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Jüdische Rundschau · 1907-09-06 · Heft 36 (6.9.1907) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 36 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 380 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 36 durch auf ein niedrigeres Kulturniveau herabsinkt; sonst wird die jüdische Landwirtschaft au der Landflucht scheitern. Diese unerlässliche Vorbcdigung zu erreichen, sind vor allem die Ideen und Vorschläge Oppenheimers geeignet. Auf den? Wege werden wir nur eine arabische Landwirtschaft und somit encu Oolus in Palästina schaffen. Die Sicdlungsgc* nossenschaft ist berufen, den degenerierten jüdischen Städter bodenständig zu machen, ihn dauernd mit Palästina zu verbinden. Und das ist es, was wir brauchen. In einem Lande wie Palästina, wo auf eine sozialpolitische Gesetzgebung für lange hinaus nicht zu rechnen ist, müssen die wirtschaftlichen Kämpfe zwischen Unternehmern und Arbeitern einen um so schärferen Charakter annehmen. Diese Kämpfe sind nicht, wie manche glauben, dadurch zu beseitigen, dass die Poale Zion eines Landes gegen die eines andern Landes ausgespielt werden und in Palästina selbst die Zustellung einer ״loyalen“ Arbeiterpartei herbcigeselmt wird. Das ist alles vergeblich. In wirtschaftlichen Kämpfen um Verbesserung der Lage der Arbeiter werden diese immer einig Vorgehen. Viele Kämpfe lassen sich jedoch vermeiden oder wenigstens abschwächen durch Schaffung von aus Delegierten der Arbeiter- und Unternehmerorganisationen bestehenden Vermittlungsämtern. Wir beantragen, die Bildung solcher Vermittlungsämter, dem neu zu bildenden Palästinaamt aufzutragen. Zs wurde hier wiedcrholt von einer Verdrängung der Araber gesprochen. Ich möchte vor einer solchen Parole aus politischen und ethischen Gründen entschieden warnen. Wir erstreben nicht in Palästina eine Majorisierung um jeden Preis. Wir wollen nur, dass unser Volk bodenständig wird. Das kann einerseits durch Unternehmungen wie die Sicdluiigsgenossensehaft geschehen. Anderseits beantragen wir, durch Einführung von gewerblieben und landwirtschaftlichen Kursen bezw. Schulen, evtl, in Anlehnung au den Bczalel. die unuualinzicrteii jüdischen Arbeiter technisch auf eine höhere Stufe zu bringen. Dann wird eine Verdrängung der Araber überflüssig. (Beifall.) Die Sizung wird hierauf geschlossen. Schluss 81י• Uhr abends. Permanenzausschuss Es wurden gewählt für England:!Moser,!!entwich, Cowen und Gaster: für Deutschland: Hantkc, Halpern, Friedemann; filr Rumänien: Moskowitz, Nicmirower; für Südafrika: Kessler, Goldicich; für Palästina: Trietsch, Aronowitsch; für Kanada: Fciwcl: für Bulgarien: Rimalow.sky; für die Schweiz: Lcvy: iiir Belgien: Herz; für Holland: J. Kann. Franzie Bercnstein; für Russland: Sehabotinski, Brutzkus, Bezalel Joffe, Pasmanik, Wcizmann, Sapir, Sclicinkin. B. Goldberg; J. Goldberg, Rawikow itsch, Klausner. Syrkin, Mossinsohn, Motzkin; für Österreich: Schalit, Stand, Brande, Gabel, Salz: iiir Amerika; Lcwitt- Epstein. Margolis. Radin, Magncs; für Skandinavien: Frankel: für Frankreich: Marmorek: iiir Ägypten: Kliniker. Ausserdem wurden für die Misrachi Farbstein, endlich Marmor und Gross für die Poale-Zion entsandt. Wahlen für einige kleinere Landsmannschaften sind noch vor- /׳.׳nehmen. Rede des Dr. A. A. de Pinto Vizepräsident des hohen Rates der Niederlande 11. Vorsitzender des Komitees der Haager jüdischen Gemeinde, zur Begriissung , des Kongresses. Ein französischer Schriftsteller von mehr oder weniger chauvinistischer Cesinmmg, seinen Namen habe Ich ver- Kessen, hat irgendwo gesagt: Jeder .Mensch hat zwei Vater- Ifindcr. sein eigenes und Fiaukreich. Män würde, wie mir scheint, viel mehr in Uebcreinstimimmg mit der Wahrheit sagen können: Jeder Jude, Zionist oder nicht, dem us .׳anf Herzen liegt, von dem kräftigen und unzerstörbaren Stamme abzustammen, der ein-immer lebendiges Bild aus einem sein sehr entfernten Alter darsteilt. jeder Jude der noch stolz Ist auf diesen Namen, hat zweierlei Vaterland, sein jeweiliges und das Heilige Land, Palästina, Jerusalem. (Stürmischer Beifall.) Ich persönlich bin ein Spross eines dieser alten spanischportugiesischen Geschlechter, genannt ״Scphardim", welche Ende des fünfzehnten Jahrhunderts׳ erbarmungslos verbannt von der Iberischen Halbinsel, ihrem Vaterland, der Ueberlieferung nach seit der Zerstörung des zweiten Tempels, dem Land, w׳o Aber! Ezra, Maimonides und so viele andere weitberühmte Israeliten geboren w׳urdcn, durch die Befehle von Ferdinand und Isabclla. König und Königin von Castilien und Aragonien (IW) und von Don Manuel, König von Portugal (!497), verhängnisvollen Folgen des blutgierigen Werkes von Torquemada unseligen Angedenkens, der