Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1907)
- Date
- 1907-09-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 396___JÜDISCHE RUNDSCHAU, No. 37 Auf Antrag dc£ Herrn Dr. Engel wurde die Einsetzung einer 25-g!iedrigcn Kommission beschlossen, der diese Thesen übergeben werden sollen. Eine längere Debatte entspann sich über den Antrag Sokolow: ״Der Kongress beschliesst, die hebräische Sprache als offizielle Sprache der zionistischen Bewegung, ihrer leitenden Stellen, ihrer Kongresse und Konferenzen prinzipiell anznerkennen und praktisch sukzessive cinzufiihren. Unsere nationale Sprache wird hiermit für den Zionismus obligatorisch. Nur aus Rücksicht auf die Notwendigkeit der Popularisierung der Idee bleibt cs der Organisation anheimgesteüt, sich neben der hebräischen Sprache auch anderer Sprachen zu bedienen.“ An der Debatte beteiligen sich Erau Dr. Krischewsky und die Herren Rosenbaum. Dr. Sam. Deiches. Klcerckopcr, Dr. Locwc, Dr. Nacht und Dr. Heu. Schliesslich wird der Antrag angenommen. (Stürmischer Beifall und Unruhe.) Im Laufe der Vormittagssitzung hielt noch Herr Hermann Struck folgende Anrede im Na!!1en der Misrachi: Struck: Werte Gesinnungsgenossen! Im Anschluss an das hochinteressante, an Anregungen so reiche Referat von Dr. Sclunarjahn Lewin habe ich die Ehre, Ihnen mitzuteilen, dass eine Anzahl hier anwesendei misrachistischer Delegierter beschlossen haben, eine Mittelschule in Palästina zu begründen. (Leb. fSeif, und Händckl.) Es sind Jetzt bereits für diesen Zweck zirka 3000 Mark jährlich für die ersten 3 Jahre gczcici;* net. (Leb. Beit, und Händckl.) Ihr freundlicher Beifall wird uns anspornen, imcimiidlich für die geistige Hebung der Juden in Palästina weiter zu arbeiten. Ich habe nur noch wenige Worte hinzuzufügen: Wenn diejenigen Zionisten, die fest und unerschütterlich auf dem Boden der altüberlieferten Religionssat/imgen d<־s Judentums stehen, bei ihrer Aufsicht nicht immer anerkennen und lohen konnten, was von Zionisten gesprochen, getrieben und getan vurde, so benutze ich doch gern die Gelegenheit, hier öifcnllieh freudig anzuerkennen, dass die offizielle Leitung des Zioiiisnius immer und ausnahmslos bestrebt war. so zu!landein, wie cs diesen Anschauungen entsprach. — Gestatten Sie nur noch, an der Hand der Protokolle zwei für uns höchst wichtige Willcnsäusscrungen des Kongresses wieder ins Gedächtnis zu rufen: Auf dem ersten Kongresse erklärte Herzl aui eine Aufiage des Baseler Rabbiners Dr. Cohn hier wörtlich folgendes: ״Ich kann Sic versichern, der Zionismus beabsichtigt nichts, was die religiöse Ueberzeugung irgend einer Richtung innerhalb des Judentums verletzen konnte.** Diesen Worten unseres!euren, unvergesslichen Eiihrers folgte ״stürmischer Beifall'*. Der zweite Kongiess beschloss auf Antrag des Grossrabbiners Dr. Ehrenpreis folgendes: ״Der Zionismus erstrebt nicht nur die ökonomische und politische, sondern auch die geistige Wiedergeburt des jüdischen Volkes und befindet sich heute auf dem Boden der modernen Kultur, an deren Errungen• schäften er festhält. Der Zionismus unternimmt nichts, was dem Rcligionsgesetzc des Judentums widerspricht.“ Hieran aükniipfend gebe ich der bestimmten Zuversicht Ausdruck, dass der Kongress für richtig befinden wird, dass bei allen denjenigen Unternehmungen, die religiöse Interessen tangieren, diesen in entsprechender Weise Rechnung getragen wird. Ich glaubte, gerade letzt Ihre Aufmerksamkeit auf diesen Punkt lenken zu sollen, da w ir endlich am Beginn einer Periode piaktischcr Arbeit in Palästina stehen, auf der der Segen Gottes ruhen möge. Nachmittagssitzung Beginn 4צו Uhr. Präsident: W 01 f f s o 11 n. Der Präsident verkündet unter langanhaltendem stürmiscltem Beifall des Hauses, dass der Delegierte Friedensrichter Moser ans Bradfoid gestiftet hat: 10000 Mark in Jahresraten ä 2000 Mark für die Kmistgowcrbcschule Beznlel in Jerusalem, und 80 000 Mark für ein hebräisches Gymnasium in Palästina, woran er nur die Bedingung gekniinlt hat. dass dieses Oymnashm) den Namen Theodor Herzl-Gvmnasnnn“ Ua־gv. (Lauter «ich Immer wieder erneuernder Beifall.) Hermann Struck teilt mit, dass für die misrachistisclie Schule in Palästina bereits 10000 Mark aufgebracht und überdies für den Bc/alcl einige grössere Spenden, darunter 150 und 