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Jüdische Rundschau · 1907-09-13 · Heft 37 (13.9.1907) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 37 (13.9.1907)
Date
1907-09-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
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No. 37 Seite 400 JÜDISCHE RUNPSCHAU. 1 Als oh er von all dem Furchtbaren. was geschehen, keine Alulung liatte, bat er gleichzeitig, der Rabbiner mochte ihm (dem stellvertretenden Stadthauptmann) über die Vorgänge Berichte liefern. Auch am Dienstag und Mittwoch datierten die Ruhe* Störungen fort. An diesem Tage wurden die kleinen Judenhasschen vom Mob schwer heimgesucht. Militärpatrouillen stau* den bei den Untaten dabei, ohne ein/nschreiten. In einer Sy* nagogc im Stadtteil Moldawanka wurden sämtliche Fenster zertrümmert. Die Zahl der Opfer lässt sich noch nicht feststellen. Die Unruhen dauern noch immer an. Aus den Aussenviertein der Stadt flüchtet die jüdische Bevölkerung in das Innere, wo sie mehr Schutz zu finden hofft. Bei der völligen Untätigkeit der Behörden werden für die Rösch* Haschanalt-Tage die schwersten Befürchtungen gehegt. hot-!entlieh gelingt es durch die Entrüstung der Öffentlichei Mc£ nung Europas die russischen Behörden an ihre Pflicht zu mahnen. Dein Hilfsvercin der Deutschen Juden geht folgendes Telegramm aus Odessa zu, aus dem hervorgeht, dass die Stadt noch immer unter der Schreckensherrschaft des schwarzen Hundert steht. ' Odessa. 8. September. Die Misshandlungen von Juden dauern, ■wenn auch, nicht mehr in früherem Umfange, an. Man fort auch fortgesetzt noch vereinzeltes Sehicssc:!; des nachts ist die L'nsiclierlieif ttoelt ausserordentlich gross. Die Börse ist geschlossen* die Kaufmannschaft misstraut der jetzigen Verwaltung und wartet die Ankunit des neuen Studtnauptmaims Nowitzki ab. Der Verband des russischen Volkes ist kühner als je, er!ordert alle Jude!: auf, wenn sie der bevorstehenden iiirehterliehen Vergeltung entgehen wollen, sich mit ihren Lehrern und Rabbinern in den Synagogen zu versammeln, öffentlich Busse zu tun, die jüdische Intelligenz zu verfluchen, die uner־ teichbaren Trätm c der Gleichberechtigung aufzugeben und sich zu einem JudenverbanJ für Auirecnierhaltung der uitbeschränkten Selbstherrschaft zusantmenzuschüessen. In einer ״amtlichen“ russischen Darstellung wird alle Schuld an den Metzeleien den Juden zugeschoben. Ein Telegramm aus Petersburg meldet: Laut amtlicher Mitteilung über die Vorgänge in Odessa wurden am 31. August zwei Polizisten verräterisch getötet und ein Polizeiaufseher schwer verletzt. Dieser Umstand in Zusammenhang mit der Ermordung des Generals Karangosow int Kaukasus rief starke Erregung unter der russischen Be* Nölkerung Odessas hervor, welche sieh in Auschreitungen hauptsächlich gegen Juden äusserte. Am 31. August wurden in den Strassen ein Jude getötet und drei verwundet. Vom 1. bis zum 6. September erhielten bei Strassenz.usammcnstössen 12 Personen Schicsswunden, davon starb eine, 32 erhielten Stich- und Schlagwunden. 22 Personen, Mitglieder des Verbandes echt russischer Leute und Anarchisten, wurden verhaftet, wobei sich herausstellte, dass mehrere sich fälschlich . als echt russische Leute ausgegeben hatten. Durch energische Massregeln wurde der Ausbruch eines Pogroms verhütet. Die Ruhe Ist wieder hergestellt. Die ״verräterisch getöteten** Polizisten sind diejenigen, die durch eigene Unvorsichtigkeit beim Entladen einer Bombe ums Leben kamen. Die Entstellung der Wahrheit, mit der auf diese Weise die ״amtliche“ Darstellung eingeleitet wird, ist typisch für den ganzen Bericht. Die Anzahl der Getöteten wird mit gewohnter Dreistigkeit bis auf einen einzigen ״reduziert" — einen Ermordeten musste man schon zugeben — und die edlen Hooligans werden, wie das ebenfalls in den amtlichen russischen Berichten üblich ist, als Unschuldsengel bezeichnet, die kein Wässerlein trüben. Und nun gar erst die ״wahrhaft russischen Leute“, die unter der angeblichen Bosheit der Anarchisten so schwer zu leiden hatten! Es wuti- «lert uns nur, dass der Bericht nicht schlankweg behauptet, es gibt überhaupt in Odessa keine echt russischen Leute! Diese russische Herrschaft lügt mit demselben Mute, mit dem sie mordet. Es gibt in Russland einen ,der für die Morde verantwörtlich ist. Und wir glauben trotz allem an' die Gerechtigkeil der Weltgeschichte. Kosaken haben in Ellsabcthpol einen Pogrom veranstaltet, vier Armenier getötet, zahlreiche verwundet und die Bevölkerung in Schrecken versetzt. In Odessa wurde in der Nacht vom Sonnabend aut den Sonntag in der Nähe des Bahnhofes vom Verbände der echt , russischen Leute eine ganze fliehende jüdische Pamille beraubt und barbarisch verprügelt. Die alte Mutter wurde erschlagen, alle Mitglieder