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Jüdische Rundschau · 1907-08-30 · Heft 35 (30.8.1907) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 35 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 362 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 35 Jetzt komme ich zu Dr. Gaster. Dr. Gaster glaubt rück• sichtlich der Kosten sehr gut informiert zu sein. Er hätte aber vielleicht besser informiert sein können, wenn er meinen Ausführungen besser zugcliört hätte. Die Kostenaufstellung, die ich vorgelegt habe, rührt nicht von mir her, sondern von unserem Advokaten Lewis, also einem Advokaten, der gewiss kein Interesse hat, die Kosten zu hoch anzuschlagcn. Ebenso unberechtigt ist die Bemerkung Dr. Gasters, dass, wenn wir den Prozess weiter führen, cs möglich ist, dass die Gegner unsere Kosten zahlen müssen. Dieser Fall ist gänzlich ausgcschlossenn, unsere Kosten werden wir auf jeden Fall sclbsx selbst zahlen müssen. Aber cs ist möglich, dass wir auch die gegnerischen Kosten zahlen müssen, selbst wenn wir den Prozess gewinnen. Dr Gaster hat mit Bestimmtheit behauptet, dass wir obsiegen werden. Liegt aber hierfür irgend cm. Angabe vor? Nein! Es kann keine vorlicgcn. Denn ein solcher Prozess wird zum erstenmal geführt. Ich kann nur das Wort unseres Sollicitors wiederholen, dass ein solcher Prozess mit Ausnahme eines einzigen Falles noch nie geführt wurde, um ein Statut einzuschränken. Man kann sich wohl denken, dass man eine Erweiterung verlangt, um seine Tätigkeit zu vergrössern; aber welcher vernünftige Kaufmann wird sich selbst Rechte wegnehmen, die er bereits besitzt, wer wird mehrere Tausend Pfund Stcrl. ausgeben, um einen Satz der Statuten zu streichen und sich selbst eines Rechtes zu berauben? Das kann nur unter besonderen Umständen der Fall sein, wie sie eben bei uns vorhanden sind. Hierüber liegt aber nicht die geringste Erfahrung vor. Ich habe nicht zur Hand, was der Richter gesagt hat; aber von einer Meinung über das Gewinnen oder das Verlieren des Prozesses ist darin auch nicht die Rede. Das einzige, was er gesagt hat, ist, dass selbst wenn wir eine grössere Majorität aufbringen als wir bis jetzt imstande waren, er das Recht der Minorität schützen werde. Und nun zu einigen Vorwürfen, die Herr Dr. Rosenbaum vorgebracht hat. Dr. Roscubautn hat uns den Vorwurf gcmacht, dass wir w׳ährend sieben Jahren eine Änderung der Statuten nicht durchführen konnten, dieser Vorwurf Ist aber ein ganz verfehlter. Wenn ein solcher Vorwurf gemacht w erden könnte, richtet er sich jedenfalls nicht gegen uns. Denn für uns existiert der Gedanke einer Statutenänderung erst seit der Generalversammlung vom Jahre 1905. Früher konnten wir nicht den geringsten Schritt unternehmen. Ich habe aber chronologisch dargetan, dass wir seit dem Jahre 1905 alles getan haben, was wir tun konnten, um die Sache durchzuführen. Der Vorw urf des Herrn Dr. Rosenbaum ist also durchaus unberechtigt. Er hat aber noch eine Andeutung fallen lassen, gegen die ich mich wenden muss. Wenn mau kämpft, so kämpfe man nicht mit giftigen Watten! Wenn Sie, Herr Dr. Rosenbaum, den Vorwurf gegen uns erhoben haben, das Direktorium hätte Dokumente hergegeben, warum sagen Sie es nicht gerade heraus, w׳ozu Andeutungen, die missverstanden werden können? Das hätte ich von einem Kollegen und Freunde nicht erwartet. Ich möchte die verehrten Kollegen und