Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1907)
- Date
- 1907-09-06
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 382 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 36 von 4$ verschiedenen Zeitungen (in 7 Sprachen) wurden 1905 ' die hübsche Anzahl von 135 Exemplaren schalten.•*) In auf-! geregten Zeiten abonniert die Kolonie sogar auf die ״Reuter• j sehen Telegramme“, die von Ägypten per Post Kommend in der Kolonie affichicrt werden. Die letzten Jahre haben grosse Um Wälzungen in Rischön ncrvorgcbracht, darunter solche, deren Ende noch nicht abzttsehen ist. Speziell bezieht sich dies aut den bisherigen Haupt* ciwerbszwcig der Kolonie, auf den Weinbau und die Weinfabrihation. Die hohen Preise — fast Prämien — die tirsprünglich von der Administration für die Trauben gezahlt wurden, hatten dem Anbau einen grösseren Stimulus gegeben als dem Verkauf, der immer mehr und mehr hinter der Produktion zurfickblicb. Als das Missverhältnis gar zu gross wurde, begann man die Traubcnpreisc stark zu reduzieren, und als auch das nicht hinreiclite. wurde der teilweise Übergang zu andern Kulturen beschlossen, d. h. man stellte den Kolonisten, die daraui eingingen, einen Teil ihrer Weingärten auszuhacken. Helder für Neupflanzung von Mandeln. Oliven und anderen Kulturen zur Verfügung. Auch die Übergabe der grossartigen Rothschildscheii Kellereien au ein aus den Weinbauern von Rischön und den andern Kolonien gebildetes Syndikat ist eine der tiefgreifenden Änderungen in der Entwicklung Risehöns und der gesamten jüdischen Kolonisation in diesem Teile des Landes. Von der Initiative und Selbständigkeit der Kolonisten wird es abhängen, inwieweit Rischön sich zu einem immer gesunderen Gemeinwesen fortcntwickeln und inwieweit es die guten Wüns;hc wahrmachen wird, die heute von allen Seiten für Rischön zu schien! fünfundzwauzigjährigen Jubiläum geäussert werden. Die ersten Einwanderer aus Russland vom Jahre ISN? fanden in Jaffa eine jüdische Bevölkerung von kann! 20 Eamilien unter einer (iesamtbcvölkeruug von ca. ln 000 vor. Jerusalem zählte etwas über 300U0 Einwohner darunter die kleinere Hälfte Juden •— meist Sepliardim. Von sonstigen Juden im Lande v:>r kaum etwas bekannt. Kolonien gab es noch!:feilt- Petach-Tikw al! war zwar schon im Jahre 1S7S von Jerusalemer Juden begründet worden, doch hatte man die Kolonie verlassen, und erst nach dem Beginn der neuen Koloinsation fasste inan auch dort wieder neuen Mut. Die einzige jüdische landwirtschaftliche Ansiedelung war Mikw eh-lsrael. die Ackerbaiischule der Alliance Israelitc. eine halbe Stunde von Jaffa an der Jerusalemer Landstrasse gelegen. Im Griindimgsiahre von Rischön erioigte dam! auch die Gründling von Wadi-Chanin (eine Stunde von Rischön) von Sichren Jakob in Samaria, von Rosch-Pinah in Halilüa (»inweit Safcd). Im Jahre 1SS3 folgte Jcssod ha'ma'alah, ISST Ekron, Katra, Mischmar Ha-Jardcn. 1SSS kam hinzu Kastinic. 1S90 Rcchoboth. 1891 wurden Chederah. Moza. Bne-Jehuda tmd Ain Scittm gegründet. 