Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1907)
- Date
- 1907-09-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 390 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 37 dass die Beschlüsse nicht mehr papierene Beschlüsse bleiben, sondern dass wir sic, wie es einer ernsten und starken Organisation gebührt, zur Ausführung bringen sollen. Nun ist der Kongress vorüber, und wir schreiten an die Arbeit. Die gefassten Beschlüsse bezeichnen die Richtlinien unseres Programms. Wir werdim uns bemühen, unsere Institutionen so auszubaucn und auszugcstaltcn, dass sie in der Lage sein sollen, selbständig und als Glieder des Ganzen zu wirken. Wir werden besorgt sein, den Geist zu stärken, die Bewegung atiszubreiten und in dem Geschaffenen Ordnung za halten. Wir sind uns der Schwierigkeiten unserer Aufgabe bewusst. Um unsere Aufgabe erfüllen zu können, ist eine!Mitwirkung aller Zionisten erforderlich. Wenn der Kongress einen enger umgrenzten, intensiveren Mittelpunkt der Zentrallcitung geschaffen hat. so bedeutet diäs nicht eine Verminderung der Gcsamtkrärtc und Beschränkung der Arbeitsgebiete, sondern im Gegenteil die Schaffung eines leichter zu handhabenden, wirklichen Arbcits- Zentrums zwecks wirksamerer Belebung und Befruchtung .aller Sphären zionistischen Schaffens. Der Kongress hat die .Mitgliederzähl des grossen Aktionskomitees vergrössert. die Vorsteher der Landsmannschaften in dieses aufgenommen und. um einer Differenzierung der k’ichtii!!־ gen einen freieren Spielraum zu geben, die Möglichkeit geschaffen, neue Föderationen zu bilden. Diese• Bestimmungen haben den Rahmen unserer Organisation in einer volkstümlichen Weise erweitert. Ls handelt sich nun darum, diesen Rahmen mit zionistischer Arbeit von Gestaltungsfühigkeit und organischer Schöpfungskraft ausztmillen. Mir werden uns unserseits bemühen, einen kräftigeren Zusammenhang mit den Mitgliedern des Grossen A.־ K.. mit den Lat’dsmanuschäften miü Föderationen zu bewahren. Wir werden einen innigeren Kontakt mit den jüdische״ Massen suchen und eine Fühlungnahme mit den entferntesten Kreisen unserer Organisation anstrebcu. Damit ahkir die Kwigressbe^ehlüsse nicht graue! Theorien bleiben, damit w ir in die Lage gesetzt werden, ן die schwierigen Probleme, denen wir gegeniiberstchcn. zu lösen, den Hindernissen zielbewusst und kraftvoll Trotz zu bieten und Schritt für Schritt ohne Hast, aber auch ohne Rast uns unserm Ziele zu nähern, muss mm die Arbeit auf der ganzen zionistischen Linie energisch fortgesetzt werden. Alles ist von dieser Arbeit abhängig. Die Möglichkeitsgrenzeu der politisch:!! Aktion, die Aussiebten der praktischen Unternehmungen, die Ausgesta'tung unserer Behörden und Bureaus, die Leistlingsfähigkeii der Zentrale sind durch die Grösse, die Ttichtigkeit, die Begeisterung und «־ last not least —• die Spendekraft unserer Gesinnungsgenossen bedingt. Niemaiivl darf in brebem Beilagen sitzen und von den andern Wunder erwarten, niemand darf teilnahmslos und grob Icnd abseits stellen, um zur Stunde der Abrechnung wohlfeile Fragen zu stellen, warum man dies oder jenes nicht getan habe. Alle müssen eifrig uiittnu. Die Zeit der Diskussionen ist vorüber. Was wir zu tun haben, darüber sind alle einig. Geeint in unsern Bestrebungen,!m Begeisterung und straffer Disziplin, mit richtiger Arbeitsteilung und strenger Auirechterliaitung der von ו ms allen und für 1ms aPe geschaffenen Organisation werden wir am' dem Wege, der uns zu unserem Ziele iiib;. niiermfidtieh vorw artsschreiten. Und wir glauben z!!