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Jüdische Rundschau · 1907-09-06 · Heft 36 (6.9.1907) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 36 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 372 % eines jüdischen Gemeinwesens werden kann, wenn das Judenvolk der Diaspora in seiner Mehrheit sich uns versagt. Die Vorbereitung des jüdischen Volkes für ein cigcnes Gemeinwesen zeigt sich, wenn wir nur auf Palästina sollen, als ein ganz natürliches, fast selbständig vor sich gehendes Geschehen. Immerhin wird das Bestreben, die heutigen palästinischen Juden durchweg nutzbar zu machen, noch für viele Jahre Arbeit in Hülle und Fülle schaffen. Wesentlich schwieriger liegt das Progranuy der 11ationalen Erziehung für die Juden der Diaspora. Und hier muss gesagt werden, dass der Kongress dieses Problem trotz mancher dankenswerten Anregung viel zu sehr nebenher und oberflächlich behandelt hat. Wir zweifeln nicht, dass das Verhältnis der Zionisten zu ihrer Umgebung und die Beeinflussung der jüdischen Massen über kurz oder lang, vielleicht schon auf dem neunten Kongress, das zentrale Problem der Beratung darstellen wird. Es haudelt sich nicht nur um die Frage, wie man die Kenntnis der hebräischen Sprache ausbreiten konnte, oder um Fragen des Unterrichts, sondern es bandelt sich um die schwere Frage der jüdischen Erziehung von Kindesbeinen an überhaupt; weiterhin aber auch um das Eingreifen des Zionismus in das öffentliche Leben der Juden und der Nichtj'uden. All dies gehört zur nationalen Erziehung in der Diaspora und zur Vorbereitung des jüdischen Volkes. Von der richtigen Lösung dieser Fragen hängen die Möglichkeiten einer Ausbreitung des Zionismus ab. Grosses, vielleicht Grundlegendes hat der Kongress in der Organisation des Zionismus geleistet. Wir wollen endlich festen Boden unter den Füssen haben, das war die allgemeine Sehnsucht der letzten Zeit, und ’eine tiefe missmutige Enttäuschung hätte Platz gegriffen, wenn sie nicht befriedigt worden wäre. Dem Interimszustande musste ein Ende gemacht werden. Zunächst galt es, die sehr unordentlichen Finanzen der Partei zu regeln und der Leitung das Geld zu verschaffen, das sie unbedingt haben muss. Diesem Ziele' dient die Be- Stimmung, dass der volle Schekel abgciiihrt werden muss (wfas fiir Deutschland bereits ,längst durchgeführt ist). Ein sehr heilsamer Beschluss ist die Schaffung eines Parteifonds durch eine einmalige Steuer. Es muss einmal gesagt werden: Die Schwierigkeiten der Gcjdbe- Schaffung für unsere Bewegung sind kläglich. Nicht jeder hat bisher seine Pflicht getan. Verglichen mit den Ausgaben für andere Organisationen sind die Aufwendungen grade unserer wohlhabenden Gesinnungsgenossen für den Zionismus zu gering. Ein Beschluss, dessen ganze Bedeutung erst die Zukunft lehren kann, ist die Erlaubnis zur Bildung von mehrere Länder umfassenden Fraktionen neben den Landsmannschaften. Er galt vor allem den Poale-Zion und dem Misrachi. Auch diejenigen, die wie Verfasser prinzipiell gegen die Bildung solcher Fraktionen sind, verschlicsscn sich nicht der Tatsache, dass diese Fraktionen existieren und ein Recht zur Forderung eines Koalitionsrechtes haben. Die Verschärfung der Gegensätze, die als Folge dieses Beschlusses nicht ausblcibcn wird, dürfte der Zionismus ertragen können. Ausserordentlich wichtig sind endlich die Vcründerungen in der Leitung, die der Kongress durchgeführt hat. Dass ein Engeres A.