1896 folgten Metuleh und Artuf. und schliesslich in den Jahren 1900 bis 1903 die Kolonien Scdschera. Mese'ia. Milhamic und Jamma-Palaika. diese letzteren sämtlich in der Tiberiasgegend. Rechnet man hierzu noch die verschiedenen Landkäufe an Stellen, wo die Kolonisation vorerst noch nicht begonnen werden konnte oder einstweilen wieder aufgegeben werden musste, ein Anzahl neuer ..jüdischer Punkte" im Lande, wie die ölfabrik bei Betli-Arif, die Waiscnschule Kirjath Sefer und andere, die nicht eigentlich als Kolonien angesprochen werden können, so kommt schon eine ziemliche Summe in einem weiteren Sinne kolonisatorischer Arbeit zusammen. Aber auch die städtische jüdische Ansiedlung gehört in den Bereich dieser Betrachtung, denn ein guter Teil der städtischen Judenschait Palästinas ist unter dem Einfluss der Kolonisationsidee nach dem Lande gekommen, und dieser Teil der jüdischen Ansiedlung hat vielfach eine bessere Entwicklung gezeigt, als die landwirtschaftliche, die ja natiirgemäss mit viel mehr Schwie* tigkeit zu kämpfen gehabt hat. Alles in allen! ist das Resultat lüiifundzwanzigiähriger Kolonisationstütigkeit nicht gering anzuschlagen. Die jüdische Bevölkerung Jaffas ist von ca. 100 auf 8000 Seelen angewachsen, die Kolonien zählen ebensoviel, und Jerusalem ist mit aunähernd 50 000 Juden (gegenüber 10000 Andersgläubigen) wieder die jüdische Stadt der Welt geworden. Die Judenschaft Palästinas zählt jetzt etwa 85 000 Seelen. Damit tibertrifft sic schon die christliche Bewohnerzahl des Landes, die auf 80000 geschätzt wird, und wenn wir vom Ostjordanlande absehen, das fast keine Juden, dagegen aber an **) Von niehtjiUlischen deutschen Zeitungen figurierten dahei die NEUE EREIE PRESSE, die BERLINER ABEND- ZEITUNG (6 Exemplare!), die WOCHE, die NEW YORKER ZEITUNG, ein Apotheker- und ein zahnärztliches Fachblatt. 10000 Christen zählt, so wird das Verhältnis für die jüdische Position noch günstiger. Verglichen mit der grossen jüdischen Wanderung nach den Ländern des Westens sind freilich diese Ziffern noch klein zu nennen. Aber als ein Anfang betrachtet — und zwar als ein Anfang voller Schwierigkeiten — sind cs doch hoffnungsvolle Zifiern. Hoffnungsvoller noch, wenn wir dabei die Entxvick- Jung des türkischen Reiches in Betracht ziehen. Die Toten werden lebendig Die Toten werden lebendig, wenn russische Tschinow niks damit Judengeld erpressen können. Während •des vorjährigen grossen Pogroms In Blalystok wurde unter anderem, ein junger Mann militärpflichtigen Alters, ein gewisser Samuel S. Sohn cittc.s jüdischen Volksscliullehrers. erschlagen. Die Becrdigimg erfolgte wenige Tage darauf. Jetzt hat ihn aber die Rekrutenaushcbungskommission in aller Form aufgefordert, sich zu stellen. Da er dieser Aufforderung aus begreiflichen Gründen nicht Folge leisten konnte, wurde sein Vater von Reehts wegen zu einer Geldstrafe von 30!) Rubeln verurteilt. Vergeblich wandte er ein. dass er nichts dafür könne, dass sein Sohn tot ist. Die Kommission blieb unerbittlich und liess ihm seine Habscligkeiten pfänden. Er sah sieh nun genötigt, eine Bittschrift an den Kaiser zu richten, damit ihm die Strafe für die Fahnenflucht seines toten Sohnes im Gnadenwege ei lassen werden. — Der Zar ist aber bekanntlich weit ־-• — Streit um die Sabbatruhe Die höheren Gerichte in Brow nsviüc werden sich demnächst