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Jüdische Rundschau · 1907-08-30 · Heft 35 (30.8.1907) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 35 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 360 ■ I III ..י•...- * JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 35 Hochgeehrter Kongress! Sie werden sieh Aber diese wichtige Frage, die wichtigste vielleicht, die seit Jahren uns beschäftigt hat, zu entscheiden haben. Und ich hofic, dass Ihr Entschluss dazu beitragen wird, unseren Colonial Trust in den Bahnen gehen zu lassen, die Sic von ihm erwartet haben, dass Sie den Weg Anschlägen werden, der den Zionismus zum erhofften Ziele führen wird: ״Nach Zion, nach Jcruscholajim! ‘ (Lebhafter, anhaltender Beifall und Händeklatschen.) An das Referat Dr. Katzeneisohn schlicsst sich die Debatte über die Abänderung der Statuten der Kolonialbank. Rosen bäum (Minsk) beantragt zur Geschäftsordnung, dass dem Soücitor der Bank, trotzdem er nicht Delegierter ist, die Teilnahme an der Debatte aestattet wird. Weiter führte Redner aus. dass an eine Auflösung der Ge- Seilschaft nicht zu denken ist. Das englische Gesetz gibt eine solche Möglichkeit nicht. Auch die Kostenfrage ist nicht so schlimm, wie der Direktor ausgeführt hat. Wenn der Gegner den Prozess vidiert, muss er seine Kosten selbst zahlen. Wir kommen schlechter davon, wenn wir den Prozess aufgeben. Fs besteht aber eine sehr grosse Wahrscheinlichkeit, das wir den Prozess gewinnen. Der Prozess geht auf einen Beschluss zurück, der 7 Jahre zurücküegt. Die Ausführung des Beschlußes wurde Männern übertraaen. die gegen ihn waren. Das machte auf den Richter einen verwirrenden FinJruek. da Leiter der Bewegung gegen den Beschluss waren. Ausserdem müssen grosse Indiskretionen in der Bank stattgeiunden haben. Der Richter macht sein Urteil von dem Votum unserer Majorität abhängig, und dieses müssen wir schaffen. Redner beantragt schüesslieh: ״Der Kongress drückt seinen Wunsch aus, dass die Statutenänderung durchgeführt werde. Die Futsche:Jung der Möalichkeitsirage wird dem!:tigeren A.-K. unter Ikn/.itziehung von einigen vom Kongresse zu wählenden Juristen übergeben.‘־ (Beifall.) Präsident D. Wolffsohn erklärt, dass das A.-K. beschlossen habe: ״Der Kongress möge die Angelegenheit der Abänderung der Statuten dem E. A.-K. und den vom Kongre!herzu gewählten Juristen übertragen.“ Dr. H. G. Hey mann: Welchen Zweck soll heute noch die Aenderuiig der Statuten haben? Das Kapital unserer Bank ist schon im Orient investiert, wo auch die ganze Organisation der Bank liegt. Eine Aendcrung der Statuten ist also überflüssig. Wir tun gut, den Prozess aus der Welt zu schaffen, da. er unsere Bankgeschäfte stört. Die Kosten verschlingen dinen grossen Teil des Gewinnes. Schon die Möglichkeit einer Rückzahlung von Aktien ist eine ungeheure Beim־ " ־ ir sollten die Tätiakcit der Bank nicht juristisch, sondern praktisch in Palästina festlegen. Lassen wir also den Prozess falletu Coven: Verehrter Kongress! Es ist von hier aus erklärt Worden, dass der Prozess Leuten übergeben worden ist, die gegen die Abänderung der Statuten waren. (Sehr richtig!) Das ist aber nicht der Fall, denn der Prozess ist von Köln aus geführt worden. Wenn Sie es jetzt wieder sagen, dann sagen Sie, dass unser Präsident gegen die Abänderung der Statuten war. Der ganze Prozess ist von Köln aus geführt worden, und sogar Atudaviterkläningeu des Sekretärs sind abgegeben worden, ohne dass die Londoner Direktoren davon gewusst haben (hört!), und die Londoner Direktoren haben dagegen protestiert. Es ist sogar in einer Erklärung des Sekretärs erwähnt, dass die Ito, die Jcwish Territorial Organisation, eine Rivalorganisation der Company ist. Herr Grccnberg und ich geben nie zu. dass die Ito eine Rivaloraanisation ist. (Beifall.) Es gibt nur eine nationale Organisation, und das ist unsere Bewegung. Was die Ito ist. sollen die Itoleiite sagen. Wir sind nicht der Meinung, dass die Ito eine Rivalorganisation ist. (Schi* richtig! Beifall.) ־ Ausserdem sagte unser Sekretär in Erwiderung auf Punkt 7 der Erklärung von Mr. Israel Zangwill: ..Es wäre den aanzen Zwecken und Zielen der zionistischen Bewegung zuwidergchandelt, würde man das Vermögen der Company zum Zwecke der Einwanderung einer einzigen Person oder Kolonisation eines einzigen Morgen Landes (nach den Worten des Dr. Zangwill) selbst im vorgeschriebenen Gebiete verwenden, bevor nicht die Einwilligung der bestehenden Regierung, in diesem Gebiete zur Kolonisation daselbst erhalten worden ist." . , . . . Herr Grcenbcrg und ich sind mit dieser Franc nicht einverstanden, denn wir werden nicht warten, bis wir einen Charter haben, um irgendetwas dort zu tun. und damit haben Sic wieder einen Bcwis. dass wir nicht mit diesen Erklärung-.