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Jüdische Rundschau · 1907-09-13 · Heft 37 (13.9.1907) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 37 (13.9.1907)
Date
1907-09-13
Page
– (sequence 15)
Language
German
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N0.37 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 401 auch die/ einzige Goldschmiede in Marokko sind. Rohlis betont, dass er sich ohne Hilfe der Juden, welche im Innern Marokkos zumeist arabisch sprechen, sonst aber den altkastiüanischen Dialekt noch heute beherrschen, den sic im 15. Jahrhundert aus Spanien mitgebracht haben, selbst in den Städten mehrfach den grössten Insulten der eingeborenen Mauren atisgcsetzt sah. So schreibt Gerhard Rohlfs am' Seite 23 seines interessanten Buches über Marokko: ״Ms war Abend, als ich L'xor erreichte, mein Aufzug, halb europäisch, halb marokka-!lisch gekleidet, erregte natürlich das grösste Aufsehen. Hunderte von Menschen umdräugten mich, schimpften und schrieen; auch marokkanische Juden kamen hinzu und das war ein Glück für mich. Die Juden, welche spanisch verstanden, setzten dem I'öbelhaufen auseinander, dass Rohlfs Mohamedaner geworden sei. Da verwandelte sich das Drohen in ein ״Gottlob!" Gegen* über diesem religiösen Fanatismus der Marokkaner hat selbst uer jetzige Sultan einen schweren Stand, und auch der fran* z. sischc General Drude dürfte bald herausfinden, dass die Kationen zur ״Paziiierung‘• der Mauren allein nicht genügen. National-jüdische Abgeordnete Da alle Parteien im Wiener Reichsrat mit Ausnahme der Sozialdemokratie, seit Jahren national differenziert sind, so wollten auch die in Galizien und Bukowina lebenden Ostjuden rieht zuriiekstehen, und sie halten auch tatsächlich vier Abgeordnete durchgesetzt. Die zionistische Wochenschrift DM: '\LI.T (1007 No. 2-iי veröffentlicht ihre Bi'.Jnissc, und die .il.'DISCH!'. ZEITSCHRIFT bringt ihre Lebeusgesehichtc. Aui den ersten Bluk s eht :;;an. dass üer t-mc der wer Abgeordnete!! — Privatdozent Dr. Mahler — einen ganz anderen Typus darstellt, als die drei anderen. Er hat ein langes, schmales Gesicht, eine hohe Stirn und die edlen geraden Ziige westeuropäischer Geistcsführer. Tatsächlich ist er auch garnieht Ostjude. Er ist in Prag geboren, hat in London studiert, war in Rom Professor der Archäologie und ist erst seit wenigen Jahren mit der zionistischen Gedankenwelt in Berührung gekommen. Reiner Idealismus macht!hu zum Zionisten. Ganz anders die drei anderen: Dr. Straucher, Advokat in Czernowitz, Dr. Gabel, Advokat in Lemberg und Adolf Stand ebenda. Diese stellen also inmitten der zionistischen Volksbewegimg. Ihren Gesichtszhgen nach sind s.c durchaus keine• Idealisten, sondern reine Intcressenvertreter. Stand und Gabel haben die hethitische Nase tmd sind im übrigen Mischlinge, Stand wahrscheinlich mit der mittelländischen. Gabel mit aer blonden Rasse. Straucher zeigt keine hetliitbchen Züge, sondern das unproportionierte Gemisch aller möglichen Rassen. Alan sieht aus diesen vier Bildnissen, dass sie die alte Erfah• rung bestätigen, dass die Wortführer einer Rassebewegung durchaus nicht Vertreter oder doch nicht reiubUitige Vertreter dieser Rasse zu sein brauchen. Katra. Ein junger Kolonist Sch., der Sohn des von York- Steiner, als ״Talmudbauer“ gezeichneten Kolonisten,־ kehrte in Gesellschaft seiner Braut vorn Felde heim. Er au! einem Wagen, beladen mit Getreide, sie auf einem Pierde. Unweit der Kolonie begegneten ihnen 5 Araber, welche die Herausgäbe eines Ochsen forderten. Als Sch. dies verweigerte, fingen sic an, auf ihn loszuschlagen. Als seine Braut dies sah, Hess sie ihn auf ihr Pferd setzen, stieg selbst auf den Wagen und fuhr vorwärts, da die Araber eine Frau bekanntlich rcspektieren. Als mm der junge Kolonist mit dem Pierde davon kommen wollte, hieben die Araber von neuem auf ihn ein bis ihm endlich die Geduld riss und er mit der Pistole auf eilten von ihnen feuerte und schwer verwundete. Da Hessen die Araber von ihm ab, trugen aber den Verwundeten in die Kolonie. Alsbald drangen alle Araber der benachbarten Dörfer in die Kolonie ein und da keiner von den Kolonisten gerade in der Kolonie war. so besitzten sie alle Höfe und Strassen. Als die Kolonisten nach einigen Minuten vom F'elde zusammengerufen wurden, da blieb ihnen nichts übrig, als gegenüber der drohenden Haltung der Araber Ruhe zu bewahren, welche das Haus des Herrn Sch. schon zu plündern begannen. Sie schickten einen Boten nach Rechöbhöth. obwohl Kastinie und Ekron näher liegen, und warteten auf Hilfe. In RcchübliZth wurde sofort die Sturm- «locke, welche auf einer Anhöhe steht, geläutet und alle Kolonisten und Arbeiter kehrten von ihren Feldern heim, bestiegen ihre Pierde und