-K., wie wir es bisher hatten, nicht arbeiten konnte, war jedem klar, und einmütig war der Wille, diesem Zustand ein Ende zu machen. Fast wäre wieder eine Halbheit entstanden. Aber wir müssen es unserem Präsidenten hoch anrechnen, dass er nicht naehgegeben hat, und wir hätten es ihm schwer ver- No. 36 ziehen, wenn er dieses Mal -- und damit für immer — sich gebeugt hätte. Es war recht von der Mehrheit der deutschen Landsmannschaft, dass sie ihn hier kräftig unterstützt hat. Wir haben darum nicht die Absicht, zu einer Leibgarde zu werden. Jedoch es musste endlich der Leitung die Möglichkeit der Betätigung gegeben werden, die sie verlangte. Wird sie diese Möglichkeit nicht ausmitzcn, so werden wir ihr mit grösserem Recht als bisher einen Vorwurf machen. Man hat versucht, auch in die Leitung das, Landsmannscitaftsprinzip einzudrängen, lind sich bitter dagegen gewehrt, dass das osteuropäische Judentum in der jetzigen Leitung von drei Männern nicht vertreten ist. Hier aber handcjlt es sich nicht um irgend ein Prinzip, sondern tun eine praktische Frage. Die Leitung stellt über den Landsmannschaften; sie muss örtlich konzentriert sein. Wir Westeuropäer werden uns auch bedingungslos einer Leitung unterordnen, die in Osteuropa ausschliesslich ihren Sitz hat ־ - wenn das einmal möglich sein w ird. Bis zu Hcrzls Tode war die Leitung sogar in e i 11 e r Stadt Westeuropas vereinigt. Wer arbeiten will, u ird Gelegenheit genug finden, er muss nicht grade int Fngcren A.-K. sitzen; er biete sieh dem Palüstinaressort oder unseren finanziellen Institutionen oder der politischen Oberleitung an. Jetzt haben wir zum ersten Male eine zentralisierte Bewegung. Jetzt haben wir Boden unter den Füssen. Wir können vorwärts gehen. Nach dem würdigen, sach* liehen, arbeitsamen Kongress haben wir Aussicht, dass es vorwärts gehen wird. D r. Elias Auer b a c h. Kongress und deutsche Landsmannschaft Die deutsche Laudstnamiscliait hatte an früheren Kongiessen eine weit grössere Bedeutung, als ihr nach ihrer Stärke znkam. Bis 7.11 Hcrzls Texte. Dann, auf dein siebenten Kongress bot sie ein deprimierendes Bild innerer Zerrissenheit und blieb ohne jeden Einfluss auf den Gang der Verhau Ihingen. Das wurde in ihr mit vieler Beschämung empfunden; zudem schien manch' einem seine deutsche Landsmannschaft geradezu prädestiniert, einen ' bedeutsamen Einfluss auf den Kongress zum Vorteil der Gcsamtbewegung auszuüben. Man empfand cs als Pflicht, die alte, einflussreiche Stellung wicderherzustcllen. Um cs vorweg zu sagen: dieser Wille büeb nicht ohne Erfolg, (iewiss hat die entschlossene Stellung der Deutsche;! in der Eragc der neuen Leitung die Entscheidung wesentlich beeinflusst. Es liegt mir fern, den Beschluss des Kongresses nachträglich zu kritisieren. Verdienstlich schein! mir indess, der Frage nachzugehen, wieso die deutsche Landsmnimschafl zu ihrer entschlossenen Stellung in dieser Erage kam -- notwendigerweise sogar kommen musste, wieso sie -יmit einem gewissen elan sogar jenen bedeutungsvollen Be- Schluss fasste und an ihm festhielt, kaum berührt von all den׳, was um sic her vorging. Daraus mag sich dann ergeben, ob cs ini allgemeinen vorteilhaft für die Bewegung ist, wein! die deutsche Landsmannschaft auf dem Kongress an Einfluss gewinnt. Die Bedeutung der deutschen Zionisten au! früheren Kongressen war kein Ausfluss innerer Stärke. Sic gründete sielt auf die schrankenlose Hingabe der deutschen Landsmannschaft an den angebetetcu Führer. Wir standen Herzl lüemab kritisch gegenüber. Was wir im Zionismus an Stolz!mc Grösse sahen, hatten wir durch ihn empfangen; er hatte i! JÜDISCHE RUNDSCHAU ו

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