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Jüdische Rundschau · 1907-09-20 · Heft 38 (20.9.1907) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 38 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 406 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 38 was airs seinem eigenen Wesen kommt, was eben dieses Wesen ist, kommt zum ersten Male daneben zur Erscheinung und wir erkennen zu unserer Freude, dass es ein Mann ist, der da an unserer Spitze steht, «in Mann, der keine Gängelptippe ist. Es gibt Leute, die es Wolffsohn schwer verdacht haben, dass er seine Grundforderunßen mit so eisernem Willen ertrotzt hat, dass er unter keiner Bedingung von dem abgegangen ist, was er für die zionistische Arbeit der nächsten Kongress- Periode für notwendig erachtet. Sein eisernes Verhalten, das an Ussisehkinschc Widerstandskraft erinnerte, hat Ussischkin überwunden. Seien wir ehrlich: wir haben es alle Wolffsohn nicht zugetraut, dass er seinen Willen durchsetzen würde. Unsere Unterstützung in dieser Sache war das geringste Moment, das ihm zum Siege verhall. Gesiegt hat er ausschliesslich durch seine eigene Festigkeit und Kraft. Dass er fest blieb, hat uns den Beweis gegeben, dass er der Mann ist, dessen Festigkeit wir im Zionismus gebrauchen, um durch die Klippen der Wohltätigkeitspolitik und des abstrakten PoUtisierens zu politischer Arbeit fortzuschreiten. Wir bedürfen der neuen Arbeit aufs dringendste. Warburg hat uns eine recht weite und grosse Palästinaarbeit vorgezciclmet und er ist ganz der Mann dazu, als Leiter eines Palästinaressorts einen grossen Teil dieser Arbeiten ins Werk zu setzen. Aber das allein genügt nicht. Mit gutem Recht ist der Vorsitzende unscros engeren Aktionskomitees zugleich der Leiter unserer Politik im besonderen. Und wir dürfen von Wolffsohn erwarten, dass er, nachdem die innere Krise des Zionismus auf lange Zeit wenigstens überwunden und verschwunden ist, die politische Arbeit wieder euergisch dort in Angriff nimmt, wo der Tod Herzls und die territorialistische Fronde die Parteileitung gezwungen haben, sie• mir so weit fortzuführen, als es notwendig war, um die Fäden, dih Herzl bereits gesponnen hatte, nicht zerreissen zu lassen. Mehr ist seitdem nicht geschellen und konnte nicht getan werden. Erst jetzt haben wir Hoffnung, dass eine kraitvolle Persönlichkeit die Arbeit wieder aufnimmt und weitertiihrt, die den erschlaffenden Händen des sterbenden Theodor Herzl entsank. Freilich kann kein Führer Politik treiben, wenn nicht die von ihm Geführten mit ihm Hand in Hand arbeiten. Am wenigsten Bedenken haben wir in dieser Richtung betreffs der russischen Opposition gegen Wolffsohn. Gerade in Ussischkin und Tschlenow, den so grundverschiedenen Führern der russischen Zionisten wird Wolifsohn den kräftigsten Rückhalt und die beste Unterstützung finden, wenn er seine eigene aktive Politik aufnimmt. Sie werden sich aus Politik und noch mehr aus ihrem Pflichtbewusstsein heraus intensiv an der neuen zionistisehen Arbeit beteiligen und werden zeigen, dass ihre Opposition anders ist, als die vom siebenten Kongresse, von der ein Teil aus dem Zionismus herausgefiilirt hat. Ihre Opposition ist eine zionistische und unbeschadet ihrer Kritik auf dem nächsten Kongresse werden diese russischen Zionisten sicher der breite Grundbau sein, an die sich der Weiterbau Wolffsohns anlehnt. Weit wichtiger und schwieriger ist die Frage, ob die Westeuropäischen, d. h. doch in erster Linie die deutschen Zionisten, die Wolffsohn zum formellen Siege mitgehohen haben, ihre Pflicht tun werden, dass dieser Erfolg ein dauernder für den Zionismus werde. Sic müssen Wolffsohn die Mittel an ide Hand geben, das er auch