Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1907)
- Date
- 1907-08-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651500-2651534--04932-2661931- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite. 350 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 34 Dr. Radin (New York) beantragt in» Namen der Anicrikalter.. Beschränkung der Redezeit in der Generaldebatte auf 10 Minuten. (Grosser Bciiall.) M o t z k i n und T r i c t s c 11 sprechen gegen diesen Antrag. Dr. M a g n e s vertritt ihn. Der Antrag der Amerikaner wird angenommen. Dr. Glffcksohn: Es ist jetzt fast modern geworden über reale Arbeit in Palästina zu sprechen. Aber während für andere Zwecke viel ausgegeben wurde, bekam die Palästinakommision nur 2500 Mark vom Aktionskomitee. Das sei ein arges Missverhältnis. T riet sch: Einen Bericht über die Tätigkeit des A.-K. haben wir bisher nicht erhalten. Was ist mit den Beschlüssen des 7. Kongresses geworden? Die Zentrale sollte nach Berlin kommen: das ist nicht geschehen. Die Hinzuziehung bcwahrter Kräfte aus Russland ist nicht erfolgt. Die Arbeit in Palästina ist mit verschwindenden Mitteln betrieben worden. Auch die Einbeziehung der Nachbarländer Palästinas wurde vernachlässigt. Statt dessen wurde die Brüsseler Ko!ucrenz einberufen. י Auf ihr hätten die Zionisten einen wichtigen Vorschlag machen können: das jüdische Auswaitderungsamt. das vor allem die Nachbarländer Palästinas in seine Tätigkeit einbeziehen musste. - - Weiter aber hat das A.-K. nichts getan, auch nicht in diplnnatischer Beziehung. Bisher haben uns die falschen Vorstellungen von Charter. A11:011״״!ie und Garantie der Grossmächte beherrscht. (Da die Redezeit, dem sie aufs doppelte gewährt war. wiederum abgelaukn ist, muss Redner ablncchen.l Geschäftsordmnigsdebatte über die Beschränkung der Redezeit: Coweil. Wolffsohu. llevnianii. Sche\er. Brande. Bodcnheimcr, Kassner. Kaplanski, Littmaim, Rosenihtd. Auerhach. Oronemann. Schluss der Sitzung 121!־ Uhr. Nachmittagssitzung Beginn: 3 Uhr. Vorsitzender D. W o 1 f i s o 11 ti macht M i 11 e i - 1 u n g. dass Ihre M a j. die Königin der Niederlande durch ihren Adjutanten von Mühlen für die Huldigung des Kongresses telcgra•׳ n hi sch ihren Dank ausgesprochen hat. (Der Kongress erbebt sich. Stürmisches Händeklatschen.) Es folgt die Fortsetzung der Debatte über den Bericht des Zcntralburcaus. Dr. Satz (Tarnow) bringt die Meinung der östorreichisehen Landsmannschaft zmn Ausdruck. Man kam» nicht einfach jede praktische Arbeit in Palästina als Chowewe-Zionismus abtun. Es braucht nicht jede Arbeit den Zweck des Zionismus wiederzugeben, sondern ist nur Mittel zu diesem Zwecke. Diese Arbeiten bat das A.-K. zu wenig gefördert. Redner legt dann die Thesen des B i c I i t z e r P a r t e i t a g c s vor: ״Der Parteitag erachtet die praktische Arbeit in Paiastina. sofern sie parallel mit der politischen Aktion geleistet und von politischen Gesichtspunkten aus geleit.:» wird, iiir unbedingt notwendig zur Erforschung und Erschliessung des Landes, zur Stärkung der realen Position der .luden in Palästina, zur Hebung ihres kulturellen Niveaus und zur Schaumig der nraktischen Vorbedingungen für eine künftige jüdische Massen- Siedlung. Der!,arteitag begrüsst die Aktionen der Palästina- Kommission, die er als eine sulche Tätigkeit larstellend ansicht.״ Wichtig ist eine Vertretung für uns in Palästina und politisehe Arbeit. I n 11 e r 1) o I i t i s e 11 c Prägen gehören nicht vor den Kongress, sondern sind Sache der Landsmannschäften da die Verhältnisse in jedem Laude anders liegen. (Beifall.) Basow plädiert in hebräischer Sprache iiir eine zionistisehe Agitation in Kaukasieu. Buchara und Dagestan. Dr. Wald manu (Oesterreich) ist der Meimmg. dass die iimerpulitische Tätigkeit des Zionismus in Oesterreich verflacht hat. Aber mau muss sie anders betreiben, dann ist sie nützlich. Man darf nicht den Zionismus in dieser Arbeit ziirückstellen. W ir brauchen dafür nicht eine besondere Partei, sonst hat diese den Nutzen, nicht wir. (Beifall.) G o I d c n b e r g: Das Programmworf hat Nordau ausgegehen: Der Zionismus ist die Kokarde des jüdischen Volkes. -־ Der Bericht des A.