Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1907)
- Date
- 1907-09-06
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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No. 36 JÜDISCHE RUNDSCHAU. machen hatte, erhofft man von der Verlegung der Hamburgei Zentralstelle nach Palästina eine günstige und stetige Ent• Wickelung. Judenhetze in Podolien Aus Klschinew wird Über eine am IS. August im Mecken Tomaschpo! (Gouvernement Podolien) veranstaltete Juden- 11 e t /. c berichtet. Am Sonntag brach zwischen einem jt'idisehen Ladenbesitzer und Bauern, die ihm ein Stück Zeug gt stöhlen hatten, ein Streit aus. der in eine Prügelei überging. Es sammelte sich bald eine Menge Betrunkener au. die plötzlieh das Geschrei erhoben: ..Haut die Juden!" Daratii c. iolgte in erster Reihe eine völlige Verwüstung der Jüdischen Läden. Eine gesonderte Gruppe beschäftigte sich mit da. Verprügeln der Juden. Sehr verspätet trat ein Landpolizist mit mehreren Reitern ein, die von der plündernden Menge mit einem Steinhagel empfangen wurden, worauf sie Ecucr gaben. Zwei der Plünderer und ein indischer Knabe wurden getötet. Nach der Salve flohen die plündernden Bauern, wobei sie einen grossen Teil des Eigentums der von ihnen ausgeraubten Juden auf Wagen mit sich führten. Jetzt wird 'iomaschpol von IS Polozisten und mehreren Reiterpatrouillcn bewacht. Inzwischen ist auch in Odessa auf hohen Bciohi ein blutiger Pogrom ins Werk gesetzt worden. Deutsche Ansiedler in Palästina Man schreibt der BERLINER NATIONAL-ZEITUNG aus Jaifa: ..Die Berichte deutscher Reichstagsabgeordnete!: und anderer über Deutscli-Ostafrika und die Aussichten daselbst iiir deutsche Ansiedler haben auch bei den deutschen Kolonisten in Palästina grosses Interesse erweckt. Biese Kolonisten haben bekanntlich durch jahrzehnte lange Arbeit in Palästina ihre Erfahrungen gemacht und bewiesen, dass sie das Zeug xi!r Kolonisten in fremden Landen besitzen. Um nun von ihrem eigenen Gesichtspunkt aus ein Urteil zu gewinnen über die Möglichkeit der Ansiedüung in den deutsch-ostatrikanisclien Gcbirgsländeru. reisten unlängst zwei hiesige Deutsche mit Empfehlungen des K. D. Konsulats und einem dankenswerten Reisebeitrag der Kolonialgcsellschaft in Berlin nach den zunächst in Betracht kommenden Gegenden Dcutsch-Ostafrikas. um nach längerem Aufenthalt das Resultat ihrer Beobachtungen hierher zu berichten. Es ist nicht anzunehmen, dass nach etwaigen günstigen Berichten eine beträchtliche Abwanderung deutscher Kolonisten aus Palästina stattfinden würde, da die Leute an ihren Besitz gebunden sind, und weil sie trotz manchen ungünstigen türkischen Umständen ihr E o r t k o m!11 e n hier finden. Immerhin werden manche bei guten Aussichten vorziehen, eine bessere Zukunft im deutschen Ostairika zu suchen und ihre Kräfte dafür einzusetzen. Es würde im Interesse der grossen י deutschen Plantagemiriternelimungcn liegen, mit solchen praktisch geschulten Leuten in Beziehungen zu treten, ehe sich dieselben verzettelt da und dort festsetzeu. Es wäre leicht möglich durch Kapitalsunterstiitzung solche Leute in die Lage zu versetzen, dass sie ein grösseres Terrain kultivieren könn- *en. als ihnen ihre eigenen Mittel erlauben, wofür dann ihre Produkte vertragsmässig den betreffenden Grossunternehmen zuzufiihrcn wären. Das wirtschaftliche Komitee der Kolonialgcsellschaft wird auf Wunsch wohl gern solche Beziehungen durch das Konsulat in Jaffa anzubalmen versuchen.“ Agudath hak-korrmm Es wird häufig darüber geklagt, dass cs der Jüdischen Bevülkcrung in Palästina an Initiative zur Selbsthilfe ichlt: denn \;eijährige Bevormundung durch die Administration hätten die ländlichen Kolonisten, die jährlich sich erneuernden Chalukkah geldcr. die Bewohner der Stadt derart korrumpiert dass ihnen der Gedanke, sich selbst zu helfen, allmählich ganz fremd geworden sei. Glücklicherweise ,tritt jetzt doch eine Reihe von Ex scheinungen zu Tage, die darauf hindculen, dass diese Periode des Suchcns einer Stütze von aussen ihrem Ende entgegen geht. Einerseits flicssei! die ״Bettelgroschen‘‘ nicht mehr so leichlich und die an Stelle Rothschilds seit einigen Jahren ge• treteuc PaListuu-Konuuisskm der Jcvish Colonisat'ion Association ist bedeutend schwerhöriger gegen Bitten und unemp• findlicher gegen Bettel- und Drohbriefe als der Baron selbst, andererseits beginnt sich in Palästina unter dem Einfluss zionistischer Ideen, namentlich unter der Jugend doch ein gewisses Ehrgefühl zu entwickeln, welches die Schimpflichkeit des bisherigen Zustandes stärker empfindet, als d*c