Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1907-08-23 · Heft 34 (23.8.1907) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 34 (23.8.1907)
Date
1907-08-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2651273-2651500-2651534--04933-2661932
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

JÜDISCHE RUNDSCHAU, Seite 351 J10. 34 ich mir füglich ersparen, darauf im einzelnen einzugehen. was Herr Kaplansky und Herr Meiersohn angeführt haben. Ich habe noch einen Hauptpunkt, auf den fast alle eingegangen sind: ich habe auch die Redner unterbrochen und auf die richtige Bahn zu lenken versucht: cs handelt sich nämlich um den Vorwurf, dass die Palästinakommission von uns nur 2500 Mk. bekommen hat, d. 11״ dass wir für Palästinazwecke nur diesen Betrag verwendet haben. Warten Sic doch erst den Bericht der Kommission ab! Das ist nur ein Beitrag, den wir gegeben haben. Die Palästiuakonmiissipn wird Ihnen eine Bilanz vorlcgcn. und Sic werden finden, dass wir 3800 Mk. für Palästinazwecke verausgabt haben, welcher Betrag allerdings nicht direkt von uns stammte, sondern aus Spenden sich zusammensetzte. Es ist bereits gesagt worden, dass das A^-K. nicht alle Arbeiten unternehmen kann. Sic stellen sich doch nicht vor. dass es das Aktionskomitee ist, das in Palästina kolonisieren, dort Boden ankaufen soll und dergleichen mehr? Wozu haben wir denn unsere Finanzinstitute, die Anglo-Palcstinc Company und den Nationalfonds geschaffen? So stehen die Dinge, und ich glaube, dass wir mit der Tätigkeit der Anglo-Palcstinc Company zufrieden sein können. Schliesslich ist das ja auch unsere Arbeit. Sie sprechen immer vom Aktionskomitee, als wäre dies etwas Fremdes. Das sind wir ja selbst. Sie haben ein A.-K. gcwählt, das die Arbeiten verrichtet, und ein Redner hat es bereits gesagt: nur was Sie schaffen, können wir ausführen. Damit wir aber neue Dinge schaffen sollen, stellen Sie uns die Mittel zur Verfügung! Schaffen wir neue Einrichtungen, und diese werden die Arbeit leisten. Verlangen Sie aber nicht immer die Dinge, die andere machen müssen, vom A.-K. Und dann, meine Damen und Herren, wurden uns Dinge zum Vorwurf gemacht, auf die einzugehen zu. weit führen würde. Ich will nur einige Punkte herausgreifen, well ich das für nützlich halte. Zunächst hat Herr Dr. Nossig davon gesprochcn, dass wir eine äusserst günstige Gelegenheit für politische Unterhandlungen verpasst hätten. Ich wäre niiht darauf eingegangen, wenn nicht auch Zeitungen (sogar durch ein Mitglied des Aktionskomitees in einem russischen Blatte), dies erwähnt hätten. Ich erkläre Ihnen, ich weiss absolut nichts davon, die Sache war mir vollständig unbekannt. Von irgend einer wirklichen Gelegenheit, die sich geboten hätte, die wir verpasst hätten, weiss ich absolut nichts. Ich wäre Herrn Dr. Nossig dankbar, wenn er sein Geheimnis Ihnen oder wenigstens mir mitteilen würde. (Beifall.) Herr Dr. Pasmanik ging schon etwas weiter. Er sprach von der realen Arbeit: dass wir oder eine gewisse Partei unter uns den Spless umgedreht hätte, und dass man sagte, reale Arbeit wollen wir, aber wirklich reale Arbeit. (Dr. Pasrnanik: Jawohl!) . Jaw'ohl, Herr Pasrnanik, so ist cs auch. Und ich kenne keine Parte! im Zionismus, die nicht praktisch in Palästina arbeiten will, ich kenne keinen einzigen in der Leitung, der dies nicht wollte. Der einzige Fehler aber dabei ist der, dass die praktische