Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1907)
- Date
- 1907-09-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 38 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite■«» als bei ihrer Einsetzung auf dem VI. Kongress im Jahre 1903. Wahrend damals als der Hauptzweck der PalüstinakommissiaK fcslgclcgt worden war, ״die wissenschaftliche und praktische Erforschung Palästinas, und der für diese in Betracht kommenden Länder in wirtschaftlich-technischer, rechtlicher und geographischer Beziehung“, und daneben nur noch einige spezielie Aufgaben der Palästinakommission gestellt wurden, wie die Einrichtung eines landwirtschaftlichen und technischer. Auskum'tburcaus. die Errichtung einer landwirtschaftlichen und technischen Versuchsstation, einer medizinischen Untersuchungsstation und die Herausgabe einer Zeitschrift für Palüstina, so war seit dem letzten Kongresse die Möglichkeit gegeben, auch für die praktische Kolonisation direkt zu arbeiten, freilich, wie ausdrücklich hinzugefügt wurde, ״unter Ablehnung jeder planlosen, unsystematischen und philanthropischen Kleinkolonisation, da eine solche nicht in den Rahmen des Punktes 1 des Baseler Programms fallen würde.“ Als Budget sollte die Palästinakommission für jedes der beiden Jahre mindestens 15 000 Erancs erhalten, leider abc! konnte dasselbe bei weitem nicht eingchalten werden, es blieb vielmehr nach Tilgung der in der letzten Berichtsperiode aus gleichen Ursachen autgclauienen Schuld von 0500 Mark nur noch der minimale Betrag von kaum 1000 Mark fiir die beiden laufenden Jahre zur Verfügung. Auch die freiwilligen Spenden. die in Höhe von fast o«m;1 j Mark‘ einliefcn, vermochten die Lage der Kommission nur wenig zu bessern, so dass es faktisch unmöglich war, auch nur den grösseren 'Feil des umfassenden Pak'istinaprograinms des VII. Kongresses ausziniihren. Wenn die Kommission es dennoch gewagt hat, an manche der ihr gestellten Aufgaben beranzutreten, so hat sie es getan. weil die zunehmende Arbeitsfreudigkeit der Zionisten hezügiieh Palästinas sie hoffen hisst, dass dieser Kongress glückliebere Verhältnisse fiir die Palästinaarbeit schaffen wird. Immerhin konnte nicht verhindert werden, dass das Defi7.it bis zu:;־» I. Juli auf über 9000 Mark angescliwollcn ist. Arbeiten. Was nun die Tätigkeit der Palästinakommission selbst in den zwei Berichtsjahren betrifft, so wurden vor allem die in der vorigen Berichtsperiode begonnenen Forschungsarbeiten in Palästina fortgesetzt. Hatte im Jahre 1901 der Geologe Prof. Dr. Blanckcnhorn in Verbindung mit dem Agronom Aaronsohn die Umgegend des loten Meeres aufs gründlichste in geologischer und agronomischer Beziehung durchforscht, so bestand seit dem Winter 1905/06 die Absicht, die Senke des Jordans zwisehen dem Tiberiassce und Jericho in gleicher Welse zu untersuchen. Da Professor Blanckcnhorn für die Reise seitens der kgl. prcussiselien Akademie der Wissenschaften eine recht erliebliche Beisteuer erhält, so hatte die Palästinakommission pur die Reisekosten des Herrn Aaronsohn zu tragen. Die in dem Winter 1905/06 besonders stark ausgeprägte Regenzeit, die das Jordantal teilweise in einen Sumpf verwandelte, verhinderte zwar die Durchführung dieser Expedition, hingegen wurden dafür Teile des nördlichen und östlichen Palästinas besucht, besonders die Trace der Mekkabahn bis Main, also über Südpalästina hinaus. In Fortsetzung dieser Studien erforschte dann Herr Aaronsohn teils allein, teils mit Herrn Bcrmann gemeinsam das obere Jordantal und hatte das Glück dabei, die wilde Urform des Welzens, die bisher nur einmal und in fragwürdiger Weise am Hermon gefunden worden war. massenhaft in der Nähe jüdischer Ansiedlungeh zu entdecken, ein Fund, der wissenschaftlich berechtigtes Aufsehen gemacht hat, und die Hypothese, dass die Weizenkultur und somit die Kultur des Getreides überhaupt von Vorderasien ausgegangen ist. sehr wesentlich stärkt. Eine in den letzten Monaten gleichfalls von Herrn Aaronsohn ausgefiihrtc bis zum Amilibanon fortgesetzte Reise hat weitere Aufschlüsse in dieser Richtung gebracht, konnte aber leider gleichfalls aus Mangel an A\itteI11 nicht von der Palästinakommission unterstützt werden. In wirtschaftlicher Beziehung von Bedeutung war eine von Herrn Treidel ausgeführte wasserwlrtschaltliehe Expertise In das Jordantal, die das Ergebnis hatte, dass grössere Teile desselben ohne allzu grosse Kosten bewüsserbar sind und somit für intensive Kulturen, speziell Baumwolle und Zuckerrohr, besonders geeignet sein dürften. Es ist somit die Möglichkeit der wirtschaftlichen Erschliessung des Landes durch grosse Be- und EntwüsserungsgeseUschaften gegeben, und es muss das Ziel unseres Strebens sein, derartige Pioniergcsellsdiaftcn auch wirklich ins Leben zu rufen. Auch sonst bat Herr Treidel wichtige Aufgaben im Dienste der Palästinaarbeit unternommen. Er hat nicht nur Ländereien des Nationalionds, der Geulah und der Anglo Palestine Company vermessen, sondern er hat vor allem sich mit