Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1907)
- Date
- 1907-09-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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JÜDiSCHE RUN DSC!!All. Seite 391 No. 3? Die dcuts9he Landsmannschaft hat sich für die Forderung Wolffsohns nach einem dreigliedrigen, zentralisierter, leitenden Komitee energisch eingesetzt. Die Gründe für diese Haitu'ng habe ich bereits in der letzten Nummer der JÜDISCHEN RUNDSCHAU kurz zusammengetasst und setze sie noch einmal hierher: ״Dass ein Engeres A.-K., wie wir cs bisher hatten, nicht arbeiten konnte, war jedem klar, und einmütig war der Wille, diesem Zustand ein Ende zu machen. Fast wäre wieder eine Halbheit entstanden. Aber wir müssen cs unserem Früsideuten hoch anreclmen, dass er nicht nachgegebcn hat. und wir hätten es ihm schwer verziehen, wenn er dieses Mal — und damit fiir immer — sich gebeugt hätte. Es war recht von der Mehrheit der deutschen Landsmannschaft, dass sie ihn hier kräftig unterstützt hat. Wir halcn darum nicht die Absicht, zu einer Leibgarde zu werden. Jedoch es musste endlieh der Leitung die Möglichkeit der Betätigung gegeben werden, die sie verlangte. Wird sie diese Möglichkeit nicht ausuutzen, so werden wir ihr mit grösserem Recht als bisher einen Vorwuri machen. Man hat versucht, auch in die Leitung das Landsmannschaitsprinzip eiuzudrängen, und sich bitter dagegen geweint, dass das osteuropäische Judentum in der fetzigen Leitung von drei Männern nicht vertreten ist. Hier aber handelt cs sich nicht um irgend ein Prinzip, sondern um eine praktische Frage. Die Leitung steht über den Landsmaniischaiten; sie muss örtlich konzentriert sein. Wir Westeuropüer werden uns auch bedingungslos einer Leitung unterordnen, die in Osteuropa ausschliesslich ihren Sitz hat — wenn das einmal möglich sein wird. Bis zu •Herzls Tode war die Leitung sogar in einer Stadt Westeuropas vereinigt. Wer arbeiten will, wird Gelegenheit genug finden, er muss nicht gerade im Engeren A.-K• sitzen; er biete sich dem Palästinaressort oder unseren finanziellen Institutionen oder der politischen Oberleitung au.“ Julius Simon ist mit dieser Stellung nicht zufrieden, er wünschte, dass man mehr Rücksicht auf den Willen der russischen Landsmannschatt genommen hätte. Ob wohl Gg. Simon bis zum Ende durchgedacht hat, was das zur Folge gehabt hätte? Wir hätten ein Engeres A.-K. mit 5 oder 7 Mitgliedern, unter ihnen einige russische Gg., bekommen. Der alte Schlendrian, der manchen fast mutlos gemacht hat, wäre weiter gegangen, der nächste Kongress hätte vor derselben Frage gestanden, nur noch erbitterter. ״Schonen Sie doch das wcissc Haar des ehrwürdigen Greises! Schlagen Sie ihn nicht, ich bitte Sie herzlich!“ ״Pan Potocki,“ bemerkte Panna Oda mit einer veräehtlichen Grimasse, ״ich dächte, dass man diese Exekution besser auf dem Hinterhöfe als hier abmachen könnte.“ ״Bedauere, Ihnen nicht liehen zu können. Ich habe mein Wort gegeben, den Richter nicht zu stören, und ein Potocki hat noch nie sein Wort gebrochen.“ ״Das ist auch keine Strafe," mischte sich Pater Benediktus ein, sondern nur eine kleine Zurechtweisung. Sie werden gleich nach dem ersten Hieb den Schuldigen nennen, und das verlangt man ja mir von ihnen. Warum sind sie auch so starrsinnig?