualmuseuni. Jedenfalls sollte jeder, der dazu * in der Lage ist, das Museum schon jetzt mit Geschenken oder Legaten sachlicher oder materieller Natur bedenken. Als neue von der Palästinakommission in der Berichts* Periode ins Leben gerufene Organisationen sind vor allem der im vorigen Jahre gegründete ״Pflanzungsvercln Palästina“ und das in diesem Jahre begründete ״Palästina-Industrie- Syndikat“ zu erwähnen. Der Pflauzungsvereln soll jedem Juden der Welt die Möglichkeit und die Anregung geben, durch Einzahlung von ICK» Francs resp. Kronen (80 Mk., 40 Rubel. 20 Dollar, 4 Pfund 1 der nominelle Besitzer eines kleinen ein elftel ha (1 Dunam) betragenden Fruchtgartens in Palästina zu werden, von dem er lebenslänglich jedes Jahr eine kleine Palästinagabe in Form; von Landesprodukten (Mandeln, Rosinen, Oliven, Wein, Konserven, Orangen etc.) zugesandt erhält. Nach dem Tode des Besitzers gehen die Fruchtgärten in den Besitz des Vereins über, und die Erträge werden zu gemeinnützigen Zwecken verwandt. Da der ganze Besitz nur durch jüdische Arbeiter resp. Kolonisten bewirtschaftet wird, erscheint der Verein berufen zu sein, in Zukunft einen nicht unwichtigen Faktor der lana• wirtschaftlichen Kolonisation in Palästina auszumachen. 25 Vcrcinsmitglieder können schon durch ihre Beiträge eine m Palästina beschäftigte Arbeiterfamilie durch diese Ncbenbej schäftiguug bodenständig machen. 50 Mitglieder ermöglichen die volle Beschäftigung einer Familie auf den Vcreiusländercicn. Wir verdanken unserem Gesinnungsgenossen Struck eine schöne Originalradierung, die nur für die Vereinsmitglieder bestimmt ist; die ersten 1000 Mitglieder erhalten je eine Radierung, die ersten 100 immerwährenden Mitglieder, d. h. diejenigen, die 10 Parzellen kaufen, die ersten mime- Herten und mit Unterschrift des Künstlers versehenen Drucke. Die ersten Anpflanzungen sollen in diesem Winter bei der •י, <׳Vr>I i\S.VIIUUUlll llll UVII \r__ V 0% VIII tu mifkiMi e»vuvMMM«M V. *Jf den; ein dahin gehendes Ucbereinkonunen mit den Kolonisten ist schon getroffen worden. Es ist aber dringend erwünscht, dass noch recht viele neue Mitglieder in nächster Zeit diesen! Verein beitreten, damit die erste Pilanzung gleich in Eindruck machender Grösse geschaffen werden kann. Das Palästlna-Industrle-Syndlkat ist erst im vorigen Monat mit einen» Grundkapital von 100 000 Mark als Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Berlin begründet worden. Der Zweck des Syndikates ist, die verschiedenen industriellen Möglichkeiten Palästinas auf ihre Rentabilität hin zu prüfen, und falls die Untersuchung günstige!Resultate zeitigt, Industriegesellschaften hierfür zu gründen resp. private Unternehmen hierfür zu gewinnen. Es liegen schon eine Anzahl Projekte vor, und einige derselben werden jetzt gerade in Palästina durch Sachverständige gepriiit. Stellt sich heraus, dass es dem Syndikat gelingt, das jüdische Kapital für den Zweck zu mobilisieren, so ist eine Kapitalscrhöhmig des Syndikates ins Auge zu fassen, damit dieses Syndikat, wie die im Orient arbeitenden belgischen, französischen und deutschen Syndikate, auch• an grössere Betriebe, speziell bergbauliche und 'I rans* portuntcrnelimungen, Beleuchtung, Kanalisation, Kraftanlagen, Bc- und F11twässer1mgstmterne!ununge:1 herantreten kann. Von zionistischer Seite ist den Syndikatsbestrebungen gegenüber verschiedentlich betont worden, dass die!;Ölleitung derartiger Unternehmungen eigentlich Sache der Bank sei; dem gegenüber ist aller zu bemerken, dass