-K. ist keine fruchtbare Anleitung, sondern einfache Registratur der Tätigkeit der Landsmannschaften. B. Goldberg (Wilna) stellt Anfragen wegen des Kassenberichtes in Hinsicht auf WELT mul 1IAOLAM. So-־ dann verliest Herr Goldberg einen Bericht über den Zionismus in Russland (den wir später veröffentlichen werden. Änm. d. Red.) ׳ ־ Del. Dr. E 11 r e 11 p r c i s ist gezwungen, zum zweiten Male das Wort zu ergreifen, weil seine gestrigen Bemerkungen über die innerpolitisclic Tätigkeit besonders bei den galizisehen Gesinnungsgenossen Erbitterung hervorgerufen haben. Er wollte sieb keineswegs in die innerpolitischcn Angelegenbeiten eines Landes ciiimcngen oder eine Resolution des Kongrosses provozieren. Doch habe er die Ucbcrzeugung gewoimen. dass die politische Tätigkeit der österreichischen Zionisten bei aller Anerkennung ihres grossen Erzielumgswertes unmittelbar eine Schwächung des reinen zionistischen Gedankens nach sich gezogen habe. Es sei zu befürchten, dass bei weiterer Expansion eine vollständige Verschiebung erfolgen werde. Redner polemisiert dann gegen die Ausscrungen des Delegierten Dr. Pasmamk. dass der Zionismus eine soziale Bewegung sei. Der Zionismus ist seinem Wesen nach eine Kultiirbeweg'.mg. (Lebhafter Beifall.) Dr. H. G. fl e vma 1111 stellt im Namen der deutschen Landsmannschaft folgenden Antrag: ..Die deutsche Landsmannschaft ersucht den Kongress, die Gesinnungsgenossen aufzufordern, dem Aktionskomitee ausser dem jährlichen Schekel einen möglichst hohen persönlichen Jahresbeitrag zur Verfügung zu stellen.“ (Beifall.) Auf Antrag des Delegierten M c 1 n in c d werden vier O c n c r a I r e d 11 e 1 gewählt. Zur Vornahme derselben tritt eine kurze P-mse ein. Generalredner Kaplauski: Der Fehler der Brüsseler Konferenz war. dass sie überhaupt von Zionisten einberufen wurde ohne dass man vorher eines positiven* Erfolges sicher war. L'cberbaupt war die Politik des A.-K. eine so schwankende und unsichere, dass man überhaupt nicht von einer Politik sprechen kam!. Nordaus Forderungen beziehen sich mir auf Arbeiten ausserhalb Palästinas. Der Zionismus hat nvht die Kreditfähigkeit des jüdischen Volkes, sondern des jüdischen Landes zu beweisen. Die Politik des A.-K. heisst: fortwtu stein. Es hat sich mehr mit privatrechtlichen als öffentlicli-rtchlüchen Arbeiten befasst. Der N.-F. bat Land gekauft, aber warum hat man arabische Pächter und, Arbeiter aui dieses Land gesetzt? Es ist ja schwer, jüdische Pächter 711 iinden. aber ist alles geschehen, um das zu erreichen? Jüdische Arbeiter und Ba «ern dort sesshaft zu machen, das ist unser wesentlichstes Problem’ Städtische Kolonisation ist ja sehr nützlich, aber das Wichtigste ist für den Zionismus der Bauernstand in Palästina. Ferner müssen wir darüber nachi'enken. w ic wir besitzlose Elemente in Palästina ansiedeln. - Nicht, dass wir Kapitalisten nach Palästina!)ringen, ist erforderlich, sondern indische Arbeiter. (Lebhafter Beifall.) Schul 11 off (Kroatien) beantragt, dem Aktionskomitee Jas ־Mwibituri'iiii zu gehen. M c v e r s o 1111: Für Palästina-Arbeit bat das A.-K. nur winzige Summen ausgegeben. Heber Palästina hören wir nur sehör.c Worte, keine Taten. Der' Besuch Wolffsolms. die Bc.'riissimi׳ der Kolonie Risclion Lczinns. das sind die Taten. Nicht der Worte, sondern der Taten bedarf cs. (Beifall und Zischen.) H c i n r. Lncw'c (Berlin) bedauert dass Summen ausgegeben werden, die nicht bewilligt sind, während bewilligte Gelder, insbesondere an die Bibliothekskmnmission, nicht gezahlt werden. Die WELT ist wirtschaftlich zu teuer und inhultlich zuweilen zu Imeli. zu akademisch. Dem A.-K. kann mau nicht den Vorwurf machen, dass es in Palästina nichts tu». Die Privatinitiative in Palästina ist das Wichtigste, und diese wurde angeregt. . Die Brüsseler Konferenz ist durch die Schuld der andern missglückt. — Die Arbeit in Palästina besteht nicht darin, dass man Streiks der Araber organisiert«, sondern dass alle Faktoren dort für das eine Ziel zusammenwirken, dass ein freies jüdisches Volk auf freiem jüdischen Boden ••ru hebst. (Lebhafter Beifall.) Hierauf ergreift das Wort Präsident Wolffsolin (mit stürmiscliem. langaiidauerndem Beifall begrüsst): Ich werde nicht auf die Einzelheiten aller Reden eingchcn. weil vor allem eine ganze Reihe von Rednern Dinge augetiihrt lmt. die allerdings i.ueh einen Vorwuri für das engere Aktionskomitee und für das Aktionskomitee überhaupt bedeuten, mit denen wir aber direkt nichts weiter zu tun haben und über die ohnedies noch!11 den nächsten Tag»״־ berichtet werden wird. W'ir haben eine ganze Menge von Institutionen, •die Kolonialbank, den Nationalfonds, die Anglu-Palestine Company und verschiedene andere Einrichtungen, die unmöglich alle vom A.-K. verwaltet werden könne״ und es auch nicht sollen: im Gegenteil, sie müssen vom A.-K. gesondert werden und sind auch besonderen Verwaltungen übertragen. Sie werden auch über diese bcs< ndereii Verwaltungen Berichte bekommen, und deshalb kann