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Jüdische Rundschau · 1907-09-13 · Heft 37 (13.9.1907) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 37 (13.9.1907)
Date
1907-09-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 398 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 37 Dieses Bewusstsein wird sich auch in diesem Lande Bahn brechen. Manche, die noch nicht zu uns gehört, hatten eine gewisse Scheu, in einer neuen Umgebung mit unseren Oe danken, Empfindungen, Starken und Schwächen aufzutreten. Diese Scheu hat sich als unbegründet erwiesen. Die Regicrungsbchürdcn, die Stadt, die Presse, die die hiesige effentliehe Meinung widcrspiegclt und unsere Volksgenossen, repräsentiert durch Würdenträger unseres Stammes, wie es selten in einem anderen Lande müglich ist, haben uns das wärmste Interesse entgedengcbracht, lind wir hoffen, dass dieses Woldwollen mit der Zeit zu einer wirksamen Kraft heraureifen wild Dass es möglich war, hier einen Kongress ׳ibzuhalten und ihn so würdig zu gestalten, haben wir in erster Reihe unseren hiesigen Gesinnungsgenossen zu verdanken, die in h'iigcluingsvoller Weise ihre Kräfte und ihre Zeit dieser Veranstaltung gewidmet haben. Dem Ehrenkomitec, der Haager jüdischen Gemeinde und insbesondere den Mitgliedern des Kongressburcaus, die eine so wunderbare Arbeit geleistet haben, sprechen wir im Namen des Kongresses unsere grösste Arierkeninmg und unseren innigsten Dank aus. Nun können wir mit der Überzeugung auseinander gehen, dass dieser Kongress unsere Organisation und unser Selbstvertrauen gestärkt hat. Wir werden mit frischer Gemütsstärke an die Arbeit schreiten, um die• Beschlüsse des VIII. Kongresses in lebendige Kraft umzusetzen. Wir werden weiter kämpfen, ringen und streben, bis wir für unser unglückliches Volk die alte Heimat wieder erlangen werden. Unser armes Volk hat nichts zu verlieren, als seine Ketten, und eine Welt hat es zu gewinnen: Line Welt ds Briedens, der Ruhe lind der Arbeit. Unermüdlich wollen v ir arbeiten bis die Zeit kommt, in der es wieder heissen wird, דעבוו יעדאל בטח בדד עץ 'עקב u״d Israel wohnte in Sicherheit, die Quelle Jakobs in sich geschlossen. Mit diesen Worten schlösse ich den VIII. Zionistenkongress! (I.anganhaltcndcr Beifall.) Die Versammlung und die Galerie erheben sich, Tiichcr- und Hutschwenken. Die Delegierten stimmen an עוד לא אבדה L Rundschau. fyrm I •*4 Rassen״־Wissenschafi“ Es liegen wieder einige Betrachtungen über Rasscnver■ hältnisse der Juden vor, die wir unseren Lesern schon des halb nicht vorcnthalten wollen, weil sie sich speziell mit der Zionisten beschäftigen. Die antisemitische DEUTSCHE TAGESZEITUNG schreibt: ״Die WELT, das Organ der Zionisten, in ihrer neuesten Nummer die Bilder nationalen Zionistenfiihrer. Kürzlich einmal die POLITISCH-ANTHROPOLOGISCHE REVUE lässlich der österreichischen Reichsratswahlen gestellt, dass die in den Reichstag zogenen Vertreter des bewusst-nationalen jüdischen mehreren Rassen angeboren, und jedenfalls recht typisch jüdisches aufweisen. Die Betrachtung der Bildniss! der internationalen Zionistenfiihrer bestätigt diese über raschende Entdeckung. Genau wie die Namen fiihrer verschiedenen Sprachen entstammen, deutsche, russische, polnische, tschechische, andere Spraclielcmcnte zum Ausdruck weisen Körperbau und GesichtsbiUIung veröffentlich der inter schon ha an iest cinge Volke: wcnii Iduiss׳ über der Zionisten wie in ilinei englische um kommen, genau s< __n der Befreier Israel alle möglichen Stammeselemente auf. "aber auffallend wenn jüdische. So ist der Entsandte der Juden des Zarenreiches Icinkin, ein geradezu typischer Klcinrusse und auch.seine! Landmann T sclileuow könnte man zwanglos den Ruthenei] \icllcicht auch den Tschechen z.uweiseii. Güster könnte ai jedem deutsch-böhmischen Stammtisch unbeanstandet Plat: nehmen und auch Schabt. Magues Brande und Greenben weisen überwiegend nielitjüdiscbe Merkmale auf. Was di« bekannten Führer Nordau. Warburg und Wolfisolm betrifft so stellen sie Mischrassetypen dar, aber solche, die man ai: beinahe vornehm bezeichnen kann, und die vielmehr mit de־, äusseren Eigentümlichkeiten ihrer inittcleuropöischen Gast Völker als mit Scliinuiil und Cohn gemeinsam haben. Nu ein einziger unter den Zionisteiiführern. Niemirowcr hat eil eigentliches Judcngcsicht nebst zugehörigen Körpcrioriiicn aber auch er besitzt mehr einen gutmütigen Ausdruck als dci bekannten unangenehmen Semitciitvnus. Den richtigen sei Hainaus Tagen allen Völkern des Erdballs gleich wohl Ire kannten und bei allen aus guten Gründen gleich wenig geri gesehenen Hethiterkonf. für den die jüdischen Rasseforschc der VOSS1SCHEN ZEITUNG schwärmen, findet man unte den Zionisten überhaupt nicht vci treten, so unverkennbar c doch ganz gewiss ist. Auch der bekannte