Wagen und eilten nach Katra. Mehr als hundert Reiter eilten von Rechobhöth zu Hilfe, ausser von denen die auf Wagen fuhren, eine ganze Truppe Bewaffnete! marschierte zu F'uss. Als sie nach Katra kamen, war das Haus des Herrn Sch. bereits geplündert und arg beschädigt. Der Anblick der kampflustigen Rechöbhöthcr, welche ihre Gewehre bereit hielten, jagte den Arabern einen Schrecken ein, während sie als die wildesten und rauflustigsten der Gegend seit Jahrzehnten bekannt sind, und einzeln liefen sie davon. Die Reehübhöthcr blieben da, bis die Kommissare der Re- «ierung kamen. Stilbt der Araber, so wird cs viel Geld kosten, und die Familie Sch. wird, bis die Blutrache losgckauft ist, das Land verlassen müssen. Jedenfalls sind alle sicher, dass wir uns selbst schützen können, und die Araber werden für lange Zeit wissen, dass die Juden nicht vogclrfci sind. M. W. Die in der Nummer 35 vciöffentiichtc Tabelle über die Austritte aus dem Judentum In Berlin war der ZEITSCHRIFT FÜR DF:M0GRAP.1;L pND STATISTIK DER JUDEN entnommen. Sie bildet das vorläufige Ergebnis■ einer von Herrn Dr. Bruno Blau vorgenonmiencu grösseren Untersuchung, welche unmittelbar auf den Akten der Berliner jüdischen Gemeindc beruht. In der genannten Zeitschrift werden demnächst weitere Angaben über die persönlichen und wirtschaftlichen Verhöltnisse der aus dem Judentum Ausgetretenen veröffentlicht werden. Wir machen hierauf schon jetzt aufmerksam, zumal über den Gegenstand bisher noch nie etwas bekannt geworden ist. r--—-- ככד Sprechsaal Flr die Mitteilungen an dieser Stelle, übernimmt die Redaktion nur die pressgeseullche Verantwortlichkeit Rituelle Speisehäuser. In der letzten Augabe der JÜDISCHEN RUNDSCHAU versucht Herr Möller meine Ausführungen über diesen üe- «instand zu entkräften. In Wirklichkeit bestätigt er nur das von mir Gesagte. Herr Möller meint, es wäre nicht richtig, dass es in Merlin S. oder N. keine, jüdischen Restaurants gäbe und liilirt zwei ״beaufsichtigte" Restaurants an, die beide im C e 111 r 11 m liegen. Damit meint er, meine Behauptung widerlegt zu haben. Ebenso ist es mit Uer zweiten ״\v Verlegung". Icii habe bemerkt, dass die unter Aufsicht stehenden Restaurants der hohen Preise wegen für den Minderbemittelten nicht zugänglich sind. Herr M. teilt nur mit, dass inan in Berlin in solchen Speisehäusern (es gibt deren blos zwei) schon für 1,50 Mk. ein Mittagessen bekommt. Wenn dies der Fall ist, so kann ich nur meine Acusscrungen bezüglich der teuren Preise aufrecht halten, denn in anderen rituellen Speisehäusern speist man bedeutend billiger (schon!iir 0,75 Mk.) Meine Anregung zwecks Errichtung von Würstelstuben und volkstümlichen Restaurants hält Herr M. für undurchfiihrbar, da derartiges wegen der geringen jüdischen Bevölkerung m Deutschland niuit möglich wäre. (Gross-Berlin hat 130 000 Juden. Die Red.) Zur Aufklärung meines Opponenten erlaube ich mir zu bemerken, dass in Oesterreich-Ungarn diese Einrichtungen auch ui Orten mit geringer jüdischer Bevölkerung (Prag, Briini!, Oimiitz, Wien XVI ctc.) und teilweise sogar in Süddeutschland vorhanden sind. Herr M. wird nun wohl selbst zugeben müssen, dass seine- Einwände nicht stichhaltig sind. B. G r H n h u t. Im Namen des Reichs! In der Privatklagesache 1. des Leiters der Edler von Lämel-Schtile und der Lehrerbildungsanstalt des Hillsvereins der Deutschen Juden zu Jerusalem, Ephraim Cohn, 2. des Lehrers Philipp Wurst, 3. des Lehrers A. H. Goldsniit, 4. des Lehrers Lazar Rokach, sämtlich zu Jerusalem. Privatkiägcr. gegen den Privatlehrer Philipp Kiefertiüorf, daselbst Augeklagten wegen öffentlicher Beleidigung, hat das Kaiserliche Konsulargericht zu Jerusalem 1'iir Recht erkannt: Der Angeklagte Philipp Kieferndorf wird der öffentlichen Beleidigung fiir schuldig erklärt und deshalb zu einer Geldstrafe von 300 (dreihundert) Mark verurteilt, an deren Stelle, falls sic nicht beigetrieben werden kann, eine Gefängnisstiafe von je einem Tage für je 10 Mark tritt. Den Beieidigten wird gemeinschaftlich die Befugnis zugesprochen, die Verurteilung auf Kosten des Angeklagten öffentlich bekannt zu machen; die Bekanntmachung hat innerhalb drei Monaten nach Rechtskraft des Urteils zu erfolgen und zwar durch Veröffentlichung des verfügenden Teils dieses Urteils in einer von den Beleidigten zu wählenden Zeitung. Gleichzeitig wird angeordnet, dass der verfügende Teil des Urteils in der JÜDISCHEN RUNDSCHAU bekannt zu machen ist. Die Kosten des Verfahrens fallen dern Angeklagten zur Last. Demnächst hat das Reichsgericht in Leipzig auf die vom Angeklagten eingelegte Berufung für Recht erkannt: Die Berufung gegen das Urteil des Kaiserlichen Konsulargerichts

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