die Amglo I’alesiine Co. noch auf Jahre hinaus zu viel mit den einfachen Bankgeschäften und der Gründung neuer Filialen zu tun haben wird, tun die Gründung neuer Gesellschaften mit Erfolg in die Hand nehmen zu können; auch wird ihr geringes Kapital wohl auf abseilbare Zeit durch die gewöhnlichen Bankicrgeschäitc völlig ab- Trust aber, de! eher at eine zu komplizierte es in erster Linie auf sorbiert sein. Der Jcwish Colonial hierzu berufen und imstande wäre, h Verwaltung, um Geschäfte,־ bei denen schnelle Ausnutzung zufälliger Chancen aiikonimt, selber unternehmen zu können: hingegen ist, falls sich unser Versuch bewähren sollte, bei einer Kapitaler!.öhimg des Syndikates eine stärkere Beteiligung des Jcwish Colonial Trust ins Auge zu fassen. In! letzter. Monat wurde auch der Grundstein gelegt zu einer Arbciter-Heirnstätten-Genossensehaft, welche den Zweck verfolgt, den jüdischen Arbeitern (speziell den ländlichen) die Möglichkeit zu geben, mittels langsamer Amortisation und niedrigen Zinssatzes mit der Zeit Besitzer einer Heimstätte, bestehend aus Haus und zirka ’-־ ha Gemiiseland. zu w erden. Vorläufig hat sich hierzu in Berlin ein kleines vorbereitendes Komitee gebildet, welches sich mit der Anglo Palestir.e Co., juristischen Sachverständigen und mit den Kolonien in Verbindung gesetzt hat. um die rechtlichen Grundlagen für diese Institution festzulegen. Die Anteile der Genossen sollen nicht unter 2u Mark (resp. 1 Lstr.) betragen, und es sollen nicht über .V Prozent Dividende verteilt w erden; der Uebcrseliuss soll, soweit er nicht durch die Verwaltung verbraucht wird, dem Reservefonds zugeteilt werden und demnach das Vermögen der Genossenschaft vergrüssern. Der Wunsch des Komitees gellt dahin, die Genossenschaft bezüglich der Verwaltung dem Jcwish Colonial Trust an/.ugliedcrn. und es wird Sache der englischen Juristen sein, gemeinsam mit dem Board des J.C.T. hierfür die Modalitäten festzustcllen. An die viel wichtigere Begründung des Palästina-Agrarfonds konnte die Palästina-Kommission deshalb nicht herantreten, weil die letzte Jalireskonfercnz das Lngere Aktions־ komitee mit der Ausarbeitung dieses Projektes betraut hat. Die Palästina-Kommission legt aber Wert darauf, auch hier wieder zu betonen, dass sie die Schaffung eines gesunden und billigen Agrarkredits für die momentan bei weitem wichtigste Aufgabe der praktischen Palästinaarbeit ansieht und jede Verschlenmnig dieser bedeutungsvollen Angelegenheit im Interesse der Erreichung der Fudzielc unserer Bewegung fiir ausserordentlich bedauerlich halten würde. Welche vorzüglichen Erfolge man auf diese Weise erreichen kann, erkennen wir an den sich schnell vermehrenden deutschen Siedelungen in Palästiua. in Wiihehna. Betlahm in Galiläa und Amin el Amad zwischen Haifa und Nazareth, die im wesentlichen durch in Württemberg aufgebrachte Fonds, speziell der ..Stuttgarter Gesellschaft zur Förderung deutscher Ansiedelungen in Palästiua‘*. begründet werden. Was die kleine Templergememde und der immerhin an Zahl und Mitteln beschränkte evangelisehe Verein vermag, das sollte die gesamte Jtideiiheit doch mit Leichtigkeit zustande bringen. Die Palästina-Agrikultur-GeseUscliait, welche durch rat ioncilen Grossbetrieb neue •verbesserte Methoden der Landwirtschait resp. neue Kulturen emiiihrcn soll, ist noch nicht über das Stadium der Vorbereitung hinaus. Wir hätten vielleicht schon den nötigen Fonds beisammen, wenn wir uns mit Auf-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.