Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1907)
- Date
- 1907-09-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 37 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 397 Der Präsident vertagt hierauf die Sitzung, damit der Permanenzausschiiss seine Beratungen fortsetzen könne. * * * Der Permanenzausschuss hatte fast den ganzen Tag über die Präge der Leitung beraten. Diese Beratungen gestalteten sich stellenweise sehr erregt. Ungefähr die Hälfte der Mitglieder des Ausschusses glaubte dem angeblich fast cinstimmi• gen Wunsche der russischen Landsmannschaft, durch zwei Mitglieder im Engeren Aktionskomitee vertreten zu sein, Rechnung tragen zu sollen. Man war der Ansicht, dass die Ausschaltung des ostjiidisclien Elementes aus der Leitung eine schwere Schädigung des Zionismus bedeuten könne. In der deutschen Landsmannschaft wurden ihre Mitglieder des Permanenzausschiisscs verpflichtet für den Antrag Wolfisohns zu stimmen. Dieser andere Teil des Ausschusses unterstützte die Anschauung Herrn Wolfisohns, der nur . bei einem kleineren Aktionskomitee, das räum* lieh nicht allzusehr gesdhieden wäre, Arbeitsmög* lichkeiten sah. Der Zwiespalt drohte zu einem sehr.;* icn Aiifcinanderpr.dlcn der Gegensätze auf dem Kongresse selbst zu führen. In letzter Stunde entschlossen sich jedoch die Herren Ussischkin und 'Isehlenow um der Anfrcehtcrhaltung des Friedens in der Partei willen, ihre Kandidaturen selbst zurück* /,.!ziehen, ein Entschluss, der nachträglich in einer ad hoc ein* berufenen Versammlung der russischen Landsmannschaft sanktioniert wurde. * # V.' i e der a 1: f n a h m e der Sitzung um "i6 Uhr. Die Sitzung wird um 6 Uhr wiede re rönnet. Frau Wolff* sohn hat dem neu-gegründeten zionistischen Frauenbund ."00 Mark gespendet. Fs beginnen hierauf die Wahlen. Dr. Gastcr als Vorsitzender dos Permancnzaussclmsscs teilt mit, dass der Permanenzausschuss 5 Mitglieder alsE.A.K. wählen wollte. Aber Ussischkin und Tschlenow treten freiwillig zurück. Der Permanenzausschuss schlagt als im Interesse des Friedens vor David Wolffsohn (Grosser Beifall; Hedäd), Prof. Warhurg (erneuter Beifall), Jacobus Kann (erneuter Beifall.) Nassau beantragt Abstimmung durch Stimmzettel. Der Antrag wird abgelehnt, nur wenige Stimmen sind für ihn. Es wird verlangt Abstimmung über jeden einzelnen. Für Wolit* sohn stimmen 132. gegen ihn 59 Stimmen. (Der Kongress bringt Woliisohn stürmische Hedädruie. ״Ich danke Ihnen und werde mich bemühen, dass ich bei dem nächsten Kongress auch die übrigen 59 Stimmen bekomme.** (Huldigung für Wolffsohn.) Wolffsohn beantragt Akklamation für Warburg. W a r b u r g wird mit allen gegen 3 Stimmen gewählt. Jacobus Kann wird mit HO Stimmen gegen 5 gewählt (Bciiallklatsehen.) Es wurden sodann gewählt: Inj Grosse Aktionskomitee: Für Holland: Dr. lYanzie-Berenstcin. Fiir Belgien: Jean Fischer. Für B u lg a r 1 c 11: Carl Herbst. Fiir Rumänien: Pineies, Schein. Dr. Moskowitz, Heinrieh Roscubcum. Fiir Palästina: Scheinkin. Leo Kohau, Kohan-Bemstein. Trictsch. Gegen Trietseh wird von Ahneroft aus Palästina wegen der Behandlung jüdischer Arbeiter in Palästina Protest eingelegt. Trietseh verwahrt sich dagegen. Trietseh mit 90 gegen 69 Stimmen gewählt. Für England: Dr. Ciastcr, Dr. W'cizmann, Greenberg. Moser. Beutwich. Francis Montefiore. (Greenberg mit '112 gegen 58 Stimmen.) Für Skandinavien: Dr. Frankel. Für Österreich: Dr. Schafit. Stand, Böhm, Dr. Brande, Dr. Mahler, Dr. Gabel, Dr. Salz. Die Vorgeschlagenen werden gewählt. Für Deutschland: Dr. ßndenheimer, Dr. Friedemann, Gronemann, Hantke. Für Ungarn: Bettelheim. Für Italien: Felice Ravenna. Für die Schweiz: Camille Levy. Für Frankreich: Dr. Marninrck. Fiir K roatien, Slavonien: Dr. Spitzer. Fiir Russland: Dr. Tschlenow׳. Ussischkin. B. Gold* berg. J. L. Goldberg. Dr. Brut/kus. Temkiin Dr. Sapir. Abr. blelsohn, Bezalel Jaffc, Rosnw, Rosenbaum. Sokolow׳, L. Jafic, Dr. Schemarjalm Lewin. Prof. Belkowsky, Podlischcwsky, Für Südafrika: Rechtsanwalt M. Alexander, S. Goldreich, fng. Kessler. Für Agcntinicn bittet der Pcrnianenzausschuss um die Erlaubnis des Kongresses, die endgiltige Bestimmung des Aktionskomitccmitglicdcs des E. A.