Inquisition und ihrer Scheiterhaufen, nach langen bangen Irrfahrten endlich eine gastfreie Aufnahme fanden in den Niederlanden. Durch ullzcrreissbare Bande fühle ich mich mit dem Lande verknüpft, dem neuen Vaterland der Juden, die vor4 mm fast drei Jahrhunderten daliin gezogen waren, dem erleuchteten und freisinnigen Staat, dem ich 45 Jahre mit meinen schwachen Kränen in administrativen und richterlichen Stellungen gedient habe. (Lebhafter Beifall.) Vor allem Niederländer — es ist mir daran gelegen, dies liier nachdrücklich zu erklären — habe ich doch stets Vrf meinem Herzen die fromme Erinnerung an Israels alten Ruhm aufbewahrt, unzertrennlich von der ticfgeiiihltcu Pflicht,' durch Wort und Tat zu zeugen gegen die Greuel, die traurigen Ueberrestc mittelalterlicher Beschränktheit, gegen Vorurteile und Aberglauben, deren Opfer noch heutzutage die Juden in einigen sogenannten zivilisierten Staaten sind. Ich habe denn auch, meine Herren Delegierten, zum Kongress ohne Zögern das ehrende Mandat angenommen, welches mir übertragen wurde durch die nicht unansehnliche Anzahl der hier bestellenden israelitischen Gemeinden, nämlich Sie von Herzen willkommen zu heissen in dieser Stadt, der Residenz unserer geliebten Königin ,des würdigen Sprosses des durchlauchtigen Hauses von Orm.ven-Nassaiu dessctl SclMcksal mein als drei Jahrhunderte so eng verbunden war und ist mit der Niederlande Glück und Unglück. (Lebhafter Beifall.) Sie finden im Haag noch versammelt die zweite l'iielieuskoiiferenz. zusammengesetzt ans Abgesandten beinahe alter Staaten von Europa. Asien und Amerika. Nun hat der ausgezeichnete Redakteur des COURIER DE LA CONEERENCE DE EA PAIX. der Herr William 'I'. Stead, der grösst Eiiedetisapostcl. in seiner Nummer vom 4. August gesagt: ״Entre 1c congrcs (Sionistc) et la Conference il n’existe aucunc rclation. mais ces deu\ ont plusieurs poirits de commjm.'• Ich bin ganz derselben Meinung. Man hat behauptet, dass die Friedenskonferenz in der Tat viel mehr eine Konferenz für die Reglementierung und die Kotliiizicruug des Kriegsrechtes ist. In dieser Behauptung liegt Wahrheit, aber nicht die volle Wahrheit. Zweifelsohne hat die zweite Konferenz, dem Weg der ersten iolgend, die auch in Haag vor acht Jahren, 1899 stattiand, sich bis jetzt liatspt- Sächlich beschäftigt mit dem Kriegsrecht, mit Gebräuchen, Gewohnlichen, Verträgen, die den Zweck haben, die Greuel, die un/crtreimlich sind von dieser grossen Gcissel der Menseln Itcit, soviel w ie möglich zu vermindern. Vergessen wir aber nicht, dass, wenn die erste Konferenz den ersten Schritt getan hat auf dem langen W eg, der endlich zur Verminderung des Krieges führen konnte, durch die segensreiche Idee des Schiedsgerichts, die schon verkörpert ist in dem internationalen Hof im Haag, die zweite Konferenz die Mittel in die Hand genommen hat, die dienen können zur Befestigung und Ver- Stärkung dieser Institution, der einzigen Waffe im Kriege gegen den Krieg. Vergessen w ir ebenso w enig die denkwürdigen Worte, die gesprochen wurden bei der Feier der Grundsteinlegung des Friedcnspalastes zu Zorgvliet am Nachmittag des 31. Juli: J. von Parnebcck, Präsident der Carncgiestiftung, drückte sich folgendcrmasscu aus: ״Ce palais est votie au c u 11 e de la Pa ix pnr 1c droit, il peut ä justc titre etre appele un temple de la paix. Cotiimc sc plait ä le immmer datis l'acte de fondation 1c gcncreux donatetir des moyens de l'eriger.“ Herr Nelidoff Präsident der Konferenz,׳ sagte in derselben Reihe von Ideen: ״C’cst ime idee nouvcllc. un principe nouveau dans les rclations des pcuplcs. la paix par la justiec ct le droit, que ayant regt! utie consccrattoi, snlcimcllc par la fondation d'uttc Institution internationale particiilicre va voir s'elevcr pour lui servir de siöge un edifice digne de la pensee qui La inspire.“ Achten Sie auf diese in beiden Ansprachen Reichen Worte, ״d er Friede d «1 r c 11 das R e c h t". In einer klaren, genauen Form verdeutlichen sie das Verhältnis zwischen der Friedenskonferenz und dem Zionistenkongress. Kein Friede zwischen den Völkern, keine äussere Sicherheit ohne imiereu Frieden, ohne innere Sicherheit. Nun ist die unentbehrliche Bedingung der dauernden inneren Sicherheit jedes Staates, gross oder klein, die Herrschaft des Rechtes, der Gerechtigkeit, innerhalb seiner Grenzen. In allen Ländern, ich erspare Ihnen die Namen, wo das Recht missachtet und die Gerechtigkeit mit Füssen getreten wird durch Ausnahmegcsetze die in all ihrem Schrecken gegen die jüdischen Einwolincr wüten, bedrohen innere Unruhen, unabwendbare mul verhängnisvolle Folgen von Glaubens- und Rassenhass, ohne Aufhören den äusseren Frieden.

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