der Familie auf offener Strasse gefoltert, bis sie das Bewusstsein verloren. Alle Gefolterten, ausser der getöteten Greisin, mussten wegen der erlittenen Verletzungen in das Hospital gebracht werden. Die grausame Behandlung der Familie ist auf einen Racheakt zuriickziitiihrcn. Ein Telegramm aus Lodz meldet von entsetzlichen Mordtaten dortiger Banditen, die wieder einen Pogrom begonnen haben. Gestern wurden cif Personen, darunter vier Frauen, erschossen und vier Personen, darunter zwei Frauen, verletzt. Wie die russische Regierung die Pogronthclden schützt, lehrt das nachfolgende Telegramm, das die RUSS. KORR, aus Petersburg erhielt: Das Kadcticnblatt RIETSCH wurde gestern von der Zensurbehörde mit 501) Rubel Geldstrafe belegt, wegen seines Berichts über den Pogrom in Odessa, obgleich dieser Bericht völlig objektiv gehalten war. Diese Bestrafung ist charakteristisch für die Haltung der Behörden den Pognmianstiftern gegenüber. Dem Deutschen Bureau der Alliance Israeilte Universelle wird aus Odessa vom 10. September, abends 9'1 Uhr, telegraphiert, dass dort alles ruhig sei. / Nach privaten Berichten aus Kischmcw soll dort am jiidisehen Neujahrsfest ein Pogrom .stattgefunden haben. In der Haralausjajastrasse sollen sämtlich e j it d i s c h e 11 ü e - s c 11 ä i t e zerstört und g e!> 1 ii 11 de rt worden sein. Die. Zahl der Verletzten sei sehr gross. Viele Personen i 1 ii e h t e n aus Kischiuew. Marokko Ucber den religiösen Fanatismus der Marokkaner, der jetzt durch die Zerstörung der Mosche \on Casablanca infolge des französischen Bombardements neue Nahrung erhalten hat. wird den! BERLINER BÜRSFN-COURIER geschrieben: Ls ist jedenfalls ein kluger Zug seitens der französischen Expedition, dass General Drude bereits den schleunigen Wiederaufbau der zerstörten Moschee angeordnet hat. Denn der religiöse Fanatismus der Eingeborenen Marokkos lodert stets unter der Asche gleicherweise gegen Christen wie Juden, welche während der gegenwärtigen \\ irren am meisten gelitten haben. Schon Gerhard Rohlis erzählt, dass ihm, als er, um im Innern Marokkos überhaupt reisen zu können, zum Schein zum Maltamedariismus übertrat, selbst auf den Strassen von Fez seitr oft Pobelrotten gegenüber traten, die ihn aufforderten, schleunigst das mohamedainsclie Glaubensbekenntnis ״zu bezeugen“. Er musste dann sofort auf der Strasse das ״Allah il Allah“ hersagen. . . Die marokkanischen Ueberlieferuugcn des Islams sind an und für sich nicht intolerant. Darnach gibt es für die Mauren 11M heilige Schritten, von denen auf Adam zehn, auf Seth iünizig. auf!:noch dreissig, auf Abraham zehn, auf Moses eine, auf David eine, auf Jesus und Mohammed eben• falls je eine Tradition kommen. Bis aui die letzten vier sittu diese heiligen Schriften aber alle verloren gegangen. Aus den Gebeten der Marokkaner teilt Rohlis folgende Stelle mit. ..Das Gebet führt nur halbwegs zu Gott, die Fasten!)ringet, uns vor die Tore seines Palastes und das Almosen schafft uns Einlass." . . . Ugbcr die ständig dem maurische: Fanatismus ausgesetzten jüdischen Einwohner Marokkos schreibt Viktor H o r o w i t z , Sekretär des Österreichs....ui Konsulats in Tanger: ״Nur die Furcht vor den Europäern im Lande und den Konsequenzen hält die Mauren v״n manchem bösen Streich an diesen Schutzbefohlenen der europäischen Gesandtschaften ab." Besonders haben die Mauren während der jüngsten Wirren ihr Mütchen an den schönen J ü d i tut c n gekühlt. Denn da es sich bei den marokkanischen Juden grösstenteils um den schönen 1-192 aus Spanien gekommenen Zuzug handelt, schreibt auch Rohlis: ״Itti allgemeinen sind die Juden liier schöner und kräftiger als die Araber: die Jüdinnen namentlich zeichnen sielt durch Schönheit aus.“ Audi ein Teilnehmer an der ersten deutschen 1877 nach Fez gekommenen deutschen Gesandtschaft berichtet: ..Vor jeder Tür im Melllta hielten wir an, wie gebannt durch den mächtigen Zauber eines oder mehrerer von diesen weiblichen und kindlichen Gesichtern mit den grossen, tief dunkeln, sanft glühenden Augensternen, den echten Abkömmlingen Jener, von welchen der weise Sänger des Hohenliedes sagt, dass sic seien wie die Teiche zu Hasbon am Tor Batlirabbin.“ Alle Leiden im marokkanischen Ghetto haben diese unter dem maurischen Fanatismus gebeugten .,jhtKli“ aber nicht gehindert, ״darin die gesuchtesten, die kostbarsten Waren zu handeln, zu arbeiten und zu rechnen und mit ihren Frauen uttd Kindern ein Familienleben zu gemessen, w ie es ihre Peiniger und Bedrücker nicht kennen und niemals gekannt haben." Der Maure dunkt sich zu vornehm, um ein Handwerk zu treiben. Nach Rohlfs wird selbst die Succa, die königliche Münze des Sultans, ausschliesslich von Juden bedient, welche 1 um/,* ״״״)

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