-K. zu übertragen. (Angenommen.) Fiir Australien: Vccht. Fiir Canada: de Sola. 1 Fiir die Vereinigten Staaten von Amerika: Prof. I’ricdcnwald, Prof. Gottheil, L. Magnes, Lewin-Epstein, Lipski, Dr. Wolf, Kamciki. Ausserdem werden auf Vorschlag aus dem Kongress her* aus gewählt: Berthold Fciwel und Job. Kremenezki. Ebenso wird Pr. Nossig mit 69 gegen 39 Stimmen gewählt. Es werden dann gewählt in die B i b I i o t h c k ko m m i s * sion: Dr. Heinrich Loewe, Litmann Roscmhal, Prof. Margolis tmd als Ehrenmitglied Dr. Josef Chasanow itsch. In den L e g i t i m a t i o n s a 11 s s c h u s s: Dr, Epstein, Dr. Salz, Julius Simon, Goldreich (Köln). Baker, Franz.ic-Berenstein, Bezalel, Jafic, Dr. Herz, S. Orcnstein und Ürünau- (Ininzweig. Ins K 0 n g r c s s g e r i c 111: Dr. Alexander Marmorck, Steinherz, und M. Halm. Zum K 0 n g r c s s a n w a 11 wird bestellt: Dr. Boden- Itcimcr. Zu Revisoren werden gewählt: Rechtsanwalt Weisscnberg. Feldstein, Pr. Kornhäuser tmd Dr. Heyrnann. Hierauf erfolgt, entsprechend dein bei Abschluss der Bankdebattc gefassten Beschluss, die Wahl von 3 Juristen zur Prüfung der!־rage der Abänderung der Uankstatutcn, und zwar: Dr. Bodenlieimcr, Dr. Friedemann (Rosenbaum verzichtet) utu! Prof. Biclkowski. Daichcs beatm agt die Wahl eines englischen Juristen, und zwar Bentwichs. (Abgelchnt.) Hierauf erbittet, das Wort Herr Hermann Struck: Hochgeehrter Kongress! Erlauben Sie mir, unserm verehrten Präsidium in Ihrer aller Namen den herzlichsten Dank atiszusprcclien für seine unparteiische und kraftvolle Leitung. Durch anstrengende, und mitunter stürmische Sitzungen hat cs unsere Versammlung zu einem schönen Endziel geführt. Wenn wir nun am Schlüsse unserer Verhandlungen nach allen Aufregungen und Stürmen das Fazit ziehen, so dürfen wir heiriedigt sagen, dass dieser VIII. Kongress wieder einmal uns selbst und der Welt klar gezeigt hat, dass wir Zionisten in unseren grossen Zielen einig sind. So wollen w ir aus diesen Tagen neue Krait schöpfen zu tauen immer grösseren Erfolgen und wollen in energischer Arbeit brüderlich miteinander unserm hohen Ziele zustreben; trotz mancher Verschiedenheiten brüderlich geeint, eingedenk jenes alten Wortes: טבת אחים גם יהד ומה נעים ייד. טוב• (Lebhafter Beifall.) Daraui hält Präsident D. W'olnsohn das Schlusswort: Geehrter Kongress! Die Verhandlungen sind nun zu Ende, na] ich glaube mit Recht behaupten zu dürfen, duss dieser Kongress ein gutes Stück Arbeit geleistet hat. Der vorige Kongress war ein Kongress der Scheidung, dieser ein Kongress der Einigung. Das Einigende ur.d Bindende im Zionismus wurde durch diesen Kongress in das helle Licht gerückt. Der Kongress hat klargelegt, dass wir alle von einem Gefühle beseelt sind und trotz verschiedener Meinungen nur nach c i n e m Ziele streben. Wir haben uns nicht gegenseitig mit Blumen überschüttet. Mit tiefem sittlichem Ernst vertrat jeder von uns seine Ansieht über das richtige Mass der Dinge. Aber alle Diskussionen waren von einer flammenden Begeisterung durchgliilit und die Resultate dieser Diskussionen liegen jetzt vor uns. Der Kongress hat wiederum klargelegt, dass wir alle auf dem Boden des politischen Zionismus stehen und als Mittel praktische Arbeit fördern wollen. W'ir haben zti diesem Zwecke eine Reihe wichtiger Beschlüsse bezüglich der Palüstinaarbeit gefasst. Unsere Organisation haben wir weiter ausgebaut. Ein Partcifonds soll geschaffen werden, der 1ms cimöglichen wird, unsere Tätigkeit auf eine sichere finanzielle Grundlage zu stellen. Ein Arbeitsplan wurde für die nationale Erziehung aufgestellt und die Propaganda unserer Idee soll vertieft und ausgedehnt werden. Wir schreiten vorwärts mit unserer Arbeit. W?ir haben die Fragen der inncrpolitischcn Tätigkeit aus der Diskussion ausgeschlossen, weil wir der Ansicht sind, dass dies nicht Sache des Kongresses und der von ihm eingesetzten Leitung ist. Doch freuten wir uns. in unserer Mitte die Ahgeordneten des österreichischen Parlaments und Mitglieder der ersten russischen Duma zu sehen. Es ist ein Beweis, dass unsere Gesinnungsgenossen neben der Liebe zu Zion siru atn.11 staatsbürgerlich zur Ehre ihres Stammes and .׳.um Wolle unseres Volkes betätigen. Man wird mehr und mehr einsehen, dass der Zionismus nach allen Richtungen mir das Gute fördert.