90 Mark, eingclaufen sind. Es folgt nunmehr die Debatte über die Organisation, die fast bei jedem Punste Anlass zu lebhaften Diskussionen gibt. An Stelle Hantkes referierte Groiicmaim. In einer späteren Nummer bringen w ir das Organisatioiis- Statut in der vom Kongress eudgütig akzeptierten Form. Hervorzuheben ist insbesondere die Änderung, dass mmmehr die Bildüng von Eörderationen, die sich über die Grenzen einer Landsmannscliaft hinaus erstrecken können, beim Vorhandensein von mindestens 3000 Schekelzahlern mit Genehmigung des Engei eit Aktionskomitees gestattet ist. Damit endet die Nachmittagssitzung. Mittwoch, den 21. August 1907 Vormittagssitzung Mittwoch Vormittag wurde die 10. ordentliche General- Versammlung des Jewish Colonial Trust abgehalten. Es waren 154 Aktionäre anwesend. Der Versammlung wohnten auch Herr D. Wolifsolm, Vorsitzender des Atirsichhrats, und die Herren Direktoren Dr. Katzcnelsoii, Jacolms ii. Kann. S, Barbasch. Hugo Urysohn und Joseph Cowen bei. Dr. Kut/cnclsnu führte den Vorsitz und beantragte bei Li- Öffnung der Sitzung, dass die Verhandlungen in deutscher Sprache geführt werden. Darauf verlas der Sekretär die Bekanntmachung bezüglich der Versammlung. Der Vorsitzende trug dann den Bericht des Direktoriums vor. und der Sekretär verlas die Bilanz und den daran! bezüglichen Bericht der Bücherrevisoren. An der Diskussion iiber den Belicht 1md die Bilanz :ui'i.ma die folgenden Herren teil: Dr. Hans (i. Heymamt, A. Spira. N. Scluipiro. Dr. Sitattss. Rabb. Reines. .1. Kahanowitz, Josc!>i! Kantorstschik, Schelcw itzl.i, Dr. Reich. Dr. Ercmlenbcrg. L. i.cwinski und Jean bischer. Nachdem der Vorsitzende der Versammlung und Herr Wolifsolm, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, auf die verschiedencu Punkte der Diskussion geantwortet hatten, war de auf Antrag des Herrn Jean Eischer, unterstützt von Dr. liesmann, dem Direktorium Deehargc erteilt und der Bericht des Direktoriums zusammen mit der Bilanz und dem Berichte der Bücher! evisoren angenommen. Die Generalversammlung beschloss auch, eine Dividende von S Pence per 1 Pfund Aktie für das Jahr 1906 zu erklären. Der statiiteugemäss zuriicktrctcnde Direktor Dr. Barbasch wurde aui Empfehlung des Direktoriums durch Akklamation wieJergewählt. Auf Antrag des Herrn Dr. Heymamt unterstützt von Jean Eischer wurden die Bücherrevisoren, die Herren Jackson, Pi\- ley & Co., mit einer Remuneration von 1D0 Pfund per amuim wieder gewählt. Auf Antrag des Herrn Jean Eischer, unterstützt durch Herrn Dr. Heymaun, wurde dem Auisichtsrat, dem Dircktorium, dem Manager, dem Sekretär und den übrigen Beamten des Trust eit! Pankcsvotun! ausgesprochen und die Versäum:- 11mg t!m 1 Uhr geschlossen. Nachmittagssitzung (Sehlussitzung.) Eröffnung um 2צ׳ז Uhr. Die belgische Landsmannschaft trägt Moser-Bradford ins Goldene Buch ein. Dr. Heim. Loeue beantragt: Der Kongress möge beschlicsscn, wiederum eine Kommission für die Nationaibiblütliek in Jerusalem von 5 Personen einzusetzen und das Pa- 1 istiuaressort des Engeren A.-K. zu verpflichten, die Km::- mission nach Massgabe seines Könnens zu finanzieren. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Präsident Wolifsolm: Es ist notwendig, die Bewegung reell zu finanzieren. Der Anfang hisst sich nicht anders machen, als dass wir eine ausserordentliche einmalige r auferlegcn. die pro Kopf etwa 5 Francs betragen muss. Wert! auch viele Arme das nicht liefern können, werden huffentlic.i 011׳י den Wohlhabenden Grössere Summen einfliessen. EL 11 Wolffsolm stellt schliesslich einen dahingehenden ionn.i!׳.!! Antrag E i n s t i in m i g e A n n a 11 m e. Dr. Nossig beantragt Akklamation Dr. Spitzer (Kroatien) stellt den Antrag, dass die kleim״ LandsmannschaUcn sieb auf dem Kongress vereinigen und v> ineinsam zu den Kommissionen lierangezogeu werden. Der Antrag wird angenommen. Dr. Luuz (Galizien) beaatraet für die künftigen Kongrvv-c ein würdiges HerzlbiUJ zu schaffen. Dagegen spricht vom religiösen Standpunkt Klccrokonper. Wird angenommen. Erl. Schach (Paris) macht in längerem Mitteilung von der Gründling des zionistischen Frauenbundes. Es soll in lern» lern eine Haushaltungsschule gegründet werden. (I.cbh.otcr Beifall.) Jacobs (Birmingham) wünscht, dass die Protokolle auch englisch erscheinen sollen.