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Jüdische Rundschau · 1907-09-06 · Heft 36 (6.9.1907) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 36 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 374 JÜDISCHE RUNDSCHAU. _ No. 36 haben daurch in der Landsmannschaft geradezu destruktiv gewirkt. Dass wir unsere Aufgabe begreifen! Wenn cs den russi* sehen Zionisten zum Bewusstsein käme, dass es uns zu ihnc.. treibt, würde auch bei ihnen die Zurückhaltung weichen, die sie — aber mit mehr Recht als wir - bisher noch üben. Wer wollte nicht begreifen, welcher Segen für die Bewegung daraus hervorgeheu könnte. Aber auch jeder einzelne von uns würde es als ein hohes Glück empfinden, wenn sic!« der Scelcnrciehtum des Ost-Judentums ihm offenbarte. Lasst unserem ״Europfiertum*‘ die leuchtende Farbe der ״Jüdischkeit" geben. Dann werden wir von allein, ohne alle gewaltsamen Anstrengungen, ohne jede künstliche Steigerung eine bedeutsame Rolle in der Bewegung spielen können. Aber nur dann steht sie uns zu. Julius Sinn»n. Montag, den 19. August 1907 Vormittagssiizuog Palästinadebatte. Beginn 10 Uhr. Der Referent des Palästina-Ausschusses des Kongresses. Herr Adolf Böhm,;stellt in (!essen Namen tolgendc Anträge: 1. Der Kongress beschlicsst. dass ein besonderes Palastinaressort innerhalb des Fugeten A.-K. geschaffen wird, welches das Recht hat. sich Beiräte zu ernennen. Dieses Palästinaressort soll unter der Leitung eines Mitgliedes des Engeren A.-K. stehen. Ihm wird ein in Palästina befindliches, aus einem oder mehreren besoldeten Beatmen bestehendes Palästinaamt unterstellt. 2. Der Kongress beschlicsst. dass 25 Prozent aller Finnahmen des A.-K. sofort nach Eingang dem Palästinaressort beim Jcwish Colonial Trust zur Verfügung gestellt werden. Ausserdem fliessen dem Palästinaressort die iür seine besonderen Zwecke gesammelten und gespendeten Beträge zu. 3. Der Kongress beauftragt das Pakistiuaressort. die Frage der Siedlungsgenossenschaft in Palästina zu studieren und der Jahreskonferenz darüber Bericht zu erstatten. 4. Der Kongress beschlicsst. das Palästinaressort und das Direktorium des J.C.T. zu beauftragen, umgehend ein Institut für ländlichen und städtischen Bodenkredit in Palästina zu schaffen. Dieses Institut soll womöglich einen Teil der A.P.C. bilden und das Recht haben, städtischen und ländlichen Boden zu kaufen und zu verkaufen, zu pachten, zu verpachten una zu bebauen. Eventualantrag Tschlenow, 12 gegen 12 Stimmen. Der Kongress beauftragt das Engere A.-K. und das Di• icktorium der A.P.C., dafür Sorge zu tragen, dass bei de! A.P.C. eine Abteilung für langfristige Kredite auf ländlichen und städtischen Boden eingerichtet werde. 5. Der Kongress beaufragt das Palästinaressort. den Bildungsanstalten in Palästina seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und zu trachten, für deren Zwecke einen be• sonderen Fonds zu schaffen. Er beauftragt ferner das Pa• iästinaressort, für die Entwicklung einer hebräischen Mittelschule in Palästina Sorge zu tragen. Nachdem der Referent diese Anträge erklärt und begründet hat, bemerkt er sodann zur Debatte: Die österreichische Landmannschaft steht auf einem gemässigten, aber entschiedenen Standpunkt. Politischer Zionismus ist nicht nur eine Verherrlichung der Diplomatie, sondern schlicsst die Palästinaarbeit in sieh. Eine künstliche Scheidung zwischen den Arbeiten lässt sich nicht durchführen. Das Baseler Programm gibt nur die äussere Form, den Inhalt müssen wir durch unsere Arbeit schaffen. Co wen. Die vorgelegten Anträge sind zu billigen. Das wichtige aber ist der Geist, in dem sie gestellt sind. Es besteht ein Einwanderungsverbot. In ein ,.judenreines" Hotel dürfen wir nicht gehen, und nach Palästina ja? Trotzdein man uns den Eintritt verbietet? Das ist gegen unsere Würde, wir müssten uns einschmuggeln. Der erste Schritt muss die Arbeit für Aufhebung des Einwanderungsverbotes sein. Wir müssen den Willen kundgehen, türkische Staatsbürger zu werden. Unsere erste Sorge sind die Juden in Palästina. Sie sind durchaus noch nicht alle national brauchbare Juden. Mit der Arbeit für sie haben wir für die nächste Zeit genug zu tun. Der Chowewc-Zionismus hat sich unfähig zur Lösung der jüdischen Frage erwiesen. Eine Stunde politische Arbeit kann mehr wert sein als 50 Jahre der Kleinkolonisation .. . Wir müssen Toleranz gegen abweichende Ansichten üben. Jeder, der hinausgedrängt wird, ist ein Verlust iür