Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1907)
- Date
- 1907-08-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 34 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite; 3*19 Ich zweifle nicht daran, dass wir die ottonianische Regierung von der Grösse und Fruchtbarkeit unseres Vorsatzes überzeugen werden; ja noch mehr: dass wir die Einberufung einer diplomatischen Konferenz nach dem Muster der Haager Zusammenkünfte von 1899 und 1907 zur internationalen Regelung der Judenfrage erleben werden. Voraussetzung so grosser Entwicklungen ist allerdings, dass wir zunächst das jüdische Volk selbst zur klaren Erkenntnis seiner Lage wecken, 1T.d jed6m Juden, der nicht das Verschwinden des jüdischen Volkes will, die Überzeugung beibringen, sein Fortbestand sei nur durch eine Methode zu sichern: die zionistische (Bravo* rufe). Möge der achte Zionistenkongress uns diesem grossen Ziele näher bringen! (Minutenlang andauernder, stürmischer Beifall: Tüchcrschwenken im Saale und auf den Galerien.) Nachdem sich der Beifall gelegt, werden die Wahlen ins Bureau vorgenoimnen, deren Ergebnis wir bereits gestern mitgctcilt haben, und sodann die Sitzung geschlossen. Mittwoch, 14. August 1907 (zum Teil aus der WELT.) * Nachmittagssitzung (Schluss) Es wird weiter verhandelt über die Wahl einer Palästina- Kommission zur Beratung der Palästinafrage während des Kongresses. M. Sc he in kin: Man beschuldigt uns mit Unrecht, dass wir über Palästina zu viel sprechen. Ehe man aber etwas aus* führt, muss man überhaupt darüber sprechen. 21 Vertreter in eine Kommission zu Beratung der Palästinafragc erscheinen als zu wenig. Die Mitglieder des Aktionskomitees müssen co ipso darin vertreten sein, jede grössere Landsmannschaft soll 5- 6 Vertreter (etwa einen aut je zehn Delegierte) haben, kleinere wenigstens einen. Dr. M. Gast er erklärt, um Missverständnisse zu ver* meiden, cs handle sich unt keine geheime Sitzung, sondern nur umdie Erledigung rein geschäftlicher Dinge. Die Verband* lungen würden ja in der Kommission von ungefähr hundert Mitgliedern geführt, was.jede Heimlichkeit von selbst aus* scWiessc. Dr. T s c h I c n o w: Es »st ::icM recht klar, warum gerade die Mitglieder des Permanenzausschusses der Kr.r.tm^siou au* gehören sollen. Wichtiger wäre cs, wenn die Landsmannschäften ihre Vertreter hätten. Präs. W ol t f s o h n: Die gegenwärtigen Vorarbeiten dienen diesem Zwecke. Nach einer kurzen Pause verliest der Präsident den An* trag des Permancnzausscluisses. dahingehend, dass in die PaUistinakommission des Kongresses das Direktorium der Kolonialbank, seiner Filialen und des Nationalfonds, die Dole* gierten Palästinas und der ganze Permancnzausschnss aufge* nomnicn werden sollten. Nachdem die Abstimmung ein zweitel* haftes Resultat ergeben hat. wird bei neuerlicher Abstimmung der Antrag abgelehnt. Dr. H e y tu a 11 n und Dr. T s c 111 e n o w vereinigen ich zu einem modifizierten Antrag wonach die Zahl der Mitglieder Jeder Landsmannschaft fiir die Kommission vom Permanenz* lusschusse noch heute anztigcbcn sei. so dass noch heute oder morgen die Wahl in den Landsmannschaften durchgeführt würde. S. P. R a b b i 11 o w i t z: Die Vertreter, die schon in Palästina waren und in den bezüglichen Fragen demnach einige Kompetenz besitzen, mögen in erster Linie von den Lands* mannsehat'ten in die Komissiou entsendet werden. Tschlcnow und H c y m a n n ergänzen ihren Antrag dahin, dass die Wahlen in den Landsmannschaften nach dem alten Schliisel der Wahl von Komissionen zu erfolgen hätten. Bei der Abstimmung wird dieser Antrag angcnomnicn. Nach Mitteilung der Tagesordnung für den zweiten Sitzungstag erklärt der Präsident die Versammlung für geschlossen, - 1 . י .i '_־ Donnerstag, 15. August VormlttagssHzung Nach Verlesung der ßegrüssungen wird die Debatte über den Bericht desZentralburcaus fortgesetzt. * - «• Dr. א ossig will die Verdienste des A.-K. nicht herabmindern, erkennt auch die Bemühungen, selbst wenn sie ohne Erfolg waren, an. Aber mau müsse mehr verlangen. Das herrschende Gefühl sei Enttäuschung. Was habe das A.