“ Rot vor Unwillen vcrliess Panna Wanda den Balkon. Auch Panna Oda!.nachte den Versuch, sieh zu entfernen, allein ein Blick des Paters iiess sie auf ihren Platz zuriieksinken. Potocki liess sich eine Pfeife! geben. Der Pater lächelte süss. Wirgiuski glotzte unausgesetzt mit seinen versoffenen Augen. Bolepolski aber bot den fürchterlichen Anblick eines Inquisitors dar, der die Uebcrfiihrung de,s Delinquenten auf die Folter anordnet. An der Seite stand ChmieJnicki, ein kaum merkliches Lächeln umspielte seine Lippen. Was aber viel schlimmer ist: Wenn unser Präsident diesmal nachgegeben hätte, so hätten seine Opponenten aus der russische^ Landsmannschaft daraus gelernt, dass sie nur mit dem Bruche zu drohen brauchten, um ihren Willen, a u c 11 wenn sie die Minorität sind, durchzusetzcn. Das aber heisst Desorganisation und Tod des Parlamentsprinzips. Parlament und Demokratie beruhen auf der Achtung vor der Majorität. Es hat sich gezeigt, und damit verlieren die Ausführungen von Julius Simon in diesem Punkte ihr Rückgrat, dass der Beschluss des Kongresses nicht die Spaltung herbeigeiührt hat, mit der man uns vorher zu schrecken versuchte. Es soll anerkannt werden, dass die Russen ihre Pflicht erfüllten, indem sic sich fügten; ein Dank gebühr: ihnen dafür nicht mehr als jeder Minorität, die sich fügt. Nun meint freilich S i rn 0 n, die deutsche Landsmannschaft wäre von erstaunlicher Harmlosigkeit gewesen; sie habe ihren Beschluss gefasst, kaum berührt von alledem, was um sie her vorging. Das heisst, dass wir die Tragweite unseres Beschlusses nicht überschaut haben. Dem muss ich, da ich kein Mandat habe für Andere zu sprechen, wenigstens fiir weine Person und einige mir Nahestehende entgegentreten. Wir wussten sehr genau, was wir taten und wollten, und auch was dem entgegenstand. Die Stimmung ,.drüben“ war uns sehr bekannt, sic wurde uns übermittelt, sogar durch Vergrösserungsglüser und Schalltrichter. Aber — und das ist richtig — wir haben uns nicht irre machen lassen in dem, was wir für richtig hielte:!. Mut gehört nicht nur zur Opposition, sondern auch zum Durchsetzen einer Meinung gegen eine Opposition. Und will man politisch etwas durchsetzen, so soll man nicht nur nach Stimmungen horchen, sondem Stimmung schmieden. Wozu die ganze Aufregung? War ein Prinzip gefährdet? Keines ausser dem Prinzip der Majorität. Es handelte sich | um eine Frage der Organisation und Taktik. Og. Simon rühmt der deutschen Landsmannschaft Begabung für Orgauisation und Taktik nach. Nun gut. Hier haben wir einmal das Lob verdient. Und wie wir die Ucberlcgcnheit der Ost- Juden in den Prinzipfrageu des Zionismus anerkennen, möchten wir, dass sie sich auch einmal versuchsweise unserer Ueberlegcnheit' i!1 Fragen der Organisation fügen. Unter den Gründen, die uns bestimmten, war nicht das Bestreben, der deutschen Landsmannschaft zu neuer Bcdeu- Neben ihm stand der junge Daniello, blass, mit iränenvollen Augen. L^r junge Potocki entfernte sich gleich nach Panna Wanda. Die übrigen Mitglieder der Gesellschalt sahen neugierig den Vorbereitungen zu der Exekution zu -״ sie waren an derartige Schauspiele gewöhnt .... Unter Anleitung Woickowskis erfüllten die Haiducken ihre Pflicht auf das gewissenhafteste. Die Angeklagten waren Gesicht au Gesicht gebunden, so dass, wenn der eine sich bewegte, der andere sich ebenfalls bewegen!misste. Der Rabbi stand bei dieser qualvollen, schändlichen Operation liochcrliobenea Hauptes da, ntit unaussprechlich verächtlichen Blicken seinen Richter und die Genossen desselben musternd. Zodek zitterte wie im grössten Paroxismus; seine Zähne klapperten. ״Rabbi," flüsterte er in jüdischem Dialekt, ״er wird uns töten.“ ״Wie Gott will!“ sagte der Rabbiner fest. ״Möchten wir nicht lieber Pinte nennen?" ״Was, so dankst du für empfangene Wohltaten? Um einigen Hieben zu entgehen, willst du deinen Wohltäter verraten? Die Fans würden ja sofort eine Abteilung Kosaken nachschicken, alle einfangen und auf den Galgen bringen lassen. Schäme dich!“