ältere Generation. Seite 383 I Der Einfluss, den der von modernen Ideen geleitete ״B c - | za lcl“ in Jerusalem erhielt, ist ein Beweis hierfür, dergleichen eine Reihe Institutionen und Kassen in der Kolonie. Eine der erfreulichsten Erscheinungen dieser Art ist die Agudath-Iiak-kormim, eine vor 3 Jahren in der Kolonie Rccho* both begründete Winzer-Genossenschaft. Während früher die gesamte Weinernte dieser Kolonie an den grossen Keller der Rothsciiild.schen Administration it, Rischon Ic Zion abgeiieiert wurde, versuchten vor einigen Jahren mehrere der energischsten Kolonisten, sich langsam au! eigene Eiissc zu stellen, indem .sie sich einen kleinen eigenen Keller erbauten. Das Grundkapital der Gesellschaft wurde durch Ausgabe um Anteilen ä 6*10 Eranken zusatnmengebracht, hetrug also ursprünglich 1811(1 Eranken. Zur Anlage des Kellers selbst wurde dazu noch eine in 10 Jahresraten rückzahlbare Anleihe von 201׳oo Eranken bei der Anglo-Palestine-Co. aufgenommen. Jedes Jahr wurde der Keller vergrössert und die Menge des dort verarbeiteten Weines vermehrt, so dass die Gesellschaft hoffen durfte, innerhalb 6 Jahren die Trauben sämtlich seihst zu verarbeiten. Notgedrungen musste aber diese Erist abgekürzt werden, da der jetzt unter der Verwaltung der Kolonisten gestellte Keller von Rischon, in der Absicht, seine Produktion möglichst einzuschrünken, sich weigert, von solchen Kolonisten Trauben iinzunchmen, die auch anderweitig ihre Trauben zu verwerten suchen. So gab denn die Agudath-hak-kormim zur Vcrgrösserung :!es eigenen Betriebes weitere 13 Anteile ä 70(1 l'ranken und einen Anteil;1 9(<0 Eranken aus. so dass das gesamte Kapital der Gesellschaft sich jetzt auf 28 000 Eranken belauft. Jeder Anteil berechtigte• ursprünglich 25 Kantar Trauben (ä 300 kg) in den Keller zu liefern, während mit der Erhöhung der neuen Anteile auf 9ut) Eranken diese Berechtigung auf 35 Kantar vermehrt wurde. Die von dieser Winzer-Genossenschaft produzierten Rot-, Weiss- und Süssweine beliefen sich Rotwein Weisswein Süsswein im Jahre 190-1 auf 1150 hl 50 hl 100 hl 1200 ״ 1905 ״ ״ hl m hl 400 hl 1 ״ 1906 ״ ״S00 hl 800 hl 2000 hl Der Wein wird hauptsächlich in Ägypten abgesetzt und zwar betragen die Durchschnittspreise ab Jaffa etwa 200 Frauken für Rot- und Wcisswcin, 35 Franken für Siisswein p. hl. Der hypothekarisch mit 20 000 Eranken belastete Keller soll einen Wert von 30 000 Franken, die Einrichtung (Maschinen, Fässer etc.) einen solchen von 38 000 Eranken repräsentieren. Der technische Betrieb wird durch den Kellermeister von Padua geleitet, der viele Jahre im Keller von ZichrOn-Jakob tätig war, die Leitung des ganzen Unternehmens untersteht einem aus den drei Kolonisten Smcliansky, Berman und Jacobsohu bestehenden Komitee. Wie mitgeteilt wird, konnte die Gesellschaft im letzten Jahre ihren Mitgliedern anstatt 15 Eranken pro Kantar (Doppelz.cntnei), wie der Keller von Rischon 18 Eranken pro Kantar vergüten, was darauf hinweist, dass dieser kleine und ohne teure Maschinen arbeitende Keller rationeller wirtschaftet als der mit allein modernen Finessen ausgestattete Keller in Rischön-le-Ziön. Alliance Israelite Universelle Das Deutsche Bureau der Alllancce Isradllte Universelle stellt uns nachstehenden Bericht aus Bukarest über der. Aufenthalt der amerikanischen E i 11 w a!1 d e r u!1 g s - k 0 m in!ss 1 o n in Rumänien zur Verfügung: Die Delegierten der grossen amerikanischen Einwaudoningskommission haben sich hier auf das genaueste über die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Ursachen informieri. die die Israeliten Rumäniens zur Auswanderung treiben. Die Kommissionsmitglieder halten das Land verlassen, überrascht und tiefergriffen von dem. was sie gesehen und gehört haben. Man darf wohl annehmen, dass die Mitglieder der Kommission Aufklärung gefunden haben über alle die Unbilden״ denen die Juden dieses Landes ausgesetzt sind. Der Präsident der Kommission, Herr Rennet, hat sein Bedauern ausgesprochen, dass seine amtliche Stellung ihm nicht gestatte, seine Eindrücke und Gefühle in der Presse darzulegen. Der Bukarester ADEVERUL bringt folgende Auslassung über die amerikanische Kommission: ״Der Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika hat im Hinblick auf ein vorzubereitendes Einwanderungs gesetz eine Kommission aus seiner Mitte beauftragt, sich nach Europa zu begeben und die Ursachen der Auswanderung zu erforschen. Die Kommission besteht aus 19 Deputierten, von denen Jeder einen Dolmetsch und 4 Stenographen zur Seite hat. Die Kommission hat sich über ganz Europa ver•