Arbeit zumeist von Leuten vorgeschlagen wird, die sonst wenig mit praktischer Arbeit zu tun haben. (Orosser Beifall.) Es ist ein Fehler, dass, wenn irgend eine Idee auftaucht, nicht gefragt wird: Ist es möglich, sic auszuführen? sondern dass diese Idee in die Volksversammlungen getragen wird, und in den Zeitungen und überall besprochen wird. Ob ausführbar oder nicht, darum kümmern sich die Herren nicht. Ich will die Legende zerstören, die auch von Dr. Pasrnanik vorgebracht worden ist, dass Dr. Herzl nicht für praktische, sondern nur für politische Arbeit w׳ar. Ich frage die Herren, die nur für praktische Arbeit sind: was haben wir seit dem Tode Herzls au praktischer Arbeit gcleistet? Was wir getan haben, ist das Werk unseres seligen Herzl gewesen. (Lebhafter Beifall.) Die Anglo-Palcstinc Company ist durch seine Arbeit geschaffen, der Nationalfonds ist unter Theodor Herzl gegründet worden. ״Geulah“, Landkäufe und Kredit stammen aus seiner Zeit. Und ich frage Sic, was haben wir denn noch nachher getan? Wir haben nur fortgesetzt, was Herzl geschaffen hat. Der Unterschied zwischen Theodor Herzl und uns ist der: Herzl war für praktische Arbeit, aber er war dafür, dass man darüber nicht reden solle. Und die heutigen Praktischen reden, aber was sic Praktisches schaffen, habe ich nicht gesehen. (Beifall.) Ich will nur ein Beispiel anfiihren: Man hat von einer Agrarbank gesprochen. Ich bin nicht umsonst in Konstantinopel gewesen, ich habe mich bemüht und geforscht. Die Jahreskonferenz hat uns einen Auftrag gegeben, — wi! haben versucht, ihn auszuiiihren. Aber die Sache ist unaus *ührbar — und das berichtete ich. Es existiert in der Türkei keine Agrarbank, w׳cil das den türkischen Gesetzen wider spricht. Und doch hören wir immer wieder: Eine Agrarbank muss gegründet werden. Der Kongress soll eine Kommission einsetzen, um die Agrarbank zu schaffen. Das. geehrter Kon• gress, ist keine •Methode praktischer Arbeit. Wer wirklich etwas arbeiten will, der arbeitet und — schweigt, und bringt nicht den Entschluss, dass man ctw׳as arbeiten will, in dit Zeitungen, damit die Arbeit nicht von vornherein verdorben werde. (Beifall.) Herr Dr. Pasrnanik hat davon gesprochen: Wir w׳ollen einen Führer, der uns führt. — Ich habe das Gcfühl, Dr. Pasrnanik steht auf dem Standpunkt: ״Und der König absolut, wenn er unsern Willen tut.“ Aber ich habe nicht bemerkt, dass Sie sieh immer ״führen lassen“, w־enn es mit Ihren Wiiuschcn nicht übereinstimmt. Ich könnte Beweise anführen, dass die Sache mit der Führerschaft nicht so einfach ist. Und dann wir w'ollen uns darüber klar sein. Wenn Sic von mir erwartet haben, dass ich soviel leisten werde, wie Herzl, dann bin nicht ich schuld, wenn Sic enttäuscht sind, sondern Sie. Dr. Pasrnanik gab uns einen ausgezeichneten Rat. Er sprach — ich war selbst davon hingerissen Wenn wir arbeiten werden, dann werden wir auch Geld haben. Diesen Rat möchte ich Dr. Pasrnanik für Russland geben! Arbeiten Sie auch zuerst dort ohne Mittel, und dann werden Sie ja Geld haben! (Lebhafter Beifall.) Es ist gut. meine ich, wenn man sich einmal über diese Dinge ausspricht. Ich habe vor zwei Jahren das Bureau übernommen und von einem Lande, wo die meisten Zionisten wohnen, für 19(15/1906 keine Schekelgelder bekommen. (Dr. Pasrnanik: Pogrome!). Jawohl, Pogrome. — und in diesem Jahre haben die Herren — zu ihrem Lob c. sei es gesagt — für das