Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1907)
- Date
- 1907-08-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 342 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 33 werden in Asien so wenig Asiaten werden wie die | Briten in Nordamerika Rothäute. Wir wollen die moralisehen Qrcnzen Europas bis an den Euphrat vorrQckcn. Wir erstreben keine Ghettoabsonderung, sondern ein Leben unserer Eigenart gemäss. — Unsere Vaterlandsliebe wird nur von Angebern in Zweifel gezogen. Nicht der Antisemitismus hat den Zionismus geschaffen, sondern ein tiefes Bedürfnis nach normalen Bedingungen. Entweder müssen wir als Volk existierep — oder untergeben wollen. Wozu sonst uns erhalten? Trotz unserer Minderheit haben wir schon sehr viel geleistet, vor allem moralisch. Die Regierungen werden unsere Pläne beachten, wenn wir etwas sind, haben, können. Den Juden gegenüber werden die Grundsätze des Menschen- und Bürgerrechts verleugnet. Dag ege.n erhebe n w i r!:• i n e n Einspruch, d e n m a n a 1n w e n i g s t e 11 im Haag der Friedensk o n f c r c u z als platonisch a n s e h e 11 dar f. Die internationale Sittlichkeit rufen w i r a n. In i I! r c in N a m eil f o r d e r n w! r i ii r ein Volk von 12 Millionen ( j c r e : h t i g k e. i t. Ich zweifele nicht daran, dass wir die Einberufung einer diplomatischen Konferenz zur Regelung der Judenfrage erleben werden. In de.r Nachmittagssitzimg erstattet der Legitimalionsaussclmss seinen Bericht und beanstandet die Wahl in Glarus in der Schweiz. Sodann wird Mister Greenberg nachträglich als Beisitzer ins Präsidium gewählt. Nordau legt das Präsidium nieder, und wird auf seinen Wunsch statt dessen als Beisitzer hineingewälilt, so dass Wolifsolui jetzt der einzige Präsident und folgende Herren Beisitzer sind: Nordau, Bentwich, Bodenhcimer, Dr. M. Brande, Gcssler, Pineies, Rabb. Reines und I. Tctnkin. Dann spricht unter immer sich erneuerndem Beifall ein hervorragender Redner, der auf dem Kongress eine neue Erscheinung ist, Herr Klcerckooper, der Redakteur des Amsterdamer TELEGRAPH, der zuerst in holländischer, dann in hebräischer Sprache eine Ansprache hält. Sodann folgt der ausführliche Rechenschaftsbericht des Kölner Zentralbureaus, den Sokolow zur Verlesung bringt. Dann sprechen Dr. Nacht- Focsani, Dr. R e i c •1 - Lemberg, Dr. Ehren preis •Sofia zum Rechenschaftsbericht. Die Verhandlung dauert fort. Das Kongrcssburcau arbeitet heute gut und bemüht sich offensichtlich, soweit als möglich, reine Fehler wieder gut zu machen. Kleine Mitteilungen Liberale Ausdruckswetse. Der der Freisinnigen V e r e i 11 i g u n g angehörende Ahg. Potihoff wurde wegen Beleidigung der f ii r s 11 i e 11 w a Id cc k sch c 11 D omü 11 e 11 k a m me r zu 2!k1 Mark Geldslrafe verurteilt. Potlhof! hatte die Domäueiikammer dadurch Beleidigt, dass er sie als JudcukMiunicr bezeichnet hatte. Schade, dass Pott 11 off kein Jude ist. sonst wäre er als liberaler durchaus geeignet, in dein Vorstande oder Reprüsetitanz der Jüdischen Gemeinde Berlins eine führende Rolle zu spielen. Wien. Der NEUEN FREIEN PRESSE wird aus St. Moritz unter 31. Juli folgendes telegraphiert: (A u d i e 11z d e $ A b g e o r d n e t c n D r. M a h I e r h e i in Ürossherzog von Baden.) Der zionistische Abgeordnete Dozent Dr. Mahler wurde heute von dem Grossherzog von Baden in mehr als einstündiger Audienz empfangen. An die zionistischen Ortsgruppen und Vertrauensmänner! Im Namen des Kartells zionistischer Verbindungen (HasnK>naca־Berlin, Jordama-Berlin, Ivria-Frcibtirg) richtet Unterzeichnete an die Ortsgruppen und Vertrauensmänner die di Ingende Aufforderung, an untenstehende Adresse die Namen und näheren Angaben von jüdischen Akademikern und Abiturienten zu richten, welche im kommenden Semester die Universitäten Berlin. München oder Freiburg zu beziehen gedenken. Wir erlauben uns. hierbei auf den Beschluss des Hannoversehen Delegiertcntages lünzuweisen, welcher den zionistischen Organisationen zur Pflicht macht, das Kartell zionistischer Verhindungeii, als der offiziellen Vertretung der zionistischen Studentenschaft Deutschlands, nach Krüiten zu unterstützen. Mit zion. Student. Gruss Die b. t. dem K.7..V. präsidierende Verbindung ״Hasmonaea“. 