mit der recht heiklen Frage zu beschäftigen haben, ob Geschäftsinhaber mosaischen Glaubens verpflichtet sind, ihre in jüdischen Vierteln gelegenen Verkaufsläden an Sonntagen zu schliesscn. Kapitän James Reynolds von der Revier wache in Brov. nsville bejaht diese Frage, und aui Grund seiner an sämtliche Untergebene ergangenen Anweisung wurden vor 1t Tagen in seinem, fast ausschliesslich von Juden bewohnten Rayon 37 Ladenbesitzer auf die Anklage, das Sonntagsgesetz xerletzt zu haben, in Haft genommen. Vor 8 Tagen fanden vor Magistrat Hylan im Polizeigericht an New Jersey A\e. die Verhöre gegen die 37 Missetäter statt, und ausnahtns! •s wurden die Fälle vertagt um! die Angestellten unter Biirgsclutt gestellt. Dies geschah auch im Falle des Schächters ILrrv Sanders von No. 406 Hopkinson Ave., der sieli ausser aut die Anklage der Verletzung des Sonntagsgesetzes auch aut eine solche, dem ihn verhaftenden Polizisten Feeney § 1 ab Bestcchung angeboren zu haben, zu verantworten hatte. Alexander Drescher, der Sekretär des Brownsvillc Board of Trade, welcher den Verhandlungen beiwohnte, war .»b der polizeilichen Massenra/zias höchst entrüstet. Den Folizei-Kapitän Reynolds he zeichnete er als einen Zaren, der einseitig gegen Juden vorgehe und andere Geschäftsleute, die Sonntags offen halten, imbelästigt lasse. Palästina-Handelsgesellschaft Die Palästina-Handelsgesellschaft in Hamburg (G. m. I>. H.). Grosse Reichenstr. 30, ist zurzeit in einer Umwandlung hegriffen, die dazu führen soll, dass das Mauptzentrum der Ge- Seilschaft nach Palästina verlegt wird. An! 23. Juni 1901 konstituierte sich die Gesellschaft mit einem tingezahlten Kapital vvon 100 000 Mark, das bald auf 125 0110 Mark normiert wurde. Die Veranlassung ging ursprünglich von der in Jerusalem. Jaffa und Flan'a vertretenen Kommissionsfirma Wilhelm Gross aus. die in Hamburg ein Komitee zusammenbrachte, an dem sich auch die zionistische ״Kommission zur Erforschung Palästinas“ und die Jüdische Kolonialbank (Jewisl! Colonial 'Frust) beteiligten, während die beabsichtigte Fusion mit der ähnliche Ziele verfolgende Lodz.cr Interessengruppe (Vogelsohu) nicht zustande kam. Der Beirat, von dem mindestens 4 Mitglieder deutsche Staatsangehörige sein müssen, bestellt aus 7 Personen: nach dem Beschluss der letzten Generalversammlung sojl die Tätigkeit mehr auf Palästina konzentriert als auf den ganzen Orient verbreitet werden. Die Gesellschaft übernimmt palästinische Produkte in Konsignatum und befasst sich auch mit dem kommissümsweisen Import und Export der Laiulesprodukte und Waren aller Art von und nach Palästina. Es kommen zunächst in Betracht Tabak. Mandeln. Sesam. Gerste. Häute, Felle, Wolle, Baumwolle, Orangen. Oliven. Öl. Wassermelonen. Weizen. Dari. Johannisbrot, Koloquiuten. Rosinen. Lupinen, Bohnen. Erbsen. Linsen, Seide, Honig, Eukalyptusholz, während die vorhandenen oder der Erschliessung noch harrenden Bodenschätze wie Phosphat, Asphalt. Schwefel, Kali- und Brouisal/e, Petroleum etc. einer späteren Periode Vorbehalten bleiben. Während die Gesellschaft bisher, zumal letzthin infolge Zahlungseinstellung eines Kunden in Griechenland, verschiedene Krisen durchzu-