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Jüdische Rundschau · 1907-09-06 · Heft 36 (6.9.1907) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 36 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Ehti'- heit, Sicherheit des.Zieles und Weges, Festigung der Organisation, Gesundung der Parteifinanzen, freie ‘ Möglichkeit einer rührigen Arbeit — das sind die Ergehnisse des Kongresses, wenn wir sic zu benutzen verstehen. Sie zeigen 1ms, dass die Krise durch Theodor HerzEs Tod jetzt endgiltig überwunden ist, so weit das eben überhaupt möglich war. Haben wir an seiner Bahre mehr erwartet als dast was wir jetzt erreicht haben? Es ist wahr, der Kongress hat keine Ueberraschungeh und keine Kunde von grossen Taten gebracht. Aber trotzdem wird seine Wirkung nach aussen hin eine gute sein. Er befasste stell fast du reit weg mit Fragen realer Arbeit, und jedermann muss sehen, dass wir längst aus den Höhen des Ideals auf den festen Boden der Tat- Sachen herabgestiegen sind, um von hier aus langsam und Schritt für Schritt wieder zur Erfüllung des Ideals aufwärts zu dringen, dass wir keinen Moment aus den Augen verloren haben. Wer wird jetzt noch die Unkenrufe anstimmen wollen, die nach dem siebenten Kongress 711 einem misstönenden Jubel unserer Gegner angewaehsen waren, dass der Zionismus a!1 innerer Zersplitterung zu Grunde gehe? Niemals war unsere Bewegung einheitlicher als heute. Der Präsident Wolffsohn hat in seiner Eröffnungsrede unsere Arbeiten dreifach gegliedert: Politik, Vorbereitung des Volkes, Vorbereitung des Landes, Für die Politik des Zionismus ist seit Herzls Tode so gut wie nichts geschehen. Es hat keinen Wert diese Tatsuche zu verhüllen, wie das niemals einen Wert hat. Deshalb aber muss um so entschiedener darauf ge.- «Innigen werden, dass dieses Gebiet unsc'cr Tätigkeit nicht länger vernachlässigt werde. Gerade diejenigen, di:• man auf diesem Kongress die ״mehr praktische Dichtung“ genannt hat (unsere alten Schablonen passen nämlich nicht mehr), müssen jetzt sich daiür cinsctzen, dass der Zionismus, auch in seiner Methodik eine Politische Bewegung bleibt. Politische Arbeit ist freilich zum grossen Teil eine Personenfrage. Es wird Sache der Führung sein, die rechten Männer zu finden; um die Arbeit brauchen sie nicht verlegen zu sein. Es kann sich — das ist jedem klar — jetzt nicht darum handeln, eine grosse endgihige Konzession mit Garantieen der Mächte zu erhalten, aber es gibt zahllose Vorarbeiten, die!1 u r durch politische Tätigkeit zu leisten sind. An d e in Tage werden wir von grossen politischen Erfolgen des Zionismus sprechen, an dem wir hören werden, dass das Einwandcnmgsverbot für Juden aufgehoben ist. dass der Nationalfond selbst gesetzmässig Land kaufen darf, dass Einziehung und Abführung der Steuern den jüdischen Kolonieen in eigene Regie übergeben ist. Die Einrichtung einer Bankfiliale in Konstantinopel wird hoffentlich auch politische Handhaben liefern, um alle solche Arbeiten in Angriff zu nehmen. Die Vorbereitung des Landes, die Arbeit «n Palästina, ist seit dem S. Kongress der Schwerpunkt unserer Bewegung. Wir haben kein: tausendjähriges Reich zu erwarten, das uns vom Himmel herabfällt, sondern wir müssen die Erfüllung des Zionismus langsam erarbeiten. Der Kongress hat uns gezeigt, dass überall die Anfänge in der Richtung, die w ir wollen, aus. dem Boden wachsen. Freilich, es sind erst die ersten kleinen Anfänge; aber wenn man uns fragt: Was habt ihr Zionisten denn geleistet, dann werden wir auf all das Hinweisen können, was in Palästina direkt und indirekt auf zionistische Einflüsse zuriiekgeht. Die weiter fortschreitende Vcrselbständigung der jüdischen Kolonien, die Entstehung wirklicher jüdischer Bauern, die Organisierung des jüdischen Einflusses in Palästina, die allmähliche Nutzbarmachung der durch die Clialukkah brachgelegten Kräfte, die Förderung von Handwerk und Kunsthandwerk, die Ent- Wicklung eines Stammes jüdischer Landarbeiter, die Erschliessung des Landes zu einem Objekte Wirtschaftlieber Rührigkeit — kurz, die beginnende Überführung Palästinas aus einem noch schlafenden Morgen!?!!de in ein waches und aktives Abendland. Und zwar unter dem Zeichen des Judentums. Die stattliche Reihe positiver Anregungen, die der Kongress auf diesem Gebiete gegeben hat, ist der beste Beweis für diese. Entwiekhing der Dinge. Wie der Schwerpunkt unserer Bewegung, so bcginnt, wenn nicht alles trügt, langsam auch der Schwerpunkt des jüdischen Lebens nach Palästina zu wandern. Wenn wir von der Vorbereitung des j ii d i s e 11 e n Volkes für eine nationale Zukunft sprechen, so müssen wir zuerst an das palästinische Judentum denken. Dort entsteht unter unseren Augen eine bodenständige jüdische Kultur mit nationaler Sprache, die auch dann ein genügend starker Pfeiler

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