-11 und diesen Affidavits einverstanden sind, und dass nicht wir diesen Prozess so geführt haben, vielmehr ist der Prozess von Köln aus geiührt worden durch die Beamten der Bank, und wir wussten nichts davon. Aber wenn wir auch in! Prinzip gegen eine solche Abänderung der Statuten sind, und ich hin im Prinzip gegen eine solche Abänderuna (Beifaii, Hört!), so werde ich doch als Direktor der Bank ausfiihv::!. was Sie mir befehlen, und die Sache wurde vielleicht nu:11 besser ausgeführt werden, wen sic nicht von Köln aus geführt, sondern uns übertragen worden wäre. Ich habe aber i!1 Köln — obgleich ich Herrn Weizmam! gesagt habe, ich werde vors Gericht gehen - ganz spontan im letzten März erklärt, ich werde es nicht tun. und ich habe cs nicht getan, und wenn ich es getan hätte, wäre vielleicht die Abänderung schon fertia. wir hätten den Prozess verloren. Ich habe die Erklärung in Köln deswegen gegeben, damit man nicht sagen soll, dass ich gegen Palästina bin. Ich habe jedoch ganz andere Gründe. Ich will aber nicht mit Feilten zusammen kämpfen, die geilen Palästina sind. Was mich ׳!:״•ל■ überrascht hat. ist. dass Herr Rosenbaum hier von der Tribüne gesprochen hat — und er ist doch ein Advokat und weiss. wie man bei Gericht vorgeht -- und gesagt hat. die gegttet liehen Advokaten hätten von ganz privaten Papieren gewusst, und er hat diese unbedingte Insinuation hier aus ,ס - sprechen gegen Herrn Grceitberg und mich. Meine Damen und Herren! Herr Rosenbanm muss als Advokat wissen, dass man auch dem ricgnerischen Advokaten alle 1 kuriere auslietern, ihn über alles informieret muss. Und noch eines hat Herr Rosenbaum auch vergessen, und ich staune darüber, da er ein so guter Advokat ist. Unser Prozess, meine Damen und Herren, ist noch nicht einmal gehurt •w orden. Man hat die gegnerischen Advokaten noch nicht einmal gerufen, und es ist überbau;:: eine Frage, und es liegt gar nicht so klar, wie Herr Rosenbaum meint, ob der Richter unsere Abänderung gestatten wird, wenn auch eine Majorität, und auch eine gewaltige Majorität dafür ist. Meine Damen und Herren! Vor dem Jahre 1S90 war eine Abänderung^ von Statuten und Memoranden überhaupt nicht möglich. (Erst seit 1S90 ist eine solche möglich.) Vor dieser Zeit, wenn man eine Abänderung wollte, musste man die Ge- Seilschaft li.iuidieren und eine nette Gesellschaft gründen. In diesen ganzen 17 Jahren ist jedoch nur ein einziger Fall votgekommen, ein einziger Fall in ganz England, in den; man für eine solche Beschränkung der Statuten prädiert hat, und zwar bei einet Yorker Wollkämmerei. Also meine Damen und Herren, ich weiss nicht, ob wir es durchführen könnten, wenn w ir auch einen Präzedenzfall schaffen wollten vor dem englischen Gericht. Was ist denn die gattze Sache? Brauchen wir noch ein koscheres Siegel au! unsere Bank zu drücken? Oder glauben Sic, dass sic nicht koscher ist? Fs ist auch möglich, nass Sie, wenn Sie vor Gericht gehen, mit einem treifeiieu Siegel Weggehen. Ich bitte Sie, wenn Sie mit diesen Insimiationcn, die nicht zum erstenmal Vorkommen, Vorgehen wollen, daun ist es ja ganz, einfach. Sie brauchen nur gegen die Direktoren zu stimmen. Schneiden Sie aber die Bewegung wieder entzwei, dann ist die ganze Bewegung fertig. (Zwischenrufe und Beifall.) Spira will nicht über die juristischen Fragen sprechen, sondern über die allgemeinen. Fs war sehr richtig, dass zunächst keine Geschäfte gemacht wurden. Das geschah erst durch den Druck der russischen Mitglieder. Diese Geschäfte sind nicht gut ausgefallen. Der Kongress möge beschliesseii. dass Geschäfte ausserhalb Palästinas überhaupt nicht gemacht werden dürfen. Re sek. Alle Praktiker halten sich daftir ausgesprochen, dass der Prozess abgebrochen würde. Unser Ansehen wird durch einen Ausgleich weniger leiden als durch viele Prozesse. — Es hat sich als richtig erwiesen, die Kolonialbank nicht arbeiten zu lassen. Will man das, so soll man die Attglo-Pa:.- Comp, selbständig machen. I) r. F r i e d e tu a n 11. Der Gang des Prozesses wird folgender sein: Bis jetzt sind die Kosten gegen 50000 Mk. Der Prozess wird noch lange dauern, denn es ist ein ״interessatttcr Fall". Wir ruinieren jetzt unser kaufmännisches Ansehen, indem wir theoretische Prozesse führen, die praktisch keine Bedeutung halten. Kein Finanzmaiin wird uns unter• stützen, wenn wir nicht kaufmännisch arbeiten und Gewinne erzielen, und die grossen Finanziellte sind cs. die wir für unserc Bewegung brauchen.

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