\ .rsichtüci!, dass sich bei unsere 1־ Arbeit alle zuca!•,־:u'in'inden werden, die unser gemeinsames Ziel auftkhig und innig wünschen. Das Lugere Aktionskomitee: David W o I f! s o 1! n , Vorsitzender. J a k o b 11 s K a n n. P r 0 f. O. W a r b t! r g. Dis dsutscho Landsmannschaft im Zionismus Die Probleme, die Julius Simon in seinem Aufsatz JK*!:•,gress und deutsche Landsmannschaft” angeschnitten hat. verdienen hohe Beachtung. Ls ist aber im Interesse der Sache, wenn' wir bei ihrer Beleuchtung zwei Dinge auscinanderhahen, die Gg. S i in o 11 zum Schaden der klaren Linsicht vermischt hat: binmal das Verhalten der Deutschen l״r.ds:uannschait au! dem S. Kongress in der hrage der Leiu־.׳!g eine ganz konkrete, einmalige Angelegenheit, und zv. e :etts das allgemeine Problem der alten Gegenüberstellung v :1 Ost und West. Sprechen w ir von dem Kleineren zuerst. Spinnen und Fliegen Roman von Bagroff. Aus d. Russ. übersetzt. (Fortsetzung.) ,.Anders verhält cs sich mit der zweiten Frage Man muss zugeben, dass derjenige, welcher jemanden einen Nachteil, einen Schaden zufiigt. verpflichtet ist, den Benachteiligten schadlos zu halten. Nun, der GesJuidigte ist der erlauchte Pan Potocki. Und wer muss ihn schadlos halten? Natürlich der. welcher die Ursache dieses Schadens war. Aber wer war die Ursache, wer ist der Schuldige? Der Rabbi von Zwantz sagt: Ich nicht. Dasselbe sagt der saumselige, nachlässige Pächter. Folglich ist hie.r eine dritte, uns unbekannte Person im Spiele. Allein, w em! hier wirklich eine dritt ־ Person schuldig wäre, wie kämen die beiden Augeklagten dazu, ihre Haut zu Markte zu tragen, um jene Person zu schützen? Ergo, der Schuldige ist einer dieser beiden Schwindler.“ ״Bravof“ applaudierte man dem redegewandten Richter. ״Weise, logisch, gerecht!“ ״Und nun könnte man beide in gleichem Masse zur Verantwortung ziehen,“ fuhr Bolcpolski selbstzufrieden fort, ״allein, wenn hier in der Tat eine dritte Person die Veranlassung gewesen sein sollte, so wäre ein solches Vrtul nicht gerecht. Und darum muss der Richter vor der Urteilsvcrkiindigimg den Schuldigen ausfindig zu machen suchen. Angeklagte! Zum letzten Male fordere ich aich zu einer wahrheitsgetreuen Antwort auf! Wer ha! den neuen Pächter verjagt? Anworiet, sonst geht es euch schlecht!“ ..Ich habe dem Herrn schon zweimal geantwortet.“ j sagte dir Rabbiner fest und rtiltig. ..Ich a eiss von nichts." jammerte Z.odek. ״Gut. So vernehmt denn, ihr Hunde, euren Richter. Euer Talmud sagt, man strafe keinen, ohne ihn erst verwarnt zu haben ■ ich habe euch verwarnt. Und in ähnlichen Fällen, wo der Schuldige nicht zu eruiiüchi oder zu überführen ist, stelle man die Sache dem Gerichte Gottes .anheim. So w erde ich verfahre!•. Ihr werdet Gestellt an ticsicht an einander gebunden, V.ünckew ski zählt euch iiimzig Peitschenhiebe auf. Beuitilic sich ein jeder, den Rücken des anderen unter die!Kitsche zu bringen und den seinen zu schützen. Wer van euch die meisten Hiebe erhöh, ist der Schuldige. Bindet sie zusammen!" ״Um des Himmels Willen,“ flehte Wauda den Hausberrn an. indem sie seine beiden Hände ergriff.