Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1907)
- Date
- 1907-08-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU.■ |P *"**"•-י U ־•m*]Km»«, No, 33 Seite 341 herinnen fanden. Gegeinvärtig ist eine Jüdin angestellt. die jedoch mit, einem Christen verheiratet ist. Bedienung- und Küchenpcrsonal ist mit geringen Ausnahmen nichtiüdisch. B. G. / Allerlei Wir entnehmen der LEIPZIGER ABENDZEITUNG vom 10. August folgende kleine Anekdote: ״David Popper bei Uszt. Eran/. Liszt hatte in einem Aufsatze verlangt, man solle den Juden eine Heimstätte in Palästina bereiten und sic alle dahin zuiiickdrangcn. Mehrere Monate später war Liszt in Weimar und dachte bestimmt nicht mehr an diesen Artikel, als Ihm der Bestich des grossen Cello-Kimstlers David Popper gemeldet wurde. Hocherfreut ging er seinem Besucher, der zu des Meisters speziellen Lieblingen geholte, entgegen: ..Wo kommen Sic her. wo wollen Sie hin, lieber ETeund?“ riet i.iszt dem Eintretenden entgegen. — ״Ich bin auf dem Wege nach Jerusalem, so wie Sie es wünschen, teurer Meister!” war die prompte Antwort Poppers." Wo ist der Originalaufsatz von Liszt gedruckt? Wir bitten unsere Leser, die darüber unterrichtet sind, um freundliche Mitteilung. Rituelle Speisehäuser In Deutschland gibt cs einen ״Verein zur Förderung ritueller Speiscliätiscr"; Sitz des Vereins ist Hamburg. Der Verein sorgt dafür, dass es dem jüdischen Publikum erntöglicht wird, überall Restaurants zu finden, die ״unter Aufsicht" (eines Rabbinats) stehen. Natürlich besitzt der Verein nicht die Mittel, um z. B. in Berlin N. oder Berlin S. solche Speisehätiser zu errichten oder zu empfehlen. Eiir ihn gilt nur der ״vornehme", d. 11. zahlungskräftige Jude. ״Wenn du ־aber gar nichts hast, ach. so lasse dich begraben, denn ein Recht (rituell) zu leben, haben nur. die etwas haben.*• Wahrend in andern Ländern, wo es keinen ״Verein zur Förderung" gibt z. B. in Oesterreich-Ungarn oder Amerika die rituellen Restaurants nicht nur in Qualität und Preiswürdigkeit jedem Gesclnnacke Rechnung tragen, ist dies im Deutschen Reiche fast nirgends der Fall. Sind die jüdischen Restaurants in Deutschland ohnehin nicht billig, so sind die beaufsichtigten doppelt so teuer. Diese Erfahrung wird wohl jeder Besucher gemacht haben. Es liegt dies eben an der ״Aufsicht." Ist es also schon dem reichen Juden fast unmöglich, überall ein rituelles Restaurant zu finden, so ist dies für den minderbeir.ittelten so gut wie ausgeschlossen, da die hohen Preise ihm den Besuch eines solchen Lokals dien verbieten. Abgesehen davon, hat die Empfehlung gewisser beaufsichtigter Restaurants ein Misstrauen gegenüber den übrigen Koscher- Restaurants hervorgerufen, die nicht in der Lage sind, sich eine bezahlte Aufsicht zu leisten, trotzdem aber rituell ebenso verlässlich sind, wie die im Verzeichnis des genannten Verans aufgefiihrten. Meiner Ansicht nach sollte der ״Verein zur Förderung" 1. Ausser den beaufsichtigten, auch andere rituelle Speisehätiser (möglichst mit Angabe der ungefähren Preise) verzeichnen, sofern gegen deren Zuverlässigkeit nichts vorliegt. 