Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1907)
- Date
- 1907-08-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 35 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 361 Grcenberg (spricht englisch, Kessler übersetzt). Durch die Angriffe des Herrn Dr. Rosenbauni fühle er sich genötigt, über seine Tätigkeit in der Bank Rechenschaft abzulcgen. Er belegt durch Zitate eines Schreibens, dass er nie beabsichtigt habe, der Acndcrung der Statuten sich zu widersetzen. Als er von den eidesstattlichen Erklärungen Zangwills und Ciemens Salomons hörte, war er dafür, dass man Zangwill, wenn möglich, zur Zurückziehung seiner Operationen bewege, üreenberg habe diesbezüglich an Herrn Wolffsohn telephoniert und gleichzeitig den Advokaten unserer Sache um einen Aufschab von zwei Tagen in Verfolgung des Prozesses ersucht. Pas einzige, was man als Aktion gegen die Acndcrung hätte auffassen können, habe er nur getan, damit unsere Geldmittel nicht in Prozesskosten vergeudet werden. Dass Zangwill ihn und Cowcn ziiert habe, sei nicht seine Schuld, habe ja Zaugwill auch Aussprüche Herzls vorgebracht. üreenberg erklärt weiter: Wenn ich für einen Moment daran gedacht hätte, dass die geringste Möglichkeit vorliege, cs könnte das Geld des Trust für irgend ein anderes Land als Palästina verwendet werden, dann würde ich persönlich sagen: Sicherlich, der Prozess soll weitergeführt werden. (Lcbhaiter Bcisall.) Soweit aber die Acndcrung des Statuts in Betracht komme, sei diese Veränderung absolut nutzlos. Würde aber einmal eine Majorität für die Verwendung in anderen Ländern sein, so wäre dies sogar mit Hilfe der Anglo-Palestinc-Companv möglich. Der Sinn des Prozesses sei: ein Siegel auf ein Siegel drücken zu wollen. Er v.aruc aber vor einem Hazardspiel, dessen Einsatz nichts weniger als die Existenz der Bank sein könne. Pie Ausgaben seit 11 bedeutend, und der Richter habe uns beauftragt, au iimscre Kosten zu agitieren, damit Herr Zangwill die erforderlichen Stimmen bekomme. Auch könne der Prozess im April nur dann beendet werden, wenn wir verlieren. Denn die Gegner hätten immer noch die Möglichkeit, gegen das Urteil bis zur Instanz des Hauses der Lords zu appellieren. _ Die Veröffentlichung des von den Richtern geforderten Aufrufs an die Aktionäre müsste in zwei Formularen, worin der Gegensatz der Partcicnxzum Ausdruck gelangte, erfolgen, und all dies würde der dem Zionismus feindlichen Presse weiteren Anlass dazu bieten, den Zionismus mit Schmutz zu bewerfen. Grcenberg schliesst mit •den Worten: ״Ich erkläre Ihnen noch einmal, dass ich nichts unternommen habe seit jenem Momente, da die Generalversammlung und der Kongress Be- Schlüsse gefasst haben. Hätte Ich dies für meine Pflicht angesehen, dann hätte ich mein Amt als Governor der Bank niedergelegt. Ich erkläre gleichfalls, nachdem der Prozess schon begonnen hat: Sic laufen die grösste Gefahr, wenn Sie ihn fortsetzen. Wenn Sie aber diese Gefahr auf sich nehmen wollen, dann dann gehe ich mit Ihnen, und wenn Sie sinken, sinke ich mit Ihnen. (Lebhafter, anhaltender Beifall.) D r. Deiches. Hier sieht man die Folgen donpeltcr Strömungen in der Leitung. Noch ist der Geist von Uganda lebendig, und den müssen wir ausrotten. Nachdem wir die Statutenänderung einmal beschlossen haben, müssen wir sic durchführen. Und wenigstens im Kongress müssen wir eine Majorität für sic zeigen. Der Richter wollte die Volksmeiming wissen. Die müssen wir ihm zeigen. Rosen bäum (Minsk). Einige Leute überlegen schon jetzt, wie man auch nach der Abänderung der Statuten anderswo arbeiten kann. Ich habe keine Insinuation gegen Cowen und Grcenberg ausgesprochen. Wenn die Sache dem Engeren A.-K. und den Juristen übergeben wird, soll der Kongress wenigstens seine Willcnmcinuqg ihnen mitgeben. Dr. Glücksohn. Es handelt sich nicht blos um eine praktische Frage, sondern um eine prinzipielle. Darum müssen wir die Aenderung durchsetzen. Kessler. Appellieren wir doch nicht immer an Gcfühle, wo es sich mn praktische Fragen handelt. Heute herrscht kein Zwciscl mehr an der zionistischen Oesinmmg unserer Mitglieder, die pudern sind ausgeschieden. Mit unaufhörlichem Argwohn lässt sich nicht arbeiten. Wir hatten zuerst keinen Uebcrblick• über die Kosten und Schwierigkeiten einer Statutenänderung. Aus Südafrika wird kein Geld mehr komrnen. wenn es für Prinziplcnrciterei verschwendet wird Wenn Sie Grcenberg nicht trauen, wählen Sie ihn nicht; wenn Sie ihn wählen, trauen Sie ihm. Die Hauptsache ist Vertrauen. Es gibt nur eine vernünftige Entscheidung: Das A.