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Jüdische Rundschau · 1907-09-06 · Heft 36 (6.9.1907) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 36 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 36 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 379 Aber eins müssen wir alle behalten, wir müssen behalten die Überzeugung, dass es nur eine Art der Rettung für das Judentum gibt, das ist der politische Zionismus Hcrzls, und wenn dieser politische Zionismus verspottet, wenn eine Pesolntion geiasst wird, um ihn zu begraben, dann graben Sic auch das Grab für die Wicderauirichtung des Jüdischen Volkes. Das glorreiche Haus dieses Landes hat den Wappenspruch: Je maintiendrai, ich werde festhalten. Wir unserseits werden au unserem •Wappenspruche festhalten! Was uns nottut, d. i.. dass wir, wenn wir von hier Weggehen, gestärkt und gekräftigt von der Idee: Entweder halten wir am politischen Zionismus, oder der Zionismus hat überhaupt gelebt. (Stürmischer anhaltender Beifall und Händeklatschen. — Zwischenrufe und Unruhe.) Dr. Weizniann: Wir stehen vor der Aufgabe, den Willen des Jüdischen Volkes wachzurufen. Uns genügt es aber nicht zu sagen: Das Jüdische Volk wird wollen, wir w erden so lange zum Jüdischen Volke sprechen, bis es wollen wird. Denn bis jetzt hat es seinen Willen nicht gezeigt. Vielleicht war cs das tragische Los Hei vis. das ihn i׳is zu Uganda iiihrte, dass er den Willen des Volkes schneller zu wecken glaubte, als cs möglich war. Aber weder genügte seine glühende Begeisterung, noch seine kristallklare Wahrheit. Das letzte Wort Hcrzls war: ..Wir sind an einer Barriere angelangt.“ Für uns waren keine Barrieren da. Wir müssen .die Atiiiafiimg über den Charter ändern. Wir müssen dem Volke sngen, dass e.s mir dann sein Ziel erreichen werde, wenn cs schon heute aniängt, Besitz von dein Lande zu nehmen, das ihm gehört. Wir geben auch zu, dass das mir Mittel zum Zwecke ist. Unsere Differenz. liegt aber darin, dass wir glauben: die sogenannt׳.• politische zionistische Bewegung war eine cmseitige. Bis jetzt war der politische nichts anderes als diplomatisehen Zionismus. Man dacht das Volk begeistern zu können, indem man ihm sagte: Dieser oder jener Machthaber ist unseren Bestrebungen günstig. Dies ging bis zu einem gewissen Grade, weil das jüdische Volk es gerne sah. dass sich Machthaber mit uns beschäftigen, aber cs sah auch ein, dass cs noch nicht genügt, wenn die Regierungen zugeben, dass wir recht haben. Sie geben es zu, aber sie rühren keinen Finger, die Forderungen nach Gerechtigkeit durchzuführen. Es ist nicht nur angenehm, wie Motzkin gesagt hat, in Palästina zu leben, er wird auch wissen, dass zu jeder Kolonisation Pionierarbeit notwendig ist, und ich betrachte jeden, der jetzt nach Palästina geht, nicht als Touristen, son dern zugleich als Vorarbeiter und teilweise als Schöpfer von Werten. Sie gestehen, dass auch Sie nicht gegen Palästinaarbeit sind, aber ist dies ein Argument dagegen, dass wir diese Arbeit tun? (Lebhafter Beifall.) Wenn Sie unsere Arbeit iiir nicht sicher halten, so giln cs ja acttli für Sie keine Garantie für den Bestand Ihrer Arbeit, selbst wenn Sic den Charter bekommen. Wie bei allen ersten Versuchen ist eine völlige Sicherheit nicht inoglieh. Wie stellt sich Herr Dr. Mnrniorck die Sache vor?!lass alle Experimente direkt zu positiven Resultaten führen werden? (Marmorck: Gewiss!) Selbstverständlich. Abc. vom grünen Tische ans werden wir Palästina nicht bckommen. (Stürmischer Beifall.) Wir wollen eine ehrliche Synthese der beiden Momente (Marmorck, stimmt zu) und wenn ich die Gewissheit hätte dass beide Seiten sich bemühen zu einer ehrlichen Synthese zu gelangen, dann.wäre auch ich dafür. Aber ich habe diese Gewissheit nicht. Ich habe sie verloren als Dr. Marmorck in seiner Rede den Austritt der Herren Zaugw ill. Mandelstamm usw. bedauerte. Ich meinerseits würde es geradezu beklagen, wenn diese Herren cs nur für möglich hielten, hier zu erscheinet.. (Zwischenrufe). Sprechen Sic nicht von Toleranz! Zählen Sic nicht iene auf — denn ich könnte auch eine Liste aufzählen: Wo ist Achad Haam? (Stürmischer, lauter Beifall.) Wo ist Dr. Birnbaum? (Grosser Beifall.) Wo ist . . . Ist es nicht genug, dass diese M inner, die mit ihrem ganzen Leben mit uns sind, hier nicht erscheinen? Und gerade das hat vielleicht zu unserem langsamen Versinken geführt. (Stürmischer Beifall.) Sie sagen, das jüdische Volk habe noch nicht gezeigt, dass es will. Ist cs keine Willcnshezeiigung. wenn immer mehr Zionisten nach Palästina gehen und sagen: ..Trotzdem wir uns bewusst sind, dass vielleicht einmal eine schwere Krise eintreten könne, tun wir es doch.