Freunde nicht erw׳artct. Ich möchte die verehrten Herren noch einmal bitten, sprechen Sie jeder seine Ansicht gerade aus, kämpfen Sic für Ihre Ansichten, aber glauben Sic an die Loyalität des Direktoriums! Ich kann nicht nur in meinem Namen sprechen, sondern ich hoffe, dass mich überhaupt niemand verdächtigen v1׳ru, ich hätte nicht vollkommen recht und loyal gehandelt. Ein Bc- Schluss des Kongresses ist für mich das grösste Heiligtum. Ich sehe: der Kampf ist zciutich weit gediehen, und Sic haben nun zu entscheiden. Entweder Sie fassen den Beschluss, man solle den Prozess durchführen, dann müssen wir, mit dem Kopfe durch die Wand, weitergehen und selbst auf Kosten unseres Institutes die Sache weiterführen. Es fällt mir da ein, dass ich früher ein wichtiges Moment vergessen habe. Man spricht von der Möglichkeit einer Auflösung der Gesellschaft. Ich habe Ihnen frülicr die Ansicht des Councils und des Sollicitors dargcstcllt, und darüber sollte kein Zweifel herrschen. Herr Dr. Gaster aber hat gesagt, dass das unmöglich ist. Glauben Sic, dass dann unsere Vertreter zu den Direktoren kämen und sagen würden, dass sic operieren sollen? Manche Andeutungen des Richters, die ich früher angeführt habe, deuten geradezu darauf hin, dass ein solcher Beschluss möglich ist. Wir haben also drei Möglichkeiten, entweder wir gehen w׳citcr und riskieren dabei, dass wir das. was wir im Laufe der Jahre geschaffen haben, wieder verlieren, oder Sic bcschliessen. dass der Prozess nicht w׳eitcrgeiührt w׳ird. Das dritte ist der Beschluss des A.-K.. der für uns die Hauptsache bildet, und dem Ich mich anschliessc. Es besteht keine Möglichkeit, noch einen Kongress einziiberufen. der darüber zu entscheiden hätte. Wenn Sie die Sache dem A.-K. übergeben, dann fibergeben Sic sie einer Körperschaft, die Sie selbst gewählt haben. Ein Herr hat gesagt, dass w׳ir nicht wissen, w er das sein wird. Wählen Sic eben Leute, zu denen Sic Zutrauen haben. (Lebhafte Zustimmung — Zwischenrufe det Herren Grecnbcrg und Co wen.) Beschlüssen Sic, was Sie wollen. Wir w01׳icn auf Sic Keine Piession ausüben. Wir stehen tut dem Standpunkte, dass w ir. die Direktoren der Bank, die Diener der Bewegung sind, und wir alle Ihre Wünsche werden befolgen müssen. Ich habe sogar einmal gesagt: Wenn Sie es verlangen, bin ich nicht nur der Diener des Zionismus, sondern sogar dessen Stiefelputzer. (Heiterkeit.) Und das Eine kann ich Ihnen versichern: umsonst und mit Unrecht hat man wieder die Ugandafragc heraufbeschworen. Wir sehen nicht nach rechts und nicht nach links. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen - Zw ischenrufe der Herren Grecnbcrg und Cowen.) Für uns gibt cs nur das Interesse für unser Institut, und dafür werden wir arbeiten — bis zum letzten Atemzug. (Erneuter lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ein Antrag auf Wahl von \icr Gcneralredncrn wird mit grosser Mehrheit angenommen. Generalredner (pro) Ben t wich (beifällig gegriisst, spricht englisch): Es wurde gesagt, dass die Ursache aller Uuannchmliciikeiteii in den Statuten der Bank selbst zu finden sei. Als einer derjenigen, die für die Festsetzung der Statuten eine gewisse Veran wortung zu tragen bähen, erkläre ich, dass nichts in den Statuten der Bank ist, was als Ursache dienen könnte für die Agitation, welche gegen die Statuenänderung lingeleitct worden ist. Bei der Abfassung der