-K. getan, um die russischen Ereignisse für unsere Zwecke zu bc* nutzen? Es hätte vor allem den Bodenerwerb in Palästina mit allen Kräften fördern müssen, vor allem durch politische* Verhandlungen' zur Erleichterung der Einwanderung in Palästina. Es hätte hier die halbe Judenheit mitreissen müssen. - Eine Diptomatcnkoufercnz zur Lösung der Jiidenfrage erlebe man nicht, die müsse man erarbeiten. Lernen wir von den Friedensfreunde״, die weniger Macht haben als wir. aber ihre Arbeit verstehen und die Haager Konferenz zustande gebracht haben. Dagegen habe das A.-K ilcissig daran ge* arbeitet, um Anregungen von anderer Seite zurüekz.uwciscn: Tageszeitung. Korrespondenz für die Presse usw. Woher kommt das. da doch die־ einzelnen Männer des A.-K. tüchtig genug sind? Vor allem durch die örtliche Zersplitterung des A.-K. Sieben Städte streiten sich, wie um die Geburtsstätfc Homers, um den'Ort des Engeren A.-K. Köln sei überhaupt als Zentrum ungeeignet. * - Die beiden Richtungen in der Leitung hätten sich gegenseitig aufgehoben. Jetzt seien die Richtungen ziemlich geeinigt. Aber das Haupthindernis der Arbeit sei die Furcht vor der Tat gewesen. Ls könnte uns ähnlich gehen wie Deutschland und Italien, die mit ihrer Kolonisation zu spät begannen. Alle Mächte konkurrieren jetzt um Palästina. Wir müssen uns beeilen, sonst ist Palästina für uns verloren. — Kolonisation kann man nicht privat machen. Wir hätten kein Geld? Arbeiten wir. dann werden wir Geld haben. Ein inaktiver Zionismus wird kein Interesse erwecken. — Der Redner entwickelt dann ein von ihm und anderen •vor dem Kongress ausgearbeitetes Programm der Arbeit für die nächste Verwaltungsperiode: Politische Tätigkeit. Wiedereröffnung einer zielbewussten politischen Tätigkeit in der Türkei und in den politischen Hauptzentren unter Berücksichtigung aller gangbaren Wege, die durch Erlangung immer höherer rechtlicher Garantien und politischer Konzessionen zur Schaffung einer öiientlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina zu führen geeignet sind. In Palästina müssen wir durch wirtschaftliches Vordringen, kulturelle Hebung und die Organisation der Juden dieses Landes reale Gegenwartsarbeit zu leisten bemüht sein, wobei aber die Tätigkeit der Organisation als solche nur die dauernder. Bedingungen ztfr allseitigen Stärkung des jüdischen Eiementes zu schaffen berufe״ ist. Die Gegenwartsarbeit in den Ländern der Dmsoora habe die regste Beteiligung der zionistischen Landcsnrganisationcu an dem jüdischen Gemeindetmd Vercinslebcn und die An- Strebung einer dauernden Verständigung zwischen allen fiir Palästina tätigen Korporationen, die Initiative zur Gründling jüdischer Kunst- und Litcraturvcrcinc zu betreffen: die Stellungnähme der Zionisten zu den allgemeinen politischen Fragen in den einzelnen Staatsgebieten bleibt dem Ermessen der Landes- Organisationen Vorbehalten. Vier Jahre sehen wir jetzt zu. dass die Räder des Zionismus stille stehen, obwohl im Innern der Bewegung Leben ist. Dr. Pasmanik: Mit welchem Programm kam jetzt das engere A.-K. zum 8. Kongress? Mit gar keinem. Hat das A.-K. schon die Erkenntnis der neuen Lage? Es ist schr wahr. * wir brauchen materielle Kräfte: aber woher schaffen w׳ir sie? Nur durch den Hinweis auf reale Arbeit. Sogar Kolonialhank und N.-F. wurden durch den Hinweis auf nahe Erfolge zustande gebracht. Nur auf zwei Wegen können wir reiche Mittel schalten: durch sozialpolitische Tätigkeit in der Diaspora und durch Realpolitik in Palästina. Die sozialpolitische Arbeit in einzelnen Ländern hat dem Zionismus nicht geschadet. Viele haben nicht früh genug Itcgrificit, dass der Zionismus nur ein soziales Problem ist. Mit Literatur kann man Hungernde nicht füttern. Der zweite'Weg zur Macht für uns ist der Hinweis auf Arbeit in Palästina. Es kann nicht auf einmal gehen, es geht langsam, nach und nach vorwärts. Das A.-K. hat gar keinen Plan entwickelt, während wir in ihm die Führer sehen wojUcn. — Es kann sich nicht um Sieg einer Richtung handeln, sondern um Synthese aller Kräfte.