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Jüdische Rundschau · 1907-09-06 · Heft 36 (6.9.1907) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 36 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 36 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 375 jene praktische Arbeit durchführen soll, die beschlossen wird. (Beifall.); Ich habe diese Resolution auf der letzten Jahreskonferenz ■ in Köln vargeschlagcn; ich unterlag aber, weil Herr Ussischkin dagegen war. Warum war Herr Ussischkin dagegen? Weil ich es vorgeschlagen habe, sagte er. Es ist Zeit, dass wir mit solchem Wahnsinn aufhören. Wir müssen auch unsere zentrale Palüstinaarbcit anders aulegen. Wie kann jemand, der ausserhalb Palästinas wohn.‘, entscheiden, was in Palästina unternommen werden soll? Wir müssen in Palästina ein vertrauenswürdiges Komitee haben, das uns über alles dort Mögliche und Erforderliche verlassliehe Ratschläge gibt. (Beifall.) Ussischkin (mit stürmischem Beifall begriisst): Es ist richtig, dass ich gegen die Einsetzung eines in Palästina sitzenden Komitees, gebildet vom A.-K., gewesen bin. Ich werde Ihnen auch meine Gründe sagen. Ich werde gegen ein solches Komitee sein, das dazu dient, nur ein Organ des A.-K. zu sein und die Meinung anderer nicht zum Ausdruck zu bringen. Wenn wir ein vom Kongress gewähltes uiiabhängiges Komitee haben, werden wir die richtige Stimmung des Kongresses vor 1ms haben. Wenn es vom A.-K. eiligesetzt ist. sind es immer beeinflusste Leute des A.-K. Dr. Ga st er: Es handelt sich um eine Klärung der Be* griffe ..politische" und ״praktische" Arbeit in Palästina. Wir wollen picht wie die Chowc-we-Zion eine ökonomische Frage losen, sondern eine nationale. Pen Anfang der nationalen Heimat wollen wir schaffen. Diese praktische Arbeit ist in jedem Augenblick eine politische. Leute, die draussen stehen, haben kein wirkliches Anrecht auf das Land. Der historische Anspruch genügt nicht. Aber weiche Bedeutung hat die Erwerbung Palästinas für die Mehrheit, die draussen_ bleiben muss? Wir müssen den archimedischen Punkt schaiien, für die moralische Stütze der Diaspora. Die nationale Erziehung in Palästina ist nur der Ansatz- Punkt 1'iir die nationale Erziehung der Juden überhaupt. Wir müssen wieder lernen, uns alle als Kinder des Landes Palästina zu fühlen. Denn ein Volk lebt nicht von seiner Macht, sondern von seiner moralischen Kraft. Das sieht man gerade in Holland. Das moralische Ansehen können uns nicht Millionen Geld geben. Redner setzt dann die Prinzipien nationaler innerlieber Erziehung und Kultur auseinander. Er schliesst damit, dass nur in Palästina die Wiedergeburt des jüdischen Volkes erfolgen kann. (Grosser Beifall.) Schluss der Vormittagssitzung i'c Uhr. Nachmittagssiizung Beginn 4 Uhr. Del. Schachtel (Breslau) berichtet über eine Ver- Sammlung der Nationalfondskonnuissäre. die den Zweck gchabt habe, durch gegenseitige Aussprache Anregungen für eine intensive Sammeltätigkeit zu geben. Es wurde festgestellt, dass In den Ländern, welche dem Beschlüsse des 7. Kon־, gresses folgend, Nationalfondskonnnissionen eingerichtet haben, das Ergebnis der Sammlungen für den jüdischen Nationalfonds ein weit günstigeres war, als in jenen Ländern, welche diesem Beschluss nicht durchgeführt haben. Es ist im Interesse des Nationalfonds, diesen Beschluss des Kongresses ehestens auszufiihren. Mit Bedauern muss konstatiert werden, dass einerseits die Sclbstbcsteuerung. andererseits die testamentarischen Zuwendungen zugunsten des Nationah'onds noch wenig Anklang gefunden habe״. (Beifall.) Präsident Wnlffsohii legt dem Kongresse eine Reso, liition vor. dcrzufolge der Jewish Colonial Trust (Jiid. Ko- :onialbank) formell zum Schatzmeister des Zionistenkongrosses bestellt wird. (Wird angenommen.) ♦ * * Hierauf erstattet das Referat über nationale Erziehung Herr Grosspabhincr Dr. E h r c n p 1׳ c i s. Wir werden dieses Referat, das mit grossem Beifall aufgennmuien wurde, in einer späteren Nummer bringen, und verzeichnen nachfolgend die von Herrn Dr. Ehrenpreis vorgclegten Anträge: Thesen zur Frage der nationalen Erziehung In der Diaspora: 1. Die nationale Erziehung in der Diaspora bildet einen intcgriercndenBcstaiidteil der zionistischen Arbeit und gehört zu den ständigen Agenden der zionistischen Organisationen und der Kongresse. 