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Jüdische Rundschau · 1907-08-23 · Heft 34 (23.8.1907) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 34 (23.8.1907)
Date
1907-08-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 34 JÜDISCHE RUNDSCHAU. _ Seite 315 . # , ■ . , . , gemacht/ Zu der Zentrale in Jaffa und dej Filiale in Jerusalem sind seit dem vorigen Kongress die Filialen in Beirut und Hebron hinzugckomnicn, deren günstige Entwicklung zu der Gründung neuer Filialen Veranlassung. geben wird. Die Tätigkeit der Anglo-Palestinc Company wird sich bald auf die Metropole des türkisehen Reiches erstrecken. Das Direktorium hat bereits hierfür die Vorarbeiten beendet. Das Aufkeimen neuer Industrien in Palästina, die der Privatinitiative ihre Ent- Stellung verdanken, die Anzeichen einer besseren Riehtung in dem Leben der Kolonien zeigen uns, auf weldien Bahnen wir schreiten müssen, um bessere Erfolge erwarten zu dürfen. Für die Einführung des Kunstgewerbcs ist ein guter Anfang durch den Bezalel gemacht worden, und für das Erzieliungswescn im jüdischen Geiste ist die Gründung eines hebräischen Gymnasiums ein vielsprechender Versuch. Es soll noch dies und jenes in Angriff genommen werden, aber mit grosser Vorsicht. Man muss den Drang des Gründertums, auch venu er den edelsten Beweggründen entspringt, durch weise Mässigimg bezähmen, weil ein Losgeliertum mehr schaden a!s nützen kann. Bei praktischer Arbeit muss der Rechenstift zur Geltung kommen. Eine nüchterne, vorsichtige Beurteilung ist bei dieser. Fragen zutrüglieber als eine enthusiastische Ucbcrstürzung. Viele Dinge sind technisch zu behandeln und können mir durch die Begutachtung der erfahrenen Sachkenner, nicht aber durch Gefühlsregungen entschieden werden. Wir müssen uns bewusst sein, dass cs nicht genug ist, Leitsätze aufzustellen, man muss sie auch in die Praxis umsetzen können. Denn die grossen Gedanken allein machen cs nicht, wenn nicht vorher durch systematische Arbeit der Boden vorbereitet worden ist, auf welchem die Gedanken ausreifen können. So schreiten wir an die Arbeit dieses Kongresses. Wir haben viele und wichtige Fragen zu lösen, und wir verhehlen uns nicht, dass in bezug auf Einzelheiten manche Meinungsverschiedenheit unter uns herrscht. Wir sind keine gefügige Mamelnkenschar und wir wollen es auch nicht sein. Der jüdische Geist ist zur Kritik veranlagt, und das Gesetz der Entwicklung bewirkte es, dass wir im Zionismus verschiedene Nuancen und Abstufungen besitzen. Aber die Verschiedenheiten machen die Bewegung reichhaltiger, und sie kommen zum Ausgleich in der einheitlichen Organisation. Aus dem Ihnen vorliegenden Berichte des Zentral- Imreaus werden Sie sich über die Tätigkeit der Zentrale und die Entwicklung der zionistischen Organisation seit dem letzten Kongresse unterrichten können. Ein neuer Orgauisatiouseutwurf wird Ihnen zur Beratung unterbreitet, und es wird eine der Hauptsorgen des Kongresses sein müssen, die Organisation zu stärken. Uni stark zu sein, müssen wir Zusammenhalten, und um das Volk zu organisieren, müssen wir selbst musterhaft organisiert sein. Fernerhin wird der Kongress Gelegenheit haben, 211s den Problemen praktischer Palästinaarbeit alle erorterungsfähigen Punkte zu beleuchten und den Forderungen einer vorwärtsschreitenden Entwicklung gerecht zu werden. (Grosser Beifall.) Audi über den Nationallouds, dessen Legalisierung nach langen Bemühungen wrir mit Genugtuung verzeichnen können, werden״ Sic sich aus dem Ihnen zu erstattenden Bericht ein richtiges Bild machen können und Gelegenheit finden, die Weitercntwickiung dieses Instituts durch neue Anregungen zu fördern. Ueber den Stand der Kolonialbank werden Sie in der Generalversammlung genau unterrichtet werden und hier werden wir zu der Frage der Abänderung der Statuten Stellung zu nehmen haben. Ferner muss für die Verinnerlichung und Vertiefung des Zionismus Sorge getragen werden, und zu diesem Zwecke w ird das Problem der nationalen Erziehung in die Diskussion gestellt werden. (Beifall.) Zu den Gcgenwartserscheimmgen der letzten Zeit gehört die Beteiligung der Zionisten bei innerpolitischen Fragen. Es ist dies ein Problem, das mit nüchterner Klarheit envogen werden muss, damit im w0111׳verstandenen Interesse der Organisation eine Zersplitterung vermieden und die richtigen Linien fiir unser Arbeitsgebiet gezogen werden. Wir müssen auch die Erweiterung, Erneuerung und Vertiefung der Propaganda ins Auge fassen, und deshalb werden Ihnen auch Anregungen zur Neugestaltung dieses wichtigen Arbeitsgebietes vorgelegt werden. Geehrter Kongress! In einer so zahlreichen Versammlung, die aus allen Enden der Welt zusanmicnkommt, und deren Zeit so knapp bemessen ist, können nur die grossen Richtlinien für die spätere Arbeit vorgezeichnet werden. Wir müssen vorwärts schreiten, und was bis jetzt versäumt worden ist, muss nachgeholt werden. Wer den Zweck will, muss auch die Mittel wollen. Wollen wir ernten, so müssen wir zuerst säen. Viele Samenkörner gehen zugrunde, denn die Scholle ist hart und der Himmel nicht immer günstig. Aber rastloses Streben und ernstes Arbeiten sichern die Ernte. Seien w׳ir dessen eingedenk, dass unser Ziel nicht ein kurzes abgestecktes Eintagsprojekt ist. Es Ist das logische Ergebnis jahrtausendlanger Erfahrungen. Wir verkörpern in unserem Bestreben die Synthese der jüdisehen Geschichte. Hier gilt’s nicht vor Widerständen zu weichen. Bei willkürlichen Unternehmungen muss der Flug der Initiative schnell enden und die Schwingen der Phantasie rasch herabfallen. Aber wir schreiten auf historischen Bahnen, und da gibt’s kein drängendes Ucberstürzen, kein Zurück sinken in die Trostlosigkeit und keine Fahnenflucht. Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sie mahlen gut. Der Zionismus ist keine Zufälligkeit und keine Laune einzelner Menschen. Er ist der klare, durch historische Gesetze bedingte Kreislauf des jüdischen Volkes. In diesem Glauben und in dieser Ueberzeugung schöpfen wir den vollen Mut fiir unsere grosse und schwere Arbeit. , Möge dieser Mut den Kongress erfüllen und mit Gottes Hilfe Segen von ihm ausstrünicn über unser Volk und über das Sonnenland unserer Hoffnungen! (Minutcnlangcr, stürmischer Beifall.)

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