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Jüdische Rundschau · 1907-09-06 · Heft 36 (6.9.1907) · page 18

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 36 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
– (sequence 18)
Language
German
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! Seite 384 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 36 breitet. Für Italien, die Türkei. Klcinnsicti. Griechenland. Bulgarien und Rumänien hat die Kommission Herrn X Bennet entsandt, republikanischen Abgeordneten in Washing• ton lind Epitropos der presbyterianischen Kirche in New- York. Sein Dolmetsch ist Herr l)r. Maurice Fishberg. Herr Bennet hat damit begonnen. Italien in allen Teilen 7u besuchen. Danach hat er sich nach Bosnien. Serbien. Bulgarien, Maccdonieu. Griechenland. Palästina. Syrien begeben und in Konstantinopel Aufenthalt genommen. Hiei wurde Herr Bennet vorn Sultan in Audienz empfangen. Der Sultan übergab ihn! einen eigenhändigen Brief für den Präsi• deuten Roosevelt und überreichte Herrn Bennet. der ah offizieller Abgesandter eine Auszeichnung nicht aunclnnen darf, einen Orden für seine Brau. Von Konstautiuopcl begab sich Herr Bennet nach Bukarest, wo er vorn König und der! Ministern der Auswärtigen Angelegenheiten und des Innern empfangen wurde. Der Minister des Innern gab ihm ein Empfehlungsschreiben an die Präfekten der autzusuchenden Städte. Da die Aufgabe der Konimission darin besteht, die Ursachen der Auswanderung zu ergründen, so mussten die Delegierten sich mit den Auswanderern, deren materielle, soziale und politische Lage sie keimen, lernen wollten, in Verbindimg setzen. Herr Bennet richtete natnrgenuiss seine Aufmerksamkeit auf den .Midischeu Teil der Bevölkerung, weil dieser allein das Kontingent ihr die Auswanderung nach Amerika stellt. Herr Bemut besuchte zuerst die Stadt Jassy, wo er alle aus den Doriern Vertriebenen, die zumeist nach Amerika gehen wollen, befragte. Von Jassy begab sich Herr Bennet nach T. Lruuiss und Podul-Iloiei. Der Mair*. von Podul-Iloiei erklärte Herrn Beimet. dass alle Juden, die in dieser kleinen Stadt sieh nach 191H niedergelassen haben, ausgewiesen werden, wenn sie nicht eine Aufenthaltserlaubnis iiir die ländlichen Gemeinden erhielten. In Botosaui uuierhielt sich Herr Bennet viele Stunde:•« lang 1:״! den vom!'lachen Lande Vertriebenen und mit den Ausv,anderuugsanWörtern. Die Knnmüssiunsmitglicdcr erkundigten sich nach dem Schicksal der Leute, nach ihren Absichten und nach den Namen der Verwandten, die sie in Amerika haben. Die Delegierten wohnten auch der Verteilung der Unterstüt/.ungsgelder an die im vergangenen h'riihjahi Geschädigten bei. Nachmittags besuchten sie die armen jüdischen Stadtviertel, namentlich den Stadtteil Calicimci. der die meiste Zerstörung auszuweisen hat. Die Herren Bennet und Fishberg traten in mehrere Häuser ein und waren lebhait bewegt von dem elenden Zustand, in dem sich die Bewohner befanden. Herr Bennet spendete 125 Frauken zur Verteilung von Brod an die Armen, die er besucht hatte. beden den Von Botosani begab sich die Kommission nach dem Dorf Manolesti, wo sie drei Stunden lang die Wohnungen der Bauern besuchte, die Bauern nach ihrer Lebensführung fragte und nach den Beziehungen, die zwischen ihnen und Pächtern bestehen, nach den Arbeitskontrakten, nach .Arbeitsbedingungen usvu Die Bauern gaben alle von ihnen erforderte Auskunft. Aut die Frage nach den Ursachen ihres Aufstandes erwiderten die Bauern, dass ihr Dorf an dem Aufstand und an der Verwüstung von Botosani nicht tcilgenommcn habe. Auf die Frage, welche Hoffnungcii sie ir. die Wirksatuseit der augenblicklich in Vorbereitung befindlieben agrarischen Gesetze hätten, begnügten sie sich mit der Erwiderung: ״Können wir wissen, was die Grossen tim wollen?“ Herr Bennet machte photographische Aufnahmen von einigen ländlichen Häusern und von ländlichen Arbeitergruppen, ebenso von einigen Zerstörungszentren in Botosani. Bei der Rückkehr von Manolesti machte die Kommission einen Besuch hei dem Präfekten Herrn Manrocordato. Andern Tags begab sich die Kommission nach Dorehoi. wo sie die nämlichen Untersuchungen wie in Botosaui begann und wo sie feststelltc, dass das Elend geringer sei als in Botosaui.