erfolgrciche Arbeit wird leisten können. Bei der geradezu katastrophalen Lage,, in der sich die russischen und überhaupt osteuropäischen Juden befinden, ist es namentlich nicht vorauszusehen, welche materielle Hilfe unser Führer von dort aus erwarten kann. Ausserdem hat der Kongress mit gutem Grunde ein für alle 11m! 25 % aller Schckelgelder bereits für , das Palästinaressort fcstgclcgt, ohne dass damit bereits die Gewähr gegeben wäre, dass diese Mittel ausreichen, um die Warburgsehe Arbeit auch nur eiuigermasscu in breite Fahrwasser zu führen. Um so eher wird man geneigt sein, auch noch grössere Summen für diese notwendigen Arbeiten zu bestimmen und damit die Tätigkeit des leitenden Präsidenten noch mehr eineiigen und um'ruclibar machen. Damit dieses nicht geschehen kann, hat der Kongress eine Parteisteucr in Aussicht genommen, die mii.Jestens fünf Franken für den Kopf jedes Schekdzahlcrs hetragen soll und die einmal gegeben hoffentlich in so reichem Masse cingehen wird, dass sie einen politischen Fonds dem. Leiter unserer politischen Arbeit z *r Verftiguug stellt. Einmal soll jeder diese Summe geben, die sich in Deutschland ja von selbst auf eine Mind-.stgabc von fünf Mark abrundat. Immerhin zweifeln wir keinen Augenblick, dass sich recht viele Zionisten finde־] werden. die von vornherein cs auf sich nehmen, diese Partei- Steuer alljährlich 71: zahlen, und damit miserm. Präsideuten die .Mittel wenigstens zum Teil zur Verfügung zu stehen, deren er zu seiner Arbeit bedarf. Ueberhaupt wäre es verfehlt, neben der Bedeutung der Persönlichkeiten und neben den durch die vertretenen Grundsätze und Arbeitsprinzipien die Bedeutung unserer Finanzen zu unterschätzen. Auf dem Kongress bat man sich sehr viel von der Errichtung eines Berliner Zentral- Dureatts für die zionistische Propaganda versprochen. AtichdieRea’isierung dieses unzweifelhaft fruchtbaren Oednnkens wird zuerst eine Frage der Kosten sein, die das eventuelle Bureau verursachen wird. Und da wir niemanden haben, der für solche Erfordernisse Summen spendet.! die ein hochherziger Mann für ein hebräisches Gymnasium zur Verfügung stellt, so gilt cs doppelt für die einzelnen Gesinnungsgenossen ihre Pflicht zu tun und sich zu beeilen, die Schekel zu zahlen und für die Parteisteuer zu werben. Ebenso wichtig freilich ist die moralische Unter- Stützung, die die Parteileitung von uns fordern darf. Um diese zu geben, müssen wir uns selbst jüdisch ionbilden und zionistisch erziehen, und durch flcissige Propaganda den Kreis der Getreuen erweitern, damit die Arbeit weiter gehe, die wir begonnen haben, die Arbeit zur Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heim- Stätte für das Jüdische Volk in Palästina. Heinrich Sachse. Die Lösung der Judenfrage Von Kurt 0 cucke.*) Das Wesen der Judenfragc bestellt meines Erachtens in dem nationalen Antagonismus und Rassengegensatz.e des von seiner Heimat gelösten jüdischen Volkes und seiner Wirts- Völker. Der Kern des ganzen Problems liegt also nach meiner Meinung weder auf dem religiösen noch auf wirtschaftlichem *) Der obige Artikel Kurt Gcuckes, den wir ahdruckcn, ohne uns mit allem, was darin enthalten, zu identifizieren, Ist entnommen aus dem in kurzer Zeit bei Modernes Verla;sburcau Gurt Wigand, Berlin-Leipzig, erscheinenden Sammelwerk ״Die Lösung der Juden frage, eine Rundfrage, veranstaltet von I)r. Julius Moses. Das Werk ist durch jede Buchhandlung zu beziehen, enthält die Abhandlungen von über 100 der bekanntesten Autoren, Schriftsteller, Abgeordneten. Künstler etc. und kostet broschiert 4 Kk״ elegant gebunden 5 Mk. Auf das Werk selbst kommen wir demnächst zurück.

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