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Jüdische Rundschau · 1907-08-30 · Heft 35 (30.8.1907) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 35 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
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1• ז,,• ־ ׳ fiHoaimu Seite 365 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 35 nisterium, eine Direktion oder Inspektion der Bildung. Hs ist nicht die Krage einer Person, sondern es müssen mehrere Leute sein, die sich vereinigen. Es muss eine ganze Organ!־ sation sein, ein Zentrum, und dann müssen wir dazu verschiedeuo Konimissioncn haben, wie man sie in jeden! Mi■ nisterium der Volksbildung hat. Hs muss Sorge getragen werden für Bücher, Lehrmittel etc.', und auf diesem (icbiete können wir wirklich Hand in Hand gehen mit den anderen Organisationen. Wenn wir uns nur auf unser!» Reichtum verlassen, werden wir nicht eben allzu gross werden, aber wir haben einen moralischen Hinfluss. Nur dadurch haben wir die Einfiihrung der hebräischen Sprache erzwungen, und ebenso müssen wir weiter arbeiten, wir werden so die anderen Orr.anisationen dazu bringen, dass sie auch im nationalen (leiste arbeiten. Wo Schulen fehlen, müssen noch Schulen eröffnet werden. Wenn die Schulen nicht genügend Mittel haben, müssen wir für Mittel sorgen, wem! man eine Mittelschule nötig hat. darf diese nicht in privaten Händen bleiben, sondern die Organisation soll mindestens diese Schule unterstützen und einen Einfluss auf sie gewinnen. Lin w eiteres: Die Franzosen, die Deutschen und die Anierikancr haben archäologische Institute. Sie wissen, dass wir Juden, denen mau solchen Reichtum nachsagt, in der ganzen Welt nur vielleicht sieben oder acht Schulen für die W issen- Schaft des Judentums haben. Die beste Schule haben, wir vielleicht in New ־York, weil dort gerade an der Spitze eine siel bedeutendere und ernstere Person steht als anderswo, und •cs herrscht dort auch ein anderer Geist. Wir haben in Breslau, Budapest und Wien solche Schulen und wahrschein־ lieh werden wir, noch bevor die Emanzipation der Juden in Russland sich vollzogen hat, auch dort solche Schulen haben. Aber wie soll die Wissenschaft des Judentums dort betrieben werden? Ich spreche nicht wie ein Fachmann, aber ich sage Ihnen meine Meinung, nur in Palästina ist ein solches Institut möglich, nur dort können wir die Propheten richtig verstehen. Dort werden schon den Kindern die Augen geöffnet, und sie begreifen alles ganz anders. Die Franzosen, die Eng־ *!ander und die Deutschen haben es verstanden, und sie haben dort archäologische Institute eingerichtet. Die Juden aber gehen ncch Leipzig, oder Unter die Linden, aber in Palästina haben sic nichts. Es wäre schön, könnten wir in Palästina eine Hochschule haben. Mindestens ein Jahr oder ein Se־ mester würden die, die lernen wollen, dort bleiben , und sie würden daun dort mehr Ier״cn, als sie hier nicht lernen. Und die Einrichtung eines solchen Instituts ist gar nicht mit zu grossen Kosten verbunden, es fehlt nur die Initiative. Wir haben hunderte von jungen Leuten, die sich vielleicht dieser Wissenschaft gewidmet hätten, aber sie finden keine Verwendüng. Schaffen Sie doch eine Heimat für die jüdische Wissen- Schaft! Nicht in einem anderen Lande, sondern in Palästina Vor kurzem ist ein racher Jude in Amerika gestorben und hat 800 000 Dollar für eine jüdische Schule hinterlassen. Bei uns handelt es sich nicht um so grosse Summen, wir wollen nichts Testamentarisches, sondern wir wollen von den Lebenden. Es war in Beyrouth, da habe ich gesehen, was man bei einem festen Willen machen kann. Die Amerikaner haben dort eine Schule eingerichtet, und ich rate jedem, er soll in Beymuth diese amerikanische Schule besuchen. Wir sind dort willkommene Ollste. Das ist ganz gut, aber wir haben dort nichts geschafft. Also cs muss etwas auf diesem Gebiet geschehen: Erstens muss eine Organisation geschaffen werden, die alle Schulen vereinigt, und die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, dass