1. A.: Hans I.c vy, cand. iur.. Berlin NW.. Klopstockstr. 9. Berlin. 1111 Fürsorgefielm für hliilose jüdische Kinder erteilt der leitende Arzt der Anstalt für junge Mädchen und Mütter einen theoretischen und praktischen Kursus über Pflege und Ernährung des gesunden und kranken Kindes mit bcsoliderer Berücksichtigung des Sauglingsalters. Meldungen und nähere Auskunft im Fürsorgelieim. Artilleriestr. 30 b. nachm. 3 •t l'lir. Für Sonnabend, den 17. August ist Dank der Bereitwilligkeit des Synagogalvorstaiidcs Vorsorge getroffen, dass die Kongressbesucher dem Gottesdienst beiwohnen können. Beim Aufruf zur Tliorah kann auch für den Nationalfoiids gespendet werden. In Imoiiany, Kreis Orseha. Gouvernement Mohilew, sind 5 Synagogen, das jüdische Lehrhaus. IN den Juden und 15 den Cliiisten gehörige Häuser, 70 Buden und die Monopollmdc. sowie ein Teil des Branntweins und des Geldes verbrannt. Eine junge Jüdin ist in den Flammen umgekotmnen. Einer der Brandstifter ist verhaftet worden. Prag. Die Abiturienten des T c t s c 11 e n c r G y in - na sin ms veranstalteten nach der Maturitätsprüfung einen Festabend, von welchem sie ihre jüdischen Kameraden;1 u s s c blosse 11. Mühlheim a. d. Ruhr. Am 2. August ist hier die neue Synagoge emgeweiht worden. Die Synagoge wurde nach einem Entwürfe von Prof. Kleesattel in Düsseldorf und unter Leitung des Architekten Franz Hagen von hier innerhalb zwei Jahren mit einem Kostenaufwand von über einer Vicrtelmilliou errichtet. Die Architektur des 35 m langen, 20 m. breiten 1!1!d 30 m lmhen Kuppelbaues leimt sich an den romanischen Stil an und erscheint als eine glückliche Vereinigung von Ueberlieicrung und neuzeitlichen Bestrebungen der Baukunst. Im ganzen enthält das Gebäude 550 Sitzplätze. Frelburg I. Br. Der ״Verein Jüdischer S t u d e n - ten in! B. J. C.“ an der Universität Freiburg kann wiederum mit hoher Befriedigung auf das verflossene Sommer-Semester zurückblicken. Die Seinesterantrittskneipe, bei der u. a. der Freiburger Synagogenrat, die U. O. B. B. Loge, die Verbindung im K. Z. V. Ivria, die Zionistische Ortsgruppe, der Jüdische Leseverein und der Strassburger Kartellvcrein vertreten waren, nahm einen glänzenden Verlauf, ebenso das Sommerfest in Bittenweilcr und die Scliliisskncipc im grossen Festsaale des Kolosseums. Besonders erfreulich war es für uns, bei unseren Veranstaltungen weiteste Kreise der hiesigen jiidisehen Akademiker und Bürgerschaft begriissen zu können. — Eine ausserordentlich grosse Aktivitos ermöglichte rege äussere wie innere Vercinsarbeit, So dass die Fuxen- und Biirschenprüfungeu recht befriedigende Ergebnisse hatten. Wir beteiligten uns au den Vorträgen der Zionistischen Ortsgruppe, veranstalteten in Gemeinschaft mit ihr und der Verhindutig im K. Z. V. Ivria einen Jungjndisehen Abend. Wir planen auch bereits für den Winter eine Reibe ähnlicher jiidiscb-literarischer Abende. Daneben ’ wurde mehrmals wöchentlich geturnt und gelochten, und durch häufige Ausfinge und Exbummel fröhliche Geselligkeit und persönliche Annüheruug unter den Bbr. Bbr. gefördert. — Wenn auch jetzt zum Winter eine grosse Anzahl unserer Mitglieder uns verlässt, um andere Universitäten aufzusuchcn, so wird doch unsere Korona im Winter wieder recht stattlich werden, so dass wir mit froher Zuversicht dem kommenden Semester entgegensehen können.