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Jüdische Rundschau · 1907-08-16 · Heft 33 (16.8.1907) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 33 (16.8.1907)
Date
1907-08-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 336 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. ai SQHEN. ARBEITER, dein Organ der österreichischen Poale Zion, u. a. folgendes: ״. . . . Es kann keine gesunde Kolonialpolitik sein, wenn man mir die palästinensischen Städte mit Juden anfüllt, auf dem Lande .aber im besten Falle nur eine Kategorie von Grossgrandbesitzern schafft. Es kann auch nicht den Zweck einer gesunden prolctarisehen Politik sein, cs geschehen zu lassen, dass zionistischerscits Mittel gesucht werden, um eine Klasse von Zwergbauern heranzuzüchten, die von ihrem Boden allein nicht leben können und darum noch arbeiten müssen auf dem Boden irgendeines benachbarten Giossgrundbcsitzcrs. (Vgl. den Artikel Dr. Heinrich Luc wes über Agudath Nethaim.) Wir können schon eine sozialistische Politik führen. Wir können verlangen, dass der Boden des Nationalfonds an Genossenschäften jüdischer Arbeiter in ewige Pacht vergeben werde. Die höhere Form des landwirtschaftlichen Betriebes, die sozialistische, bringt die Erdarbeit den modernen Produktionsarbeiten näher, au die wir gewöhnt sind, und macht den Uebcrgang von ״Schwitz“-Arbeitcr zum proletarischen Landarbeiter möglich . . .“ Das FRANKFURTER ISRAELITISCHE FAMILIENBLATT lasst sich über die Fragen des 8. Zionistenkongresses von einem russischen Delegierten schreiben: ,״ . . . Soviel steht schon jetzt fest, dass zu den Hauptpunkten dieses Pakistinnarbeitsprogranimes die Schaffung v 0 n I e i c h t z u g ä 11 g I i c 11 c in Kredit i ü r die v e r - s c 11 i e d e 11 s t c n Sphären der V o 1 k s w i r t; s c h a f t. ganz besonders aber für die Agrikultur, ferner die Organisierung und Konsolidierung des I 11 i0 r in a t i o!! s w es e 11 s gehören wird. Zur Lösung der brennenden Frage des Agrarkredits werden verschiedene Vorschläge gemacht. Einerseits wird die Gründung einer selbständigen Agrarbank, bei der auch die Gelder des Nationalfonös. selbstverständlich unter genügender Garantie, utilisiert werden sollen, vorgesehlagen: andererseits wird es als zweckmässiger erachtet, den Agrarfonds der Anglo Palestine Company anzugliedem. Der Kongress wird sich für diesen oder jenen Vorschlag zu entscheiden haben, wobei er. um das Selbstverständliche ein überflüssiges Mal zu betonen, den streng politischen und geschäftsmässigcn Charakter des Instituts schar! im Auge behalten und keinerlei philantropischc Gesichtspunkte und Motive mitspielen lassen wird. Ebenso wichtig ist auch die Frage des Informationswesens in Palästina.- Im Zusammenhänge mit der Frage der realen Arbeit in Palästina steht die Frage nach den gegenwärtigen Aufgaben der Jüdischen Kolonialbank. Dr. Pasmanik macht in einer der letzten Nummern des JÜDISCHEN VOLKES darauf aufmerksam, dass die finanzielle Rolle der Bank in London eine sehr geringe ist. Die Londoner Bank arbeitet mit enormen Geschäftsunkosten und sehr geringem Profit. Wenn sie trotzdem in der Lage ist. eine kleine Dividende zu zahlen, so ist dies lediglich darauf zurückzuführen. dass sie einerseits von der Anglo Palestinc Company 5 Prozent für ihre bei derselben angelegten Kapitalien bezieht, andererseits auch von den von ihr verwalteten Nationalfondsgeldern profitiert. Fremde Kapitalien sind der Londoner Bank nur in sehr geringem Masse anvertraut worden. Dagegen geniesst die Anglo Palestinc Company trotz der kurzen Zeit ihrer Existenz, das weitgehendste Vertrauen der palästinensischen Bevölkerung und verfügt über bedeutende auvertraute Summen. so dass sie jetzt schon nicht nur an die Londoner Bank die 5 Prozent Zinsen zu entrichten imstande ist, sondern noch darüber hinaus eine 2 prozentige Dividende an die Aktionäre zahlt. Es drängt sich nun von seihst die Frage auf. ob es nicht zweckmässiger wäre, den Schwerpunkt der Tätigkeit der Bank nach Palästina zu verlegen, den Wirkungskreis der existierenden Filialen zu erweitern und neue Filialen in allen bedeutenden Punkten Palästinas und Syriens und in Konstantiuopel zu eröffnen. Der Kongress wird sich des Ferneren mit der Orgaiiisationsfrage eingehend zu befassen haben.