Odessacr Komitee mehr gesammelt, als in früheren Jahren. (Hort! Hört!) Und das zweite Jahr darauf hat man den dritten Teil davon geschickt, was sonst in Russland an Schekeln gesammelt worden ist. Warum wenden Sie Ihren Rat nicht für sich an? Warum arbeiten Sie nicht in Russland, damit Sie Schekel bekommen? Warum sind die Schekel in Russland so zurückgegangen, wo die meisten Zionisten und Juden leben. Man wendet ein: Wir haben Pogrome gehabt. Und ich erwidere, dass gerade dies die Zeit war, wo man Schekel sammeln konnte, ja, sie wurden sogar gesammelt, aber man hat• sie nicht uns geschickt. Und da habe ich am allerwcnigten erwartet, dass man uns gerade von dieser Seite Vorwürfe machen werde, wegen Dingen, woran wir in Wahrheit nicht schuld sind. Geehrter Kongress! Man sprach viel vom engeren A. K. Ich brauche nicht zu wiederholen, was Sic ohnehin wissen, dass dessen Mitglieder fast in 7 Ländern wohnen, wie schwer cs ist, einen Beschluss zustandemibringen. Man macht mir den Vorwuri, dass ich nicht tüchtig eingreiic, dass ich nicht leite; dabei aber hat man, wie gesagt, ein örtlich so auseinandergerissenes A. K. gewählt und gleichzeitig den Vorschlag gemacht, in Berlin ein Bureau mit zwei Mitgliedern einzusetzen. Wenn man ein solches Vertrauen zu mir hat. dass man von mir verlangt, dass ich fuhren soll, dann musste man nicht damit beginnen, dass man sozusagen zwei Auf- Passer nach Berlin zu schicken beabsichtige — so war der technische Audruck dafür. Es sieht fast so aus. als ob ich ein Interesse daran hätte, alles in Köln zu haben. Ich bin gerne bereit, alles abzugeben, soweit cs notwendig oder möglich ist,, sobald ich sehen werde, dass au anderer Stelle gut gearbeitet werden kann. Wenn man aber Versuche. Experimente mit unserer Bewegung machen will, muss ich mich dagegen wehren, so lange ich die Verantwortung habe. Was möglich ist. will ich abgeben. Seit zwei Jahren betrachte ich es als meine Hauptaufgabe, jedes Institut selbständig zu machen; deshalb werde ich gerne daiiir sein, ein Bureau zu schaffen in Berlin oder sonstwo. Dazu werden Sie immer meine Unter- Stützung finden. Herr Trietsch sprach von. der Brüsseler Konferenz. Df. l.oewe hat ihm bereits die Antwort gegeben, und ich meinerseits möchte nur die Erklärung abgeben: Fs schien, als ob Herr Trietsch auf die Ito neidisch wäre. (Heiterkeit.) Wenn die Ito etwas Gutes schäften wird, so könnten wir uns nur darüber freuen. Aber zionistisch ist das nicht (Beifall), mit dem Zionismus hat das nichts zu tun: denn der Zionismus hat einen genau vorgeschriebenen Weg. und Dr. Ehrenpreis hat recht, wenn er sägt, wir dürfen uns nicht zersplittern. Es gibt eine ganze Menge Mittel, aber das Hauptziel dürfen w ir nicht aus den Atmen verlieren. Wir Italien in Brüssel unter dem Einflüsse der Pogrome und Massakres eine Konferenz veranstaltef. Wir waren uns wohl bewusst, dass diese Arbeit keine zionistische ist. Aber wir haben uns gesagt: Zionistisch ist sie nicht, aber sie ist jüdisch, und wir wollen selni, ob wir etwas dabei erreichen können. (Beifall.) Ich möchte nur noch mit einem Worte die innere Politik berühren. Ich richte die Bitte an den Kongress, und ich glaube, dass der Kongress mit mir derselben Meinung sein wird, dass der Kongress und die obere Leitung der ziomstisehen Organisation mit der inneren Politik der verschiedenen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.