Gründer der zionistisclien Bewegung, der unleugbar von dem edelsten Streben und der uneigennützigsten Begeisterung erfüllte Dr. Theodor Herz.!, war in seinem Aeusscren nichts weniger als ein typischer Jude. Er hatte ein vornehm und kühn geschnittenes Profil, freie Stirn und einen weiten, offenen Bück ohne jeden lauernden Zug um Augenwinkel und Nase. Es ist vielleicht mehr als ein merkwürdiger Zufall, dass gerade diejenigen Judeneliiucntc, die sich des fremdartigen in ihrer Blutmischuug am meisten bewusst werden, die das tmüberbriiekbare zwischen ihrer Art und der ihrer Gastvölker am wenigsteil verschleiern wollen, die daher auch von den Gegnern die unbedingteste Hochachtung für ihre Ehrlichkeit und ihr Streben verlangen dürfen, so wenig gemeinsam haben mit den bekannten volkstümlichen Gestalten Itz.ig und Pinkeles. ״welche sigh wünschen zu assimilieren“. Gewiss ist cs auch mehr als ein zufälliges Zusammentreffen, dass gerade diese Elemente unter dem Juden, welche so viel staatsbilducrischcs Talent in sich haben, dass sie bei ihrem damaligen Kongress zu wirklich realpolitischen vernünftigen Kolonisationserörtcrungen schreiten konnten, am meiste!! auch von den äusseren Eigentümlichkeiten ihrer stnatserhaltendcn europäisehen Gastvolker angenommen haben. In Betrachtung aller dieser Umstände kann man siel; eines wenig erfreulichen Gcdankens nicht cntschlagen: Die Zionisten sind zweifellos Männer von eh!liebem und hochachtbarem Streben, denen wir nur von ganzem Herzen Erfolg zu ihren. Bemühungen wünschen können. Aber es bestellt doch der Verdacht, dass viele, die auf dem diesjährigen Zimiistenkniigress begeistert mit ausgerufen haben: ״Israel wohne in Sicherheit, die Quelle Jakobs in sich geschlossen 1“ einer Täuschung michiagen. Ihre Vater waren Cassaren, Berber. Rutheucn. Bassen. Polen und was sich sonst dem ewigen Juden au \ ölkcrsprcngselu auf seinen Irrfahrten allgeschlossen hat. Aber der Same Jakobs, des Erkäufcrs der Erstgeburt, hat keinen Anteil an ihnen. Und gerade die Elemente, die von Jakob, dem Er- Käufer der Erstgeburt her. die bekannten Eigentümlichkeiten haben, die volkstümlichen Gestalten der Colm und *^chnmul lind Pinkeles, sind der begeisterten Werbung der Zionisten am wenigsten zugänglich und sehnen sich nicht nach׳der Rückkehr 7.11 r Baucrnschollc Palästinas, wo der harte 1 fing und die srhwere Egge ihrer wartet.“ Fein ausgedacht. nicht wahr? Die Quintessenz, ist: Alle anständigen Juden gehören nicht zur jüdischen Rasse. Wie v.är’s. wenn wir auch die Deutschem so ähnlich eintciltcn: in reinrassige Gormaiicu-Antiseiuitcn und anständige Deutsche, die aber leider nicht der germanischen Rasse angehören? Die pseudo-wissenschaftliche POL1TISCH-ANTHROPO- LOGISCHE REVUE, die hier zitiert wird, brachte in ihrer Aiigustnummcr folgende köstliche Notiz über die jüdischen Beielisratsabecordnctci! in Oesterreich: ״Wer sich ernstlich mit den komplizierten Prägen der Rassenforsclmng einmal geplagt hat. wird mit Neid auf die Sicherheit sehen, .mit der die ״Anthropologen“ dieser Zeitschrift aus einem Porträt die Rassenzugehörigkcit erkennen, ja sogar einen Rassentyp der ״Intcrcsscnvertrcter" diagnestizieren. Dieser r’mnbug geht noch über die Graphologie, ea. MH Zustimmung der Regierung Die jüngsten Taten der cchtriissjsclicn Leute in Odessa müssen das Mass ihrer Schuld zum überlaufen bringen. Eine Baude von Räubern warf sich auf das spazierende Publikum und verprügelte jeden, der ihnen Jude zu sein schien. Dann schlugen sie einen Lehrer, der Juden verteidigte und belaevrten ein Hotel, das sie niederbrennen wollten. W׳jc viel Zeit. Plünderungen. Prügeleien mul Blutvergicssen sind denn noch nötig, um die Regierung davon zu überzeugen, dass diese Bande nicht die Stütze des Staates, sondern eine gefährliche Seuche ist. welche das Land zu verheeren droht? — Odessa ist jetzt eine halbe Wüste. Alle Einwohner flüchten aus dieser Unglücksstadt. Die Geschäfte stocken, der Markt ist eiligestellt. Import und Export sind bis auf ein Minimum zuriiekgegangen. Die Arbeitslosigkeit ist fürchterlich. Zu welcher noch verzweifelteren Lage will inan Odessa treiben? Das sind die Folgen des ..Kriegszustandes“, der schon drei Jahre andauert. Der ״Verrat“ ist keineswegs entwurzelt, Bombenwürfe. Explosionen und Überfälle sind an der Tagesordnung. Wozu, fragt mau sich, wendet man so harte, unnütze und demoralisierende Mittel gegen die Stadt an? RJETSCH bcmerkt zu dieser Präge: ״Es ist wahrhaft höchste Zeit, ernstlich filier die Befreiung Odessas aus der Gefangenschaft der 5ch\\a1/n Hundertschaften nachzudciikcn.“ -- Nach der Verabsehiedmig des Generals Griecoricw ist zu befürchten, dass der Terror der schwarzen Hundertschaften den höchsten Gipfel erreichen wird.

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