Statuten habe man sieh nur von einem Gedanken leiten lassen, nämlich dem der Schakung einer Heimstätte in Palästina. Damals gab cs genau dieselbe Situation, wie heim Nationalfonds, als er als eine englische Company ׳gegründet wurde. Obwohl der letzte Kongress eine Resolution gefasst hat. dass der Zweck und die Mittel der Jüdischen Kolon־;: ■bank nur darauf gerichtet sein sollen, die öffentlich-rechtliche Heimstätte in Palästina zu erwerben, fordert doch ZangwiU etwas anderes. Daraus ergibt sich, dass das Direktorium der Bank durch die Resolution nicht gebunden ist. dass das Geld des J.C.T. für ösfafrika oder für irgend ein anderes Land verwendet werden kann. Redner zitiert eine Stelle aus der Rede Zangwills vom Vll. Kongress, in welcher dieser sagt, dass das Ostafrikaaugebot nicht dem Kongresse, sondern der Jüdischen Kolonialbank gcmacht wurde. Da ist die Ursache, weshalb die Änderung der Statuten vorgenommen w et den muss, um solche Forderungen, wie die Zangwills, auszuschliessen. Solange die Möglichkeit vorhanden ist, wie sic jetzt Herr ZangwiU aufrecht erhält, so lange wird eine Agitation um die Richtlinien unserer Bewegung möglich sein. Diese Sache muss cndgiltig beschlossen werden, damit wir Frieden in unsere Bewegung bekommen. Bis jetzt zeigten wir dem englischen Gerichte nur einen ganz kleinen Töil unserer wirklichen Macht. Wir zeigten noch nicht die überwältigendc Majorität derjenigen, die für die Aenderttng der Statuten sind. Nur daher stammt die Schwierigkeit in der Durchführung der Änderung. Zürn Beweise führt Redner einige Zitate aus der Gerichtsverhandlung an. Der Richter war nicht überzeugt, dass es der wirkliche Wunsch der Zionisten ist. die Statuten zu ändern. Wäre ihm der nötige Beweis erbracht worden, so wäre die Änderung erlaubt worden. Es liegt an uns. diesen Beweis zu erbringen. (Lebhafter Beifall und Widerspruch.) Präsident Wolffsohn gibt eine Erklärung dahin ab, dass das Statut seinerzeit von ihm auf Rat Bcntwichs gegen den Willen Herzls so gefasst worden ist, wie cs vorliegt. Dr. K a t z c n c I s o!1 n legt einen Vcrmitthmgsantrag vor, den er mit Rosenbatim verabredet hat: ״Der Kongress steht nach wie vor auf dem Standpunkt, dass das Memorandum nach dem Beschluss des dritten Kongrosses geändert werden soll, insofern diese Änderung durchzufiihreu ist, ohne die Interessen des J.C.T. zu schädigen, für alle Fälle soll das Engere Aktionskomitee durch Ergänzung der Statuten Vorsorge dafür treffen, dass der J.C.T. nirgends in der ganzen Welt, mit Ausnahme von Palästina. Syrien und den Nachbarländern, kolonisatorische Tätigkeit vornehmen darf.“ Dr. B <> d c n h c i m e r fegt hierzu folgendes Amendement xor: Der Kongress überlässt die cndgiltige Entscheidung über die Fortsetzung des Prozessverfahrens dem Engeren A.-K. und einer vom Kongress gewählten Kommission von drei Fach- Ichtcn. Wir können, sagt Redner, feststellen, dass alle Rednet prinzipiell einig sind. Nur könnte cs Vorkommen, dass w׳egen unüberwindlicher Schwierigkeiten der Prozess fallen gelassen wird. Mit Ugantlismus kann man uns heute nicht mehr schrecken, da w׳ir alle Palästinenser sind. — ßcntwich hat diese Statuten schaffen helfen. Damals sagte er. das englische Gesetz lasse nicht eine andere Fassung zu. heute will er uns vom Gegenteil überzeugen. B. sagt, er habe durch Zangwills %

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