der Anfertigung einer Llegenschaftskarte In Palästina befasst, die ein sehr wichtiges Instrument darstellcn wird im Interesse der Sicherbeit aller Lnudkäufe und des Schutzes vor grösseren, langwierigen und teuren Gren/.prozessen und die Grundlage bilden wird fiir alle zukünftigen Käufe und Verkäufe. Der jetzt der Vollendung nahe Atlas der vermessenen Liegenschaften Palästinas wird aus vielen einzelnen Kartenblättern im Format von 0,90X0,66 bestehen und soll natürlich nur in ganz wenigen Exemplaren hergestellt werden. Selbstverständlich bedarf der Atlas in jedem Jahre einiger Ergänzungen, und wir wollen ׳ hoffen, dass Herr Treidel in den Stand gesetzt wird, die Eintiagung der Ergänzungen in den Atlas auch in Zukunft zu leiten, möglichst in Palästina selbst, da es nicht geht, daselbst jederzeit einen zuverlässigen und mit den Gewohnheiten una Sprachen des Landes vertrauten, auch von den Behörden und Eingeborenen respektierten Landmesser zur Hand zu haben. Soviel über die Forschungs- und Erkundungsarbeiten in Palästina. Was die Arbeiten behufs Verbreitung der Palästina- Kenntnis betrifft, so bat die Palästinakommission in der BerichtsPeriode zwei Palästinaferienkurse veranstaltet; der erste schloss sich dem Kongress unmittelbar an und war recht gut besucht, der zweite fand Ostern 1906 in Cötlicn statt; er war zwar gleichfalls stark besucht, aber die Zahl der von auswärts gekommenen Teilnehmer wdr eine verhältnismässig geringe. Unser Kommissionsniitgiied Dr. Soskin hielt ausserdem im Winter 19115 0;:!!wöchentlich einen akademischen Palästina- Kursus ab, an dem sich 25 Studenten beteiligten. So wichtig diese Kurse auch sind, so können sie iiaturgemäss doch nur lokale Bedürfnisse befriedigen, und mit den sich erweiternden Aufgaben aus der Palästinakommission ianden die Mitglieder immer weniger die Möglichkeit in dieser Weise zu wirken. Ferner hat sich, die Palästinakommission bemüht uni die Herausgalie eines \on Herrn!י. Trietscn verfassten kleinen Palästina-Handbuches, dessen erster Teil, der die allgemeinen Verhältnisse Palästinas behandelt. Ihnen hier gedruckt vorliegt. Wir zweifeln nicht daran, dass die Palästinakenntnis infolge des reichen Materials, welches man hier sehr übersichtlich zusammengestellt findet, durch dieses billige utia daher auch den ärmeren Gesinnungsgenossen erreichbare Büchlein ganz ausserordentlich verbreitet werden wird. Sodann beschäftigt sich die Palästinakommission momentan mit der Herstellung einer speziell für Schulen bestimmten hebräischen Palas tina-Wandkartc, welche noch in diesem Herbst erscheinen soll; als Grundlage ist die bekannte Kiepertsche Wandkarte in verbesserter Auflage angenommen worden, die hebräischen Namen werden von bekannten Hebraisteji und Pakistinageographen eingetragen, die jüdischen Kolonien tmd sonstige Ergänzungen werden in Palästina ein- Ketiigt. Die Zeitschrift ALTNEULAND hat ihren 3. Jahrgang vollendet und ist zu Beginn des Jahres unter dem Namen PALÄSTINA fortgesetzt worden. Trotz ihres mannigfaltigen und gediegenen Inhaltes ist es nicht möglich, dieselbe ohne Defizit erscheinen zu lassen, da wir streng darauf halten müssen, dieser Monatsschrift einen vornehmen, zwar populären aber doch wissenschaftlichen Charakter zu wahren, sowie alles Politische auszuschlicsscti, und daher auch mit der Wiedergabe aktueller und interessanter Begebenheiten sowie von Nachrichten über Palästina viel vorsichtiger sein müssen, als die jüdischen resp. zionistischen Wochenblätter. Anderseits dürfen wir aber den Preis nicht zu hoch ansetzen, um auch den weniger begüterten Gesinnungsgenossen die Möglichkcit zu geben, auf die Zeitschrift zu abonnieren, und wir haben daher besonders fiir die Abonnenten zionistischer Blätter einen sehr billige•! Preis festgesetzt. Wir haben uns ferner bcmüht, die Zeitschrift auch in zwar nicht zionistischen, aber doch palästinafreimdlichen Kreisen einzubiirgern, und dies ist uns insofern gelungen, als sowohl der Esra in Deutschland wie auch der jüdische Kolonisationsvercin in Wien auf eine grosse Anzahl Exemplare abonniert haben. Freilich wurde die Bedingung gestellt, dass wir den Namen AtTNEULAND in PALÄSTINA umändern sollten, worauf wir um so eher cingelieu zu müssen glaubten, als gerade diejenigen Zionisten, die auf den Hcrzlsehen Namen Altneulaud besonderes Gewicht legten, unter den Abonnenten der Zeitschrift ausserordentlich spärlich vertreten waren. Wenn auch der Absatz unter Zionisten noch bei weitem nicht so gross ist, wie er sein sollte, so gewinnt die Zeitschrift doch immer mehr Anhänger, auch in Christliehen Kreisen, sowie in Palästina. Wir zweifeln nicht daran, dass, wenn es uns gelingt, die Zeitschrift noch einige Zeit in der bisherigen Weise durchzuhalten, sie sich immer mehr zu einem liir die Gegenwart und Zukunft wichtigen Faktor fiir die Wirtschaftsverhältnissc Palästinas entwickeln wird. Besonders hoffen wir, dass cs bei dem Zuzug intelligenter Leute nach Palästina bald möglich sein wird, die Zeitschrift