“ Dk: Deutsch^ Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Israelite Universelle. . Das Elend unserer marokkanischen Glaubensb rüder, zu jeder Zeit gross, hat sich durch die jüngsten Ereignisse hoch unermesslich gesteigert. Die Gemeinde von Casablanca, die vor kurzem 6000 Seelen zahlte, ist durch Gcwalttaten von Mauren und Kabyleu dezimiert und unter namenlosen Greueln um all ihr Hab und Gut gebracht worden. Die A 11 i u 11 c c Israelite Universelle hat unverzüglich in die Stätte der Vei Wüstung Hilfe geschickt, hat die Bedrängten mit Nahrung und Unterkunft versehen. Doch der Bedarf übersteigt die bereiten Mittel, und leider ist zu be• fürchten, dass die Zahl der Bedürftigen sich noch mehren wird. Die Alliance Israelite Universelle, die seit einem halben Jahrhundert die Fürsorge für unsere Bedrückten Glaubensgenossen sieh zur tagtäglich geübten!,flicht gemacht hat. an die sie nicht durch Katastrophen erinnert zu werdet; braucht, wendet sieh in der Not des Augenblicks an Sic mit der Bitte, anlässlich der bevorstehenden Feiertage der heimgesuchten Brüder in Marokko zu gedenken. Nehmen Sie freundlichst auch von Freunden und Be kannten Gaben entgegen und führen Sie sie uns zu. Das Deutsche Bureau der Alliance Israelite Universelle (Berlin N. 24, Oranienburger Strasse 42/43) vermittelt die Ueberlcitung der Spenden nach Marokko. Die Alliance Israelite Universelle hat das Hilfswcrk vor. alters her organisiert. Ihre Vertrauensmänner und Sendboten sind landeskundig und hei den Behörden legitimiert, sie verstehen, die Unterstützungen an die rechte Stelle zu leiten und iiir die reelle Verwendung zu sorgen. Wir hohen sehnlichst. dass wir keine Fehlbitte getan haben, und begriissen Sic unter herzlichen Neujahrs-Glückwünschen Die Deutsche Koin'crcnz-Gemeinscliaft der Alliance Israelite Universelle. f־־i Sprechsaal n Für die MltteUungeh an dieser Stelle übernimmt die Redaktion nur die pressgesetallche Verantwortlichkeit. Rituelle Spelschäiiser. Unter obigem Titel erschien in der let/tut Nummer dieses Blattes eine Kritik des wegen seiner Tätigkeit von allen Inte: essen teil hochgeschätzten ״Verein zur Förderung rituelle! Spei.sehäuser“, Sit/ Mamburg, die mit dem Namen B. (irtmlim gezeichnet war. Bevor ich mich mit der Kritik selbst und neu Verbesser 1111gsvorseh!ügcn beschäftige, möchte ich zunächst die Behauptung des Herrn Einsenders richtig stellen, dass der Verein nicht die Mittel habe, um z. B. in Berlin N. oder S. Spcisekäuser unter ״Aufsicht" zu errichten oder zu empfehlen. Denn in der Tat bestehen augenblicklich in Berlin 2 Restaurants (bis vor wenigen Wochen waren es 3) die unter der Aufsicht des Rabbinats Adass Jisrael stehend i!n Register des Vereins verzeichnet sind, und zwar sind das die Restairaiits Lew in. Neue Schunhauserstr. Hl I, und Simon, Gipsstr. 12a. Wer also in Berlin wirklich zuverlässig! ",22 essen will, dem ist genügende Möglichkeit gegeben. Alsdann möchte ich entschieden Verwahrung dagegen einlegeii. dass der Herr Einsender in solch gehässigem Tone die Tätigkeit des Vereins bekrittelt. Fs ist nicht wahr, dass für denselben nur die ״vornehmen*• Juden gelten. In Berhn speziell kann man in den beaufsichtigten Restaurants fiir 1,50 Mk., im Abonnement noch billiger speisen, was man bei der derzeitigen Teuerung wahrhaftig nicht als teuer bezeichnen kann. Abei auch ahgcseb.cn von Berlin lässt der VereinsvorstanJ nichts unversucht, um überall dort, wo •Bedürfnis und Möglichkeit vorhanden sind, preiswerte, streng koschere Restaurants zu gründen und zu subventionieren. Nach dem mir im Augen•!)licke vorliegenden siebenten Jahresberichte hat der Verei». im letzten Jahre nahezu 5UUU Marl, an Subventionen gezahlt und weist das Register etwa 170 Restaurants in Deutschland und etwa 130 im Auslände auf. Das ist fiir eine siebenjährige Arbeit ein durchaus befriedigendes Resultat. Es ergibt sich a!so, dass die missfälligen Aeusserungen des Herrn Einsenders jeder tatsächlichen Grundlage entbehren. Ich komme zu den Verbessermigsvorschlügen des Herrn Einsenders. Es mag in ganz, vereinzelten Fällen Vorkommen, dass rituell zuverlässige Restaurants in das Register nicht autgenommen werden, weil sie.die Aufsicht nicht bezahlen können. Im allgemeinen genügt aber zur Aufnahme in das Rcgistei, das Gutachten eines als zuverlässig bekannten Rabbiners, dass der betreffende Restaurateur seiner Persönlichkeit nach Gewährt fiir unbedingte Knschrut biete. Kann der betreffende Restaurateur ein solches Gutachten nicht beibringen und will er für die Aufsicht nicht auch einen Teil der Kosten tragen, so muss er natürlicherweise darauf verzichten, im Register mit aufgeführt zu werden. Unbegreiflich ist mir das Verlanget, des Herrn Einsenders, dass der Verein auch nicht unter Aufsicht stehende Speisehäuser verzeichnen soll, sofern gegen deren Zuverlässigkeit nichts vorliegt. Der Verein soll doch der Öffentlichkeit gegenüber nicht die Garantie übernehmen, dass gegen deren Zuverlässigkeit nichts vorliegt, sondern vielmehr, dass dieselben positiv zuverlässig sind. De Errichtung von Volksspeisehalten, Wiirstelstuben etc. in Deutschland wäre ein Unding, da doeli die jüdische Bevölkerung eine weit geringere ist als in Österreich-Ungarn und man damit nur von vornherein fiir aussichtslose Unternehmen seine Krait verzetteln würde.

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