“ Auch die Regieriingeii werden nur dann auf Sie hören, wem! sie sehen wer* den, dass Sic imstande sind. Palästina zu besitzen. Herr Motzkin bewegt sich in einem verzauberten Kreise. Er will den Willen des jüdischen Volkes erzeugen. Aber er weiss nicht und konnte uns nicht sagen, wie. (Lebhafter Beifall.! Ich weiss nur einen Weg. Dieser ist schwer, aber wir müssen ihn betreten, und ich möchte, dass die zionistische Organisation ihn betrete. Keiner von uns wird den grossen Gedanken verneinen, dass der Zionismus eine politische Bcwegung ist. Aber reduzieren Sic nicht die Politik darauf, dass Sie zu Regierungen gehen und sich Gutachten über den Zionismus cinholen. BciiaL) Wir können die Unterbandhingen nicht noch einmal begingen, weil sogar die Regierungen vergessen haben, dass Sie zu ihnen gegangen sind. Glaubet! Sic z. B. dass die englische Regierung, unter der das Ugandaangebot erfolgte, eine Ahnung von Zionismus .eine Ahnung von den wahren Borderungen des jüdischen Volkes hat? Wissen Sie, worauf die Formel des Zionismus bei den Re- Gerungen zusammengeschrumpit ist: »,Es gibt ein armes Volk, dem geholten werden soll. Wir bringen ihm unsere Sympathie entgegen, aber v.ir körnten doch nicht ins intcrnationale Konzert ciiigrciici:.'‘ Und dies, wenn ich Optimist sein wollte! (Beifall.) Ich verstehe unter p״litischvm Zionismus, dass die Judenfragc gleichsam eine internationale Frage für die Regiertmgen werde. Wir sagen auch: Wir bedürfen eurer Hilfe, aber wir tun alles, um unsere Position in dem Lande, das wir als unsere Heimat betrachten, zu stärken. Wir mnss.n1 eie zionistische Politik dem Regierungen so klar machen, dass sie sie so verstehen, wie sie die Juden verstehen. (I.cbhaiter IkifalÜ Herr Motzkin meinte, wir können nicht die Verant* wortting dafür übernehmet!, dass die Versuche missglücken. Herr Motzkin, wenn man eine solche Politik verfolgt, kann man überhaupt nichts unternehmen. (Stürmischer Beifall.) Man kann niemals, auch bei allen!!.»glichen Vorsichtsmussregeln, nicht garantieren, dass kein Fiasko criolgcn kann. Und glaubten die Herren, die sich iiir Uganda begeistert, dass sich dort alles glatt abwickeln werde? (Lebh. Zustimmung.) Vom historischen Sandpm!kte aus müssen wir die Mdgliclikeit zugeben, dass ein Fiasko eintreten könne und dies möglichst zu vermeiden suchen. AI er gar nicht anfangen? Abwarten? Denken, cs wird kommen? Wir werden den Willen des Volkes wecken! Ich möchte den Weg sehen, wie man den Willen des Volkes wecken soll. Wir müssen die Gefahr auf uns nehmen, w ir müssen anfangen, die Positionen in Palästina, die erreich.bar sind, zu erobern. (Marmorck. Ich bin nicht dagegen.) Jawohl, aber wir unterscheiden uns im Ton. (Stürmischer Beifall.)!cli will nicht über die praktischen Fragen der Pahisti'iakonm.ission sprechen, weil ich mich hierfür nicht iiir kompotent halte. Ich dachte, dass man hier mir die grossen prinzipiellen Gesichtspunkte erörtern soll. Ich iasse den politischen Zionismus auf als Synthese der Arbeiten auf allen Gebieten, der praktischen Arbeit als eines Mittels zur Frrcichung des politischen Ziels. Ich hin dafür, die Judenfragc als internationale Frage mit allem Nachdruck aufzurollett lind weder zu versiissen noch zu verquicken. Aber von beiden Seiten muss die Arbeit getan werden. Herr Greenberg verglich einmal die zionistische Arbeit mit dem Graben eines Tunnels, das von beiden Seiten in Angriff genommen werden *misse. Von der einen Seite habe ich wenigstens den Willen gesehen, das Graben zu beginnen, die andere Seite behauptet, die Erde sei zu stark oder der Tunnel körnte einstürzeu. Ich möchte, dass das Graben einmal beginne. Der Kongress soll dem Aktions-Komitee einen klaret!, nicht verschwommenen Auftrag geben. Der Charter soll erstrebt werden, aber nur als Folge unserer Anstrengungen im Laude. Wenn uns die Regierungen heute einen Charter ausstellcit. wird cs ein Stück Papier sein: anders, wenn wir in Palästina arbeiten, dann ist er beschrieben mit Schweks und Bl.it, zusamnicngchaltcn durch einen Kitt, der nie sich lösen wird. (Lang anhaltender, stürmischer Beifall. Hedad-Rufe.) Nathan Gross (fiir Poalc Zion). Die Prophezeiung Motzkins, dass der Zionismus nicht’' Wesentliches siir das Proletariat tun könne, ist nicht richtig. Bisher ist nur das soziatukonomischc Moment nicht betont worden. Man hat Palästina erst, wem! der Boden von jüdischen Händen bc* arbeitet ist. Unsere Kolonialpolitik ist eine neuartige. Wir exportieren nicht W'aren. sondern Menschen. Die Kobmisation der Germanen in den slavischen Ländern Österreichs ist missglückt, soweit sie nur Städtesialltmg war; sie hatte Erfolg wo sie geschlossene Landsiedlung ist. selbst wenn dort die Deutschen eine Minorität bilden. Das sollten wir uns fiir Palästina merken. Die Hauptfrage ist also, wie wir einen indischen Bauernstand in Palästina schaffen können. Das ist nur möglich, wenn wir gleichzeitig die Landwirtschaft so heben, dass der jüdische Arbeiter, der Bauer wird, nicht da-

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