uns. Auch Zangwill ist ein Verlust für uns. Entweder glauben wir au den Triumph des politischen Zionismus, oder wir haben die nationale Liquidation. Trietsch: Die komplizierten Verhältnisse der Türkei kann man verschieden verwerten. Das Einwanderungsverbot besteht wohl in der Theorie. In der Zeit der jetzigen Ein- Wanderung in Palästina hat keine Erschwerung stattgefimden. In England haben sieh die Juden gegen die rum;inisehc Einwanderung gewehrt. Cowcn selbst, der gegen das angebliche Einschmuggeln ist, hat sich für die Anglo-Pal. Comp, eingesetzt. In der Türkei haben wir ein Eiiiwauderungsvcrbot und liberale Praxis, in Rumänien rechtliche Garantie - und Rechtlosigkeit. Die Türkei hat anlässlich der rumänischen Juden- Vertreibungen ilire Grenzen geöffnet. Damals hatten wir die Gelegenheit benutzen sollen zur Konzentration von Juden im türkischen Orient. In der Türkei l|1bc!1 wir eine grosse politische Chance, wenn wir irgendwo eine jüdische Majorität bilden. —■ Selbst in den Zeiten der Armeniergreuel waren die Juden sicher. Unsere Kräfte sind deswegen zu wenig gewachsen, weil wir zu wenig reale Arbeit geleistet haben. Warum sind die Beschlüsse des 7. Kongresses betreuend €׳לPeru und el-Arisch nicht durcligciiihrt worden? Wir dürfen nur zwei Arten von Politik treiben: eine loyale türkische und eine reale jüdische. Wir müssen die aueiern jüdischen Organisationen dadurch heraiizivhen. dass wir die Arbeiten beginnen. Als Beispiel kann das!nformatimis־ bureau dienen, eine zionistische Gründung, die von andern finanziert wurde. Dasselbe können wir au! vielen andern Punkten versuchen. Wir haben die Jugend nicht gewonnen, weil w ir ihr nur das Warten empfehlen konnten. Die Nachbarländerfrage müsste vor allem die ״politischeu" Zionisten interessieren, die meinen, man könne jetzt in Palästina nicht viel tun. Es handelt sieh um Cypern, vor allem um EI-Ariseh. Redner hat sieh neuerdings selbst überzeugt, dass das Land brauchbar ist. Er hat auch selbst sebon weitere Schrille getan, und belegt das durch Vorlesung eines Briefes an eine ״massgebende Stelle". Die Leitung hat vieles unterlassen, was sic hätte tun können. Sic hatte Angst vor praktischer Arbeit. Auch die Ito könnten wir wiedergewinnen, die anscheineud jetzt beginnt, sich mit den Nachbarländern Palästinas zu beschäftigen. Das Wesentlichste ist jetzt, dass die Exekutive richtig gewählt wird. : L c w i n - E p s t e i 11 schlägt Schluss der Generaldebatte vor, uni die Resolution der Kommissionen zu besprechen. Dr. Friede nui ח n beantragt 10 Minuten Redezeit. Antrag Friedemann w ird angenommen. Antrag Lew im Epstein abgelehnt. Der Antrag auf W'ahl von Getieralrednern wird abgelehnt. Es erhält das Wort Grecnbcrg (mit Beifall begrtisst). ich habe nicht die Absicht, irgendwelchen Zwiespalt in die Diskussion liineinzutragen, ich bin aber gezwungen :׳u sagen, v.as ich für wahr halte. W'enn das A.-K. nicht imstande ist, politische Arbeit zu tun, wenn es nichts mehr bezüglich El- Arisch tun kann, so ist das die Schuld des VII. Kongresses durch die Art und Weise, wie Sie das Ostafrikaprojekt abge lehnt haben. (Beifall und Widerspruch.) Die engliscnc Regicrung trat in Beziehung zur zionistischen Bewegung in einer möglichst intimen W'eise. Warum, glauben Sie, hat Dr. Merzl sich bestrebt, in so intimen Beziehungen mit England zu stehen? Weil er, wie jeder andere ganz genau wusste, dass, was auch immer in Palästina geschehen werde, die englische Regierung ein grosses Wort niitzuspreclicn luibei. werde. Das Ostafrikaprojekt hatte einen Wert, weil es uns in Beziehung zu England gebracht hatte. Ich habe nicht die Absicht, irgendwelches Bedauern zum Ausdruck zu bringen:־ ich erwähne nur das Ostafrikaprojekt, um Herrn Trietsch zu antworten. Auch ich bin für praktische Arbeit iu Palästina und war es immer. Noch lauge, bevor mau so laut von praktischer Arbeit in Palästina sprach, schrieb ich einen offenen Brief an das A.-K.. in welchem ich bat, in Palästina praktische Arbeit zu nehmen. (Rufe: Wann?) Als wir die Komuiission nach Östafrika aussandten! Ich finde in den Resolutionen der Paiästiuakomniission eine ganz merkwürdige Unterlassung. Sie übersehen die erste wichtige Sache, die für eine praktische Arbeit in Palästina erforderlich ist. d. i. die Bildung eines Komitees mit dem Sitze in Palästina, unter der Oberleitung des A.-K.. das diesem mit seinem Rate beistehen unu

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