2. Diese Arbeit soll unabhängig von der Möglichkeit einer Einflussnahme auf die bestehenden Gemeinde- und Erziehungsinstitutionen sofort in Angriff genommen und mit den materiellen und moralischen Machtmitteln der Organisation betrieben werden. 3. Zur Leitung der einschlägigen Arbeiten wird am Sitz.c des Engeren A.-K. ein Erziehungsamt geschaffen, für dessen Dotierung i:!1 diesjährigen Budget ein entsprechender Betrag eingestellt werden soll 4. Zu den ersten Aufgaben dieses Erziehungsamtes würde gehören: a) Studium der Frage der Schaffung eines zentralen 11cbräischcn Lehrerseminars in Palästina, weint möglich int An- Schlüsse an das bereits bestehende, vom Hilfsverein begrünrcte hebräische Lehrerseminar für Palästina. b) die regelmässige Veranstaltung von zentralen Feria:• kursen für hebräische Lehrer aus verschiedenen Ländern. c) Einsetzung einer aus Fachmännern bestehenden Schulbitchcrkommission zur Approbierung der Lehrbücher für den nrtionnliüdischen Unterricht. 5. Der Kongress begriisst die Entstehung der Sonder- Organisationen für die geistigen Aufgaben der Zionisten .,Sinai" und ״Ibriah" und empfiehlt dem zu schaffenden Erzkhungsair.t bei Durchffihrting seines Arbeitsprogramms tunliehst im Einvernehmen mit diesen Organisationen vorzugelicn. $ $ r * 1 Es io!.,; sodann die Fortsetzung: der Palästinadebatte Es wird der Beschluss gefasst. Generalredncr zu wählen. Rechts; nwalt Roscnhanm setzt auseinander, wie von den Redner:! die Generalredncr verteilt worden sind. Kaplan sky -Kaplan beantragt noch einen Redner ihr die Poa’e-Zion ziizulassen. (Angenommen.) Es sprechen nunmehr die Generalredner: Schein k in entschuldigt sich zunächst hebräisch dafür, dass er sich zum allgemeinen Verständnis des Jüdisch-Deutsehen bedient. Man braucht nicht gerade ein Fachmann zu sein, um über palästinische Dinge mitzusprechen. Man muss nur die Bedürfnisse Palästinas kennen. Fiir die wirkliche Arbeit ist es theoretischer Streit, ob Politik oder praktische Arbeit, ob Industrie oder Landwirtschaft, sondern all dies ist untrennl;ar miteinander verbunden. Auch Kultur ist nicht etwas Besonderes, sondern mit dem ganzen wirtschaftlichen Leben \crkniipft. Was in Paläsina getan wird, ist alles zionistische Arbeit. Mit dein Verbot der Einwanderung brauchen wir nicht zu . rechnen. Zunächst haben wir die Juden Palästinas zu organisicren. Dann habet! wir zu sorgen, dass die. welche ohne unser Zutun ins Land kommen, nicht nötig haben, wieder fort-;׳»gehen. Ermunterung der Immigration beabsichtigen w!« rieht. Die neuen Kolonien, die entstanden sind, sind von seihst entstanden und kosten keinen Pfennig. Wir müssen die Bedingungen dafür schaffen, dass kein Arbeiter das Land verlässt. Dazu brauchen wir keine Millionen. Aber wir müssen doch dafür sorgen dass auf andern! Wege Millionen ilnhiiiströim’n. Wir müssen nur die Wege ebnen, auf denen das Privatkapital hinzieht. Das Wichtigste ist: Ein Zionist muss Opfer bringen: er muss selbst die Privatinitiative ergreifen, tun in Palästina zu arbeiten. Wer sein letztes Geld nach Palästina bringt, der hat keine freie Initiative. Aber die 1 eichen Zioristcn sind verpflichtet, einen Teil ihrer Gelder in Ptlästina und unseren Institutionen zu investieren. Unsere grossen Kaufleute und Bankleute sind cs. die an die Arbeit und au Gründungen selbst Herangehen müssen. (Grosser Beifall. ). . . . Wir müssen uns hüten, dass wir nicht dasselbe System der Administration und Demoralisierung cinführen. das fetzt schon dort existiert. Wir brauchen eine kollegiale Kommission in Palästina selbst. Wir können dort Jeden Menschen brauchen, nicht nur Kaufleute und Bankiers. (Lebhafter Beifall.) Hierauf spricht im Namen der Poalc-Zion Stur mann. Es sei wesentlich, dass die Arbeit in Palästina nicht nach bureaukratischcn Gesichtspunkten ge-v leitet werde. Dies werde stets der Fall sein, wenn sic ron Berlin oder Köln aus geleitet werde. Sie müsse daher von einer Organisation geleitet werden, die in Palästina selbst Ihren Sitz hat. Diese Organisation müsse mit der jüdischen Bevölkerung Palästinas in steter Fühlung bleiben; sic müsse auf die Forderungen und Wünsche der bereits organisierten Gruppen, z. B. der gewerkschaftlichen und der anderen in Ptlästina bestehenden Organisationen. Rücksicht nehmen. Der Kongress müsse wohl eine entscheidende Stimme bei der Einrichtung dieser Organisation haben, aber alles andere müsse in Palästina selbst geschehen. Die erste Aufgabe dieser יץ/-•"*וין****■•*י.

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