-K. möge den Prozess fallen lassen. Dr. Gast er (mit lebhastem Beifall begriisst) erklärt, er ergiciie zu dieser Frage das Wort, weil er sich darüber Kenau informiert habe. Die englische Laiulsmaniiscliaft habe den einstimmigen Beschiss gefasst, den! Kongresse eindringlieh zu empfehlen, alle möglichen Schritte z.; tun, um den vor• her gefassten Beschluss auf Aenderung uer Bankstatutei. durchztiführcn. Da er in England wohne, sei er über den ganzen Komplex der Fragen besser unterrichtet. Es handle sich darum festzustcllen, dass die jüdische Kolonialbank nur zur Erreichung Palästinas gegründet wurde. Es sei charakteristisch, dass bei der Gründung der Bank die Cypcrnfrage aufgctaucht ist und einstimmig abgelehnt wurde. Da sich im Laufe der Zeit in unserer Bewegung verschiedene Strömungen entwickelt haben, ergab sich die Notwendigkeit, die Formulicrung unseres Bankstatutcs straffer zu fassen, um der Mögliclikcit einen Riegel vorzucshichcn, die Gelder für andere Zwecke zu verwenden, wenn einmal eine tcrritorialistische Majorität vorhanden sein sollte. Die Statuten müssen so geändert werden, dass daran nicht mehr gerüttelt werden kann. Ls handle sich um die moralische Pflicht, die der Kongress der Welt und den Zionisten gegenüber übernommen hat, bcsonders aber den Besitzern der Shares, den armen Juden gegenüber, die das Geld für Palästina gegeben haben. Was den Kostenpunkt anbelangt, so war man sich bei der Beschlussfassung klar, dass eine Aenderung Kosten verur• Sachen werden. Auch die Möglichkeit einer Opposition wa! vorauszusehen. Aber cs gilt, die Sache im Interesse unseres moralischen Bewusstseins aufrecht zu erhalten. Die bisherigen Kosten des Prozesses können sich hoch• stens auf ungefähr 2nü(l Pfund Stcrl. belaufen, auch wenn wir den Prozess verlieren. Aber selbst wenn der Prozess bis zur zweiten und bis zur letzten Instanz, dem Hause der Lords, gebracht wird, und wir verlieren, sollen die Kosten auf Grund von Informationen auf nur 1000 bis 15110 Pfund Stcrl. zu berechnen sein. Doch es liege nicht einmal die Möglichkeit vor, dass wir den Prozess verlieren. Eine Antwort des Riehicrs an Zangwill besage: ״Wenn Sic beim nächsten Termin mit denselben Unterschriften kommen, die Sie bisher vorgebracht haben, werde ich Order geben, dass die Statuten geändert werden.“ Ls liege die Möglichkeit vor, dass sogar die andere Partei unsere Kosten werde bezahlen müssen. (Fortwährend Beifall, Widerspruch und Zwischenfälle.) Noch ein Moment sei nicht aus dem Auge zu verlieren. Die Diskussion habe auch dadurch Bedeutung, dass die Meinung des Zionisten- Kongresses für die Auffassung des englischen Gerichtes .nicht gleichgiltig sein könne. Der Einwand, dass die jetzige Statutenänderung d^rch eine künftige wieder rückgängig gemacht werden könnte, sei hinfällig, da das englische Gericht wie jetzt nur schwer eine Einschränkung, viel weniger aber eine riskantere Erweiterung im Inhalte der Statuten zulassen würde, — ein Fall, der seit 17 Jahren nur einmal vorgekommen sei. Redner appelliert schliesslich noch einmal an den Kongress, alles aufzuhicten, um die Statutenänderung in der beschlossenen Weise durchztiführcn. (Lebhafter, anhaltender Beifall). Dr. Katze 11 elsohn: Verehrter Kongress! Es war meine Absicht, bis zuletzt zu warten, um alle In der Debatte gefallenen Acusserungen zu beantworten. Ich glaube aber doch, dies schon jetzt tun zu müssen, weil Ich fürchte, dass das Material zu viel und zu schwer werden dürfte. Deswegen will Ich auf die Bemerkungen antworten, die bis jetzt gemacht wurden. Meine geehrten Herren! Sic werden vor allem gestatten, dass ich ein kleines Missverständnis meines Freundes Rczek ausgleichc. Herr Rczek hat mich so verstanden, dass ich dort, wo ich vom Kind gesprochen habe, die Ito gemeint habe. Das Ist ein Missverständnis, ich habe vom J. C. T. gesprochen und nicht von der Ito. Die Ito ist zwar auch ein Kind von uns, aber ein unartiges (Heiterkeit) und deshalb habe ich nicht von ihr gesprochen. Nun zur Sache selbst. Est Ist eine merkwürdige Tatsache: Diejenigen, die sich absolut fiir die Wciterfülirung des Prozesses ausgesprochen haben, sind entweder Advokaten oder Rabbiner. (Heiterkeit — Lärm und Widerspruch.) Aber, meine Herren, Ich habe doch damit niemand beleidigt. Der Advokatenstand ist ein sehr ehrenwerter Stand, und vor den Rabbinern haben wir doch allen Respekt: cs ist also keine Beleidigung, sondern bloss Konstatierung einer Tatsache. Von den Rabbinern will ich nicht weiter sprechen, abei was die Advokaten betrifft, so möchte ich, wie die Juden in ihren TiUim seit b¥)0 Jahren das Prinzip haben ״umischpotim bal jedoum“, sagen, dass man mit Prozessen nichts zu tun haben soll. (Läjrni und Widerspruch — Heiterkeit.) Wenn Sic etwas cinwenden wollen, so steht cs Ihnen frei, sich zum Worte zu melden. Von den Advokaten könnte man beinahe nach dem Volksvorte sagen: ״Tow sclicb’advoccaten harog“, denn heute hat mein Freund und Kollege Dr. Rosenbaum, ein doppelter Kollege von mir, eine Bemerkung gemacht, worüber ich staunen muss. Dies allein beweist, wie sehr man sich von einem solchen Prozess fernhalten soll.