auch andere Organisationen mit uns Hand in Hand gehen werden. Es muss ein ganzer Plan ausgearbeitet werden. Wir müssen zweitens sehen, dass wir von einer Mittelschule nicht nur hier spiechcn, sondern dass wir eine solche Schule In Palästina wirklich erhalten, damit die Eltern, welche nach , ♦ ־•:״;*«־1יי \>• ״ Palästiuä kommen,-keine Ansrede haben können. Drittens soll auch eiile Hochschule geschaffen werden. Meine Damen und Herrn, ich habe keinen ganzen Plan entworfen./ Es gibt auch Organisationen, die für ein Tech• nikuiif öc’ler 'für eine Universität schwärmen. Es w׳ird aber schwof Sein, damit zu beginnen; wir •müssen erst die Elementarsehufen ausbaue!’. Und auf dieser Grundlage müssen wir eine Mittelschule habt־!:. Diese braucht nicht einmal ein Gymnasium zu sein. Auch 111 r den Bezalel muss viel mehr getan werden, dieses grosse W erk muss w eiter ausgebaut werden,'und zum Schluss wollen wir auch eine höhere Schule für die jüdische Geschichte. Archäologie. Kultur etc. haben.' Wir werden zweifellos Lehrer finden, wir werden auch Schüler haben iiir diese Hochschule. Also das soll auf dem Wege der allmählichen Entwicklang geschehen. Ich fordere Sie auf, dass Sie die kulturelle Entwicklung Palästinas nicht ans Ihrer Tätigkeit ausschaluti. Es muss gearbeitet werden, und wir werden andere Organisationen finden, weil wir aller mehr Interesse daran haben und vielleicht 11 lief» die Leute nach Palästina schicken, werden w ir eine bessere Möglichkeit, haben. Also die Leite/ in Palästina sind damit einverstanden, sic vc!langen, dass man Ihnen auf diesem Gebiet helfen soll. Es wäre sehr traurig, hätte die zionistische Organisation als solche sich von mm an mit der Regelung des Schulwesens beschäftigt. Vielleicht wird man Grosses erreicclien; sollten wir aber nicht Grosses auf einmal erreichen, daun werden wir auf dem Wege der Entwicklung vieles erreichen können, was wir anderswo nicht erreichen können. Wir müssen danach streben, dass wenigstens in Palästina die Jugend uns gehört. Wir haben die Juden der Welt in 2 Kategorien eingeteilt. Es gibt bare Juden und es gibt Wechseljuden. Wechseljuden in dem Sinne, dass wir nicht wissen, ob die zweite oder dritte Generation auch Juden bleiben werden, Wechseljuden sind die Juden der ganzen Welt. Bare Juden gibt es nur in Palästina. Wrir glauben doch alle, dass die Erlösung nur auf dem W'ege der geschichtlichen Entwicklung geschehen kann. W'er kann die Garantie übernehmen, dass wir nach H't• Jahren oder "nach 60 oder 70 Jahren noch genug Menschen haben'werden? Jetzt z. B. haben wir 5 Millionen Juden in Russland, auch nach Amerika haben wir 2 Millionen geschickt. Ob sich diese Anlagen verzinsen, wissen wir nicht, alier w ir werden zufrieden sein, wenn das Kapital wcnigstens ganz bleibt. W'ir haben nur ein Plätzchen auf der Erde, wo wir es mit wahren Juden zu tun haben. Wenn die junge Generation in Palästina die richtige Erziehung bekommt, dann bleibt sie im Lande. Der palästinensische Jude braucht doch kein Opfer zu bringen, um Palästina zu lieben. Denn wer nur Palästina einen Besuch abgestattet hat, muss das Land lieben, und wer dort geboren ist, begreift nicht, wie man das Land nicht lieben kann. Also dort haben wir es zu tun mit wahren Juden. Oder wollen Sie das bischen W'ahre in W'cchsel- Papiere Umtauschen? Wir müssen sehen, dass dieses Vermögen erhalten bleibt. Die Jugend muss eine gute Erziehung bekommen. Ich mache keine konkreten Vorschläge, weil ich weiss, dass die zionistische Organisation noch nicht diese Mittel geschaffen hat, an die Zionisten kann ich mich aber wenden, an die Zionisten der ganzen Wfelt, dass sie uns Hilfe bringen, damit das Schulwesen in Palästina geregelt wird. Alles, was wir in Palästina pflanzen, wird wachsen und blühen wie in keinem andern Lande. (Langanhaltender, sich immer w ieder erneuernder Beifall und Hedüd-Rufe. Die Ver- Sammlung erlicht sich und bereitet dem Redner eine stürmische Ovation.) %

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