- Eine wichtige Zeit- und Streitfrage bildet gegenwärtig in zionistischen Kreisen die Frage der so genannten Gegenwartsarbeit in den G o l u s I ä 11 d e r n. namentlich der politischen Betätigung der Zionisten ..unter eigener Flagge*‘; eine Frage, die die Zionisten Russlands und Oesterreichs in zwei Lager teilt. Die Anhänger der Gegenwartsarbeit erblicken in dieser das Mittel, das jüdische Volk zu stärken und zu organisieren und die Kräfte ins Leben zu rufen, welche erforderlich sind für die Realisierung des zionistisehen Ideals, während die Gegner einer solchen Arbeit gegen diese geltend machen, dass sie die auch ohnehin nicht übermassig zahlreichen Zionisten von ihrer eigentlichen Aufgabe ablenkt, zur unnützen und dcinnialisicrctidcii Politikmacherei führt und einen verhängnisvollen inneren Dualismus in das zionistische Lager hineinträgt. Dieser Streit wird indes auf dem Kongress selbst nicht zum Ausgleich, ja wahrscheinlich nicht einmal zur Erörterung kommen. Und dies aus gutem Grunde. Die Frage der Gegenwartsarbeit gehört ihrer Natur nach nicht vor das Forum des Kongresses. Die ..Ocgenwarts* nrbcir variiert lokal und temporär zu sehr, als dass sich vom Kongresse aus in dieser Hinsicht gewisse für alle Landsmann, schalten bindende Normen testlegcn Messen. Der Streit über diesen Punkt wird sich daher lediglich und ausschliesslich im engeren Kreise der einzelnen Landsmannschaften abspielen und dürfte wohl das Um und Auf der vierten allrussischen 7.jonistenkontcrenz bilden, die II. 1,1. August d. J. in? Haag stattfinden wird. Hier werden sich Anhänger und Gegner der ..Helsingforser Plattform" gegenseitig eine rhetorische Schlacht liefern, und von den Resolutionen dieser Konferenz wird das ganze weitere politische Verhalten der russischen Zionisten bestimmt werden. Wenn wir noch die üblichen Fragen der Agitation mu! Propaganda erwähnen, die in diesem Jahre wohl mehr Anime,ksamkeit aut sich lenken werden, als es gewöhnlich 7.11 gcschehcn pflegt, so haben wir die wesentlichsten Punkte des nächsten Kongresses gestreift. Man sieht, es ist ein grosses Pensum Arbeit, das dieser Kongress zu bewältigen hat. und von dein Eifer und der Einsicht 11er Delegierten wird es abhängen, inwiefern seine Beratungen fruchtbringend sein und unser nationales Werk ein gut Stück weiter auf dem Wege zu seiner Verwirklichung bringen werden. Die Prager SELBSTWEIIR schreibt: Haag, die Stadt der Friedenskonferenz, wird im Monate August noch einen zweiten Kongress beherbergen, der der Friedenskonferenz, was die Vielheit der Herkunft der Delegierten anbelangt, nur wenig nachstehen dürfte. Die zionistisehe Weltorganisation wird vom H. bis 20. August •im Haag ihren achten Kongress abhalten. nachdem die bisherigen sieben Kongresse in Basel resp. London stattg.emmJcn haben. Fs dürfte bekannt sein, dass die zionistische!Bewegung, die die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina erstrebt, in den letzten Jahren ausserordentlich an äusserer Verbreitung und innerer Festigung gewonnen hat. Davon wird auch dieser Kongress Zeugnis ablegen, zu dem bis jetzt schon ca. 100־ Delegierte in allen Teilen der Welt gewählt sind. Mehr als 30 Delegierte kommen allein aus Amerika, aus Südafrika wird gleichfalls eine starke Delegation auf dem Kongress anwesend sein, Sibirien entsendet ebenso seine Vertreter wie das ferne Neuseeland. China ebenso wie Argentinien. Ausserordentlich bemerkenswert ist die starke Vertretung Russlands auf dem Kongresse, von wo trotz der herrschenden ganz ungewöhnlich grossen Schwierigkeiten mehr als 150 Delegierte zum Kongresse kommen dürften. Unter den bisher gewählten Delegierten befindet sich eine ganze Anzahl von Persönlichkeiten, die in ihren Ländern eine grosse Rolle nicht mir in der jüdischen Ocffentliclikeit spielen. So werden unter anderem die vier Mitglieder des Jüdischen Klubs des österreichischen Reichsrates als Delegierte auf dem Kongresse anwesend sein, des ferneren eine Reihe von ehemaligen Mitgliedern der ersten Duma. Eine besondere Eigentümlichkeit der Zionistenkongresse ist die lebhafte Anteilnahme der Oeffentlichkcit an ihren Verhandlungen, die sich vor allem in einer starken Galerie ausdriiekt. Auch in diesem Jahre werden viele Hunderte von Gästen aus allen Teilen der Erde auf dem Kon* gresse anwesend sein. In der STRASSBURGER ISRAELITISCHEN WOCHEN* SCHRIE“!' schreibt Dr. S. Weil: Der Zionistenkongress wird dieses Mal nicht wie früher in der Nähe unserer Heimat abgehnlten werden, und gar man* eher unserer engeren Landsleute, die hei den letzten Kongressen als Gäste oder gar Delegierte im gastlichen Basel weilten, werden es schmerzlich bedauern, dem Kongresse heuer ferne bleiben zu müssen. Die Stadt der Friedenskonferenz, der Haag, in der Nähe des fremdenreicheu Seehades Scheveningen, hat die zionisti* sehe Leitung als Tagungsort für üen Kongress bestimmt. Vom M. bis 20. August w ird da im ״Gebmiw׳ voor Knust en Weten* schappen*' das jüdische Parlament, das der sei. Dr. Hcrzl vor gerade 10 Jahren ins Lehen rief, seine Beratungen abhalten. In früheren Jahren erwartete man von den Zioriistenkongressen Ueberraschungen. wie wir sie ja auch z. B. auf dem 6. Kongiess erlebten. Heute verfolgt mau die• Debatten mit mehr Ruhe und — weniger Voreingenommenheit. Die Bewegung hat ihren grossen Führer verloren und ist damit in ein zweites Stadium ihrer Entwicklung eingetreten.

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