2. Die Errichtung von Speiscliäusern ohne Trinkzwang zu volkstümlichen Preisen, sowie Würstelstuben nach dem Muster der in Ocsterrcich-Uiisarn in vielen hunderten Orten vorhandenen ״Privat-Restaurants" und Selchwaren-Speisehallen ä la Aschinger fördern. Jedenfalls dürfte diese ״Förderung•‘ verdienstvoller sein, als die N'ichtatifnahme solcher Restaurants in das Verzeichnis, deren Schachet eine Orgclsyncgoge besucht. (Vorschlag eines Rabbiners in der ״Deutsch-Israelitischen Zeitung.") B. G r ü n h u t. heraus. Im knappen Rahmen dieser Bemerkung nur der Hinweis darauf, dass gerade wir, die das nationale Moment als den integrierenden Bestandteil unserer Leine betrachten, sic nach ihrer völligen Entnationalisierung unmöglich als echt jüdisch bezeichnen können. Selbst Mendelssohn aber, der diesen Gesichtspunkt gar nicht hervorhebt, hat in einer ganzen Reihe von Abhandlungen (z. B. im Lavater-Bonnet-Strcit, in den Briefen an den Herzog von Braunschweig und Wolfenhiittel u. a.) auf die Differenzen aufmerksam gemacht. Wenn auch Mendelssohns Argumente sich zum Teil mit gegen die Apostellehren richten, es blieben nach deren Ausschaltung noch genügend Gründe übrig, um die üegensänze zu erhärten. Selbst bei Mendelssohn, Berlin, Tisclio beab 5667.! ׳ Lazarusßarth. Lustige Ecke Schüttelreim aus der letzten Nummer der JUGEND: ״Deil Juden man mit Scheu begafft, Der sich den Titel G o j beschaff t." B Letzte Nachrichten Haag, Mittwoch, M. August 1907. Während des Druckes erhalten wir aus dem Haag das folgende. Telegramm: Schon zwei Stunden vor der Eröffnung des Kongresses ist die Strasse Zwarte Weg, wo sich das Gebot:w voor Kunst en Wctenschappen, das Kongresshaus, befindet, mit hunderten von Menschen iibersüt. Als der Kongress eröffnet wird, ist der Saal von etwa 450 Delegierten besetzt. Auf den Galerien des stilvoll arrangierten Saales haben über 2500 Gäste Platz genommen. Die Journalistenlogen sind bis auf den letzten Platz gcfüllt. Der berühmte Maler Josef Israels hat dicht vor dem Präsidium Platz genommen. Auch die Oberbiirgermcister und erste Bürgermeister vom Haag sind unter den Gästen und folgen den Verhandlungen mit lebhaftem Interesse. Eine feierliche Stille liegt übiü׳ der Versammlung. Da erscheinen die Mitglieder des Aktionskomitees, an der Spitze David Wolifsohn und" Max N 0 r d a u und ein stürmischer Beifall durchbraust das gewaltige Haus, das dem Aktions־ komitce. und seinen einzelnen Mitgliedern stürmische Ovationen darbringt. Danach eröffnet Woliisohn den Kongress in feierlicher Rede. Als er das freie Holland erwähnt, erfolgt der erste spontane Beifall. Als er über die Pogrome in Russland spricht, erhebt sich der ganze Kongress zur Ehre der Märtyrer. Nachdem sich der Beifall gelegt hatte, erfolgten die Wahlen ins Präsidium. Zu Präsidenten werden gewählt: David Wolifsohn und Dr. Max Nordau, za Vize- Präsidenten Prof. Gaster. Jacobus Kann, Dr. Alexander Marmorek, Dr. Sehalit, Dr. Tsclilenow, Ussischkin und Prof. Warburg. Das Wort ergreift der Vizepräsident des Obersten holländischen Gerichtshofes, de Pinto, zu einer französischen herzlichen Begrüssung namens der Herr Dr. Elias Auerbach antwortet auf die SprechsaalilQtiz des Herrn Hermann Struck in einer ״cs ist sehr bedauerlich“ beginnenden und ״wird mir unbegreiflich bleiben" endenden Duplik. Er geht darin über die angegriffene Stelle aus der Herzl-Gcdcnkredc noch hinaus, indem er u. a. die Lehre des Jesus von Nazareth mit Eifer als echt jüdisch bezeichnet, und fordert damit denn doch einen starken Widerspruch fall unterbrochene Rede, hält: Die klaren Aussprüche Herzls sind missverstanden worden. Wir sind keine Bewegung der Barmherzigkeit und geben keine Almosen. Wir kehren auch nicht zur Unkultur zurück und sind keine religiösen Fanatiker. Wir 1 1־ Sprechsaal ן— sciaruiscncn unu ucr tisuiKciMsiöUiui vjhuhiiuc *״* Haag. PSr dl« Mitteilungen an dieser Stelle Obemlmmt die Dann ergreift Nordau das Wort, von stürmischem Redaktion nur die pressgesetillchc Verantwortlichkeit. Beifall begrüsst, der zuerst in französischer Sprache auf